Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet sich nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. In dem Haus am Dorfrand will sie jetzt bleiben und in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Doch dann ereilt die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter die Familie, und Jule stutzt. Warum hat ihre Mutter nie von der Großmutter oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam das Haus der Großmutter aufräumen, findet Jule Hinweise auf lang zurückliegende Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
Es wird Zeit, dass die Heilung beginnt – für alle Frauen der Familie.
Nachdem ich schon einige Liebesromane von Kira Mohn gelesen und das wundervolle Cover von ‚Die Nacht der Bärin‘ gesehen hatte, konnte mich der Klappentext schließlich komplett überzeugen: In der Vergangenheit liegende Ereignisse mit zerstörerischer Kraft? Das klingt nach einer intensiven und emotionalen Erzählung. Und diese habe ich auch bekommen. Mohn erzählt auf zwei Zeitebenen von einer Familiengeschichte, wie sie in Deutschland traurigerweise zu Hauf zu finden ist. Dabei folgen wir in der Gegenwart der sechsundzwanzigjährigen Jule, die aus ihrem Zuhause flüchtet und bei ihren Eltern Zuflucht findet. Dort erfährt sie vom Tod ihrer Großmutter, von der sie, außer ein paar Briefen zum Geburtstag, nie etwas gehört oder gesehen hat. Sie überredet ihre Mutter, gemeinsam den Nachlass der Großmutter zu ordnen, wo sie schließlich auf eine Vergangenheit stößt, die totgeschwiegen und begraben wurde. Die zweite Erzählperspektive liegt einige Jahre zurück und folgt der kleinen Maja, die zusammen mit ihrer Schwester die Natur in der Umgebung erkundet, Elfen und Tiere beobachtet. Die kindliche Perspektive bietet viel Potential und nimmt den Ereignissen auch eine gewisse Schärfe. Dadurch ist vieles der Phantasie der Leser*innen überlassen und explizite Beschreibungen nicht nötig. Nichtsdestrotrotz ist die Erzählung sehr kraftvoll und intensiv, hat mich tief berührt und emotional gefordert. So eindringlich die Geschichte an sich war – das Nachwort stellt alles in den Schatten. Der Bezug zur Realität, die direkte Ansprache. Ich hoffe, dass Mohns Buch viele Frauen* erreicht und sie den Mut finden, sich über ihre Situation klar zu werden und Hilfe zu suchen. 5 Sterne. Die Autorin selbst hat mir erklärt, dass es in der Belletristik selten bis nie Content Notes gibt. Falls du trotzdem wissen willst, was dich erwartet, kannst du mir gerne schreiben.
„Die Nacht der Bärin“ ist ein einfühlsames Familiendrama, das in zwei Zeitsträngen erzählt wird. Während Anna Jule nur langsam und bruchstückhaft aus ihrer Kindheit erzählt, erfahren wir davon durch bildgewaltige und sensible Rückblicke.
Besonders genial fand ich, dass diese Rückblicke aus Sicht Annas kleiner Schwester Maja erzählt werden, wodurch man als Leser nicht alle Details, und auch nur gefiltert durch Kinderaugen davon erfährt. Und obwohl keine der besonders schlimmen Szenen explizit beschrieben sind, so ist es doch vor allem die Unwissenheit und Vorstellungskraft, die diese Szenen beim Lesen intensivieren. Auch der Bär aus dem Titel spielt hin und wieder eine bildliche Rolle, die sich einem erst gegen Ende völlig erschließt.
Ich hatte bereits zuvor einige Bücher von Kira gelesen und habe auch dieses wieder innerhalb weniger Tage verschlungen. Kira schafft es wie sonst nicht viele, schwere Themen äußerst sensibel zu behandeln, und dennoch mit solch schöner Sprache Spannung aufzubauen, dass man gar nicht mit dem Lesen aufhören kann - bei diesem Buch mehr denn je. Ein Highlight, das noch lange nachhallen wird, und das ich jedem nur sehr empfehlen kann.
