Briefe von morgen, die wir gern gestern schon gelesen hätten von Timur Vermes
Satirisch und pointiert aber irgendwie auch zäh. Briefe von morgen will eine Gesellschaftsanalyse im Briefform-Experiment sein, durchzogen von Sarkasmus, Alltagsbeobachtung und politischen Spitzen. Die Idee, über fiktive Leserbriefe aus der Zukunft auf unsere Gegenwart zu blicken, fand ich anfangs clever. Aber der Funke ist bei mir nicht ganz übergesprungen.
Besonders war sicher das Format: Die Briefe sind mal bissig, mal absurd, manchmal fast prophetisch aber selten wirklich berührend. Es bleibt ein intellektuelles Spiel, kein emotionales. Genau das hat mir gefehlt: eine stärkere Verbindung zu den Menschen hinter den Zeilen, mehr als nur Reflexionen auf Missstände.
Meine ehrliche Meinung? Das Buch wirkt auf mich streckenweise wie eine zu lang geratene Kolumne. Wortgewandt, ja. Kritisch auch. Aber zwischen Ironie und Moral fehlt mir oft das Gefühl. Ich hatte das Bedürfnis, weiterzulesen aber nicht unbedingt das Verlangen. Es bleibt klug, aber kühl.
★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)