Die Rocky-Mountain-Serie ist mir schon öfters begegnet, da gibt es laut Amazon mittlerweile auch schon 32 Bände allein auf Deutsch übersetzt, und augenscheinlich werden die Bücher gerade neu aufgelegt. Okay, und wenn schon Yoga im Titel steht, dachte ich, da steige ich doch als Yogalehrerin neu ein 😊.
Also, das Setting ist klar, wir sind in den Rocky Mountains, in der Kleinstadt Independence. Der nächste Flughafen ist in Denver, um das Örtchen mal geographisch einzuorten.
In Band 1 nun flüchtet die 25jährige Jasmin – Jaz – ihres Zeichens Yogalehrerin Hals über Kopf aus Seattle nach Independence. Ihr Freund Gavin hat sich als Kleinganove entpuppt, und als er und seine Mobster-Freunde eine Pistole auf sie richten, heißt es nur, rette sich wer kann. Jaz schnappt ihren Hund Rocky und ist 36 Stunden später im Haus ihrer Oma in Independence. Ihre Großmutter, die mittlerweile mit ihrer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt, überlässt Jaz das Haus, sodass für eine Bleibe gesorgt ist. Jaz lebt sich schnell ein, findet Gefallen am Leben in der idyllischen Gemeinde, in der jeder jeden kennt, und verliebt sich in Jake, den örtlichen Sheriff. Praktisch, denn Gavin und der Seattle-Mob finden natürlich heraus, wo Jasmin sich versteckt hält und wollen Rache nehmen……es wird noch sehr unruhig im sonst so ruhigen Independence….
Nebenbei eröffnet Jaz noch ein Yogastudio und ihre neue Nachbarin und neue beste Freundin Paula rettet einen heimatlosen Teenager….
Ja, was sage ich jetzt hier dazu? Erstmal das Positive: das Buch liest sich gut weg. Flüssig, lebendig, bildhaft geschrieben, in einem Stil und einer Sprache, die es auch Nicht-Muttersprachlern gut möglich macht, durch den Roman zu fliegen. Das Örtchen, die Häuschen, das Diner in Independence – ich hatte sie gut vor meinem Auge 😉.
Allerdings hat es mich tatsächlich nicht so wirklich erreicht als Gesamtpaket. Die Personen waren mir durchaus sympathisch, die Story an sich gibt auch einiges her, aber ich fand, die Geschichte war einfach nicht richtig ausgearbeitet. Ständig gab es Zeitsprünge von ein paar Tagen, ein paar Wochen etc. pp. Manchmal hatte ich den Eindruck, ich hätte vielleicht ein paar Seiten oder ein Kapitel überlesen, aber nein, hatte ich nicht. Da war einfach nix.
Kaum hat sich Jaz entschieden, aus Seattle abzuhauen, ist sie auch schon in ihrem neuen Leben in Independence angekommen. Die gemeinsame Wohnung mit Gavin – zack zack gekündigt, 2 Freunde räumen die Bude aus und gefühlt nach 3 Seiten ist Jaz eingerichtet im neuen Leben. Zack zack ist eine Location für ein Yogastudio gefunden, aus purer Mitmenschlichkeit renovieren die Gemeindemitglieder aus Independence die Räumlichkeiten, und ohne, dass Jaz Werbung macht, stehen 2 Seiten später bei der Eröffnung die Leute Schlange, um Yogastunden zu nehmen. Meditationsklassen und Kochkurse laufen ebenfalls bombe von Tag 1 an (ich glaub ich sollte auch in Independence ein Studio aufmachen *lol*).
Die Romance mit Jake konnte ich auch nicht wirklich nachvollziehen – die zwei haben sich getroffen, der Funke sprang über, sie ist seine große Liebe, und erneut, zack zack erklärt er seine Gefühle und sie lieben sich – schätzungsweise – happily ever after.
Also irgendwie wurde vieles für mich einfach nicht auserzählt. Und das fand ich doof. Ich mag doch gerade die Entwicklungen einer Lovestory! Oder die genaue Aufklärung eines Verbrechens – das mit Gavin und der Verbrechergang war irgendwie nur Backgroundnoise, was ich schade fand.
Mir war das alles etwas zu wenig. Und wie schade, weil man aus so einem Setting echt was machen kann. Und die Protagonisten fand ich auch ausbaufähig. Aber eben weil alles so hoppla-dihopp erzählt wurde, haben die Figuren für mich wenig Tiefe bekommen.
Eine Rezensentin meinte, dies sei eine „small-town cozy romance with quirky characters, hunky men, and women who love them“ – und ja, da stimme ich zu, aber das war cozy romance und cozy crime, aber erneut: das war für mich einfach nur schnell runtererzählt.
Ja, ich denke, den Rest der Serie werde ich mir dann sparen. Ich glaube, so als soap im Fernsehen könnte ich das gut nebenbei laufen haben und wahrscheinlich würde es mir auch sehr gut gefallen, aber in Romanform gibt mir das dann doch zu wenig her.
Trotzdem: herzlichen Dank an Netgalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!