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Thomas Mann #1

Gefährliche Betrachtungen: Der Fall Thomas Mann. Kriminalroman (Thomas-Mann-Romane)

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Zum Jubiläumsjahr des großen Autors und Literatur-Nobelpreisträ Ein historischer Kriminalroman, der Thomas Mann auf noch nie gelesene Weise lebendig werden lässt.

Der Dichter hatte sich vom Strandkorb erhoben und die Jagdszenen beobachtet. Als ich im bescheidenen Triumph die Arme mit den aufgefangenen, zerknitterten Blättern hob, schlug er sich auf die Oberschenkel und klatschte dann in die Hände.

"Ganz vortrefflich!", rief er, und mir ging das Herz auf.

Eine schillernde Hommage an Thomas Mann und eine spannende Erzählung über Mut, Freundschaft und die Kraft der Literatur, die Welt zu verändern. Ein Roman, der die Grenzen zwischen historischer Wahrheit und dichterischer Erfindung kunstvoll und spielerisch verschwimmen lässt.

Nidden im Sommer 1930, ostpreußisches Fischerdorf und Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung, einem archaischen Landstrich zwischen wilder Ostsee und stiller Lagune. An dieser weißen Küste "so schön geschwungen, dass man glauben könnte, in Nordafrika zu sein", landet im Juli 1930 Thomas Mann mit Familie, um das neue Sommerhaus zu beziehen. Daheim in Deutschland droht nach der Auflösung des Reichstags das Ende der Weimarer Republik, und der tief beunruhigte Dichter arbeitet im Bademantel im Schatten seines Strandkorbes heimlich an einer großen Rede, mit der er das deutsche Volk vor dem erstarkenden Nationalsozialismus warnen will. Da kreuzen sich unter außergewöhnlichen Umständen die Wege des weltberühmten Dichters und des jungen litauischen Übersetzers Žydrūnas Miuleris, den Mann hartnäckig und eingedeutscht Müller nennt. Und es ist dieser Müller der den Dichter in größte Schwierigkeiten bringt, als er das Manuskript der brisanten Rede verliert. Die Suche danach scheint weitere rätselhafte Ereignisse in Gang zu bringen. Thomas Mann fühlt sich verfolgt und beobachtet und ein Mitglied seines Hausstandes verschwindet spurlos. Der Dichter und sein Übersetzer sehen sich einem ebenso seltsamen wie aufregenden Fall gegenüber. Zwischen Wanderdünen und Wald, umgeben von exzentrischen Künstlern, stoischen Fischern und neugierigen Kurgästen müssen Mann und Müller alles daransetzen, die Abschriften wiederzuerlangen, bevor sie in die falschen Hände geraten.

Mit diesem historischen Kriminalroman um das nicht ganz freiwillige Ermittler-Duo Mann und Müller setzt Tilo Eckardt einem der größten Erzähler des 20. Jahrhunderts ein ganz besonderes literarisches Denkmal. Die beginnende Zeit des Nationalsozialismus wird ebenso lebendig wie der bis heute gefeierte und geliebte Schriftsteller.

305 pages, Kindle Edition

Published November 4, 2024

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Tilo Eckardt

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Displaying 1 - 17 of 17 reviews
Profile Image for Wal.li.
2,638 reviews73 followers
November 7, 2024
Mann und Müller

Im Jahr 1930 reist der junge Übersetzer Žydrūnas Miuleris nach Nidden auf der Kurischen Nehrung. Er hofft dort auf sein Idol Thomas Mann zu treffen, der für seinen Roman „Die Buddenbrooks“ den Literaturnobelpreis erhalten hat. Miuleris größter Wunsch ist es den großen Roman ins Litauische zu übersetzen. Während eines Strandaufenthaltes hat er Glück, ein paar Seiten eines Schriftstücks einzufangen, dass der Wind aus den Händen Manns davongetragen hat. Er memoriert einen Teil des Geschriebenen, in dem Thomas Mann seine Meinung zur politischen Lage und der herandrohenden Naziherrschaft kundtut. So kommt Miuleris mit Mann in Kontakt und ahnt nicht, was sich aus der kleinen Begegnung entwickeln wird.

Zum 150. Geburtstag des Schriftstellers Thomas Mann erscheint dieser historische Kriminalroman. Die kritischen Blätter, von denen Miuleris, der von Mann nur Müller genannt wird, ein Faksimile angefertigt hat, führen dazu, dass die beiden unterschiedlichen Herren, ihre spontane Detektei Mann und Müller gründen. Müller hat das Pech sein Faksimile zu verlieren, wegen seines brisanten Inhalts, kann es gefährlich sein, wenn es an die Öffentlichkeit gelangt. Und so unternehmen Mann und Müller so einiges, um wieder in den Besitz des Schriftstücks zu kommen. Dabei erfahren sie das ein oder andere über ihre Persönlichkeiten und Vorlieben.

Ist man mit dem Werk Thomas Manns bekannt ist, aber nicht so sehr mit dem Autor, bietet dieser Roman eine tolle Gelegenheit, dem Nobelpreisträger ein wenig näher zu kommen. Mit großem Interesse liest man von der Sommerfrische, von den Gedanken Thomas Manns zur politischen Lage und von seinen Familienleben. Gleichzeitig lernt man den jungen Übersetzer kennen, der nicht nur des Schriftstellers wegen nach Nidden gereist ist. Es ergibt sich eine sehr ansprechende Handlung, die spannender ist als erwartet, die einen berührt und einen zum Nachdenken bringt. Vielleicht hat man nicht viele Erwartungen an das Buch, diese werden bei weitem übertroffen durch diesen intelligenten Roman, den es sich zu lesen lohnt.

Da Titelbild gibt die Stimmung des Romans sehr gut wieder, man denkt ein wenig an den großen Romantiker Caspar David Friedrich, aber auch an die im Roman erwähnten Strandspaziergänge des Schriftstellers Thomas Mann.

