Ich muss zugeben (bei dieser Buchbesprechung werde ich ausnahmsweise persönlich, deshalb der vertrauliche Tonfall), dass mir der Umschlagtext dieses Romans anfangs jegliche Leselust verdorben hat. Da steht unter "Das gesamte Projekt ist auf eine Dauer von fünfzig Jahren angelegt. Die Zahl der Bände ist nicht festgelegt, stilistisch ist alles erlaubt." Auch die Typografie des Bandes schlägt über jegliche Stränge. Galoppierender Größenwahn eines Jungautors, den der Verlag nicht im Zaum halten konnte? Tobias Meißner benötigt keine 30 Seiten, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Hiob Montag ist ein Getriebener. Sein Großvater war ein mächtiger Magier, seine Mutter eine Hexe, und er hat den Kampf gegen das Böse angetreten. Nein, wir befinden uns nicht in Mittelerde, sondern im Berlin (und Barranquilla, Chile und Fredericksburg, USA und Hinterkaifeck, Bayern) unserer Gegenwart (und Vergangenheit). Hiob hat es schlicht und ergreifend satt mitanzusehen, wie unser schöner und schrecklicher Planet der Hölle immer ähnlicher wird. Er hat die Macht sich einzumischen und er hat den Mut dazu. Einzig mit der Erfahrung hapert es noch ein wenig, aber der Appetit kommt beim Essen und das Rhythmusgefühl beim Tanzen. Wer eine Wette mit dem Teufel abgeschlossen hat, kann sich seine Mittel nicht immer aussuchen.Ohne Meißner irgendwelche literarischen Vorbilder andichten zu Jenseits der gängigen Faust-Verabenteuerlichungen (Marlowe, Goethe, Mann) bewegt er sich souverän im Niemandsland zwischen Arno Schmidt und Dämonenkiller, lässt 99 Prozent der so genannten neuen deutschen Literatur Haken schlagend hinter sich und vergnügt sich -- und seine Leser -- auf einem Terrain, auf dem sich mit solcher Trittsicherheit sonst höchstens noch Dietmar Dath bewegt.Kleine Frauenmörder ist harter Tobak. Meißner ist nicht nur ein leidenschaftlicher Philanthrop (hört! hört!), er greift auch tief in die Kiste mit den Schockeffekten, deren sich sonst meist einfallslosere Autoren bedienen. Aber trotz -- oder wegen? -- aller Kompromisslosigkeit ist der Roman ein Lesespaß! Einer dieser Schmöker aus längst vergessenen Jugendtagen, die man sogar dann noch weiterliest, wenn einem der Angstschweiß in den Augen brennt. Bis zum bitteren Ende. Fortsetzung folgt! Hoffentlich bald. --Hannes Riffel
Ich weiß nicht, ob es ein anderes Werk gibt, dass mich beim Lesen derart beeindruckte wie Hiobs Spiel: Frauenmörder. Es handelt sich bei HIOB um ein ehrgeiziges, auf insgesamt fünfzig Jahre ausgelegtes Großprojekt des Berliner Autors Tobias O. Meißner. Ich verfolge schon seit geraumer Zeit interessiert seine Bücher, nachdem mich „Die Soldaten“ von seinem schriftstellerischen Können überzeugt hatten. Seitdem habe ich nun schon einiges aus seinem Werk aufholen können: Der sechsbändige Zyklus „Im Zeichen des Mammuts“, mit dem überraschenderweise eine Umweltschutzthematik zum zentralen Thema einer Fantasy-Reihe geworden ist, die für sich stehenden Romane Barbarendämmerung und Klingenfieber und zuletzt seine Sieben Heere-Trilogie. Frauenmörder unterscheidet sich aber noch einmal deutlich von diesen genannten Werken. Tobias O. Meißners bereits sonst ausgefallener, mit Wörtern malender Schreibstil steigert sich in diesem Buch ins Extreme. Endlose, verschachtelte Sätze, Wortneuschöpfungen und Lautmalerei. Der Grund für diese stilistische Entscheidung wird deutlich, wenn man sich den nicht minder schwer verarbeitbaren Inhalt des Buches ansieht. Hiob Montag, Künstler und Magier spielt ein Spiel um das Heil der Welt. Um zu gewinnen wird er- und mit ihm auch der Leser – mit fürchterlichen Ereignissen und Schauplätzen der Menschheit konfrontiert und muss alle Grenzen überwinden.
Das Lesen dieses Buches war nicht immer leicht. Hatte der Prolog noch einen sehr poetischen, geheimnisvollen Charakter, stößt man direkt zu Beginn des ersten Kapitels auf eine Szene, die ich als das Widerwärtigste und Grässlichste beschreiben würde, was ich je in geschriebener Form gelesen habe. Ich würde wirklich nicht sagen, dass ich in irgendeiner Form zart besaitet bin, doch die dort beschriebene Grausamkeit ließ mich noch lange Zeit später nicht los. Hiobs Mission ist eine in dieser Form Einzigartige und Faszinierende. Während man bei manchen Büchern von Anfang an bereits ahnt, was auf einen zukommt, wird man hier jedes Mal aufs Neue überrascht und begibt sich auf eine Reise, die für mich sehr gedankenanregend war. Es ist kein Buch, dass man nach dem Beenden weglegt und in ein paar Jahren nur noch undeutlich in Erinnerung ist. Die Geschichten in diesem Buch sind alle zu einem Teil wahr und sie lassen einen nicht mehr los.
