Wie bei Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher habe ich mir auch bei diesem Buch gedacht, dass Kempers und Weinbachs Klassismus immer noch die beste Einführung in das Thema ist. Hier haben mir die persönlichen Elemente gut gefallen, die recht vorstellbar waren, aber ich fand die Anmerkung auf den ersten Seiten seltsam, dass manche Ereignisse „für den dramatischen Effekt“ verfremdet wurden. Auch war es etwas nervig, wie oft Dehnert erwähnt, wie gut sie in der Schule gewesen ist. Die Geschlechterebene wird ebenfalls angesprochen, aber leider zu kurz. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass teilweise Frauen gegeneinander ausgespielt werden. Dies ist mir besonders im Abschnitt zum Nagellack aufgefallen und auch in der Art, wie Clean Girls kritisiert wurden. Auch das Verteidigen von Shein und die Kritik an Kleiderkreisel fand ich etwas seltsam. Da hat mir der Blick auf die ganzheitlichen Prozesse gefehlt; hier hätte z. B. erwähnt werden können, dass Ultra-Fast-Fashion wie Shein mit seiner Umweltverschmutzung auch armen Menschen in anderen Ländern schadet.