Jarven befindet sich noch immer auf dem Eliteinternat in Skogland gemeinsam mit Ylva und ihrem Freund Joas, dem Sohn des Innenministers. Doch dann verschwindet Joas urplötzlich, und der Einzelgänger Hjalmar, Sohn einer der ältesten Adelsfamilien des Landes, verhält sich immer aggressiver und auffälliger. Auch die Spaltung der Gesellschaft zwischen dem Norden und dem Süden Skoglands vertieft sich wieder, weil neue Attentate das Land erschüttern. Als Jarven und die anderen ein Sommercamp mit Jugendlichen aus dem Norden und Süden ins Leben rufen, schmiedet Hjalmar einen schrecklichen Plan, der ihn vor nichts haltmachen lässt …
Kirsten Boie was born in Hamburg in 1950. She studied German and English literature and wrote a doctoral thesis on a topic in the field of literary research. She worked as a secondary school teacher in Hamburg from 1978 until 1983. When she adopted a child she had to stop teaching and began to write. Her first book "Paule ist ein Glücksgriff" (1985) was very well received and won several awards.
Since then she has published more than 60 books for children and teens that have been translated into many languages. Special mention must be made of her novels for young adults that critically examine social issues and display literary innovation. In addition to the many awards she has won, her complete works have been nominated for the Hans Christian Andersen Award three times (in 1999, 2001 and 2003). Kirsten Boie lives with her family near Hamburg.
Der 3. Teil der Skogland Reihe - Skogland brennt - ist nochmal spannender und politisch brisanter als die Vorgänger Bände. Kirsten Boie hat sich für diesen Roman einer historischen Vorlage bedient - und zwar des Amoklaufs des rechtsextremen Attentäter Anders Behring Breivik in Oslo und auf Utoya am 22. Juli 2011. Meine Tochter, die die beiden ersten Skogland Bücher begeistert verschlungen hat, war zu der Zeit dieses Amoklaufs gerade mal einen Monat alt.
Die uns bekannten Protagonisten der Skogland Reihe sind zum Großteil wieder mit dabei, es werden neue Figuren eingeführt und das Land Skogland selbst hat sich verändert. Die Autorin hat das Setting nun an unsere heutige Welt angepasst. Die schon in den Vorgänger Bänden immer wieder beschriebene Problematik des geteilten Skoglands in den reichen Süden, in dem die Menschen blond, groß und schlank sind, und den armen Süden, in dem die Menschen dunkelhaarig, klein und eher kräftig sind, wird nun noch stärker in den Vordergrund gestellt. Bolström, der aus den Vorgänger Bänden bestens bekannt ist, hat mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Arisch Patriotische Partei (APP) gegründet, sie bedienen sich der sozialen Medien und Fake News, um die Spaltung des Landes zu vertiefen und Hass zu schüren. Bei dem jungen Hjalmar, ein Schulkamerad Jarvens, wirkt sich dieses Klima des Hasses schrecklich aus und er plant einen Amoklauf. Als Jarven mit ihrer Freundin Ylva und ihrer Cousine Malena ein Sommercamp für Jugendliche aus Norden UND Süden organisiert, kommt es zur Katastrophe. Skogland hat sich verändert - der letzte Band erschien 2008 - weil sich die Welt verändert hat. Kirsten Boie thematisiert in ihrem Jugendroman viele hoch aktuelle Punkte, mit denen sich Jugendliche (und Erwachsene) heute befassen müssen. Die Themen sind dabei so vielseitig, dass es zumindest hin und wieder zu Lasten der Protagonisten geht und am Schluss auch nicht alle Stränge aufgelöst werden. Dies ist aber nur ein ganz kleiner Kritikpunkt von mir und tut der Spannung des Buches absolut keinen Abbruch. Atemlos habe ich den noch mal viel spannender und irgendwie "schneller" geschriebenen Roman gelesen und konnte ihn vor allem am Schluss nicht mehr weg legen. Die Kapitel sind kurz und aus immer wechselnden Perspektiven geschrieben und der Spannungsbogen ist wirklich absolut genial aufgebaut und lässt einen nicht los. Ich habe den Roman in einer Leserunde lesen dürfen. Einige von uns kannten die Vorgänger Bände noch nicht (ich habe beide schon gelesen) und hatten am Anfang ein bisschen Probleme mit den vielen Personen. Sie kamen dann aber gut rein und daher kann man wirklich sagen, dass es kein MUSS ist, die beiden anderen Bücher gelesen zu haben, aber ich persönlich war froh darüber. Nach dem zumindest zum Teil offenen Ende hoffe ich auch, dass es noch einen 4. Band geben wird, Skogland ist meiner Meinung noch nicht auserzählt. Ich gebe eine eindeutige Leseempfehlung ab - aber schaut auf die Triggerwarnung und Altersempfehlung, manche Stellen sind wirklich hart zu lesen!!!
