Der Mann aus der Flut von Martin Krüger ist ein fesselnder Roman, der sich erst ganz gemütlich anschleicht, dann unvermittelt unglaublich Fahrt aufnimmt und einen von einem Mysterium ins nächste mitreißt.
Aber eins nach dem anderen..
Fria Nordström, Kommissarin, wechselt vom Landeskriminalamt in Hamburg nach Sylt, nachdem sie dort ein Haus geerbt hat. Obwohl man auf Sylt mi einem etwas beschaulicherem Leben rechnet, kommt es gleich am ersten Tag zu einem Mordfall. Ein Ur-Sylter, den man sich mit Pfeife im Mund beim Fischernetze reparieren auf einem Fass Fische hockend vorstellen kann, wurde kaltblütig erschlagen und dann aufgehängt. Leider bleibt es nicht bei diesem einem Fall, innerhalb kürzester Zeit passieren mehrere Morde, die trotz unterschiedlichster Tathergänge miteinander in Verbindung zu stehen scheinen, zudem wird ein schwer verletzter Mann nachts an Land gespült, der jedoch sein Gedächtnis verloren hat.
Ich bin ganz ehrlich, bei Lokalkrimis erwarte ich normalerweise, dass die Story so dahinplätschert und es viele Beschreibungen der regionalen Landschaft, Leute, und Gebräuche gibt während vielleicht ein Mord gelöst wird. Da war ich bei diesem Buch aber GANZ schief gewickelt. Zwar wird gelegentlich auf die sandigen Dünen verwiesen, aber hier steht ganz klar der Fall im Vordergrund. Ich will gar nicht zu viel verraten, aber dieser Fall ist so außergewöhnlich, mir fällt gar kein Buch ein mit dem ich ihn vergleichen könnte. Immer wenn man nicht damit rechnet kommt direkt ein neues Problem oder ein Plottwist auf die Ermittler:innen zu, sei es eine vermisste Studentin, ein wahnsinniger Auftragskiller, ein Kind als Zeuge, ein vor Jahren gestohlener Wikingerschatz, ein Maulwurf bei der Polizei, ein Schrottplatzbesitzer der sich für Geld gerne die Finger schmutzig macht.. Hier ist wirklich für jeden Geschmack was dabei.
Zwar wirken einige Handlungen etwas hanebüchen und man fragt sich wieso bei einer solchen Mordserie nicht längst Unterstützung vom Festland dabei ist, aber wenn man sich auf die Geschichte einlässt vergehen solche Gedanken schnell.
Der Schreibstil ist durchweg sehr angenehm, das Buch lässt sich leicht und zügig durchlesen. Der Spannungsaufbau gelingt, es bleibt durchweg interessant und auch weil ich am Anfang mit falschen Vorstellungen an das Buch herangegangen bin hat mich das Buch sehr positiv überrascht.
Mein Hauptkritikpunkt wäre der Titel des Buches. Es gibt zwar einen Mann, der vom Meer angespült wird, er spielt jedoch in diesem Buch nur eine Nebenrolle. Ich gehe davon aus, dass es in naher Zukunft einen zweiten Band geben wird, bei dem er vielleicht mehr in den Vordergrund gerät, aber aktuell finde ich den Titel etwas unpassend gewählt.
Es ist meiner Meinung nach einer der besseren deutschsprachigen Romane seines Genres der letzten Jahre. Deshalb gibt es von mir 5 von 5 Sternen für ungebrochenes Lesevergnügen. Es ist sicherlich keine Hochliteratur, aber mit diesem Buch ist man zwei oder drei Abende sehr gut unterhalten. Ich empfehle dazu einen Sessel am Fenster, warme Socken, einen heißen Tee oder Kakao mit einem Schuss Rum und nach Möglichkeit einen schlafenden Hund an den Füßen.
Ich freue mich auf eine Weiterführung der Geschichte!
Disclaimer:
Vielen Dank an Edition M für die Bereitstellung dieses kostenfreien Rezensionsexemplars via NetGalley. Die geäußerte Meinung ist ausschließlich meine eigene.
#DerMannausderFlut #NetGalleyDE