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Lichte Gedichte

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263 pages, Paperback

First published January 1, 1997

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About the author

Robert Gernhardt

181 books8 followers
Robert Johann Arthur Gernhardt war ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler.

Im Dezember 2008 stiftete die Landesbank Hessen-Thüringen im Andenken an Robert Gernhardt den beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst angesiedelten Robert-Gernhardt-Förderpreis (heute: Robert-Gernhardt-Preis). Er wird seit 2009 jährlich an je zwei hessische Autoren vergeben, um sie darin zu unterstützen, ein besonderes literarisches Projekt zu verwirklichen.

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book111 followers
December 23, 2021
Gedichte von Gernhardt. Nicht, dass mir wirklich und wahrhaftig alles gefallen würde, aber jedes fünfte oder sechste der hier versammelten Gedichte ist so gut, so weise, so warm, dass sie den Rest mühelos mitziehen.

Und ganz besonders gefallen haben mir die ganz un-Gernhadtschen Bosheiten gegen Recklinghausen (eine Stadt einen Steinwurf von meiner Heimat). Zuerst war ich aus lokalpatriotischen Gründen erzürnt, aber von ihm in den Dreck gezogen zu werden, ist allemal jeder Lobhudelung von Geringeren vorzuziehen.

Der Marktplatz von R.? Ein Juwel!
(Sofern »Juwel« etwas meint,
was nicht schimmert, nicht glitzert, nicht leuchtet
und schon gar nicht strahlt oder scheint.)

Und vielleicht am lehrreichsten: Gespräch mit einem Studienfreund. Heute Führungskraft.
Profile Image for Klaus Mattes.
724 reviews10 followers
December 21, 2024
Besonders licht sind die meisten Gedichte allerdings nicht. Eher ist es ein „Dem von fern herankommenden Tod schelmisch zuwinken“-, also ein Altersbuch geworden. Robert Gernhardt unterscheidet sich in dieser Beziehung nicht von vielen anderen, ziemlich beliebten, beleibten und inzwischen nicht mehr ganz gesunden Männern der späten Lebensphase. Oft ist er ganz einfach nur wehleidig, dann auch wieder abgeklärt und gefasst. Die tägliche Arbeit dient ihm als Stütze und der freche, unverschämte Witzbold, der er viele Jahre gewesen war, immerhin dazu, franker und freier als fast alle berühmten Männer seines Alters zuzugeben, dass er, könnte es eine Wahl jemals geben, sofort mit den heutigen Jungen, wie arglos und ungebildet sie auch sein mögen, tauschen würde.

Der Klappentext des ein paar Jahre später erschienen Gedichtbands „Im Glück und anderswo“ kam mir geradezu erschreckend vor:

Des Menschen Glück als Liebender, als Reisender, als Speisender, faßt er in seine Verse, des Menschen Unglück als Alternder, als nur noch Begehrender und Verzehrender, bannt er in seinen Strophen. Stets ist er im Bilde und macht sich dichtend eins, singt der Gegenwart ein neues Lied, kommt schnell in Fahrt und weiß, wie tief im Leid man fallen kann.

Unscharf glaube ich mich zu erinnern, dass es in den späten sechziger Jahren noch Buchclubs im Land gegeben hat, die gute Umsätze mit gebundenen Billigbuchausgaben für die einfacheren Stände machten und sich werbend in etwa dieser Manier zu einer lyrischen Elite bekannten, welche die Namen Kästner, Roth, Erhardt, Endrikat trug. 30 Jahre gingen ins Land, dann sahen wir den vormaligen Quatsch-Macher (so der FAZ-Grande Reich-Ranicki zumindest über Gernhardts lebenslangen Freund und Kollegen aus den Redaktionen von pardon! und Titanic, Eckhard Henscheid) und Komische-Männchen-für-linke-Studenten-Zeichner auf dieser Altersbastion des Launigen.