Der dritte Band der Skogland-Reihe ist brandaktuell und relevant, fällt in der Umsetzung allerdings an einigen Stellen etwas schwächer aus als Band 1 und 2.
Rechtsruck, Radikalisierung von Jugendlichen, eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren: Während Skogland 1 und 2 teilweise noch subtil waren, fährt Band 3 die Themen auf voller Breite. Skogland hat sich zwei Jahre nach dem Putschversuch verändert: Die Medienlandschaft ist digitaler geworden, das Land offener, doch noch immer versuchen rückwärtsgewandte Kräfte, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Nachdem dies durch den Putschversuch zwei Jahre zuvor nicht gelungen war, ist nun das Ziel, die Demokratie von innen auszuhöhlen; die rechten Kräfte formieren sich als Partei und gewinnen über Social Media und gezielte Desinformationskampagnen an Zuwachs. Nach den Anschlägen versucht sie Partei, direkt aus dem menschlichen Leid Kapital zu schlagen. Ein Schelm, wer hinter den Ereignissen einen politischen Kommentar vermutet.
Die literarische Verarbeitung des Anschlags von Utøya im Jahr 2011 zeigt sehr eindrücklich die Radikalisierung eines Jugendlichen. Der Rassismus und Hass, der einem von Kapitel 2 an entgegenschlägt ist bedrückend, Hjalmars Manifest zu lesen, tut nahezu körperlich weh. Zwischen seiner Radikalisierung, den wenig weitblickenden jungen Rebellen, und Bolströms politischem Fädenziehen und taktischer sprachlicher Dehumanisierung der Nordler ist man fast dankbar, wenn Jarven und Ylva ein Sommercamp planen, König Magnus Charakterstärke zeigt, und Liron und Nahira sich mit klarem Kopf und Bewusstsein für politische Konsequenzen beratschlagen, und sogar für Norlins Beitrag zum Geschehen ist man in diesem Band dankbar.
"Skogland brennt" bringt einige bekannte Figuren wieder auf den Plan. Neben Jarven, die endlich ein bisschen weniger naiv wirkt, Ylva, und dem sehr erwachsen wirkenden Joas', der seinem Vater immer mehr ähnelt, kommen Liron und auch König Magnus etwas stärker in den Fokus. Nahira versinkt dagegen nahezu in der Bedeutungslosigkeit; sie und Norlin bekommen beide ausschließlich eine Berater- oder Informationsgeberrolle. Entsprechend des Fokus auf das Attentat ist diese Entscheidung nachvollziehbar; trotzdem lässt dieser Band ohne die beiden in aktiven Rollen ein bisschen an komplexen Figuren vermissen. Hjalmar wird als zutiefst böse dargestellt, ebenso Bolström und Frode Bergmann. Der König, Joas, Jarven, und Ylva stehen auf der eindeutig guten Seite. Mit Liron, Nahira und Norlin hatte es in den ersten beiden Bänden drei Figuren gegeben, deren Loyalitäten nicht direkt eindeutig zugeordnet werden konnten, und die irgendwo im Spannungsfeld zwischen gewaltsamem Widerstand und friedlichen Protest standen. Von diesen Figuren bleibt in Band drei nur Liron in einer bedeutenden Rolle. Auch kleinere ambivalente Figuren wie Ylva oder General von Thunberg sind nun klar einer Seite zugeordnet. Die Figurendarstellung ist so deutlich mehr schwarz-weiß als in den ersten beiden Bänden.
Was der Jugendroman an Charakterkomplexität vermissen lässt, macht er mit Aktualität wieder wett. Die Rolle von Social Media im Wahlkampf, der Einsatz von KI, eine politische Partei, die aus Anschlägen Kapital schöpft, ohne sich um die Menschen zu kümmern, eine Sprache, die den Menschen im Norden das Menschsein abspricht. Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Die Angst der Nordler, nach dem Attentat wieder unter Generalverdacht zu stehen, wieder als Sündenbock herhalten zu müssen.
Und auch ein paar etwas heiterere Szenen dürfen natürlich nicht fehlen. So kommt man trotz aller Dramatik zum schmunzeln, wenn Joas die Arbeitsweise und Gruppendynamik der jungen Rebellen kritisiert (und in jedem zweiten Satz mit der von Nahira vergleicht), und auf die Annäherungsversuche eines Mädchens mit naturwissenschaftlichen Fakten antwortet; wenn Liron und Nahira zu Beginn ihres Treffens im Cafe als Tarnung etwas zu offensichtlich flirten, und Nahira, zwei Minuten nachdem sie Liron erklärt, sie könne nicht mehr über die jungen Rebellen verraten, ganz offensichtlich die Koordinaten zu deren Versteck an den Innenminister weitergibt; wenn Margareta sich darüber ärgert, dass Norlin im Gefängnis wohl nichts zu tun hat; oder wenn Bolström mal wieder keine Ahnung davon hat, wie Social Media funktioniert.
