Die Lebensläufe von Annemarie Schwarzenbach, Tochter aus einer rechtsnationalen Schweizer Fabrikantenfamilie, und den beiden ältesten Kindern des Nobelpreisträgers, Erika und Klaus Mann, waren über Jahre hinweg auf tragische und auch erotische Weise miteinander verbunden. Das Verhältnis der drei pendelte zwischen Liebe, Hingabe, existenzieller Verfallenheit, fürsorglicher Freundschaft einerseits und dem Drang nach äußerer und innerer Distanz andererseits.
In diesem Spannungsverhältnis vollzogen sich exemplarisch drei Schicksale, die zudem von den historischen Zeitläuften immer stärker beherrscht und behindert wurden. Mann- Spezialist Armin Strohmeyr erzählt anhand von Briefen, Tagebüchern und anderen Zeugnissen die spannende und tragische Geschichte dieser »Allianz der Heimatlosen« und ihrer hoch talentierten und exzentrischen Protagonisten vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse.
Die Biographie einer Freundschaft dreier in vielerlei Hinsicht extremen Persönlichkeiten, einerseits die beiden ältesten Kinder des literarischen Übervaters Thomas Mann (der hier angenehm im Hintergrund bleibt, über Daddy-Issues hat man in Bezug auf die Familie Mann schon weiß Gott genug gelesen), andererseits der Schweizer Industriellen-Tochter, die weltanschaulich zwar gegen die Familie rebelliert, aber das materielle Sicherheitsnetz gern nutzt, um in ausgedehnten Reisen dem emotionalen Elend zu entfliehen, in das sie weniger ihre Homosexualität als viel mehr die unglücklichen Liebesverhältnisse stürzen. Überhaupt wird hier fast ausschließlich unerfüllt geliebt, sehr viel gefeiert, meist unter dem Einfluss harter Drogen, gereist, mehr aus Freundschaft oder Pragmatismus geheiratet als aus Liebe, gegen Ende häufen sich die drogenbedingten Abstürze bis hin zu „Miros“ Unfalltod und Klaus‘ Selbtmord. Das ist sehr schnell erzählt, Strohmeyr verzichtet dabei in recht wohltuender Weise auf ausufernde Psychologisierung, offenbar um nicht zu sehr ins Fahrwasser des Spekulativen abzudriften. Gern hätte er allerdings die zeitlichen Hintergründe noch deutliche beleuchten können. Zwar gibt er historische Ereignisse als Ankerpunkte, doch hätte man z.B. über die queere Szene der Weimarer Republik, den Wandel des gesellschaftlichen Klimas oder die seelischen Belastungen des Exils gern noch mehr erfahren. Infolge der doch recht strengen Konzentration auf die Hauptfiguren fragt man sich stellenweise schon, warum man das eigentlich liest: Inwiefern sind diese Leben exzeptionell? Inwiefern sind sie typisch? Dies einzuordnen, nimmt sich das Buch leider etwas zu wenig Raum, so bleibt Strohmeyr v.a. Chronist dreier in jeder Hinsicht ins Extreme neigenden Figuren.