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Wir schon wieder: 16 jüdische Erzählungen

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Dass es heute in Deutschland wieder eine jüdische Literatur gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn vieles die hier versammelten Schriftstellerinnen und Schriftsteller trennt, vereint sie jüdische Sozialisierung, geistige Tradition und ein fragiles Verhältnis zur deutschen Mehrheitsgesellschaft. Am 7. Oktober ist das allen wieder aufs Deutlichste bewusst geworden. In diesem Kontext ist die Idee zu Wir schon wieder entstanden. Dana von Suffrin konnte eine Vielzahl prominenter Beiträgerinnen und Beiträger gewinnen, und so versammeln sich trotz aller Differenzen – politisch, persönlich, künstlerisch – in diesem Band 16 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, um in Prosastücken, Erzählungen oder Essays über das zu schreiben, was sie gerade bewegt.

Mit Beiträgen von Adriana Altaras, Maxim Biller, Zelda Biller, Yevgeniy Breyger, Joe Fleisch, Marina Frenk, Lena Gorelik, Elfriede Jelinek, Dmitrij Kapitelman, Olga Mannheimer, Eva Menasse, Slata Roschal, Linda Rachel Sabiers, Dana von Suffrin, Ljudmila Ulitzkaja, Dana Vowinckel.

240 pages, Hardcover

Published August 13, 2024

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About the author

Dana von Suffrin

7 books7 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for raphael.
73 reviews1 follower
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March 29, 2025
“Herkunft allein ist nichts, worauf man stolz sein kann, wir werden alle ungefragt irgendwo hineingeboren, es ist nicht unser Verdienst. Aber man kann stolz darauf sein, was man daraus macht, und wir, wir machen Literatur, also tatsächlich das Beste aller möglichen Optionen.”

Es ist echt schwierig eine Sammlung an Texten als Gesamtprodukt zu bewerten, vor allem wenn dessen Ziel explizit die Darstellung der Vielfalt an jüdischen Stimmen in Deutschland war. Ich werde deswegen kein Rating geben, aber ich möchte in diesem Review Texte highlighten, die mir besonders gefallen und zu Denken gegeben hatten.

Marina Frenks “Ein Versuch, sich zu verabschieden” ist ein Essay mit Überlegungen zur Muttersprache und erlernter Sprache. Was ist, wenn deine Muttersprache nur durch Gewalt und Imperialismus die deine ist? Dieses Kapitel bedeutete mir sehr viel, denn meine Muttersprache ist Russisch — ich kann nicht mit meiner Oma und anderen Verwandten auf Ukrainisch reden, denn diese Sprache habe ich nie gelernt.

Dmitrij Kapitelmanns “Die 13 toten Nachbarinnen” ist ein autofiktionaler Text, der anhand des Beispiels einer Denkmalstatue die deutsche Erinnerungskultur und den zunehmenden Antisemitismus analysiert.

Eva Menasses “In unverdienter Sicherheit und zufälligem Frieden” war glaube ich mein liebster oder zumindest der mich am stärksten berührender Text in der Sammlung. Seit dem 07. Oktober ist es sehr schmerzhaft aber auch wichtig sich mit dem Antisemitismus auseinanderzusetzen. Jedoch wendet Menasse hier sehr korrekt ein, wie historisch hypokritisch die Rede vom “importierten Antisemitismus” ist. Wir dürfen nicht die Empathie verlieren und uns von Rechten instrumentalisieren lassen.

Im Kapitel “Warum denn ausgerechnet Deutschland” reflektiert Slata Roschal darüber, was eine post-sovietische jüdische Identität überhaupt ausmacht, vor allem seit den Kriegen in der Ukraine und in Israel.