4,5 Sterne
10 reviews
March 17, 2025
Thomas Mann als ein Teil eines Ermittlerduos, kann das funktionieren? Es kann! Der Roman spielt in Nidden, wo der "notorische Villenbesitzer" sich ein Ferienhaus gebaut hat. Gemeinsam mit seinem Übersetzer versucht er an entwendete Papiere zu gelangen.
Eckardt gelingt es dabei ungemein komisch die Manierismen Manns zu schildern.
Profile Image for Chaoskuss.
15 reviews
May 13, 2025
Wer in Deutschland Abitur macht, der kommt an Thomas Mann (und auch seinem Bruder Heinrich), nicht vorbei. So ging es auch mir. Ich habe damals "Mario und der Zauberer" gelesen und war hin und weg.
Ich weiß nicht genau, was ich von dem Buch erwartet habe, als ich es kaufte, aber alle Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.

Das Leben des Thomas Manns hat einiges an Tragik. Vom gefeierten Nobelpreisautor, der seine Homlsexualität verdrängt, zum Exilanten erst in der Schweiz, dann in den USA, der sich in "Deutsche Hörer!" vehement gegen den Faschismus wehrt, später resigniert und, als Verräter gebrandmarkt, nach Europa zurückkehrt und für immer im zwiespältigen Verhältnis zu seiner Heimat steht.
"Gefährliche Betrachtungen" hat den drohenden Schatten des Nationalsozialismus perfekt eingefangen und es gleichzeitig geschafft, großartigen Humor zu verwirklichen. Ich habe SO oft laut aufgelacht.
Der Stil des Autors (und der des Erzählers ;D) ist wundervoll. Man fühlt sich wirklich an die Sprache der Klassiker aus der damaligen Zeit erinnert.

Und Zydrunas... Ich habe diesen Mann ins Herz geschlossen. Manchmal stellt er sich fürchterlich dumm an, aber er ist so liebenswürdig, man kann es ihm nicht übernehmen. Ebenfalls sind mir Frau Brühl, Dalar und unser lieber Ludwig ans Herz gewachsen.