Allerdings scheint sich das Geschehen am Ende etwas zu verzetteln; die Handlungsstränge scheinen noch nicht ganz auserzählt. Vielleicht, um die Möglichkeit eines weiteren Bandes zu erhalten (in dem einige Figuren dann erstmal eine Pause und Psychotherapie brauchen), vielleicht aber auch, weil sich ein solches Thema nicht auserzählen lässt.
Treffend geschrieben ist das letzte Kapitel der Geschichte. König Magnus macht seine Sache gut; angemessen wäre es jedoch vielleicht sogar gewesen, tatsächlich 67 Namen zu nennen, um die Tragweite der Anschläge zu verdeutlichen. Schön ist, dass mit dem Lied und der Trauer ein Bogen zu Band 1 und Band zwei geschlagen wird; "voll Trauer und voll Hoffnung" ist ein würdiger Abschluss.
Die Vorgeschichte Jarven Schönwald, die in Band 1 der Trilogie als 14-Jährige ins Königreich Skogland gelangte, steht inzwischen als Nichte des Königs Magnus an dritter Stelle der Thronfolge, nach ihrer Mutter und ihrer Cousine Malena. Skogland besteht aus einem nördlichen und einem südlichen Teil, deren Bewohner sich äußerlich deutlich unterscheiden. Der Nordteil verfügt über Bodenschätze, allein im Südteil findet Wertschöpfung durch Verarbeitung statt. Der Nord-Süd-Konflikt wurde bisher durch Nachrichten über Attentate der Nordländer und offenen Rassismus vom wirtschaftlich dominierenden Süden am Kochen gehalten. Kurz vor Beginn des dritten Bandes hatte es einen Putsch gegen den König und die demokratisch gewählte Regierung gegeben.
Inhalt Yarven und ihre gleichaltrigen Freunde Joas und Ylva erleben zwar eine Demokratisierung des Schulsystems, die Erlaubnis zum Schulbesuch hat die Lage im Norden jedoch nicht gebessert. Im Gegenteil, die Abwanderung junger Arbeitssuchender hat die Lebensgrundlage beider Landesteile verschlechtert. Dem Süden mangelt es vor allem an Respekt gegenüber allen Menschen; es herrscht Abstiegsangst, aus der heraus eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Norden unbedingt verhindert werden soll. In den bevorstehenden Ferien wollen die Jugendlichen ein gemeinsames Sommer-Camp auf einer Insel für Schüler:innen aus beiden Landesteilen organisieren. Als Gegenspieler der demokratisch eingestellten Bewohner treten die arisch-patriotische Partei APP auf, die durch Attentate ein Klima der Angst vor den Nordinsulanern erzeugen will und ein einzelner Attentäter, der für seine Mission ein faschistisch begründetes Pamphlet vorbereitet. Die spannende Handlung ist deutlich an das Attentat von Utøya 2011 angelehnt. Unter Einsatz sozialer Medien und Fake-News eskalieren die Dinge; die drei inzwischen circa 17-Jährigen Protagonisten geraten in Lebensgefahr.
Fazit Kirsten Boie verarbeitet aktuelle politische und soziale Konflikte, die von Faschismus, Rassismus, Klassismus, Propaganda, Verantwortung der Presse bis zur Frage reicht, was Demokratie oder einen Staat ausmacht. Im ersten Band zeigte sich wirkungsvoll, wie die damals 14jährige Jarven Politik zuvor entsetzlich langweilig fand und überraschend gezwungen war, zu den Ereignissen in Skogland eine Meinung zu haben. Die beinahe erwachsenen Figuren wirken in diesem Band weniger individuell, auch die (größtenteils männlichen) Erwachsenen fand ich eher gleichförmig. Der Zuspitzung der Ereignisse konnte ich mich dennoch nur schwer entziehen. Politisch und sozial interessierten Leser:innen ab 15 empfohlen.
--- Serieninfo Zum Verständnis von Jarvens Rolle und des Nord-Süd-Konflikts im Königreich ist meiner Ansicht nach die Kenntnis mindestens des ersten Bandes nötig. Ohne Jarven vorher kennengelernt zu haben, hätte mir dieser dritte Band weniger gefallen.