Dana Vowinckels “Was hättest du getan?” ist eine Kurzgeschichte, die mich sofort mitgerissen hat. Eine junge Autorin in einer toxischer Beziehung fängt an, einen historischen Roman über Curt Valentin zu schreiben. Der Entstehungsprozess wirft zunehmend die Frage auf, wer welche Geschichten überhaupt erzählen darf.
Profile Image for Anna.
176 reviews
March 10, 2025
ha öppe zwei text sehr möge. öppe drü bis vier händ mi ufgregt. vieli händ mer albrtäum gmacht (legitim), einigi händ mer echt nüt gseit. ich find das nöd die best balance für e textesammlig, sie schiint mer chli zu eklektisch.
Profile Image for Nora.
25 reviews1 follower
January 3, 2025
was für eine achterbahnfahrt! in "wir schon wieder" versammeln sich 16 kurzgeschichten aus den perspektiven von sehr unterschiedlichen autor:innen. die idee des buches ist, die wahrnehmung und erfahrung(en) von jüd:innen in deutschland nach dem 7. oktober 2023 festzuhalten. nicht alle kurzgeschichten nehmen direkt bezug auf den 7. oktober oder israel/palästina überhaupt, stehen aber dort als jüdische stimme. in manchen essays habe ich mich sehr wiedergefunden, würde diese differenzierten stimmen in mancher debatte gerne lauter hören. von anderen texten habe ich mich regelrecht abgestoßen gefühlt. wenn elfriede jelinek den palästinenser:innen "die aufnahme in die zivilisation" abspricht prallt das auf eva menasses text, der sich mit dem deutschen (also nicht dem dem "importierten") antisemitismus auseinandersetzt. mancher text liest sich wie eine whatsapp-nachricht, die direkt nach einem schrecklichen ereignis, ohne viel zu konzeptualisieren, niedergeschrieben ist und vor allem den zweck hat, der eigenen community vom eigenen schmerz zu erzählen. solche texte sind wichtig, aber in einem gebundenen buch hätte ich mir von manchen autor:innen mehr reflexion gewünscht.
Profile Image for BetweenLinesAndLife.
455 reviews7 followers
Read
May 12, 2025
4.25 Sterne
Selten eine so vielfältige Bandbreite an Texten in einer Textsammlung gelesen. Wie in Anthologie üblich haben mir natürlich nicht alle Texte gleich zugesagt, aber als Ganzes kann ich die Sammlung wärmstens empfehlen.
Lieblingstexte stammen von Marina Frenk, Lena Gorelik, Dmitrij Kapitelman und mein allerliebster Text (vielleicht einer der besten Texte seit Jahren) von Dana Vowinckel
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
September 1, 2024
»Manche Texte sind traurig, manche wütend, manche ironisch und einige lustig, die meisten sind alles gleichzeitig. Natürlich kommt dieser Band nicht ohne Dissonanzen aus, wie auch sonst, erwartet nicht dazu gedacht, Homogenität, Eintracht oder sogar Einfalt nach außen zu demonstrieren, sondern die Vielfalt jüdischer Literatur, deren Verfasser auf Deutsch oder in Deutschland schreiben und die gerade, so oft wie lange nicht mehr, schlecht träumen und diesem Land misstrauen.« Vorwort, Dana von Suffrin (S. 3)

In der neuerschienenen Anthologie »Wir schon wieder« schreiben 16 jüdische Autor*innen in Prosastücken, Erzählungen oder Essays über das, was sie gerade bewegt. Das kann die Auseinandersetzung mit ›Tätersprache‹, (aktuelle) Politik, Herkunft, das Wohnen gegenüber von einem Mahnmal, Emigration, Flucht, Familie oder oder oder sein.

Diese Texte eint vor allem eins: Der Appel nach Humanität und Vielfalt. Und genau das brauchen wir ganz dringend in Deutschland.💥 Wenn ich mir aktuelle Wahlergebnisse ansehe, kann ich es nicht fassen und mir fehlen die Worte. NIE MEHR IST JETZT ‼️ Und dazu gehört, dass wir uns alle damit auseinandersetzen, bilden, diskutieren und für eine Gesellschaft agieren, in der wir alle leben können und wollen. 🤝🏼 Literatur trägt einen wertvollen Teil dazu bei und diese Anthologie ganz besonders.

»Ich bitte dich, Yael, Juden haben schon immer in den tragischsten Momenten über ihr eigenes Schicksal gelacht. Das ist doch die eigentliche Rache — wir müssen noch lachen dürfen. […] Lachen oder leiden, mehr können wir gerade nicht tun, Leute!« Linda Rachel Sabiers - ›Die Welt, in der wir leben‹ (S. 195) 🥲😢

G R O S S E E M P F E H L U N G für diese wichtige und vielseitige Anthologie. 💜

»Herkunft allein ist nichts, worauf man stolz sein kann, wir werden alle ungefragt irgendwo hineingeboren, es ist nicht unser Verdienst. Aber man kann stolz darauf sein, was man daraus macht, und wir, wir machen Literatur, also tatsächlich das Beste aller möglichen Optionen.« Slate Roschal - ›Warum denn ausgerechnet Deutschland‹ (S. 186) 💜


»Wir schon wieder«
Herausgegeberin: Dana von Suffrin; mit Beiträgen von:
Adriana Altaras, Maxim Biller, Zelda Biller, Yevgeniy Breyger, Joe Fleisch, Marina Frenk, Lena Gorelik, Elfriede Jelinek, Dmitrij Kapitelman, Olga Mannheimer, Eva Menasse, Slata Roschal, Linda Rachel Sabiers, Dana von Suffrin, Ljudmila Ulitzkaja, Dana Vowinckel.
35 reviews
April 8, 2025
Schluss mit den Sammelbänden, das Format nervt mich eher, als dass ich viel daraus mitnehme.

Klar hervorgetan hat sich Eva Menasses Aufsatz, unerträglich waren Yevgeniy Breyger und Joe Fleisch.
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