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Fremder im Dorf / Schwarzer Körper

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James Baldwin reist erstmals im Sommer 1951 nach Leukerbad, das, so denkt der Schriftsteller, wenig Ablenkung und somit optimale Voraussetzungen zum Schreiben bieten würde. Die sechshundert Menschen, die in dem von Bergen umringten Walliser Dorf leben, wo es kein Kino gibt und keine Bank, keine Bücherei und kein Theater, haben noch nie einen Schwarzen gesehen, die Kinder rufen ihm »N***r!« hinterher. Im Winter kehrt Baldwin noch zweimal zurück, schließt hier seinen ersten Roman ab und verfasst den Essay »Ein Fremder im Dorf«, der 1953 im Harper's Magazine erscheint. Ausgehend von der Erfahrung, der einzige Schwarze in einem ausschließlich von Weißen bewohnten Dorf zu sein, schreibt Baldwin über Rassismus und die Geschichte weißer Vorherrschaft. Mehr als sechzig Jahre später, im Sommer 2014, reist Teju Cole nach Leukerbad, Baldwins Essay im Gepäck. In »Schwarzer Körper« tritt Cole mit Baldwin in den Dialog. Sind die älteren Menschen, denen er auf der Straße begegnet, die Kinder von damals? Das Dorf ist gewachsen. Cole ist kein »staunenswerter Anblick«, ist nicht häufiger verstohlenen Blicken ausgesetzt als in Zürich oder New York. Sechzig Jahre trennen die beiden Autoren, ein Ort führt sie zusammen, und obwohl sich die Dinge geändert haben, besteht der Rassismus fort.

46 pages, Kindle Edition

Published May 23, 2024

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About the author

James Baldwin

390 books17k followers
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Works of American writer James Arthur Baldwin, outspoken critic of racism, include Go Tell It on the Mountain (1953), a novel, and Notes of a Native Son (1955), a collection of essays.

James Arthur Baldwin authored plays and poems in society.

He came as the eldest of nine children; his stepfather served as a minister. At 14 years of age in 1938, Baldwin preached at the small fireside Pentecostal church in Harlem. From religion in the early 1940s, he transferred his faith to literature with the still evident impassioned cadences of black churches. From 1948, Baldwin made his home primarily in the south of France but often returned to the United States of America to lecture or to teach.

In his Giovanni's Room, a white American expatriate must come to terms with his homosexuality. In 1957, he began spending half of each year in city of New York.

James Baldwin offered a vital literary voice during the era of civil rights activism in the 1950s and 1960s.
He first partially autobiographically accounted his youth. His influential Nobody Knows My Name and The Fire Next Time informed a large white audience. Another Country talks about gay sexual tensions among intellectuals of New York. Segments of the black nationalist community savaged his gay themes. Eldridge Cleaver of the Black Panthers stated the Baldwin displayed an "agonizing, total hatred of blacks." People produced Blues for Mister Charlie , play of Baldwin, in 1964. Huey Newton, co-founder of the Black Panther Party, defended Baldwin.

Going to Meet the Man and Tell Me How Long the Train's Been Gone provided powerful descriptions. He as an openly gay man increasingly in condemned discrimination against lesbian persons.

From stomach cancer, Baldwin died in Saint-Paul-de-Vence, France. People buried his body at the Ferncliff cemetery in Hartsdale near city of New York.

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August 11, 2024
Teju Cole, geboren 1975 in den USA, wuchs in Nigeria auf und kehrte zum Studieren in die USA zurück. Der Schriftsteller, Kunsthistoriker und Fotograf lebt heute in New York, lehrt dort als Distinguished Writer in Residence am Bard College, schreibt für verschiedene Zeitschriften und ist Fotografie-Kritiker beim „New York Time Magazine“.

Teju Cole folgt einer Einladung in das Schweizer Bergdorf Leukerbad, wo der US-Autor James Baldwin seinen ersten Roman beendete. 60 Jahre später begibt sich Cole auf Baldwins Spuren und geht dessen Erfahrungen als erster Schwarzer im Essay „Fremder im Dorf“ nach.

Anders als für Baldwin sind für Teju Cole amerikanische Identität und europäische Kultur keine Gegensätze mehr. Cole definiert sich als Weltbürger. „Ich nenne das alles mit Freuden mein. (…) Ich kann gegen weiße Vorherrschaft sein und mich trotzdem für die gotische Baukunst begeistern.“ Cole arbeitet Unterschiede und neue Denkansätze für die Gegenwart heraus.
„Die gleiche schwelende Wut über Rassismus im Leib“
Ob er Baldwins schonungslose Analyse über Rassismus und weiße Vorherrschaft in ihren Schlussfolgerungen teilen kann, ist Gegenstand seines Besuchs vor Ort in Leukerbad, das heute ein stolzes Kurbad mit internationalen Gästen ist. „Und doch verstehe ich, der ich fast ein halbes Jahrhundert nach Baldwin in den USA geboren wurde, was ihn bewegte, denn ich habe die gleiche schwelende Wut über Rassismus im Leib.“

Dann beginnt Cole zu überlegen, was ihn mit Baldwin einerseits verbindet und was sie andererseits trennt. Seine Gedanken bringen ihn zum Verhältnis von afroamerikanischen und „weißen“ Kulturleistungen, er registriert, wie Baldwin sich seinerzeit noch von der weißen Kultur ausgeschlossen fühlte, während Cole nüchtern festhält: „Ich kann gegen weiße Vorherrschaft sein und mich trotzdem für die gotische Baukunst begeistern.“ Zugleich ist er sich völlig im Klaren darüber, dass er von Weißen zuallererst als „schwarzer Körper“ wahrgenommen wird. Ob in der Pizzeria in Leukerbad oder in New York.

