Eine Gesellschaftssatire über Instagram-Feminismus und sexuelle Identität.
Zwei Welten prallen aufeinander: das kleinbürgerliche Grillfest auf der Terrasse einer Doppelhaushälfte in Schweinfurt und das unkonventionelle Liebesfest auf der Ladefläche eines LKW in einem fremden, fernen Land. In einer Welt geht Luisa zur Schule und träumt von Dunja, obwohl sie mit Benno zusammen ist. In der anderen schreibt sich Luisa in den Strudel einer Geschichte.
Darin ist Dunja die Welt, trägt einen weißen Leinenanzug und hat blaue Haare. Beide begeben sich auf eine Reise, die Luisa zu ihrer Sexualität und zu sich selbst führt. Als sich die beiden Mädchen in der Wirklichkeit näherkommen, finden immer mehr Umstände aus Dunjas Leben in der Geschichte Einzug und Luisas Erzähldrang wird immer gewaltvoller. Bis ihre Geschichte schließlich Opfer in der echten Welt fordert.
Humorvoll blickt der Roman auf das konservatives Milieu und hinterfragt alte Rollenzuschreibungen – eine Geschichte der Befreiung.
Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Es kann viel mehr, als ich zunächst dachte.
Es beginnt als queere Coming-of-Age Geschichte in Schweinfurt. Luisa ist 17 und lebt mit Mutter und Großmutter ("Entenoma") zusammen. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist angespannt, die Entenoma ist suchtkrank. Luisa hat gerade ihren Freund Benno verlassen, direkt nach ihrem ersten Mal auf der Schultoilette. Sie kann nur an Dunja denken, ihre Mitschülerin mit den blauen Haaren.
Die Geschichte beginnt mit einem Grillfest auf der mütterlichen Terrasse. Nachbarinnen, Onkel, Tante und Cousin sind gekommen und Luisa liest aus "ihrer Geschichte" vor: Ein Text, an dem sie schreibt, und der von Dunja handelt, in einem "fernen Land" mit "Wüstensand". Es beginnt ein Roman im Roman, abwechselnd befinden wir uns in Luisas Geschichte und in Schweinfurt.
"Die Welt hat blaue Haare" ist fast eine Groteske, satirisch, ohne zynisch zu sein und spielt mit den vielleicht manchmal vorschnell getroffenen Urteilen der Lesenden. Der Roman macht richtig viel Spaß und tut an den richtigen Stellen weh.
+++Hier kommt jetzt ein bisschen Spoiler+++ Paula Steiner schafft es, die Figuren plastisch werden zu lassen, auch wenn ich den "woken" Cousin leider nicht ganz so gelungen, etwas holzschnittartig fand. Aber seine Funktion ist wichtig, um zur tieferen Bedeutung von "Die Welt hat blaue Haare" vorzudringen. Denn die Autorin konnte ja schlecht voraussetzen, dass sich die Leser*innen bereits mit Rassismus und Konzepten wie White Saviourism auseinandergesetzt haben - Leider!!! Denn ich glaube, ich hätte den Roman noch viel stärker gefunden, wenn ich nicht regelmäßig mit der Nase auf bestimmte Aspekte gestoßen worden wäre. Ich verstehe aber auch, dass Paula Steiner es nicht riskieren wollte.
In die „Die Welt hat blaue Haare“ lernen wir die 17-jährige Luisa kennen, die in Schweinfurt lebt und mit den Herausforderungen ihrer Identitätssuche konfrontiert ist. Sie ist fasziniert von ihrer Mitschülerin Dunja, dem Mädchen mit den blauen Haaren, obwohl die beiden noch kaum Kontakt miteinander hatten. Erschwert wird Luisas Selbstfindung neben den typischen jugendlichen Unsicherheiten auch noch von ihrer konservativen Familie, allen voran der Mutter. In ihrer Fantasie verarbeitet Luisa ihre Gefühle und schreibt eine Geschichte, in der Dunja und sie selbst die Hauptrollen spielen.
Das Buch ist ein erfrischendes und charmantes Coming-of-Age-Abenteuer, das auf humorvolle aber nicht platte Weise u.a. die Themen Queerness, Selbstfindung, familiäre Konflikte, Rassismus und S4cht behandelt. Die Charaktere, insbesondere die Familienmitglieder von Luisa, sind stereotyp und überspitzt dargestellt. Das passte in diesem Fall sehr gut, denn es bietet großen Wiedererkennungswert mit realen Personen. Viele Dialoge wirken realistisch und authentisch und ich kann mir gut vorstellen, dass sie so ähnlich auf vielen Familienfesten stattfinden, bei denen Boomer und Gen Z aufeinandertreffen. Gelungen ist auch der humorvolle Ton des Romans, der sich durch das gesamte Buch zieht. Gleichzeitig hat der Text aber auch Tiefe und etwas Tragik.
Die Geschichte im Buch, die Luisa über Dunja und sich selbst schreibt, steckt voller kreativer Ideen und Symbolik und ist manchmal ziemlich abgedreht. Obwohl sie handwerklich gut gemacht ist, war sie für mich im Vergleich zur eigentlichen Erzählung deutlich weniger fesselnd – ich wollte lieber wissen, wie es mit der „echten“ Luisa weitergeht.
