Unternehmerinnen, Menschenrechtsanwältinnen, Politikerinnen – viele Menschen im Westen können sich nicht vorstellen, dass es solche Frauen in der arabischen Welt gibt. Denn es passt nicht zum gängigen Stereotyp der »passiven, unterdrückten arabischen Frau«. Aber die schablonenhaften Bilder verhindern den Blick auf die Lebensrealität dieser Frauen. Sie streiten seit mehr als hundert Jahren für ihre Rechte, kämpfen gegen Gewalt und für Selbstbestimmung über ihre Leben und ihre Körper. Sie fordern gleiche Rechte und ein Ende männlicher Dominanz. Dieses Buch blickt zurück auf die Anfänge des arabischen Feminismus und begleitet seine Entwicklung bis heute. Kenntnisreich analysiert Claudia Mende die regionalen Entwicklungen, aber auch den Einfluss des westlichen Feminismus auf sein Pendant im Orient. Dabei beschränkt sich die Autorin nicht darauf, über arabische Frauen zu berichten. Sie lässt sie selbst zu Wort kommen und zeichnet so ein facettenreiches Bild des arabischen Feminismus.
Ein wirklich hochinteressantes Buch über den Feminismus in arabischen Ländern, der sich seit Jahrzehnten in vielen verschiedenen Facetten zeigt. Das Buch macht wie so oft deutlich wie begrenzt doch das vermeintliche Wissen der Europäer über die Region und ihre Menschen ist - und wie stark dieses Halbwissen die Debatten verzerrt, insbesondere wenn es um den Kampf der Frauen für ihre Rechte geht. Das Bild der hilflosen, unterdrückten arabischen Frau ist definitiv eine Fehlvorstellung.
Ein gutes Jahrzehnt nach den Bürgerrechts-Bewegungen der „Arabellion“, in denen Frauen stark präsent waren, gibt dieses Buch einen sowohl aktuellen als auch historischen Überblick über Frauenrechte und feministische Debatten in verschiedenen arabischen Ländern. Dabei wird klar, dass es kaum möglich ist, allgemeine Aussagen zu treffen - zu unterschiedlich sind die nationalen, kulturellen, religiösen und historischen Hintergründe. Sicher ist jedoch, dass es eine sehr aktive und lebendige arabische Frauenbewegung gibt, die sich sowohl aus säkularen wie auch islamischen Wurzeln speist. In Bezug auf Frauenrechte reicht die Spanne von einer weitgehenden Gleichberechtigung der Geschlechter wie in Tunesien bis zur totalen Entrechtung und Entmenschlichung von Frauen wie in Afghanistan. Aufgrund der Fülle des Materials wird in dem Buch vieles nur angerissen, aber es ist ein sehr guter Einstieg in das Thema. (Publik Forum, 24.1.2025)
Ein schöner Einblick in die historische Entwicklung und die aktuelle Lage des arabischen Feminismus. Es geht der Autorin dabei weniger um ihre eigene Meinung und mehr um Fakten und Historie, was ich passend fand, weil die Autorin selbst keine Araberin ist und das ganze Buch sich damit auseinandersetzt, dass arabische Feminist*innen nicht von weißen Feminist*innen vorgeschrieben haben wollen (oder brauchen), was sie tun müssen, um emanzipiert zu sein. Mit Zahlen und Fakten wird hier ordentlich am Klischeebild der armen unterdrückten Araberin, die von uns weißen Europäer*innen befreit werden muss, gerüttelt.
Besonders wirkungsvoll fand ich, wie die Autorin vermeintlich rückständigen Statistiken oder Jahreszahlen (z. B. Einführung des Wahlrechts für Frauen) immer wieder den europäischen Vergleich entgegensetzt, der oft nicht viel besser abschneidet. Gleichzeitig beschönigt sie aber auch nichts und benennt offensichtliche (na ja, zumindest aus ihrer bzw. europäisch-feministischer Sicht) Missstände.
Zugänglich geschrieben und mit vielen Fakten und zitierten Aussagen von arabischen Frauen – super für einen groben Überblick und als Argumentationsgrundlage.
Claudia Mende gibt in diesem Buch einen Überblick über die Geschichte arabischer Frauenbewegungen und die aktuelle Situation von arabischen Frauen in unterschiedlichen Ländern.
Da Mende selbst keine arabische Frau ist, hatte ich zunächst Sorge, ob hier Stereotype und rassistische Zuschreibungen reproduziert werden könnten. Ich bin ebenfalls keine arabische Frau und mag das daher nicht abschließend beurteilen, hatte aber stets das Gefühl, dass Mende versucht hat ihre eigene Perspektive zu reflektieren. Man spürt, dass der Autorin das Thema sehr am Herzen liegt und dass sie viele Gespräche mit unterschiedlichen Frauen aus der Region geführt hat. Ich finde sie vertritt eine optimistische Haltung und tritt den Frauen der Region wertschätzend gegenüber und scheut sich auch nicht Kritik an europäischen Feminist*innen zu äußern:
"Es ist wichtig festzuhalten, dass nicht nur Frauenrechtlerinnen, die ein liberales, für westliche Ohren vertraut klingendes Narrativ vertreten, Frauen stärken. Sondern auch jene, die vielleicht in einer Frauengruppe den Koran lesen und für ihren Alltag, für ihre spezifische Situation daraus Stärkung und Ermutigung ziehen, ohne patriarchale Normen offensiv zu hinterfragen, weil das in ihrem gesellschaftlichen Kontext noch nicht möglich ist." - S. 130 - 131
Mir persönlich hat in dem Buch Struktur gefehlt, insbesondere in der ersten Hälfte, wo es um die historische Entwicklung geht, hätte mir eine klarere Vorgehensweise (z.B chronologisch oder nach Ländern geordnet) gewünscht, da ich so teilweise durcheinander kam. Auch hatte ich das Gefühl, dass einige Länder sehr stark im Fokus standen, insbesondere die Länder Nordafrikas, während andere kaum bis gar nicht erwähnt wurden (z.B. Katar, Irak, Syrien).
Das Buch hat wirklich viele spannende Einblicke und man lernt viel.
Dennoch fand ich es nicht gut lesbar. Der Schreibstil war aus meiner Sicht holprig. Auch sind mit Wiederholungen innerhalb weniger Seiten aufgefallen.
Desweiteren finde ich den Blick auf die "Golf Staaten" viel zu romantisiert. Ja Frauen erhalten dort mehr und mehr Rechte, jedoch (ähnlich wie beim weißen Feminismus) erhalten nur reiche Frauen die Rechte. Vor allem "nanny's" aus dem Ausland leben in sklavenartigen Verhältnissen und sind sexueller Übergriffe ausgesetzt. Das ist ein strukturelle Ausbeutung und wird nicht erwähnt.