Sena ist eine erfolgreiche Anthropologin und Universitätsprofessorin, doch ihre Wurzeln liegen nicht in Amerika, wo sie lebt und arbeitet, sondern im Westjordanland, wohin sie ihrem im Sterben liegenden Vater zuliebe reist. Diesen hat sie das letzte Mal gesehen als sie eine Jugendliche war, schwanger und von ihm mit einem Messer bedroht, verzerrte sich das Bild des liebevollen Gemischtwarenhändlers zu einem Mann, der ihren Fehler nicht verzeihen konnte.
Doch die Ankunft im Westjordanland bringt Sena auch nicht die gewünschte Erkenntnis: Eigentlich wollte sie inmitten ihrer Familie zu sich selbst wiederfinden, stattdessen geht sie in diesem Konvolut, das sich um das Erbe ihres Vaters dreht, auf. So verwebt Sahar Khalifa die anfängliche Ich-Erzählerin immer stärker mit den anderen, personalen Erzählstimmen des Buches – da wäre zum Beispiel Fitna, die junge Witwe ihres Vaters, die sich künstlich befruchten hat lassen, um einen Stammhalter hervorzubringen. Oder Kamal, der nach Deutschland ausgewanderte Ingenieur, der mit seinem Wissen eine Kläranlage nach Wadi al-Raihan bringen will. Sie alle kämpfen mit den herrschenden politischen Zuständen, die so vieles zunichte machen – und mit der Familie, an der sie hängen, an der sie gleichzeitig aber auch scheitern.
Das Erbe ist für Sahar Khalifa der Angelpunkt, an dem sie ihr Familien- wie Gesellschaftsdrama festmacht und das Gefangen-Sein innerhalb fester, politischer wie sozialer, Strukturen aufzeigt. Eine spannende Lektüre, aber leider auch eine, bei der sehr viel offen bleibt ... Aber vielleicht ist das gerade auch Sinn und Zweck.