Ich bin für Thomas Mann gekommen, aber wegen Zydrunas Mulieris geblieben.
Profile Image for Buchbesprechung.
226 reviews23 followers
November 30, 2024
REZENSION – Bekannte Autoren legendärer Klassiker heute in Kriminalromanen als Ermittler auftreten zu lassen, ist nicht neu. Schon seit 2015 lässt Tilman Spreckelsen in seinen Theodor-Storm-Krimis den noch unbekannten Husumer Rechtsanwalt als Detektiv tätig werden. Auch der junge Offiziersschüler Edgar Allan Poe muss im Roman „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ (2022) von US-Autor Louis Bayard in einem Mordfall ermitteln. Anlässlich des bevorstehenden 150. Geburtsjahres von Thomas Mann (1875-1955) hat nun der deutsch-schweizerische Schriftsteller und frühere Verleger Tilo Eckardt in seinem im November beim Droemer Verlag erschienenen Roman „Gefährliche Betrachtungen“ den deutschen Nobelpreisträger „aus dem Elfenbeinturm der Literatur in den Sand und den Wald der Kurischen Nehrung“ heruntergeholt, wie der Autor im Nachwort erklärt, und ihn zum Ermittler in eigener Sache gemacht. „Ich wollte mir den lebendigen Thomas Mann vorstellen.“
Für seine Recherchen war Eckardt von zwei Stiftungen für zwei Monate ins litauische Nida eingeladen worden. In seinem Roman, einer Mischung aus im Nachwort erläuterten Fakten und reiner Fiktion, lässt er nun seine Figur des inzwischen über 100-jährigen litauischen Übersetzers Žydrūnas Miuleris als Erzähler die angeblichen Ereignisse im August 1930 im ehemals ostpreußischen, seit 1923 litauischen Fischer- und Künstlerdorf Nidden schildern, wo der gerade im Vorjahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Thomas Mann sein für 200 000 Reichmark erbautes Sommerhaus mit Ehefrau Katia und den jüngsten Kindern Michael und Elisabeth bezogen hat. Der damals erst 20-jährige Miuleris will sich dem verehrten Dichter als Übersetzer des Romans „Buddenbrooks“ andienen.
Im Laufe des Geschehens kommt es durch die Ungeschicklichkeit von Miuleris zum Diebstahl einiger Blätter mit der Abschrift brisanter Notizen, die sich Thomas Mann als Entwurf für eine geplante politische Rede gemacht hatte. Mann und dem jungen Litauer muss es nun gelingen, diese Abschriften schnellstmöglich wiederzubekommen, bevor sie in die Hände möglicher Nazi-Sympathisanten geraten. Dass Mann seine „Deutsche Ansprache“ tatsächlich am 17. Oktober in Berlin als Reaktion auf die Reichstagswahlen im September gehalten hat, ist Tatsache. Die angebliche Vorgeschichte in Nidden ist dagegen reine Fiktion, wie Erzähler Miuleris betont: „Für die Behauptungen, die ich in diesem Buch aufstelle, gibt es nicht die geringsten Beweise.“
Tilo Eckardts Roman „Gefährliche Betrachtungen“ über den Diebstahl der Abschrift und dessen Aufklärung durch den Nobelpreisträger, der sich selbst gern in der Rolle von Sherlock Holmes sieht, sowie den jungen Litauer, den Mann zu seinem Dr. Watson erklärt, ist trotz seiner Kennzeichnung als Kriminalroman leider recht harmlos und keineswegs spannend, sondern lässt seine Leser allenfalls aufgrund einiger Szenen und der naiven Tolpatschigkeit und Unerfahrenheit des 20-jährigen Miuleris eher schmunzeln.
Interessanter ist der im Nachwort von Eckardt beschriebene historische Hintergrund: Es ist die Zeit zwischen der Auflösung des Reichstags und der bevorstehenden Neuwahl im September 1930, die Zeit des Erstarkens der Nazis, vor deren Machtübernahme Thomas Mann das deutsche Volk in einem Essay oder einer Rede warnen will. So sagt Mann im Roman: „In meiner Heimatstadt Lübeck waren sie im letzten November nur leidlich erfolgreich mit gut acht Prozent der Stimmen. Im Dezember in Thüringen bekamen sie schon über zehn Prozent. Und bei den letzten Landtagswahlen in Sachsen errangen sie sogar fünfzehn Prozent der Stimmen und sind damit die zweitstärkste Partei.“ Und an anderer Stelle heißt es: „Was auch immer im September geschieht, die Gefahr, dass mein geliebtes Deutschland sich freiwillig der Barbarei ausliefert, wird auf Jahre hinaus nicht gebannt sein.“ Nach der Reichstagswahl im September bildeten die Nazis die zweitstärkste Fraktion nach den Sozialdemokraten. Manns öffentliche Warnung an das deutsche Volk vor bald 95 Jahren scheint heute wieder an Aktualität zu gewinnen.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Roman „Gefährliche Betrachtungen“, dem im nächsten Mai „Unheimliche Gesellschaft“ als zweiter Band folgen soll, ein harmloser, durchaus netter Unterhaltungsroman ist, dem es aber leider an Spannung und dessen Figuren es an Tiefe fehlt. Der Roman könnte allerdings eine Anregung sein, sich mit dem in seinen Reden und Essays politisch aktiven Thomas Mann näher zu befassen. Hierfür eignet sich das zeitgleich mit Eckardts Roman im November veröffentlichte Buch „Was gut ist und was böse. Thomas Mann als politischer Aktivist“ des ausgewiesenen Mann-Experten Kai Sina.
106 reviews
November 24, 2024
Ein Roman über einen Titanen der deutschen und Weltliteratur
Thomas Mann, der Grandseigneur der deutschen Literatur ist 1930 schon der große berühmte und bekannte Autor. Auch in Litauen, an der kurischen Nehrung (ehemals Memelland), folgt ihm sein Ruhm. Ein junger Übersetzer, Zydrünas Miuleris möchte Thomas Manns Werke ins Litauische übersetzen und benötigt hierfür die Einwilligung des Autors. Aber wie soll Miuleris mit dem großen Autor in Kontakt treten, wenn Thomas Mann zurückgezogen lebt, die Öffentlichkeit scheut und jeden Kontakt nach außen ablehnt? Miuleris kommt der Wind zu Hilfe. Am Strand, in einem Strandkorb sitzt Thomas Mann nd liest einige Papiere durch, als ein Windstoß und spielende Kinder ihm die Papiere aus der Hand reißen. Sofort eilt Miuleris zu Hilfe, fängt die Papiere ein, wirft einen Blick darauf und überreicht sie Thomas Mann. So kommen sie ins Gespräch und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Das Memelland hat eine verzwickte historische Entwicklung im 20. Jahrhundert durchgemacht. Nach dem 1. Weltkrieg wurde es von Deutschland - Ostpreußen getrennt, war kurzzeitig unter französischen Protektorat, wurde von Litauen unter nicht ganz geklärten Umständen annektiert, dann 1939 wieder an das Deutsche Reich zurückgegeben, um danach von der Sowjetunion samt Litauen eingenommen zu werden. Doch das Jahr der Handlung im Roman ist 1930. Die Kurische Nehrung gehört offiziell zu Litauen, das Gebiet ist zweisprachig, viele Deutsche kommen her in die Sommerfrische, lassen sich da Häuser bauen, Der Tourismus blüht. Familie Mann hat sich da auch ein Haus bauen lassen und verbringt den Sommer am Strand. Die deutsche Grenze ist nicht weit. Immer wieder kommen Gruppen “national gesinnter aufrechter Deutscher” an den Memelstrand, um Stärke zu zeigen. Der Anführer solch einer Gruppe versucht, sich Thomas Mann anzubiedern, der ihn abblitzen lässt.