Seinen Essay „Fremder im Dorf“ schrieb James Baldwin 1955 in Leukerbad. Die Mutter seines Freundes hatte ihm ihr dortiges Chalet zur Verfügung gestellt. Mit einer Schreibmaschine im Gepäck zog der schwarze New Yorker mit Pariser Adresse in das Thermalbad: „Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, hatte vor mir kein schwarzer Mann dieses kleine Dorf in der Schweiz jemals betreten.“ So beginnt Baldwin seinen Essay, der vor zehn Jahren erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Der Essay hat manche Autoren, Künstlerinnen und Wissenschaft­lerinnen, wie auch Teju Cole veranlasst, den beschwerlichen Weg nach Leukerbad auf sich zu nehmen oder darüber nachzudenken, ob dieser Ort, dieses Haus und das, was einst darin entstand, heute immer noch so viel zu bedeuten haben wie damals, als ein junger James Baldwin mit Norwegerpulli, Zigarette und erhobenem Haupt durch die Gassen ging, die Treppen in die enge Wohnung eines Freundes hochstieg und dort die ersten Worte seines Essays in die Schreib­maschine hämmerte.

Das Nachdenken im Schweizer Dorf über den Zorn und Hass, die Überlegenheit einer (weißen) Mehrheit und ihre Furcht, Privilegien und Status zu verlieren, führen James Baldwin zurück in seine Heimatstadt New York und seine Existenz als schwarzer Bürger der USA. „Die Wurzel des amerikanischen Rassenproblems liegt in der Notwendigkeit, dass der weiße Amerikaner eine Möglichkeit finden muss, mit den Schwarzen zusammenzuleben, um mit sich selbst zusammenleben zu können. (…) Das daraus resultierende Spektakel, albern und schrecklich zugleich, veranlasst jemanden zu dem durchaus zutreffenden Ausspruch, Schwarzer in Amerika sei eine Form von Wahnsinn, die den Weißen ereilt“. Wem fielen bei diesem Bild nicht die Erstürmung des Kapitols oder polizeiliche Jagdszenen gegen unbewaffnete Schwarze ein. Und so schreibt denn auch James Baldwin vor über einem halben Jahrhundert: „In dieser langen Schlacht, die noch keineswegs beendet ist und deren unvorhersehbare Folge noch vielen zukünftigen Generationen zu schaffen machen werden, ging es dem weißen Mann darum, seine Identität zu schützen; der Schwarze hingegen musste sich seine Identität erst schaffen.“

Diese Kämpfe um Identität sind weder in den USA noch in Europa abgeschlossen, entfachen immer wieder Wut und Zorn, auch Radikalitäten und geschichtslose Ausgrenzungen, wie die Forderung schwarzer Studierender, weiße europäische Denker von Platon bis Kant aus universitären Lehrplänen zu streichen. Im Schweizer Dorf Leukerbad hoffte James Baldwin damals auf einen neuen Schwarzen und einen neuen Weißen. „Vielleicht erweist sich diese Erfahrung eines Nebeneinanders von Schwarz und Weiß eines Tages als unentbehrlicher Wert in der Welt, vor der wir heute stehen. Eine Welt, die nicht mehr weiß ist und es nie wieder sein wird.“
Was für ein Schlusssatz.
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939 reviews41 followers
November 27, 2025
Zwei Essays über das Schwarzsein im Kleinen (Dorf in der Schweiz) und im Großen (Amerika). Während James Baldwin sich nach dem beschaulichen Beginn in Rage schreibt, analysiert Cole die Situation und das Vorgängeressay etwas nüchterner. Gerade den Austausch zwischen beiden Texten fand ich sehr aufschlussreich.
50 reviews
August 26, 2024
Fremder im Dorf:
Aus dem Klappentext: eine hochdifferenzierte Analyse über Rassismus...

Diese Analyse entstand als James Baldwin nach Leukerbad geht und der erste Schwarze ist, den die Einwohner dieses Dorfes sehen.
Der Text ist recht anspruchsvoll, besteht aus vielen Schachtelsätzen und liest sich nicht einfach so weg.
Ich musste mir mache Sätze laut vorlesen, um mich auf den Text zu konzentrieren. Um den Inhalt und die Aussage dieses Textes aufzunehemen und zu verarbeiten, werde ich dieses Büchlein noch ein paarmal lesen müssen.
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