Die Geschichte entwickelt von der ersten Seite an eine Intensität, der man sich kaum entziehen kann. Besonders beeindruckt hat mich, wie sensibel und dennoch eindringlich das Thema häusliche Gewalt hier aufgearbeitet wurde – es regt zum Nachdenken an und hallt noch lange nach.
Ein absolutes Highlight für alle, die Geschichten mit Tiefgang und emotionaler Wucht lieben. Große Leseempfehlung!
Dieses Buch hatte ich irgendwie so gar nicht im Blick, aber es kam als Vorabexemplar und von Kira habe ich ja schon einige Geschichten gelesen und daher wollte ich unbedingt reinlesen. Das es anders als ihre andere Bücher war, war mir schon vor dem Lesen klar, aber was mich hier erwartet, damit hab ich nicht gerechnet. Anfangs musste ich mich an den Perspektivenwechsel gewöhnen, aber es hat mich emotional sehr aufgewühlt, aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe gestern gleich über 200 Seiten inhaliert und es heute beenden müssen. Es hat mich viele Male echt überrascht, mich aber echt zum Grübeln gebracht und ich kann es euch nur empfehlen. Es ist kein einfaches, aber ein wichtiges Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte. Danke Kira für deine Seele, die du in dieses Buch gepackt hast. 4,5 Sterne
Die liebe Federmagie hat auf Instagram so von dem neuen Buch von Kira Mohn geschwärmt, dass ich es auch unbedingt lesen wollte. Mir hat die Leuchtturm-Trilogie der Autorin schon sehr gut gefallen, weshalb ich mit dem Lesen auch nicht warten konnte.
Wie war es?
Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zum Inhalt des Buches.
Meine Meinung:
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich das Thema des Buches direkt erwähne und wie offen ich damit umgehe. Und ich habe mich dazu entschlossen einfach frei zu sagen, was ich denke, da dieses Buch so unglaublich wichtig ist. Denn Tabu Themen sollten kein Tabu mehr sein.
Das Buch behandelt ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt – häusliche Gewalt – und es ist schwer, Worte zu finden, die dem gerecht werden. Schon nach den ersten Kapiteln wurde mir klar, dass mich eine sehr intensive und emotionale Reise erwartet. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: einer Vergangenheit, in der Anna und Maja mit ihrer Mutter unter der Gewalt des Vaters leiden, und einer Gegenwart, in der Jule, Annas Tochter, mit ähnlichen Problemen konfrontiert wird. Diese zwei Perspektiven bieten einen tiefen Einblick in die Tragweite familiärer Gewalt und deren Auswirkungen über Generationen hinweg.
Häusliche Gewalt betrifft viel mehr Menschen als man vielleicht denkt. Und nicht jeder kommt aus dieser Spirale wieder raus. Auch ich war davon betroffen. Und auch wenn man sich von den Personen räumlich trennen konnte, blieb der psychische Terror und ich konnte einfach nicht die Verbindung kappen. Denn es sind ja deine Eltern. Aber nur weil es deine Familie ist, muss sie dir nicht gut tun. Und nicht alles, was deine Eltern tun ist richtig.
Kira Mohn hat es geschafft, die schrecklichen Ereignisse behutsam und dennoch erschütternd realistisch zu schildern. Besonders beeindruckend war, wie ausdrucksstark die Emotionen beschrieben wurden – als Leser fühlt man sich geradezu mitten ins Geschehen hineingezogen. Die Erinnerungen an Annas und Majas Kindheit, die grausamen Details und die ständige Angst, haben mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht. Die Welt, die die Mädchen sich im Wald erschaffen, bot einen Kontrast zur bedrückenden Realität und war gleichzeitig ein symbolischer Zufluchtsort, der später im Buch eine tiefere Bedeutung bekommt.