Mit lauter interessanten Verwicklungen entwickelt sich das Buch auch zu einem Krimi. Wir wissen, wer der Getötete ist, und wer der Täter ist, jedoch empfinden wir Mitleid mit dem unfreiwilligen Täter und nicht mit dem Opfer.
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Zydrünas Miuleris erzählt, im hohen Alter. Sein Enkel hat ihm die Handhabung eines Computers erklärt und Miuleris schreibt nun seine Memoiren auf.
Wunderschöner Roman, der, die Leser in seinen Bann zieht. Er lässt die Atmosphäre des Sommers 1930 wieder auferstehen, als die Großdeutsche Politik noch nicht unabwendbar schien, die Sonne strahlte, das Leben so leicht und lebenswert schien.
Der Stil ist leicht umständlich, aber die litauische Sprache und die damalige Zeit waren eben so. Den Geist jener Zeit hat Tilo Eckardt unnachahmlich treffend eingefangen. Die ganze Atmosphäre versetzt den Leser in die Vergangenheit. Eine Vergangenheit in der Männer Ganzkörperbadeanzüge trugen, Thomas Mann an den Strand geht mit einem Bademantel und Strümpfen mit Strumpfhalter bekleidet.
Was mich beeindruckt hat, wenn Thomas Mann spricht, glaubt man ihn zu hören. All seine Worte und Sätze könnten aus einem seiner Romane stammen, Der Zauberberg oder Dr. Faustus oder Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. So sagt Thomas Mann: “Ein Politiker ist dem Volk verpflichtet, ich als Künstler nur dem freien Gedanken. Aber wenn sich eine pöbelnde Bewegung anschickt, diesen johlend zu zertrampeln, dann treten außergewöhnliche Umstände ein, die mich zwingen, meine natürlichen Hemmungen zu überwinden. Dieses völkische Geschwätz verbreiten inzwischen bereits unwidersprochen Mitglieder der Akademie in Berlin.” (S. 114)
Miuleris’ Betrachtungen sind seine eigenen: “Diese Tage sind mir wahrhaftig als ein Auf und Ab der Gefühle in Erinnerung geblieben. Der stille Stolz während des Spaziergangs mit dem Dichter, gefolgt von der Scham, über den Verlust der Blätter. Die kindliche Abenteuerlust bei der Beschattung von Hofreiter, schließlich die Ernüchterung nach der Konfrontation mit Pfaffenkogel” (S. 112)
Das Buch zu lesen bereitet Freude auf jeder einzelnen Seite.
503 reviews2 followers
November 23, 2024
Zydrunas Miuleris ist ein junger Übersetzer, der im Sommer 1930 nach Nidden fährt, um sein Idol Thomas Mann zu treffen. Er möchte gerne die Werke Manns ins litauische übersetzen. Es ist für ihn sehr schwierig an den urlaubenden Thomas Mann heranzukommen, da dieser als sehr verschlossen gilt. Eines Tages geht er zum Strand und dort trifft er auf den Dichter, der mit seiner Familie dort in der Sommerfrische weilt. Er setzt sich zu ihm und es gelingt dem jungen Miuleris die Aufmerksamkeit des Schriftstellers auf sich zu ziehen. Thomas Mann arbeitet gerade an einer Rede, als ein Windstoß die Papiere ihm aus der Hand blies. Zydrunas konnte die Papiere auffangen und dem Eigentümer zurückgeben. Die beiden verabredeten sich am nächsten Morgen zu einem Spaziergang. Abends schrieb der Übersetzer eine Abschrift der Rede Manns nieder, denn er hatte ein photographisches Gedächtnis. Abends ging der junge Mann zu Blode in den Dorfkrug, um seine angebetet Dalia zu treffen, die dort kellnerte. Nachdem er einigen Biere getrunken hatte, fand er sich am nächsten Morgen in der Pension der Frau Bryl wieder. Doch das Manuskript, das er von der Rede angefertigt hatte, war verschwunden. Beim Spaziergang beichtete der junge Mann dem Dichter das Malheur und sie machten sich an die Arbeit die verlorene Rede wieder zu finden,
„Gefährliche Betrachtungen“ von Tilo Eckardt, der Fall Thomas Mann ist ein sehr spezieller Kriminalroman. Der Leser reist dabei in das Jahr 1930 und auf die wunderschöne Kurische Nehrung in den Ort Nidden. Dieses Szenarium wird schon auf dem Cover dargestellt. Ein einsamer Mann am Strand der Nehrung, ist ein sehr symbolisches Bild für diesen Roman. Es ist ein Roman aus der Sicht des litauischen Übersetzers Zydrunsa Miuleris, der in seinem ca. 100 Lebensjahr auf diese Zeit seines Lebens zurückblickt. Das ist ein sehr spezieller Blick, denn es geht um den Schriftsteller Thomas Mann, der in Nidden seine Sommerfrische verlebt und dabei arbeitet. Zu dieser Zeit halten sich sehr viele Künstler in dem Ort auf und auch die beginnende Nazi Zeit wirft seinen Schatten auf diese Begegnung. Der Übersetzer ist ein junger Mann, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Thoas Manns Bücher zu übersetzen und darin ist er sehr hartnäckig und erfolgreich. Der Autor gibt sich sehr große Mühe die Szenerie so authentisch wie möglich zu beschreiben. Das gelingt ihm durch die Sprache und auch die eigefügten ostpreußischen Dialoge im Haus der Fischer Familie Pinkis, tragen dazu bei. Ebenfalls das Umgehen miteinander ist sehr authentisch, diese vornehme Zurückhaltung des jungen Miuleris gegenüber der Familie Mann und auch seiner angebeteten Dalia. Was mich besonders bewegt ist Beschreibung des Ortes Nidda und der Nehrung, denn sie rufen in mir die Bilder der heutigen Zeit auf, da ich schon öfter dort war und ich gut nachvollziehen kann, wie wohl sich die Menschen dort während des Sommers gefühlt haben müssen. Auch der leichte Schatten, der auf der Zeit lag und den Nationalsozialismus ankündigt, ist sehr nachvollziehbar dargestellt.
Ich bin sehr begeistert von diesem Kriminalroman, auch wenn kriminelle Anteil nicht so ausgeprägt ist, finde ich die Beschreibungen der Halbinsel und das Geschehen dort sehr unterhaltsam. Auch die Ermittlungen zur Wiederauffindung der abhanden gekommenen Schriften, ist sehr interessant und auch spannend. Ich mag diese Art des historischen Romans sehr gerne.
Profile Image for Johanna Berger.
146 reviews6 followers
November 5, 2024
Ein Spaß!