Auch mit dieser Sammlung stellt Gernhardt unter Beweis, dass er im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts noch die klassische Form hochhält. Gedichte mit klarem Versmaß, mit rein klingenden Reimen, mit allgemein verständlichen Inhalten, ohne Anzüglichkeiten, ohne abgenudelte Phrasen, ohne Kitsch, ohne Geheimnistuerei und Skandalismus. Das ist doch wirklich schön, auch wenn es natürlich hinter Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger und Nicolas Born zurückbleibt, die vielleicht, schaut man sie sich nach 50 Jahren nur noch mal an, vielleicht ja gar nicht so groß gewesen sind, wie sie einem seinerzeit wie besessen nach Anschluss an westliche Modernitäten angelndem westdeutschen Teilstaat vorgekommen waren.

Es muss ja auch Gedichtbücher geben, die man beim Krankenbesuch statt Blumen mitbringen kann. Obwohl, dieses hier vielleicht lieber doch nicht, da ist die Ahnung von Sterblichkeit zu groß. Und vielleicht findet man es ein lobenswertes Preis-Leistungsverhältnis, wenn ein Lyrikband 266 Seiten stark ist. Wobei ich sagen würde, hätte man die Hälfte gestrichen, natürlich die richtige Hälfte, wäre er letztlich besser geworden.

So was hier mag keine große deutsche Literatur gewesen sein:

Paulus schrieb an die Apatschen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
Paulus schrieb an die Komantschen:
Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen.
Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nicht, lernt erst mal lesen.

Aber lustig war‘s. Lustiger doch wohl als dieses:

Ach, so geht das Nacht für Nacht:
Eine schläft, einer wacht.

Einer liest, wie Jahr um Jahr
Schiller schlaf- und kraftlos war.

Indes Goethe, ungequält,
frisch von Hinz und Kunst erzählt.

Einer legt den dicken Band
schließlich seufzend aus der Hand

Und erhofft vom Rest der Nacht:
Alles schläft, keiner wacht.

Jetzt nicht mehr lümmelhaft, sondern meisterlich spricht der Dichter hier und rekurriert auf große Vorbilder und seine körperliche Hinfälligkeit. Reife, Ruhe, Weisheit. Der Applaus war 1997 allerdings groß in den Medien, vor allem von Organen, die sich ältere Akademiker halten, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“ oder „Die Zeit“. Ja, war er nicht inzwischen genügend Dichtersmann, sich dem hehren Hölderlin oder zumindest Josef Weinheber zuzugesellen?

...
Indes
Wie den Schatten der Pappel
Hochhält der Maschendrahtzaun
Erhält das Bild sich
Im Gitter der Worte.
Aber schon der Fasan, aufsteigend
Und der Kiebitze schaukelnder Flug
Entziehn sich
Jeglicher Feststellung.

Sinnreich gebunden der
Treibende Rebstock
Festliche Lichter über
Wollnem Geleuchte.

Wie langsam das Schaf
Sich löst aus dem Schatten des Stalles
Um hinzugehn auf
Die athmende Au
So scheint auch kein Jubel
Im Reiher. Aber
Was weiß vom Jubel
Des Schafes, des Reihers der Mensch
Geschieden von ihnen auf immer
Und eilig. Er weiß ja nicht einmal
Etwas vom Zögern des Schafs und nichts
Von der Ruhe des Reihers.

So nun
Die Sonne im Auge
Glitzert die Welt an den Rändern. So
Scheint die Wahrheit dem
Der den Blick nicht wendet.

Robert Gernhardt war 60. Er war reich und berühmt. Viel zu spät in seinem Leben und, wie sich zeigen wird, mit nicht mehr vielen Jahren vor sich, macht er die große schriftstellerische Karriere, die ihm zu lange vorenthalten worden war, weil man ihn als „Spaßmacher“ katalogisiert hatte. Ich denke, neben medizinischen Problemen hat ihn auch ein unbestimmtes Gefühl, die wirklich besten Einfälle seines Lebens würden weit hinter ihm liegen, nicht mehr losgelassen. Für Größenwahn ist er zu intelligent und selbstkritisch gewesen. Was konnte er da tun außer: dennoch weiter schreiben? Aber heißt das, dass wir alte Verehrer es komplett alles lesen und nach wie vor grandios finden müssten?