Es ist gewiss kein Roman, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen kann. Ich kann aber empfehlen sich ein eigenes Bild zu verschaffen und sich Prolog und Beginn des ersten Kapitels einmal selbst anzusehen. Ich denke dann dürfte den meisten klar werden, ob das Buch etwas für sie ist.
"Oh, er erfindet Wörter, oh er ist soo poetisch, oh mein Gott ich habe noch nie sowas kreatives gelesen" - dann krieg mal nen Horizont. Natürlich ist Meißner sprachlich "out there". Dabei ist vieles davon erstmal eine Flut von Adjektiven, die selbst mir irgendwann auf die Nerven geht (und ich mag Lovecraft). Es ist mehr ein Zirkustrick als eigentliche Präzision wie, sagen wir mal, bei Thomas Mann. Steiler Vergleich, aber auch Mann hat sein Vokabular gedehnt und überschritten, war dabei aber immer präzise. Auch wunder ich mich etwas über Reaktionen auf die geschilderte Brutalität, die insbesondere den ersten Teil beherrscht. Vielleicht liegt das daran, dass Deutschland so eine Genre-Hölle ist, aber per Festa kriegt man doch heute einiges? Ich meine, das ist doch in keiner Weise irgendwo ultra krass, ja, wie würden wir eigentlich wirklich heftige prosa heute noch aussehen? Splatter Punk et al haben das doch gut ausgereizt heutzutage. Diese Mischung aus Sprachgewalt und besprochener Gewalt verschleiert eher die guten Teile, die halb frische, halb klischeehafte Story. Deren episodische Natur spiegelt sich durchaus in sprachlich leicht verschiedener Stilistik, was Meißner anzurechnen ist. Hier glänzt vor allem die "bayrische" Episode, gerade durch ihre Zurückgenommenheit, ihre eifnache Direktheit der Erzählung, die tatsächlich am erschüttersten wirkt. Auch bin ich mir story-halber nicht so sicher was ich vom "integrierten moralischen Kompass" halten soll. Handelt es sich hier wieder mal um eine vollkommen unnötige, anti-humanistische aber moralisierende Zeigefinger-Story? Ich bin mir nicht sicher, werde aber irgendwann zu Hiob zurückkehren. Vielleicht finde ich's dann ja heraus.
Absolut beschissen, gewollt und gekünstelt. Zwischen seinen ach so provokanten und gewollt ekelhaften Passagen (die einfach nur unsinnig sind), scheint durch, dass er gar nicht so schlecht schreibt - doch noch bevor dieser Gedanke fertig gedacht werden kann, macht er ihn selbst zunichte. Ich musste es abbrechen, weil ich aus dem Augenrollen nicht mehr rauskam und es sich echt auf meine Stimmung ausgewirkt hat: so genervt bin ich lange nicht mehr gewesen.
Inhalt: Hiob Montag spielt ein Spiel, ein Spiel mit dem Teufel. Er kämpft gegen das Böse und löscht es aus. Bei diesem Spiel wird er vom Leser begleitet und kaum begibt man sich an Hiobs Seite, wird man konfrontiert mit Gewalt und den Abgründen der menschlichen Seele.
Meine Meinung: An Hiobs Seite wird der Leser mit so viel Gewalt konfrontiert, dass es selbst hartgesottene Leser schüttelt. Tobias O. Meissner begnügt sich dabei nicht, die Gewalt allein durch die Bilder, die seine Geschichte im Kopf des Lesers hervorruft, auszudrücken, nein, seine Sprache ist so wortgewaltig, dass sie den Leser nahezu erschlägt. Auf nahezu jeder Seite werden einem Wortschöpfungen und Satzkonstruktionen präsentiert, die den Leser staunend und mit offenem Mund zurücklassen. Zu diesem Staunen gesellt sich das Grauen, das die Story auslöst und somit ist dieses Buch eine wahre Herausforderung. Nicht nur Hiob geht in diesem Buch an seine Grenzen. Wer sich für dieses Buch entscheidet, der lernt auch die eigenen kennen.
Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch grafisch hebt sich dieses Buch von Altbekanntem ab. Die Gestaltung endet nicht bei den Buchdeckeln. Durch das ganze Buch zieht sich eine Gestaltung, die das Gelesene nur unterstreicht. Man findet verschiedene Schriftarten, Schriftgrößen, Grafiken und mehr. Benswerk ist da wirklich ein Meisterwerk gelungen
Fazit: Dieses Buch ist kein Buch im herkömmlichen Sinne, nein, dieses Buch ist ein Kunstwerk und wie es bei Kunstwerken der Fall ist, so braucht man auch für dieses Buch Zeit und Motivation, um es zu begreifen. Es ist kein Buch, das man als Langeweilevertreib auf einer Zugfahrt lesen kann. Dafür sind die Sätze zu gewaltig. Es ist auch kein Buch, das man an jemanden verschenkt, der mehr Lesen soll. Für Hiobs Spiel muss man sich bewusst entscheiden. Es ist ein herausragendes Buch und hat mich wirklich überzeugt!