Tilo Eckardt wurde nach Nida in Litauen eingeladen und hat dort einen sehr unterhaltsamen Kriminalroman geschrieben. Da, wo Thomas Mann und seine Familie drei Jahre lang die Sommer verbrachten; da, wo viele expressionistische Künstler sich vom Licht der Kurischen Nehrung anregen ließen und wo ein großzügiger Wirt auch Bilder als Zahlungsmittel akzeptierte, wenn die Maler mal wieder knapp bei Kasse waren. Der Wirt, die Maler und Thomas Mann spielen eine Rolle in dem Roman, der kein Thriller sein will, aber dennoch eine Kriminalhandlung hat.

Im Sommer 1930 sitzt Thomas Mann wie gewöhnlich rauchend und im Bademantel in seinem Strandkorb. Er macht sich Notizen für seine (noch geheime) Rede an die Deutschen. Nachdem ein Windstoß die Blätter weggeweht hat, sammelt der junge Student und Übersetzer Miuleris sie auf und bringt sie dem bewunderten Schriftsteller. So kommt er zu dem lange ersehnten Gespräch mit seinem Idol. Schließlich will er die „Buddenbrooks“ ins Litauische übersetzen. Er ist ein Mensch mit der seltenen Gabe des fotografischen Gedächtnisses. In seiner Ferienpension transkribiert er die memorierten Zeilen und versieht sie mit dem Namen Thomas Manns. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn im örtlichen Gasthaus Blode wird er in eine Auseinandersetzung verwickelt und verliert die Dokumente. Dort verkehren nicht nur Künstler wie Max Pechstein, Ernst Mollenhauer oder Alfred Partikel, sondern auch zwielichtige Gestalten, womöglich auch Nazis. Miuleris und Mann machen sich auf eine detektivische Suche nach dem Material – in der Manier von Sherlock Holmes und Dr. Watson, manchmal auch weniger geschickt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Rückschau von dem sehr alten Miuleris, einer etwas tollpatschigen, aber liebenswerten Figur. Leicht arrogant, aber auch freundlich wird Thomas Mann dargestellt, ein Mensch, dem „die Ausstrahlung menschlicher Wärme […] nun einmal nicht gegeben“ war, kettenrauchend, ein Hundefreund, ein Mensch mit sehr festen Gewohnheiten:
„Frisches Papier liegt links neben der Unterlage, Lupe und Brieföffner auf der rechten Seite. Hier neben der Lampe befinden sich mein Tintenfass, meine Füllfederhalter und die Löschwippe. Der Halter mit der Korrespondenz, sortiert nach ‚Erledigt‘ und ‚Noch zu erledigen‘, gehört rechts oben an die Tischecke …“ Kein Wunder, dass er sofort bemerkt, wenn etwas verschoben wurde. Mysteriös!

Tilo Eckardt hat sich eine Handlung ausgedacht, die an historische Gegebenheiten angelehnt ist. Im Nachwort spricht er von „Inseln erhöhter Plausibilität“ (Michael Maar). Der Roman ist eine kurzweilige Annäherung an den großen Schriftsteller. Er hält die Balance zwischen leichter "Krimi"-Unterhaltung (mit Leiche), atmosphärischer Darstellung der Künstlerkolonie und der Kurischen Nehrung und des bedrohlichen Zeithintergrunds.

