Tiefgefroren liegt Annjas Vater in der eigenen Kühltruhe, die er vor 30 Jahren mitentwickelte. Wie und warum ist er da hineingekommen, und was soll seine Tochter mit der Leiche anstellen? Annjas Ermittlungen werden zu einer Reise in die Geschichte ihrer Familie, einer Familie von manischen Gefrierforschern und Kühlanlagenkonstrukteuren.
Eine eiskalte und komische Geschichte über den Kalten Krieg und die DDR
Abgesehen von Prolog und Epilog wirkt der Roman auf mich wie ein verdichtetes Tagebuch mit persönlichen Erinnerungen und Tagesgeschehen sowie Traumsequenzen und Familiengeschichte, wobei diese persönlichen Erfahrungen bzw. die Familiengeschichte - von der Ich-Erzählerin wiedergegeben - schlaglichtartig Entstehung, Existenz und Ende der DDR beleuchten. Die Rahmenhandlung ist grundsätzlich linear erzählt, wird aber durch Erinnerungen und Traumsegmente unterbrochen, wobei die Übergänge zwischen Realität und Traum manchmal fließend sind. Es ist also keine Tagebuchform von der Autorin gewählt worden, mich erinnert das Buch nur daran.
Ich habe bei der Lektüre genickt, musste schmunzeln, habe in eigenen Erinnerungen hinsichtlich Schule, Schulspeisung, Arbeit meiner Familie gekramt und hatte dabei witzigerwiese ohne weitere Anstrengungen anlässlich einer Verkostungsstelle im Buch sofort den beschriebenen brandigen Eisgeschmack wieder in Erinnerung. ;) Ich frage mich, wie Leser, die nicht mindestens eine gewisse Zeit ihrer Jugend in der DDR verbracht haben, dieses Buch erleben...
p.s. Wenn ich eine Packung "Eis Moskauer Art" in einem Supermarkt sehe, kaufe ich sie regelmäßig (und zwar nicht erst seit der Lektüre dieses Buches). Und würde ich das echte Moskauer Eis sehen, das hat mehr Sahne), würde ich es erst recht mitnehmen. :D
p.p.s. Als Kind war ich mit meinen Eltern auch einmal in Magdeburg, vielleicht Ende der 70er, Anfang der 80er. Dort habe ich in einer Eisdiele in einem Stadtteil, ich glaube in Buckau, das beste Milcheis meiner Kinderzeit gegessen. :)
Ein Buch, das von den Zeiten handelt, die ich nie erlebt habe, in einem Land, das ich nie besuchen kann, weil es nicht mehr gibt. Desto unerklärlicher ist die Nostalgie, die ich bei Lektüre empfunden habe. Jedoch ist mir Einiges ganz schön bekannt vorgekommen. Mag es wohl daran liegen, das man sich in diesem Land seit mehreren Jahren auch im Wartezustand befindet, in der Hoffnung auf eine Wende, die noch nicht gekommen ist? "Aber wer sollte nun die Macht werden? Die in der Küche laut Revolution gesagt hatten, waren sich uneinig. Sie waren sich schon vorher uneinig gewesen, es gab ja so viele Küchen, in denen das Wörtchen Revolution gefallen war, und jede Küche hatte etwas anderes darunter verstanden. Wir hatten uns so wunderbar im Warten eingerichtet, ohne jemals einen Gedanken daran zu verschwenden, dass man etwas tun müsste, irgendwann".