Der Schreibstil von Kira Mohn hat mich emotional vollkommen gefesselt. Ich habe förmlich die Luft angehalten, als immer mehr Details der Vergangenheit ans Licht kamen. Die Spannung und das beklemmende Gefühl begleiteten mich durch die gesamte Geschichte, bis hin zu einem Ende, das mich tatsächlich überraschte.
Besonders der Wald als sicherer Rückzugsort für die Mädchen war eindrucksvoll beschrieben. Er vermittelte Ruhe und Schutz, bis man gegen Ende des Buches die volle Bedeutung der Bärin und der Symbolik dahinter begreift.
Abschließend:
Eine absolute Leseempfehlung – vor allem für diejenigen, die sich mental in der Lage fühlen, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitzonen. In der Gegenwart flüchtet Jule nach einem Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Dort erfährt sie vom Tod ihrer unbekannten Großmutter. In der Vergangenheit erfahren wir, was Jules Mutter erlebt hat und warum Jule ihre Großmutter nie kennenlernte.
Das Buch war einfach großartig! Kira behandelt hier ein wirklich schmerzhaftes Thema und geht sehr tief in die Lebenserfahrung von Jules Mutter.
Ich hatte diese heftigen psychischen Abgründe in der Form nicht erwartet und war vollkommen gefesselt von diesem sehr emotionsgeprägten Buch. Die tiefe Verwurzelung der Ereignisse beeinflusst auch Jule in der Gegenwart und auch, wenn man einiges vorhersehen kann, wünscht man sich, dass es einfach anders kommt.
Das Buch wird als bildgewaltig beworben und es ist nicht nur das. Es hallt nach, es sensibilisiert und es geht direkt in die Seele. Die Nacht der Bärin ist so wertvoll und perfekt durchdacht. Jeder in so einer Situation sollte handeln wie Jule schlussendlich. Ich war mittendrin in den tiefsten Abgründen dieser Familie und kann nur sagen, dass ich die Angst und Machtlosigkeit in jeder Zeile spüren konnte. Ich hoffe, dass Kira dafür der ein oder andere Literaturpreis winkt, denn es war großartig.
12/10 Punkten auf der „Uff,doll“-Skala. Doll gut geschrieben, doll fesselnd, doll triggernd, doll erzählt. Ich hab jede Seite verschlungen und dann manchmal nochmal gelesen, weil ich es so stark fand. Brauche danach trotzdem noch einen Feelgoodroman.
ich muss verdauen. 4 meiner letzten 6 bücher haben (ohne, dass ich das so beabsichtigt hatte) mehr oder weniger explizit teils schlimmste formen (häuslicher) gewalt gegen frauen thematisiert. dieses buch hat meine wut, trauer und fassungslosigkeit bzgl dem thema jetzt endgültig auf die spitze getrieben. 💔 das war super aufwühlend, schwer aus der hand zu legen und genauso schwer zu ertragen. bin trotzdem froh es gelesen zu haben (& finde den schreibstil der autorin ganz toll). jetzt muss ich mich aber erstmal in ein comfort book flüchten und verdrängen, verdrängen, verdrängen. ❤️🩹
Ein beeindruckender Roman mit bildgewaltiger Sprache Kira Mohn schafft es, ein unfassbar schweres und “unbequemes” Thema so mitreißend und mitfühlend zu erzählen, dass man dieses Buch gar nicht aus der Hand legen mag. Nach und nach taucht man immer mehr in die Vergangenheit von Jules Mutter ein und erfährt vieles, was wahrscheinlich schon immer unter der Oberfläche lauerte, es aber nie ganz an die Oberfläche geschafft hat. Dabei schafft sie es, ganz selbstverständlich und ruhig eine zwar bedrückende, aber gleichzeitig auch hoffnungsvolle Stimmung zu schaffen. Dazu trägt auch die Naturverbundenheit sehr bei, mit der die Rückblicke ihre Tiefe erlangen. Ein rundum gelungenes und zum Nachdenken anregendes Buch.