Jetzt wäre ich ungern Günter Grass.
Dies meint der eine, der andere das,
Viel Honig fließt und Galle zuhauf,
Die rechte Begeisterung kommt nicht auf.
Ein Blatt druckt Freundliches, eines Gemeines,
Von rechter Begeisterung zeugt keines.
Hier wird gegeißelt, dort wird geschlichtet,
Die rechte Begeisterung wird nirgends gesichtet.
...
Der schreibt von Gliederung, der schreibt von Kleisterung,
Keiner schreibt mit der rechten Begeisterung.
Die Karawane zieht weiter, die Hunde belln,
Die rechte Begeisterung will und will und will sich nicht einstelln.

Wäre ich der Grass, ich könnte nicht vergessen:
Die haben mir doch mal aus der Hand gefressen.
...
Da gab es doch Krach, da gab es doch Wonne,
...
Da war ich umstritten und dampfte beim Streiten,
Kinder, Kinder, das waren noch Zeiten!
...

Ob es der künstlerisch optimale Weg war, sich auf das vermehrte Aufkommen rechtsradikaler Gewalt in den neunziger Jahren mit einem Gedicht einzulassen, in dem keines ihre Opfer, vielmehr die eigene Erleichterung, nicht von ihr betroffen gewesen zu sein, thematisiert wird, das sei sehr weit dahin gestellt. Da hin!

Der Knall. Der bittre
Geruch von Bier.
Die spritzenden Scherben
über kreischenden Fliesen.
Einer, der sich entfernt
in die U-Bahn-Unterführung.
Einer, der, stehengeblieben,
ihm ungläubig nachschaut:
„Was muß der für eine Wut im Bauch haben!“

Die Furcht. Der kahle
Hinterkopf. Das breite
Kreuz. Die geballten
Fäuste an den Jeansnähten.
Einer, dessen Schritt hallt
in der leeren Unterführung.
Einer, der im stillen
der Bierflasche dankt:
„Was, wenn der statt dessen seine Wut an mir ausgelassen hätte!
Profile Image for Veronika Anna.
77 reviews2 followers
October 31, 2025
2,5
Viele Gedichte fand ich so komisch,dass ich das Buch fast nur überflogen habe (leider)
279 reviews
March 27, 2010
German edition - German review:

Ein weiteres Gernhardt-Schmankerl. In neun thematisch gegliederten Kapiteln reimt und dichtet Gernhardt was das Zeug hält. Wie von einem Poeten der Frankfurter Schule nicht anders zu erwarten, ist Komisches und Schwarzhumoriges in nicht geringen Dosen enthalten aber Gernhardt lässt sich nicht darauf reduzieren und experimentiert immer wieder mit anderen Gemütslagen, Stimmungen und Stilen. Sprachakrobatik gibt's reichlich und auch die eine oder andere Stimmimitation ist dabei.

Das letzte Kapitel, das unter dem Titel "herzlich" bzw. "Herz in Not. Tagebuch eine Eingriffs in einhundert Eintragungen", die Herzoperation des Dichters thematisiert, hat mir besonders gut gefallen. Bei aller Distanz, die künstlerischer Ver-Dichtung immer mit sich bringt, gelingt es Robert Gernhardt hier diese persönliche Erfahrung kommunizierbar zu machen und die ganz eigene Denke des Krankenhaus-Biotops in Verse zu fassen. Und so ertappte ich mich immer wieder dabei, innerlich "das kenne ich!" oder "so habe ich mich auch gefühlt!" zu rufen, auch wenn ich (noch?) keinen Bypass gelegt bekommen habe.
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