DEU:
Ein überraschend fesselnder Thriller mit Tiefgang und feinen Nuancen
Bewertung: 4.5 Sterne
Genre: Thriller
480 Seiten
„Lupus“ von Tibor Rode hat mich auf eine überraschende literarische Reise mitgenommen, die ich so nicht erwartet hatte. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von vielen Zeitsprüngen und wechselnden Perspektiven bin, hat Rode es geschafft, diese nahtlos in die Handlung einzubinden. Die Übergange zwischen den Zeitebenen und den verschiedenen Erzählperspektiven waren so geschickt gestaltet, dass sie die Geschichte in perfektem Fluss hielten, ohne, dass es sich irgendwie abgehackt oder unlogisch angefühlt hat. Dem geholfen hat der Schreibstil, welcher flüssig und klar ist und einen mühelos durch die Seiten gleiten lässt. Der Spannungsbogen bleibt konstant, und ich war immer neugierig, was als Nächstes passiert. Auch wenn ich mir nicht immer sicher war, wie realistisch die Ereignisse sind, wurde ich unweigerlich in den Bann gezogen.
Eine angenehme Überraschung war für mich die dezente Liebesgeschichte, die sich durch das Buch zieht. Sie verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe, ohne sie zu dominieren. Die beiden Hauptcharaktere sind absolut glaubwürdig skizziert und durchlaufen im Verlauf der Handlung eine nachvollziehbare und interessante Entwicklung. Besonders gut hat mir gefallen, wie Rode die verborgenen Geheimnisse nach und nach offenlegt. Im Laufe der Handlung fügen sich die verschiedenen Puzzleteile Stück für Stück zusammen, und das Endbild zum Schluss hat einen richtigen Aha!-Moment ausgelöst. Zum Ende hin empfand ich das Buch allerdings stellenweise etwas langatmig, was den ansonsten sehr gelungenen Gesamteindruck nur leicht trübt.
Die faszinierende Thematik rund um Wölfe, Wissenschaft, Jäger und Umweltbewusstsein zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Rode beleuchtet geschickt die Bedeutung von Zäunen, sowohl als physische als auch symbolische Grenzen, und setzt diese geschickt in Bezug zur Umwelt, zur Geschichte und zu politischen Systemen, ohne dabei belehrend oder aufdringlich zu wirken. Allerdings fand ich die wiederholte Kritik an der DDR stellenweise etwas zu überzogen. Es gibt definitiv Punkte, bei denen ich zustimme, aber andere waren etwas to much.
„Lupus“ war mein erstes Buch von Tibor Rode, aber definitiv nicht mein letztes. Es hat sich unerwartet als eines meiner Lese-Highlights im September herauskristallisiert, und ich freue mich schon darauf, weitere Werke dieses Autors zu entdecken.
Insgesamt ein spannendes, gut durchdachtes Werk, das sowohl auf inhaltlicher als auch auf stilistischer Ebene überzeugt – klare Leseempfehlung von mir!
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ENG:
A Surprisingly Gripping Thriller with Depth and Fine Nuances
Rating: 4.5 stars
Genre: Thriller
480 pages
"Lupus" by Tibor Rode took me on a surprising literary journey that I didn’t expect. Although I’m usually not a fan of frequent time jumps and changing perspectives, Rode managed to weave them seamlessly into the story. The transitions between time periods and narrative perspectives were so skillfully done that they kept the story flowing perfectly, without feeling disjointed or illogical. The writing style, fluid and clear, helped me glide effortlessly through the pages. The tension was consistent, and I was always eager to find out what would happen next. Even though I wasn’t always sure how realistic the events were, I was undeniably captivated by the story.
A pleasant surprise was the subtle love story that runs through the book. It added extra depth to the story without overpowering it. The two main characters are portrayed in a very believable way and undergo a relatable and interesting development throughout the plot. I particularly liked how Rode gradually revealed hidden secrets. As the story unfolds, the different puzzle pieces fit together bit by bit, and the final picture delivered a real "Aha!" moment at the end. However, I did find the book a bit drawn out towards the end, which slightly detracts from the overall impression, but not enough to spoil it.
The fascinating themes of wolves, science, hunters, and environmental awareness are woven throughout the novel. Rode skillfully highlights the significance of fences, both as physical and symbolic boundaries, and relates them to environmental, historical, and political systems without being preachy or overbearing. That said, I found the repeated criticism of the former East German state (DDR) somewhat excessive at times. While I agree with some points, others felt a bit too much.
"Lupus" was my first book by Tibor Rode, but definitely not my last. It unexpectedly became one of my reading highlights of September, and I’m already looking forward to discovering more of this author’s work.
Overall, a thrilling, well-thought-out piece that succeeds on both content and stylistic levels – a clear reading recommendation from me!