Zum Inhalt: Jule ist 26 Jahre alt und auf dem Weg zu ihren Eltern. Sie hat Schmerzen und sucht einen Zufluchtsort. Ein Streit ist eskaliert, und ihr Partner ist handgreiflich geworden…
Doch darüber sprechen möchte sie nicht. Jule will einfach nur ankommen und durchatmen. Bis ein Anruf alles verändert: Ihre Mutter erhält die Nachricht vom Tod ihrer eigenen Mutter.
Jule ist überrascht. Sie hat ihre Großmutter nie kennengelernt. Nur Weihnachtskarten haben ihr gezeigt, dass es diese Frau überhaupt gibt.
Jules Mutter fährt zurück in ihr Elternhaus, und Jule begleitet sie. Zu viele Fragen stehen im Raum: Warum weiß sie so wenig über die Kindheit ihrer Mutter? Was ist damals in dem Haus am Waldrand passiert?
Während Jules Mutter die Vergangenheit am liebsten ruhen lassen würde, lässt Jule nicht locker. Sie will verstehen und beginnt, nach Antworten zu suchen…
Mein Fazit: Was für ein intensives Buch und das hinter einem so unscheinbaren Cover. Es geht um tief sitzende Geheimnisse, um eine Familie, in der Angst und Schweigen den Alltag bestimmen: ein Vater, der das Leben aller zur Hölle macht, eine Mutter, die wegschaut, und Kinder, die dem Ganzen hilflos ausgeliefert sind.
Parallel dazu steht Jule, die plötzlich merkt, wie wenig sie über ihre eigene Familie weiß und wie groß ihr Bedürfnis ist, die Wahrheit herauszufinden. Ich konnte sie gut verstehen, auch wenn sie manchmal impulsiv und nicht immer ganz fair handelt.
Meiner Meinung nach hätte das Buch definitiv eine Triggerwarnung gebraucht. Die behandelten Themen sind sehr schwer und nicht leicht auszuhalten.
Trotzdem hat mir die Geschichte richtig gut gefallen. Sie fesselt, lässt einen kaum los und regt zum Nachdenken an. Ich habe bewusst Namen und einzelne Personen in meiner Rezension weggelassen, da vieles überraschend kam und ich nicht Spoilern wollte. Und was es mit der „Bärin“ im Titel auf sich hat, müsst ihr selbst herausfinden.
Eine Empfehlung meiner Kadda, welche ich kaum aus der Hand legen konnte. Kira Mohn scheint sonst eher "leichtere" Kost zu fabrizieren und das sehr erfolgreich. Dieses Buch aber fällt definitiv aus ihrem normalen Schreibschema und hat mich eher an eine Caroline Wahl erinnert. Anna, Maja und ihre Mutter sind jeden Tag den Gewalttätigkeiten des Vaters ausgesetzt. Er schlägt alle drei, vergewaltigt nahezu jede Nacht die Mutter. Alle drei sind völlig hilflos ausgeliefert, die Gewaltspirale dreht sich immer härter und brutaler. Lediglich kleine Fluchten in den angrenzenden Wald bieten den Mädchen Pause von ihrem Martyrium. Jahre später stößt Jule, Annas Tochter, auf ein lang gehütetes Familiengeheimnis. Sie selbst hat sich nach einem Streit mit ihrem Freund Jasper, der damit endete, dass Jasper auf sie eintrat, in das Haus ihrer Eltern geflüchtet, um darüber nachzudenken wie die Beziehung weitergehen soll. Doch dann trifft die Nachricht vom Tod von Annas und Majas Mutter ein und damit beginnt das Eintauchen in die Vergangenheit. Jule weiß nichts über die Kindheit ihrer Mutter und erfährt nun nach und nach, was diese aushalten musste. Die Erzählperspektive fand ich großartig. Das Buch wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit und wird aus Jules und aus Majas Sicht erzählt. Zwischen den Kapiteln findet sich jeweils eine Seite auf der eine typische Aussage von gewalttätigen Partnern zu finden ist, wie zum Beispiel:"Du treibst mich doch dazu", "Du bist ein faules Stück Scheiße", "Ich würde dich überall finden". Ein hartes Stück Literatur, große Empfehlung!
