Warum entdeckt weder der gesunde noch der gelehrte Menschenverstand am Ost-West-Gegensatz, an der ‚Kriegsgefahr‘ (die alle Politiker hüben wie drüben bannen möchten, so daß man sich fragt, wer sie eigentlich heraufbeschwört!), am Gegensatz von arm und reich im Weltmaßstab, an Gastarbeitern und Ölstaaten, an der New Yorker Börse und an der Welthungerhilfe jenes Geschäft, das einmal bürgerliche wie sozialistische Theoretiker Imperialismus nannten?
Um die Beantwortung solcher Fragen, um die Analyse und Zurückweisung also gewisser ideologischer Gewohnheiten einer aufgeklärten Öffentlichkeit in Sachen Weltpolitik, geht es in Kapitel I dieses Buches - und damit um alles andere als bloße Ideologiekritik.
Es sind also keine differenziert konstruierten Probleme, deren Lösungsmöglichkeiten angesichts unerbittlicher Sachzwänge das vorliegende Buch ausloten will, schon gar nicht solche der ‚Konfliktvermeidung‘.
Es sind vielmehr ziemlich allgemein bekannte Tatsachen, deren Erklärung die verschiedenen Kapitel gewidmet sind: Wie abhängig die bundesdeutsche Wirtschaft von lauter weltwirtschaftlichen Bedingungen ist – vom Export, aber auch vom Import, von der Stärke ihrer Mark, die aber auch nicht zu stark sein darf, von amerikanischen Zinssätzen und japanischer Konkurrenz; wie sich mit kleinen grünen Schuldzetteln ein ganzes gesellschaftliches Produktionsverhältnis in alle Welt exportieren läßt, vorausgesetzt, alle ‚Machtfragen‘ sind klar und eindeutig beantwortet, von denen der ‚friedliche Austausch zum wechselseitigen Vorteil‘ in der modernen Welt noch allemal seinen Ausgang nimmt und die er folgerichtig auch immer wieder auf die Tagesordnung setzt, und wie die Armut ganzer Nationen beschaffen ist, die der weltweite Einsatz des überschüssigen Reichtums der Geschäftswelt einiger weniger Nationen in all seiner Wucht erzeugt.
Karl Held, geb. 1944 und Theo Ebel, geb. 1942, leben in München.
Endloser kriegerischer Sommer 1982 stellt linke Staatstheoretiker unter Probe: Warum manövrieren Großmächte ganze Flotten für ein ökonomisch nutzloses Stück Erde wie die Falklandinseln an? Später dann - Was wollen die Deutschen in Jugoslawien? Und heute - Was gibt es für die BRD in Afghanistan, Libyen, Mali und an anderen Schauplätzen zu holen? Held und Ebel wagen sich an eine Erklärung zum Eigenleben der internationalen Geschäfte zwischen Staaten und verzichten dabei Kriege als unmittelbare Bereicherung von Staaten in Form von Eroberung von Rohstoffquellen zu definieren als auch Konflikte vollkommen getrennt von Reichtumsquellen als natürliches oder korruptes Machtstreben zu betrachten. Staatliche Souveränität heißt sich Emanzipieren von den Nutzenkalkülen, um ihr Recht geltend zu machen von ihrer schrankenlosen Zuständigkeit Gebrauch zu machen. Denn: "Was wäre das schönste Geschäft wenn die Gewalt ohne die es nie zustande käme und dem Privateigentum Früchte tragen könnte, sich nicht bedingungslos Respekt verschafft."
In der Darlegung der Gewalt und Brutalität einer friedlichen Weltwirtschaftsordnung führen die Autoren den Leser durch Abteilungen des modernen Staatswesens - Demokratie und Wahlen, Faschismus, Geld und Währung, NATO, EU, Realsozialismus, Kolonialismus und Abwicklung postkolonialer Souveränitäten unter die Obhut von Welthandelsmächten. Hat gerade wegen Fortschritten der freiheitlichen Wirtschaftsordnung nichts an Wahrheit verloren.
"Not, Gewalt und Moral stehen in der BRD also auf der Tagesordnung, demokratisch verordnet. Die "guten Gründe" fürs Mit-Machen, die schon immer Ideologien für Opfer waren, sollten daher nicht nur der theoretischen Kritik anheimfallen."