Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet – doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Barbara Peveling schreibt auch über all die Formen häuslicher Gewalt, die darunter liegen, die eng verbunden sind mit traditionellen Geschlechterrollen, ökonomischer Ungleichheit und dem Haus als intimer Arena der Dominanz. Dabei spricht sie als Sie hat als Kind zwischen ihren Eltern und als Erwachsene in ihren Beziehungen Gewalt erlebt. Sie zeigt auf, dass die Strukturen der Dominanz allen schaden, auch Männern wie ihrem Vater, der als Täter die Gewalt letztlich gegen sich selbst richtete. Ein aufrüttelnder Essay über die Zyklen der Gewalt, über Schweigen und Scham, Gegenwehr und Hoffnung.
»Barbara Peveling findet eine Sprache für häusliche Gewalt, die mich hat verstehen lassen, was die Gewalt für Betroffene bedeutet. Sie verbindet gekonnt persönliche Erzählung mit feministischer Theorie. Lest dieses Buch!« Bettina Wilpert
»Barbara Peveling zeigt, welche Kräfte uns formen, in Beziehungen führen, einsperren und wie wir ihnen im Akt des Erzählens entkommen. Schonungslos und sprachgewaltig.« Florian Werner
Statistisch gesehen sind Frauen im intimen Bereich der Familie in größerer Gefahr als nachts im dunklen Park. Alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Ehemann, Partner oder Ex-Partner getötet. Ein solches Ausmaß von Gewalt ist nur möglich, weil es in eine patriarchale Kultur eingebettet ist. Sie beginnt nicht erst mit physischer Gewalt, mit Schlägen und Tritten, sondern wird vorbereitet durch Abwertung, Verächtlichmachung, Drohungen. Barbara Peveling hat sowohl als Kind als auch in ihrer Ehe häusliche Gewalt erlebt. In ihrem Essay entwirft sie von diesen Erfahrungen ausgehend ein kulturgeschichtliches Panorama des Phänomens männlicher Dominanz, die in Gewalt mündet. Dabei gelingt ihr die schwierige Balance zwischen einer strukturellen Analyse einerseits, die die Gesellschaft zur Verantwortung ruft, und Überlegungen dazu, welche individuellen Handlungsmöglichkeiten die Opfer womöglich haben, andererseits. (Publik Forum, 7.2.2025)
Barbara Peveling schafft es in diesem Buch, mir als weiblich sozialisierter Person, die sich durchaus mit feministischen Themen befasst und dahingehend nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt läuft, dennoch einen sehr konkreten, neuen Blickwinkel auf die Strukturen patriarchaler Gewalt aufzuzeigen. Meine Bewertung fällt dennoch mit drei Sternen aus, da ich oftmals feststellen musste, dass ihre Art des Schreibens und auch ihre Wortwahl mir oft zu klischeehaft und vorhersehbar erschien. Da die Konzepte, die sie beschreibt, ungemein wichtig sind, empfinde ich das als enorme Schwachstelle - jedoch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das Kernpublikum, für das Peveling schreibt, vielleicht nicht vollends meiner Realität, sondern eher ihrer entspricht - meaning: weiße Cis-Frau, Anfang 50. Ich sehe die Wichtigkeit und die emotionale Stärke, die es brauchte, um sich so offen zu legen, wie sie es in diesem sehr autobiografischen Buch tut, und fühlte mich ihr an vielen Stellen sehr nah.
Dennoch wäre mir enorm wichtig zu erwähnen: Ein Buch, das als Lösungsentwurf ein Aufbrechen binärer Strukturen und gegenseitige „Sororität“ (Schwesternschaft) als unabdingbar betrachtet, sollte die Arbeit und auch das Leiden trans*femininer, nichtbinärer, nicht-weißer (vor allem aus postkolonialer Perspektive) Menschen im Kampf gegen das Patriarchat idealerweise mehr als nur erwähnen - und sie nicht nur am Rande mit der Formulierung „weiblich gelesene Körper“ mitmeinen. (Wobei die Formulierung „weiblich gelesen“, „weiblich sozialisiert“ auch hier oft an unpassenden Stellen verwendet wurde, an denen andere Begriffe besser benennen würden, was sie meint.) So merke ich, dass die Bemühung da ist, die Dinge richtig zu machen - was in dieser Zeit jedoch meiner Meinung nach nicht mehr reicht.
Dennoch ist „Gewalt im Haus“ ein unheimlich wichtiges Buch, das die Fehler der deutschen und vor allem der französischen Politik, des Rechts und der Gesellschaft in vielen Fällen und mit wichtigen Quellen aufzeigt.