Leseempfehlung (trotz des üblen Covers), nicht nur für Freunde Thomas Manns!
Profile Image for Sabine Winkler.
265 reviews1 follower
December 1, 2024
Gedanken werden zur Gefahr
Nidden ist nicht nur ein ostpreußisches Fischerdorf auf der Kurischen Nehrung, sondern beherbergt vor 100 Jahren auch eine Künstlerkolonie. 1930 bezieht Thomas Mann mit seiner Familie dort ein Sommerhaus zwischen Wanderdünen und Wald. In Deutschland erstarkt zu jener Zeit nach der Auflösung des Reichstags gerade der Nationalsozialismus. Der weltberühmte Schriftsteller plant daraufhin eine Rede, in der er die Deutschen vor den Gefahren dieser neuen Bewegung warnen will. Gleichzeitig hält sich auch der junge Übersetzer Žydrūnas Miuleris in Nidden auf, da er gerne Manns Werke ins Litauische übertragen möchte. Durch unglückliche Umstände verliert dieser „Müller“, wie er von Mann eingedeutscht immer genannt wird, die Aufzeichnungen zu dieser brisanten Rede. Wie Holmes und Watson machen sich die beiden Männer nun daran, die Aufzeichnungen wiederzuerlangen, was nicht so einfach ist. So entsteht ein recht seltsamer Fall, der nicht nur exzentrische Künstler, stoische Fischer und neugierige Kurgäste auf den Plan bringt, sondern auch Aufregung, Angst und sogar verschwundene Personen.
Das Cover wirkt in seinen gedeckten Farben recht unspektakulär. Man sieht die Rückansicht eines Mannes in Anzug, Hut und Stock, der aus dem Wald kommend, Richtung eines weißen Strandes geht. Der Kriminalroman verfügt über ein Inhaltsverzeichnis, interessante Anmerkungen des Autors und ein informatives Quellenverzeichnis. Die Geschichte ist chronologisch geordnet und die kurzen Kapitel sind mit Datum und aussagekräftigen Titeln überschrieben. Eckardts Schreibstil ist sehr ansprechend. Teils verwendet er verschachtelte Sätze und Aussagen, die einen in die Zeit Thomas Manns zurückversetzen. Der litauische Übersetzer „Müller“ erzählt die Vorkommnisse als Ich-Erzähler, und zwar aus erheblicher zeitlicher Distanz, denn er ist mittlerweile über hundert Jahre alt.
Der Autor erzählt die Geschichte sehr spannend, aber auch immer mit einem Augenzwinkern, das einen die ernste Situation, in der sich Mann nach dem Verlust der Rede befindet, an manchen Stellen vergessen lässt. Die Betonung liegt bei verschiedenen Themen wie Freundschaft und Mut, aber auch in der Wichtigkeit der Literatur, deren Rolle durchaus auch in der Veränderung der Welt liegen kann.
Der Autor entwickelt die Kriminalgeschichte zwischen geschichtlichen Fakten und seiner schriftstellerischen Freiheit mit viel Feingefühl. Gerne glaubt man ihm als Leser jede Einzelheit in diesem spannenden Fall, denn es passt immer alles großartig zusammen. Alle Charaktere sind lebensnah und realistisch gezeichnet, jeder einzelne mit seinen Eigenheiten herausgehoben. So entsteht ein stimmiges Bild, das auch durch die Beschreibung der Umgebung noch unterstrichen wird.
Insgesamt kann man dieses unterhaltsame Buch getrost als einen Höhepunkt in diesem literarischen Jahr bezeichnen. Mit absoluter Leseempfehlung!
443 reviews4 followers
December 5, 2024
Es gibt Bücher, die einen lange nach der letzten Seite beschäftigen – Gefährliche Betrachtungen von Tilo Eckardt ist für mich genau so ein Werk. Der Roman spielt im Sommer 1930 in Nidden, einem kleinen Künstlerdorf auf der Kurischen Nehrung, und erzählt von der Begegnung zwischen Thomas Mann und seinem Übersetzer Zydrunas Miuleris, der im Roman schlicht „Müller“ genannt wird.
Die historische Atmosphäre, die Eckardt in diesem Buch schafft, hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Nidden wird als eine Art Rückzugsort beschrieben, ein Ort, an dem Künstler und Intellektuelle Ruhe suchen, während sich in Europa bereits die Schatten des politischen Umbruchs abzeichnen. Die detailreichen Beschreibungen – von den Dünen, die wie endlose Wellen wirken, bis hin zu den einfachen Fischerhütten – lassen die Kulisse lebendig werden.
Im Mittelpunkt stehen jedoch die spannenden Dialoge und Dynamiken zwischen Thomas Mann und Müller. Mann wird hier nicht nur als der große Schriftsteller und Nobelpreisträger dargestellt, sondern auch als ein Mensch voller Ambivalenzen. Sein Bedürfnis nach Kontrolle und seine Selbstinszenierung stehen im Gegensatz zu Müllers stiller, aber tiefgründiger Persönlichkeit. Müller, ein Litauer, der in Deutschland lebt, trägt als Übersetzer die Bürde, nicht nur Manns Worte, sondern auch dessen Geist und Intentionen in eine andere Sprache zu übertragen. Sein innerer Konflikt, zwischen der Loyalität gegenüber Mann und seiner eigenen kulturellen Identität zerrissen zu sein, hat mich sehr berührt.
Besonders spannend fand ich die subtilen Spannungen zwischen den beiden: Mann, der Müller oft herablassend „mein Übersetzer“ nennt, erkennt zwar dessen Bedeutung an, bleibt aber gleichzeitig distanziert und elitär. Müller hingegen bewundert Mann, ringt jedoch mit seinem eigenen Selbstwertgefühl. Dabei spiegeln ihre Gespräche die politischen und gesellschaftlichen Brüche der Zeit wider – ein großartiges Beispiel für Eckardts Fähigkeit, persönliche Konflikte mit größeren historischen Themen zu verbinden.
Die historische Genauigkeit und die kunstvolle Ausarbeitung der Figuren machen diesen Roman zu einem echten Erlebnis. Eckardt gelingt es meisterhaft, nicht nur die äußeren Umstände der Weimarer Republik, sondern auch die inneren Konflikte der Intellektuellen dieser Zeit zu erfassen. Gefährliche Betrachtungen ist ein kluger, atmosphärischer Roman, der tief in die kulturellen und moralischen Fragen der 1930er Jahre eintaucht.
Für mich ist dieses Buch ein Muss für alle, die sich für Literaturgeschichte, Thomas Mann oder die Kunst des Übersetzens interessieren. Ich vergebe voller Begeisterung 5 von 5 Sternen!
Profile Image for Monika Caparelli-Hippert.
301 reviews6 followers
December 27, 2024
Sehr langer interessant klingender Klappentext; ein echt schönes Cover (Farben, Setting, Atmosphäre – hier stimmt für mich alles), eine Hommage an Thomas Mann – ich fand, das klang klasse, ich wollte das Buch lesen, und hey, ich wollte es lieben. Ich finde die 1930er hochinteressant, ich liebe die Ostsee, ich hab mich echt auf ein anspruchsvolles Krimivergnügen gefreut.
Puh, und jetzt hab ich mich durch die ersten 100 Seiten (von 324 ebook-Seiten) gequält und den Rest nur noch grob überflogen. Was soll ich sagen, es hat mich null gecatched.
Zum Inhalt will ich jetzt gar nicht mehr so viel verraten, da ist der Klappentext ausführlich genug, ich geh gleich zu meinem Leseeindruck. Und erstmal die positiven Dinge: geschrieben ist der Roman aus der Ich-Perspektive des mittlerweile steinalten Žydrūnas Miuleris, der in seinen Memoiren wühlt und vom Sommer 1930 erzählt. Den Kniff finde ich eigentlich gut; wir sind emotional ganz nahe bei den Protagonisten, und der leicht antike Erzähl- /Plauderstil passt: ein alter Herr erzählt von längst vergangenen Zeiten. Und tatsächlich erzählt er auch ganz gut und teils reizend, hier habe ich gar nichts zu monieren, aber mich hat die Geschichte per se nicht gefesselt.
Herr Mann und Familie weilen in der Sommerfrische, Miuleris aka Müller (was sich leichter für den Deutschen Mann aussprechen lässt) möchte einen Job als Übersetzer bei Thomas Mann ergattern, schafft es dann auch nach langen Zaudern und Zögern, selbigen irgendwie anzusprechen, und bringt es dann gleich zu Anfang, Fanboy-mässig Mist zu bauen. Und zwar am laufenden Band. Und diesen Mist muss das neue Dream-Team Mann & Müller generalstabsmässig wieder aufräumen, denn die Konsequenzen wären ansonsten fatal ….. Man merkt es an meiner Wortwahl, ich fand die ganze Story irgendwie leicht uncool und Müller hat mich in seinen Handlungen gestresst. So ein Deppchef. In besten Absichten verbockt er die Dinge ständig und irgendwie fand ich das sehr schnell nicht mehr wirklich amüsant, sondern anstrengend und unrealistisch.

Die Atmosphäre, den zeitgeschichtlichen Hintergrund – alles wunderbar vom Autor eingefangen, aber wie gesagt, die Geschichte selber und auch die Art und Weise, wie Thomas Mann und seine Familie dargestellt wurden, hat mich einfach nicht angesprochen. Nun ja, meine ganz persönliche Ansicht der Dinge hierzu. Ich kann daher leider nur 2,5 von 5 Sternen verteilen.

