Schleimspuren hinterlassen bei den Leitners nur die Schnecken im Garten. Schleimige Menschen mögen sie nicht, genauso wenig wie solche, die tagsüber vor dem Fernseher sitzen, das machen nur die Faulen. Prinzipien haben sie, die Leitners, und keinen Genierer, sich ihre Billigsdorfer-Mentalität zugute zu halten: keinen Cent zu viel ausgeben, nicht so wie die anderen, die das Geld beim Fenster hinauswerfen! Charlotte, die Nachzüglerin, merkt früh, dass sie weniger hat als andere Kinder. Vor allem wird ihr ständig gesagt, was sie nicht hat: einen Vater. Es ist die Mutter, die alles am Laufen hält. Bis eines Tages ein Aneurysma in ihrem Gehirn platzt. Die Folgen: 50-prozentige Behinderung, Kündigung, Arbeitsamt. Die beiden erwachsenen Halbgeschwister ziehen aus, ein alkoholsüchtiger Mann ein, und Charlotte muss sich damit abfinden, dass ihre Familie nun noch weniger in das Wertesystem der konservativen Kleinstadt passt als zuvor...
. Dieser Roman ist ab der ersten bis zur letzten Seite grandios! Er kommt definitiv auf die Liste der Bücher, die ich einfach jedem empfehlen werde! Eine bewegende Geschichte, die mich tiefer und anders berührt hat, als ich mir eingestehen möchte! 5/5 ⭐️
. Aber worum geht es genau… Charlottes Familie ist nicht, wie die anderen Familien und das merkt sie schon früh. Sie hat weniger als andere Kinder und kein Cent wird zu viel ausgegeben. Als eines Tages ein Aneurysma im Gehirn ihrer Mutter platzt ändert sich alles und Charlotte merkt schnell das ihre Familie nun immer weniger in das Wertesystem der konservativen Kleinstadt passt.
. In „Nacktschnecken“ folgen wir der 10 jährigen Charlotte durch die Geschichte. Wir blicken tief in die Gefühlswelt des jungen Mädchens. Die oft vergessenen Gefühle eines Kindes werden von Andre mit einer eindrucksvollen Leichtigkeit in den Fokus gerückt. Die klare Sprache dieses Romans hat mich sehr berührt. Sie macht es leicht als Leser voll und ganz in die Geschichte abzutauchen. Mit großem Verständnis, Feingefühl und ohne Wertung beschreibt Andre in „Nacktschnecken“ die Kluft zwischen den sozialen Schichten und wirft dabei ein großes Licht auf die Kleinsten, die still und heimlich darunter leiden. Ein Roman, der hoffentlich die richtigen Leute erreicht und sie zum nachdenken anregt. Knapp 200 Seiten für die ich eine dicke Leseempfehlung ausspreche!
Mir hat dieser Roman gefallen. Das zentrale Thema von 'Nacktschnecken' ist eher tragisch. Die kleine Charlotte wächst in einer lieblosen Familie auf, in denen Geldnot und Krankheit Alltag sind. Der neue Partner der Mutter nistet sich ein und geht eifrig seiner Alkoholsucht nach. Charlotte erlebt viel Abneigung im Leben. In der Schule hat sie keine Freunde, weil sie pummelig ist, ihren Vater nicht kennt und ihre Familie so anders ist als alle anderen. Das wird ihr von ihrer Familie auch immer wieder vorgepredigt, dass sie eben anders sind. Die "Billigdorfers", die jeden Cent zweimal umdrehen müssen, um zu überleben. Charlottes zwei ältere Geschwister suchen das Weite und Charlotte bleibt mit ihrer Mutter und dem Alkoholiker Manfred allein zurück. Die Trostlosigkeit und die fehlende Liebe und Geborgenheit springen dem Leser auf jeder Seite entgegen. Trotzdem fand ich den Roman nicht deprimierend, denn Charlotte flüchtet mit ihrer kindlichen Phantasie aus dem Elend und macht sich ihre eigene Welt mit Barbies, Pipi Langstrumpf und den Sims schön. Charlottes Sicht auf das Geschehen ist einfach, unbedarft und doch so treffend ehrlich. Die 220 Leseseiten und das interessante Cover laden zum Lesen ein.
„Nacktschnecken“ von Annemarie Andre erzählt die Geschichte von Charlotte, die mit ihrer Mutter und ihren zwei älteren Geschwistern in der österreichischen Provinz lebt. Sie merkt früh, dass ihre Familie anders ist, denn sie sind die „Billigdorfers“, immer finanziell unter Druck und ohne einen Vater im Haus. Als die Mutter eine Hirnblutung hat, ihren Job verliert und schließlich auch noch der alkoholkranke Manfred einzieht, spitzt sich die Lage für Charlotte weiter zu.
Ich hatte mich auf ein trauriges Buch eingestellt, doch obwohl es wirklich nicht sehr rosig für die Familie läuft, ist es keine trost- oder hoffnungslose Geschichte. Das liegt vor allem an der kindlichen Erzählperspektive. Charlottes Stimme ist absolut geglückt und ich habe sie mitsamt ihrer fantasievollen Art und Verträumtheit, ihren Ängste und Wünschen sehr gerne begleitet. Die kindliche Wahrnehmung und das dazugehörige Gefühlsspektrum werden messerscharf eingefangen.
Generell machen die authentisch gezeichneten Charaktere, allen voran die pragmatische Mutter und ihre vielschichtige Beziehung zu Charlotte, das Buch so besonders und gelungen. Auch die Veränderungen in der Familienkonstellation, die mit dem Einzug des alkoholkranken Manfred einhergehen, sind psychologisch fein ausgearbeitet und spannend zu lesen.
Große Empfehlung und Bonuspunkte für die 90er/2000er-Vibes (Sims, Bravo, Sailor Moon)!