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263 pages, Paperback
First published January 1, 1997
Des Menschen Glück als Liebender, als Reisender, als Speisender, faßt er in seine Verse, des Menschen Unglück als Alternder, als nur noch Begehrender und Verzehrender, bannt er in seinen Strophen. Stets ist er im Bilde und macht sich dichtend eins, singt der Gegenwart ein neues Lied, kommt schnell in Fahrt und weiß, wie tief im Leid man fallen kann.
Paulus schrieb an die Apatschen:
Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.
Paulus schrieb an die Komantschen:
Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen.
Paulus schrieb den Irokesen:
Euch schreib ich nicht, lernt erst mal lesen.
Ach, so geht das Nacht für Nacht:
Eine schläft, einer wacht.
Einer liest, wie Jahr um Jahr
Schiller schlaf- und kraftlos war.
Indes Goethe, ungequält,
frisch von Hinz und Kunst erzählt.
Einer legt den dicken Band
schließlich seufzend aus der Hand
Und erhofft vom Rest der Nacht:
Alles schläft, keiner wacht.
...
Indes
Wie den Schatten der Pappel
Hochhält der Maschendrahtzaun
Erhält das Bild sich
Im Gitter der Worte.
Aber schon der Fasan, aufsteigend
Und der Kiebitze schaukelnder Flug
Entziehn sich
Jeglicher Feststellung.
Sinnreich gebunden der
Treibende Rebstock
Festliche Lichter über
Wollnem Geleuchte.
Wie langsam das Schaf
Sich löst aus dem Schatten des Stalles
Um hinzugehn auf
Die athmende Au
So scheint auch kein Jubel
Im Reiher. Aber
Was weiß vom Jubel
Des Schafes, des Reihers der Mensch
Geschieden von ihnen auf immer
Und eilig. Er weiß ja nicht einmal
Etwas vom Zögern des Schafs und nichts
Von der Ruhe des Reihers.
So nun
Die Sonne im Auge
Glitzert die Welt an den Rändern. So
Scheint die Wahrheit dem
Der den Blick nicht wendet.
Jetzt wäre ich ungern Günter Grass.
Dies meint der eine, der andere das,
Viel Honig fließt und Galle zuhauf,
Die rechte Begeisterung kommt nicht auf.
Ein Blatt druckt Freundliches, eines Gemeines,
Von rechter Begeisterung zeugt keines.
Hier wird gegeißelt, dort wird geschlichtet,
Die rechte Begeisterung wird nirgends gesichtet.
...
Der schreibt von Gliederung, der schreibt von Kleisterung,
Keiner schreibt mit der rechten Begeisterung.
Die Karawane zieht weiter, die Hunde belln,
Die rechte Begeisterung will und will und will sich nicht einstelln.
Wäre ich der Grass, ich könnte nicht vergessen:
Die haben mir doch mal aus der Hand gefressen.
...
Da gab es doch Krach, da gab es doch Wonne,
...
Da war ich umstritten und dampfte beim Streiten,
Kinder, Kinder, das waren noch Zeiten!
...
Der Knall. Der bittre
Geruch von Bier.
Die spritzenden Scherben
über kreischenden Fliesen.
Einer, der sich entfernt
in die U-Bahn-Unterführung.
Einer, der, stehengeblieben,
ihm ungläubig nachschaut:
„Was muß der für eine Wut im Bauch haben!“
Die Furcht. Der kahle
Hinterkopf. Das breite
Kreuz. Die geballten
Fäuste an den Jeansnähten.
Einer, dessen Schritt hallt
in der leeren Unterführung.
Einer, der im stillen
der Bierflasche dankt:
„Was, wenn der statt dessen seine Wut an mir ausgelassen hätte!