Trotzdem: lieben Dank an den Verlag und an Netgalley für das Rezensionsexemplar!


Profile Image for Marie.
213 reviews15 followers
January 24, 2025
"Sie glauben mir vielleicht nicht, weil Sie sich für belesen halten und diese Worte trotzdem noch nie gehört haben. Das liegt daran, dass es sich streng genommen nicht um die Worte des Autors handelt, sondern um meine. Es ist Litauisch. Ich bin übersetzer."

Der Protagonist dieses historischen Krimis spricht da zu seinen Lesern. Er verbringt zwei Wochen im Sommer an der kurischen Nehrung in Nidden. Denn dort befindet sich das Sommerhaus des frisch gebackenen Nobelpreisträgers Thomas Mann. Dessen Werk möchte der Erzähler - wir nennen ihn vereinfacht Müller - ins Litauische übersetzen. Doch wie an den Mann herankommen? Unter Ermunterungen seiner Gastwirtin gelingt es ihm schließlich, sein Idol am Strand zu treffen und nicht nur das: Bei der Gelegenheit fliegen ihm einige handschriftlichen Notizen des Literaten zu, die Müller - seinem fotografischen Gedächtnis sei Dank - sich merkt. Mann stimmt zu, sich auf einen Morgenspaziergang zu treffen und der Übersetzer, noch ganz beseelt, fertigt eine Abschrift der memorierten Notizen an und geht in die Kneipe. Dort kommt ihm die Abschrift abhanden. Das wäre nicht weiter schlimm, würde es sich nicht um ein Schriftstück mit brisantem Inhalt handeln. Denn Mann wettert darin gegen das aufkommende Nazi-Regime in Deutschland. In den falschen Händen könnten die paar Seiten der Familie Mann ernsthaft schaden. So verspricht Müller, dem Literaten die Abschrift so schnell wie möglich wiederzubeschaffen.

Eigentlich hat der Roman "Gefärhliche Betrachtungen" großes Potential: Nazi-Deutschland, Thomas Mann, die Ostsee, ein brisantes politisches Schriftstück. Liest man den Klappentext, so ist man sofort interessiert. Nur leider kann Tilo Eckardt die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die ersten Seiten lesen sich noch amüsant: Der gealterte Ich-Erzähler blickt - mit leicht verschrobenem Sprachstil - auf den Sommer in Nidden zurück. Die eigenwillige Gastwirtin wird genauso amüsant porträitiert wie die Künstler, die ebenfalls an der Ostsee Urlaub machen. Nur dann wird der Text vor allem eines - langatmig. Immer wieder lässt sich der Erzähler zu langen Reflexionen seiner damaligen Taten hinreißen. Das nimmt der Handlung jegliche Fahrt. Leider wird das Lesevergnügen so eher zu einem zähen Kampf bis zur Aufklärung, die dann auch wenig überraschend ist. Ich habe mir mehr erwartet.
97 reviews
December 30, 2024
Müller & Mann

Der junge Übersetzer Zydrunas Miuleris bewundert den weltberühmten deutschen Schriftsteller Thomas Mann. Es träumt davon, seinen Erfolgsroman "Die Buddenbrooks" ins kaukasische übersetzen zu dürfen und kann sein Glück kaum fassen, als er Thomas Mann am Strand begegnet. Der Schriftsteller ist beeindruckt von der Begegnung und wünscht ein Wiedersehen. Dieses steht aber nicht unter guten Vorzeichen, da Milerius beim ersten Treffen drei verfängliche Seiten einer Rede heimlich gelesen und mit seinem fotografischen Gedächtnis zu Hause niedergeschrieben hat. Der brisante Text, mit dem Thomas Mann eine ergreifende Rede gegen den erstarkenden Nationalsozialismus halten will, kann in den falschen Händen zur Gefahr werden. Leider muss Milerius feststellen, dass er seine Niederschrift verloren hat und muss sich nun mit Thomas Mann auf die Suche machen...

Dem deutsch-schweizerischen Autor Tilo Eckardt ist mit "Gefährliche Betrachtungen" ein aus meiner Sicht außergewöhnlicher Spannungsroman gelungen. Er erzählt die Geschichte in einem wertigen und wohlformulierten Schreibstil, der einer inhaltlichen Begegnung mit einer Schriftsteller-Größe wie Thomas Mann auf Augenhöhe begegnen soll. Aus meiner Sicht ist dies voll und ganz gelungen. Auch wenn das Buch als Kriminalroman betitelt wird, erhält es die Spannung weniger aus einer kriminalistischen Handlung, sondern aus der Verbindung interessant charakterisierter Protagonisten in einem mehr als brisanten historischen Hintergrund. Eine kritikübende Niederschrift an den Nationalsozialismus war schon zu der damaligen Zeit ein gefährliches Unterfangen und konnte für alle Beteiligten und deren Angehörige durchaus fatale Folgen haben. Dies verleiht der Geschichte für mich die unterschwellige Spannung und aufgrund der authentischen Erzählung auch eine entsprechende Faszination.

