Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede
Plötzlich wird für Sophia alles Ihr Ex-Mann erwartet ein Kind mit seiner Neuen, und kurz darauf stirbt ihre Mutter. Es beginnt eine Zeit der unendlichen Einsamkeit – und Schlaflosigkeit. Tagsüber fühlt sich Sophia wie ein Zombie, nachts treibt sie sich auf X, ehemals Twitter, herum. Bis sie sich traut, selbst etwas zu »Suche andere Schlaflose im Raum Hamburg«. Gleich drei Frauen melden Margarete, Klara und Katharina – alle sind schlaflos. Aber nur auf den ersten Blick ist dies ihre Gemeinsamkeit, denn in der Dunkelheit der Nacht teilen sie ihre Sorgen und Sehnsüchte miteinander. Als eines Tages eine von ihnen Hilfe braucht, zeigt sich, ob ihre Freundschaft auch im wahren Leben Bestand hat.
Eine Hommage an die unerschütterliche Stärke von Frauenfreundschaften. Vier Frauen, die gemeinsam ihr Glück suchen.
Neuauflage des gleichnamigen Liebesromans, erschienen unter dem Pseudonym Kristina Sanders bei dtv. Schwer atmend lehnte Sophia sich mit dem Rücken gegen den Kühlschrank. Die Trauergesellschaft hatte sich nebenan im Salon versammelt, und wie durch Watte hörte sie das leise Gemurmel. Die Villa Möwe – so wurde ihr Haus von den Nachbarn genannt – war riesig, hier in der Küche würde man sie hoffentlich nicht so schnell finden. Sie brauchte einen Moment, um sich zu sammeln, sonst bestand die Gefahr, dass sie einen Heulkrampf bekam, sobald auch nur jemand nach einem Glas Wasser fragte.
Sie war aus den unbequemen Schuhen geschlüpft und legte jetzt beide Hände an die Wangen, um die verkrampfte Muskulatur zu massieren, damit sie irgendwann wieder einen anderen Gesichtsausdruck als dieses verhaltene Lächeln hinbekam. Während sie mit den Fingerspitzen ihren Kiefer bearbeitete, sah sie hinaus in den sonnendurchfluteten Garten. Die uralte Buchsbaumhecke umrahmte die aufwendig gestalteten Beete. Grün und aufrecht stand das immergrüne Gewächs ungerührt von diesem furchtbaren Tag da. Man sah ihr nicht an, dass sie nur noch lebte, weil Sophia einen großen Teil ihrer Energie dafür aufwendete, sie gegen Pilze und kleine Raupen zu verteidigen. Sie führte einen regelrechten Krieg gegen die Buchsbaumkiller.
Sophia ließ ihren Blick durch die Küche schweifen, in der es ebenfalls aussah, als hätte eine Schlacht stattgefunden. Überall stapelten sich Töpfe, benutztes Geschirr und dreckiges Besteck. Von der Bratensoße war eine nicht unbeachtliche Menge auf den Dielen gelandet und hatte dort einen Bratensoßensee verursacht. Das würde das empfindliche Holz ruinieren. Sie müsste das Zeug wegwischen, aber sie konnte sich nicht rühren. Sie konnte gerade nur atmen und sich knapp daran hindern, einfach mit dem Rücken am Kühlschrank herunterzurutschen und auf dem Boden sitzen zu bleiben.
Der Caterer hetzte durch den Flur an der geöffneten Küchentür vorbei. Er schleppte Tabletts mit Kuchen herbei, um die trauernde Menge zu verköstigen. Er konnte beachtlich gut kochen und backen, aber am Rest haperte es gewaltig. Sie hätte gleich das Angebot ihrer rührigen Nachbarin Elvira annehmen sollen. Ihre belegten Brote hätten weit weniger Chaos verursacht. Und wären nicht so kostspielig gewesen.
»Tante Sophia, hier bist du!« Kilian schwirrte um die Ecke, die blauen Haare standen ihm stachelig vom Kopf ab, er sah so gestresst aus, wie sie sich fühlte. Mit hochgezogener Augenbraue betrachtete er, wie sie ihr Gesicht mit den Fingerspitzen bearbeitete. »Was ist los?«
»Nichts«, murmelte Sophia.