„Skogland brennt“ ist spannend, düster und politisch brisant. Kirsten Boie führt die Reihe konsequent fort und zeigt ein erschütternd realistisches Bild einer gespaltenen Gesellschaft, in der Misstrauen und Radikalisierung immer weiter zunehmen. 🔥⚖️ 3/5 ⭐️
✨ Highlight/Lieblingsbuch ✨ gelungenes Buch, mochte ich 🔥war okay 🔥 ✨ nicht meins ✨ abgebrochen
📚 Zusammenfassung: Jarven lebt weiterhin im Eliteinternat von Skogland, gemeinsam mit Ylva und ihrem Freund Joas – dem Sohn des mächtigen Innenministers. Doch plötzlich verschwindet Joas spurlos. Niemand scheint zu wissen, was mit ihm geschehen ist, und die politische Lage im Land wird immer bedrohlicher. Während neue Anschläge das Land erschüttern und die Spannungen zwischen Nord und Süd erneut eskalieren, versuchen Jarven und ihre Freunde ein Sommercamp zu organisieren, das Jugendliche beider Seiten zusammenbringen soll. Doch Hjalmar verfolgt einen gefährlichen, fanatischen Plan – und Jarven gerät mitten hinein in ein Netz aus Lügen, Manipulation und Gewalt, das alles zu zerstören droht.
💬 Meine Meinung: Der dritte Band ist intensiv, gesellschaftlich hochaktuell und behandelt wichtige Themen wie Radikalisierung, politische Propaganda und den Versuch, Brücken zwischen verfeindeten Gruppen zu bauen. Die Atmosphäre ist bedrückend, die Bedrohung real, und Jarven wirkt glaubwürdig in ihrem Zwiespalt aus Verantwortung und Angst.
Trotzdem konnte mich der Band emotional weniger packen als erwartet. Manche Passagen ziehen sich, und im Vergleich zu den ersten beiden Bänden wirkt die Handlung etwas distanzierter. Jarvens Entwicklung bleibt spannend – aber nicht jeder Handlungsstrang hat mich gleich stark erreicht.
Insgesamt solide und relevant, aber deshalb für mich 3 von 5 Sternen.
✨ Mein Fazit: „Skogland brennt“ ist ein politisch stark erzählter dritter Band, der mit Spannung, Aktualität und moralischer Tiefe überzeugt. Themen wie Extremismus, Zusammenhalt und Zivilcourage stehen im Mittelpunkt und regen zum Nachdenken an. Atmosphärisch, ernst und wichtig – auch wenn es mich emotional nicht ganz so mitgenommen hat wie die früheren Teile. 🔥📖
Zwei Jahre sind seit der Vereinigung von in Skogland vergangen. Formal sind der Norden und Süden gleichgestellt, doch die Spaltung der skogischen Gesellschaft ist nicht überwunden und wird wieder größer…Um dem entgegenzuwirken, rufen Prinzessin Jarven und ihre Freunde ein Sommercamp für Jugendliche aus beiden Regionen ins Leben. Doch ihr Mitschüler Hjalmar von Söderberg, Sohn eines hohen Funktionärs der arisch-patriotischen Partei Skoglands, radikalisiert sich still und heimlich unter den Augen der anderen und verfolgt ein furchtbares Vorhaben…
„Skogland“ und „Verrat in Skoglant“ gehören zu den eindrucksvollsten Büchern, die ich als Teenie gelesen habe. Die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des fiktiven skandinavischen Landes gemischt mit dem fast märchenhaften Setting und der starken Entwicklung der Hauptfigur Jarven haben mich nachhaltig beschäftigt und geprägt. An dieses Erfolgrezept konnte „Skogland brennt“ für mich nicht ganz anknüpfen. Die Thematik dieses Nachzüglerbuchs bleibt hochrelevant und aktuell, doch es hatte einige Längen und Redundanzen, die den Spannungsbogen für mich stark beeinträchtigt haben. Mir fehlte außerdem diesmal etwas von der Leichtigkeit, die es in den vorherigen Büchern zwischendurch immer wieder gab. Das ist aufgrundn der literatischen Verarbeitung des realen Amoklaufs auf Utøya nicht völlig überraschend, hätte dem Buch aber gut getan. Auch der zugrundeliegende Konflikt zwischen der Nord- und Südinsel ist meiner Meinung nach nur in vollem Ausmaß verständlich, wenn man die ersten beiden Teile gelesen hat – von der Dynamik zwischen den Charakteren ganz zu schweigen.
Insgesamt ist „Skogland brennt“ für mich kein Coming-of-Age- und Abenteuerroman mit gesellschaftspolitischen Untertönen mehr, sondern andersherum. Als Diskussionsgrundlage in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen sicher geeignet, zur Unterhaltung war der ausgestreckte Zeigefinger für mich leider zu präsent.