Die Nacht der Bärin hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen. Kira Mohns Worte erzeugen eine Spannung, die sich langsam ausbreitet und mich umklammert. Ich weiß noch nicht, wann ich sie wieder ablegen kann. Die Kapitel aus Majas Sicht hatten etwas kindlich poetisches. Ich bin mit dem Geist, der Fantasie einer zwölfjährigen umhergewandert. Die Kapitel aus Jules Sicht waren nüchterner, aber voller Beharrlichkeit. Und für mich so nachvollziehbar. In dieser Geschichte geht es um das schwere Thema der häuslichen Gewalt. Es wird wirklich heftig und jeder, der dieses Buch in die Hand nimmt sollte wissen, worauf er sich einlässt. Aber es wird nie grafisch. Die Autorin findet Worte, Sätze für schlimme Dinge ohne genau auszusprechen, was gerade vorsichgeht. Es fühlte sich immer genau richtig an. Das Ende fühlte sich genau richtig an. Lest dieses Buch. Jeder. Jeden Geschlechts. Es ist nicht einfach. Nie. Aber es ist möglich. Die Autorin beendet ihr Nachwort mit folgenden Worten: Du verdienst es, geliebt zu werden.
Dieses Buch wird mich gedanklich noch lange begleiten, weil es so intensive und realistische Bilder in meinen Kopf hat entstehen lassen. Ich liebe Familiengeschichten und diese ist trotz der Thematik wunderschön erzählt.
*Wichtig, aber auch erschreckend, wie viele Bücher ich in diesem Jahr über männliche Gewalt gegen Frauen gelesen habe…
…»Die Nacht der Bärin« beschreibt die Geschichte einer Familie, erzählt aus zwei komplett unterschiedlichen Perspektiven. Auf der einen Seite haben wir Jule, die ihre eigenen Probleme hat und sich doch in die Geschichte ihrer Mutter verbeißt. Auf der anderen Seite bekommen wir Schnipsel der Vergangenheit aus der Perspektive ihrer Tante erzählt.
Die abwechselnden Sichtweisen fand ich sehr gut gewählt und auch die Thematik ist unglaublich tiefgreifend und bei so vielen Frauen präsent. Außerdem bin ich ein riesiger Kira Mohn Fan!
Das Ende war on Point. Eine große Empfehlung an alle, die …an alle! x
Das Buch ist gut geschrieben. Kira Mohn hat einen wundervollen zärtlichen Schreibstil. Aber diesem Buch fehlt eine Inhaltswarnung (Triggerwarnung). Dieses Buch hat so viele Trigger, da hilft auch das Nachwort der Autorin nicht. Ich hab mich nur schlecht gefühlt beim lesen. Dieses Buch hat in mir überhaupt kein positives Gefühl zurückgelassen und auch nicht beim lesen verursacht… Ich kann dieses Buch nicht weiterempfehlen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen oder Angst zu haben jemanden in Abgründe zu reißen, wie es zwischendurch bei mir der Fall war.
„Sie hatte die Wahl,” hat meine Mutter hinzugefügt. “Und du hast diese Wahl auch.“
Titel: Die Nacht der Bärin Autorin: Kira Mohn Verlag: Harper Collins Preis: 24,00€ Seitenzahl: 288 Seiten
Inhalt:
Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
Meine Meinung:
Die Bücher von Kira Mohn sind großartige Werke, die mich immer wieder aufs Neue begeistern können. Somit habe ich mich wahnsinnig auf ihr neues Buch gefreut. Bereits mit „Wir Irgendwann“ ist Kira Mohn schon in eine erwachsenere Richtung gegangen, die mir sehr gefallen hat. Somit war ich unglaublich gespannt, wie mir „Die Nacht der Bärin“ gefallen wird. Dabei muss ich zugeben, dass ich eine kleine Faszination mit Bären habe, weswegen mich das Buch direkt interessiert hat. Aber auch der Klappentext hat sich richtig gut angehört.