Insgesamt ist "Gefährliche Betrachtungen" ein für mich sehr lesenswertes Buch, welches mich voll in den Bann ziehen und in seiner besonderen Art überzeugen konnte. Der unaufgeregte aber stets ansprechende Erzählstil des Autors hat mich beeindruckt, so dass ich den Roman sehr gerne weiterempfehle und folgerichtig mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.
Profile Image for Melanie.
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November 4, 2024
"Gefährliche Betrachtungen - der Fall Thomas Mann" ist ein Kriminalroman und vor allem ist er eine Hommage an Thomas Mann.
Absolut lesbar und von feinem Witz und Humor durchzogen erzählt der "sich in seinem 100. Lebensjahr befindende" Ich-Erzähler vom schicksalhaften Sommer 1930. Damals war er 20 Jahre jung und wollte unbedingt Thomas Manns Werk Die Buddenbrocks in seine litauische Muttersprache übersetzen.
Nachdem er es geschafft hat, den menschenscheuen Literaturnobelpreisträger tatsächlich anzusprechen und sich mit ihm zu einem Spaziergang zu verabreden, passieren allerdings ein paar unglückliche Zufälle und statt über einen Auftrag zur Übersetzung zu sprechen, finden sich "Mann & Müller" nach bester Sherlock Holmes Manier zusammen, um die Abschrift eines gefährlichen Textes Thomas Manns zu finden.
Die Lektüre war wirklich ein besonderer Genuss, vor allem, weil der Stil des Autoren wirklich einzigartig und unfassbar humorvoll ist. Mein absolutes Highlight in dem Roman, der auf jeden Fall in meine Highlights 2024 aufgenommen wird, ist der "Brief", den Thomas Mann an Adolf Hitler schreibt.
Alles in allem ein wundervoller Roman, voller Anspielungen und ja, auch voller Parallelen zu der heutigen Zeit und damit und auch durch das Nachwort des Autoren durchaus als Warnung zu verstehen.
Eine 100%ige Leseempfehlung für eins meiner Lese-Highlights in diesem Jahr!
Profile Image for Anne Dietrich.
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November 3, 2024
Mann & Müller

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Žydrūnas Miuleris erzählt. Žydrūnas Miuleris ist Übersetzer und stammt aus der litauischen Stadt Kaunas. Er bewundert den Schriftsteller Thomas Mann und versucht an diesen heranzukommen, was ihm auch tatsächlich gelingt. Die beiden freunden sich an und Mann nennt ihn nur noch vereinfacht und eingedeutscht Müller.
Mann ist gerade dabei eine Rede gegen den Nationalsozialismus zu schreiben. Nachdem diese verschwunden ist, versuchen die beiden Männer alles, um diese wiederzuerlangen und größeres Unheil zu vermeiden.
Ich mag die Werke des Autors Thomas Mann und fand die Idee, ihn als Protagonisten in einem Kriminalroman einzusetzen, ausgesprochen spannend. Tilo Eckardt hat ihn dabei gut getroffen. Genau so habe ich mir den Schriftsteller vorgestellt und die Dialoge zwischen ihm und Müller haben ein authentisches Bild - der Zeit und des Autors - aufgezeigt.
Die kriminalistische Handlung war durchaus spannend, aber weniger relevant als ich es erwartet habe. Mir gefiel die Kombination aus Fiktion und Realität. Der konstruierte Fall hat sich gut in die Zeit und das politische Zeitgeschehen eingefügt.
Neben guter Unterhaltung ist das Buch ein Blick in die Vergangenheit, die auch hier wiederholt zum Nachdenken anregt.
Profile Image for Karola.
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December 4, 2024
Ein sehr politisch inspiriertes Buch
Das Cover zeigt die Hauptfigur Thomas Mann beim morgendlichen Spaziergang in Nidden, wo sich in Sommern ab 1930 auf der Kurischen Nehrung die Familie mit drei Kindern aufhielt. Rund um ihr Sommerhaus umringt von Wald, Strand und einer Künstlerkolonie spielt die idyllisch beschriebene Szenerie mit dem jungen litauischen Übersetzer Žydrūnas Miuleris, auch Müller genannt. Als Ich-Erzähler geht es in seiner Rückbesinnung um das verloren gegangene Konzept einer brisanten politischen Rede von Thomas Mann gegen den erstarkenden Nationalsozialismus und das gleichzeitige Erwachsen von Freundschaft und Mut nicht nur zwischen beiden Figuren. Während die historische Schriftstellerfigur in seinen typischen Facetten lebendig wird in einer fiktiven Kriminalhandlung, schält sich seine klare politische Einstellung zum Nationalsozialismus und Kommunismus klar heraus. Sein damaliger Appell um Freiheit, Vernunft, Demokratie und Frieden ist auch heutzutage noch mutig, sogar existenzgefährdend wie der Autor in seiner Hommage an den Literaturpreisträger betont. Ein nicht nur spannendes Lesevergnügen mit überzeugenden Charakteren.
41 reviews
November 6, 2024
Zum 150. Geburtstag des großen Autors und Literatur-Nobelpreisträgers: Ein historischer Kriminalroman, der Thomas Mann auf noch nie gelesene Weise lebendig werden lässt."

Phantastische Verquickung von Thomas Mann und seinem Übersetzer von Realitäten und erzählerische Raffinesse über ein verlorenes Manuskript, dass die Deutschen über den Nationalsozialismus aufklären soll.

So entstanden eine spannende Geschichte über eine gefährliche Mission, aufgebaut um Thomas Mann im Ostseebad, und zwar
Nidden im Sommer 1930, ostpreußisches Fischerdorf und Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung, einem archaischen Landstrich zwischen wilder Ostsee und stiller Lagune.

Sehr flotter, frischer Schreibstil, mega, gefällt mir. Der Zauberberg, Felix Krull, Der Tod in Venedig, alles gelesen, ich halte diese Idee daher für unbedingt lesenswert, spannend, lehrreich und erfrischend !!!!
Profile Image for Christine.
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May 12, 2025
Der Roman ist gut! Allerdings konnte ich die Figur Thomas Manns nicht mit dem in Einklang bringen, was ich über die reale Person kenne. Das hat mich irgendwie verstört. Ich glaube, ich hätte den Roman mit einer ganz anderen fiktionalisierten Person besser genossen. Aber das ist nur meine Meinung.
Ich habe eine digitale Kopie dieses Romans von NetGalley bekommen, und habe freiwillig eine ehrliche Rezension geschrieben.
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