„Die Welt hat blaue Haare“ ist für mich ein gelungenes Buch, das mit einer gewissen Leichtigkeit schwere Themen behandelt. Ich habe Luisa gerne begleitet, und bin gespannt, was von Paula Steiner noch kommt.
a very poignant exploration of selective white feminism, white saviourism and in general just the absolute foolish activism that white people participate in without having any idea what they are doing and that is actually racist as fuck. at times it wasn't the most interesting read and spending the entire book in the head of someone who's just lost (tm) is exhausting at times, but towards the end it really got me in the sense that i was constantly thinking 'people really are like that and it's so yikes'. i'm really glad the book made it very clear and obvious what it's about and that it's a callout and i hope at least 1 person read this book and realized how cringefail their pretend activism is. unfortunately i doubt it
Die Welt hat blaue Haare ist ein cleverer Roman der sich zwischen zwei Welten bewegt: Der konservativen, kleinbürgerlichen Stadt Schweinfurt und der fantasievollen Gedankenwelt der Protagonistin Luisa. Luisa schreibt sich und ihre Mitschülerin Dunja - für Luisa Die Welt - in ein fernes, fremdes Land. Doch nicht nur in Luisas Fantasie kommen sich die beiden Mädchen näher und unaufhaltsam schwappt der Sog, den Luisas Geschichte entfaltet, auch in ins echtes Leben über. Scharfsinnig skizziert Paula Steiner eine Geschichte über sexuelle Identität, Grenzüberschreitungen und Orientalismus. Ohne Angst davor mal aus der Reihe zu tanzen lässt Paula Steiner keine Details aus. Scham und Ekel zum Trotz beschreibt sie auch Aspekte der Realität, die sonst nicht abgebildet werden.
Uff... das hatte was von 4. Klasse- Erlebniserzählung. Ein gutes Beispiel ist hierzu Seite 135 (eine heruntergeleierte Abfolge kurzer Sätze, die langweiliger und uninteressanter nicht sein könnten).
Viele Dinge werden kurz angeschnitten und haben keinerlei Bedeutung. Alleine wie oft die Mutter bei der Gartenparty zwischen Tisch und Nachbarinnengruppe wechselt, hat mich wahnsinnig gemacht. Wozu muss man das als Leser:in wissen? Onkel und Cousin (die nicht einmal Namen haben, so irrelevant sind sie für die Geschichte) sind überspitzt und konstruiert, nur um je eine konservative und eine progressive Stimme zu liefern. Mir scheint, die Autorin wollte UNBEDINGT Begriffe wie "White Savior Complex", "Menschen mit Uterus", Patriarchat" und "Sozialisierung" einbauen. Neben dem beinahe unlesbaren Stil gab es so viele Logikfehler, dass ich mich echt frage, was das Lektorat dieses Buches beruflich macht. Um ein paar Beispiele zu geben: Auf Seite 68 hat Bettina eine Kurzhaarfrisur, auf Seite 99 hat sie ihr Haar plötzlich in einen Knoten zusammengebunden. Auf Seite 109 fühlt Luisa "gar nichts". Einen (!) Absatz weiter lesen wir: "Dass sie gerade diese Stelle durchgestrichen hat, trifft mich am meisten" Auf Seite 207 wird von Kontrollanrufen der Mutter in deren Arbeits-Pausen während des Hausarrests gesprochen, was auch durch die Aussage "Ich muss gleich los." (in die Arbeit) bestätigt wird. Auf Seite 210 lesen wir von Luisa, die sich danach an ihre Schulaufgaben macht. Die Mutter kommt rein und kontrolliert sie (obwohl sie in der Arbeit sein sollte?!). An einer Stelle sagt Luisa, dass sie in Dunja verliebt sei, aber sie nicht leiden kann. In keinem Satz kommt diese Ambivalenz je wieder vor.
Ich wollte gerade schreiben, dass dieses Buch wohl besser ein Jugendbuch geworden wäre, doch auch Jugendliche verdienen ein Buch in toller Sprache und ohne Logikfehler.
Verrückte Welt in der wir leben...hab zwar gehofft eine schöne queere Lovestorys serviert zu bekommen, die einige "hürden" überwinden muss. Es war zwar anders aber ich bin positiv überrascht über mein Leseerlebnis.
Hab die 'warnung' auch erst am ende gesehen hahaha
Die Welt hat blaue Haare war überraschend stark. Leicht zu lesen, aber mit vielen wichtigen Themen: Luisas Coming-out, Alltagsrassismus am Küchentisch und ihre suchtkranke Oma als Nebenstrang. Hat mich echt positiv überrascht.
4.5⭐️ also, alles in allem hat es mit sehr gut gefallen und auch 3 monate später denke ich noch öfter über dieses buch nach. es erzählt eine interessante geschichte über white saviorism und die konsequenzen die er im echten leben haben kann. auch der poetry slam aspekt hat mir sehr gut gefallen, auch wenn er im buch natürlich eher negativ behaftet ist. das einzige was mir ein bisschen sauer aufgestoßen ist, ist manchmal wie geschrieben ist bzw. wie gewissen charaktere beschrieben werden. ich hab das gefühl die autorin hat sich manchmal doch zu dem ein oder anderen stereotyp verführen lassen und auch dieser white saviorism der im buch ein großes thema ist, scheint fast in das buch eingeflossen zu sein. sonst war es aber wirklich ein cooles buch!