Das Cover finde ich sehr schön. Ich liebe Blumen und es zeigt auch auf, dass das Buch sich an eine etwas andere Zielgruppe richtete, als die typischen New Adult Leser. Das ganze Cover sieht aus wie gezeichnet, zeigt aber auch Elemente auf die gut zum Inhalt des Buches passen, einfach da Natur auch ein große Rolle im Buch spielt. Allerdings bin ich einfach ein großer Fan der Autorin, weswegen ich gespannt war auf die Geschichte und so auch ohne Cover und Klappentext zu kennen, immer direkt alles von Kira Mohn lesen würde.
Die Geschichte wird in der Vergangenheit und Gegenwart erzählt. So haben wir in der Vergangenheit die Schwestern Anna und Maja, wobei die Geschichte aus der Perspektive von Maja erzählt wird. Mich hat diese Perspektive vor allem sehr mitgenommen, weil Maja noch ein Kind ist. Aber auch Jule, die Tochter von Anna macht so einiges in der Gegenwart durch und so haben wir ein Zusammenspiel und eine Reise auf die sich Anna und Jule begeben, um die Vergangenheit in gewisser Weise abzuschließen und vielleicht auch um diese nicht zu wiederholen. Jule lernt auf dieser Reise zudem sehr viel über ihre Mutter und entdeckt auch eine andere Seite an ihr.
Für mich war vor allem die Thematik mit der Bärin sehr schön gewesen, da der Wald und die Bärin mit ihren Jungen etwas Ruhe in die Geschichte gebracht haben und gerade mit Kira Mohn’s Talent eine wundervolle Atmosphäre zu kreieren, habe ich mich genau wie die Mädchen, die immer wieder in den Wald gehen, um von ihrem Vater wegzukommen, unglaublich wohl dort gefühlt.
Kira Mohn arbeitet hier mit sehr schweren und wichtigen Themen, die nicht leicht zu verdauen sind. Aber gerade deswegen finde ich dieses Buch auch so großartig, denn die Geschichte ist authentisch und voller Emotionen, die mich einfach nur mitreißen konnten und mir manchmal auch sehr das Herz schwer gemacht haben. Es war definitiv nicht einfach diese Geschichte zu verfolgen, mit zwei Mädchen die so hilflos waren und denen man gerade deswegen am liebsten geholfen hätte. Aber auch in der Gegenwart habe ich ganz schön mit gebangt, denn auch hier war es nicht einfach zu verfolgen, was vor sich ging. Die Geschichte war einfach eine der emotionalsten, die ich seit langem gelesen habe und hat mich wirklich sehr mitgenommen, so dass ich am Ende auch einfach nur weinende da saß und mich über die Ungerechtigkeit des Lebens aufgeregt, aber auch getrauert habe.
Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich trotzdem noch nennen, der für mich nicht in die Bewertung einfließt, aber den ich sehr wichtig finde. Und zwar hat das Buch keine Triggerwarnung, was ich sehr schade finde, da hier doch sehr wichtige und für viele Menschen auch schmerzliche Themen aufgearbeitet werden. Für mich war das nicht so schlimm, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es genug Menschen gibt, die von den Themen getriggert werden.
Der Schreibstil von Kira Mohn war auch etwas, das mich sehr begeistern konnte. Gerade das Zusammenspiel zwischen diesen schweren Themen und wie ich trotz der vielen Emotionen das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte, war einfach nur fantastisch. Es war für mich ein absolutes Highlight und hat Kira Mohn noch einmal mehr zu einer Autorin für mich werden lassen, von der ich jedes Buch lesen muss, egal ob New Adult, Erwachsenenroman oder wohin auch sonst ihre Reise noch so führen wird.
Ein erschütternder Roman um häusliche Gewalt, sehr einfühlsam erzählt
Fast dreißig Jahre war Anna nicht mehr hier, sie wollte auch nie mehr zurückkommen. Auch als sie die Nachricht erreicht, dass ihre Mutter gestorben ist, ist sie noch festentschlossen, nicht zur Beerdigung zu fahren. Annas Tochter Jule hat ihre Großmutter nie kennengelernt, es kamen lediglich nichtssagende Karten zu Festtagen, die Jule schnell zur Seite gelegt hat. Was ist damals passiert? Jule erreicht zumindest, dass sie und Anna zu dem Haus fahren, das an die Gemeinde verkauft werden soll. Die beiden Frauen sichten Papiere, legen für den Notar einige Sachen beiseite und kommen ins Gespräch.
Jasper, Jules Freund, hat sie gestoßen, er hat nach ihr getreten. Das wollte sie eigentlich für sich behalten, nur ein paar Tage Abstand halten. Japers Anrufe ignoriert sie, überlegt aber dennoch, mit ihm zu reden. „Es wird dabei aber nur ihm besser gehen“, meint ihre Mutter.
Häusliche Gewalt hat viele Gesichter, Kira Mohn erzählt davon. Von der zwölfjährigen Anna und ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Maja. Der nahe Wald und der See sind ihre Rückzugsorte, ihre Feen wohnen hier, sie sehen die Bärin und ihre Jungen, es ist ihre Welt voller Glückseligkeit und Abenteuer.
Kira Mohn wechselt die Perspektiven, sie ist immer wieder im Gestern, erzählt von Karl Siegburg, Annas Vater und von ihrer Mutter Marjanna und den beiden Mädchen. Dabei wird zunehmend klar, dass sie alle unter Vaters Gewaltausbrüchen zu leiden hatten. Bestrafungen und Schläge waren an der Tagesordnung, und das nicht zu knapp. Anna und Maja flüchten sich in ihre Traumwelten, so ist dieses Martyrium zumindest kurzzeitig auszuhalten. Er war ein Psychopath, war jähzornig, war unberechenbar. Und die Mutter schweigt dazu, sie hat nicht die Kraft, ihn zu verlassen, auch sie bekommt seine Wut zu spüren.
„In diesem Haus war es nicht gut, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“ sagt Julias Mutter, als sie ein Fotoalbum hervorkramen und die Erinnerungen hochkommen. Sie öffnet sich ein Stück weit und je mehr sie von damals erzählt, desto eher versteht Julia ihr langjähriges Schweigen.
Der Roman ist nicht anklagend und doch klar und deutlich, die Kapitel sind mit prägnanten Sätzen überschrieben wie etwa „Du tust, was ich dir sage“ oder auch“ Denkst du etwa, mir macht das Spaß.“ Diese Aussagen werden noch sehr viel derber, sehr viel verletzender. Das Nachwort legt die Finger nochmal in die Wunde. Wer einmal schlägt, wird es in ähnlichen Situationen wieder tun. Hier geht es um Gewalt gegen Frauen. Häusliche Gewalt trifft vor allem sie, wenngleich gemäß den bekannten Zahlen auch 18 Prozent der Gewaltopfer Männer sind, die sich danach noch seltener als Frauen Hilfe suchen. „Würde mir das passieren – ich wäre sofort weg.“ Es beginnt schleichend, mir Worten, mit Vorwürfen, denen ein Rempler folgt, ein Hieb – und dann eine halbherzige Entschuldigung.
„Die Nacht der Bärin“ erschüttert, auch das Nichtgesagte, das zwischen den Zeilen Sichtbare, ist schlimm, zu schlimm, es geht an die Nieren. Es fesselt, es lässt einen nicht los, es wirkt nach, bleibt im Gedächtnis. Und das ist auch gut so. Ein wichtiges Buch, das jeder lesen sollte.