»I feel guilt, I feel guilt
Though I know l've done no wrong, I feel guilt«
Marianne Faithfull, Guilt
"Ideologien stellen Modelle dar, mit deren Hilfe wir uns die soziale Welt erklären: Sie vereinfachen und bieten im besten Fall Orientierung. Sie bergen aber auch die Gefahr, Aspekte dieser Welt auszublenden oder zu verzerren."
„Arm, unglücklich, erschöpft? Dann mangelt es wohl am richtigen Mindset, am Willen, an ausreichend Disziplin. Kurz gefasst: selbst schuld."
"Viele sozialwissenschaftliche Untersuchungen legen mittlerweile nahe, dass es so etwas wie Generationen empirisch gar nicht gibt. Das heißt, dass der Zeitpunkt unserer Geburt keine signifikanten Auswirkungen auf unsere Einstellungen hat, sondern dass unser Denken und Handeln vielmehr von diversen anderen Faktoren beeinflusst wird."
"Dieses Abrackern betrifft längst nicht mehr allein die bezahlte Lohnarbeit. In nahezu allen Lebensbereichen ist gefragt, was der Soziologe Andreas Reckwitz als »investive Statusarbeit« bezeichnet: Permanent müssen Leistungen erbracht werden, die die eigene soziale Position optimieren. Die Sprachlern-App, die Yogastunde, der ETF-Ratgeber und die Therapiesitzung: All das ist, zumindest in manchen Milieus, Teil der ununterbrochenen Arbeit am eigenen sozialen Status, eine Investition in sich selbst."
"Erwerbslosigkeit mit Faulheit gleichzusetzen ignoriert die zahlreichen Gründe, aus denen Menschen keiner Arbeit nachgehen. Natürlich wird es dabei Menschen geben, die Grundsicherung beziehen, weil sie schlicht keine Lust auf Erwerbsarbeit haben. Es geht nicht darum, diesen Fakt zu leugnen. Sondern darum, ihn ins Verhältnis zu anderen Fakten zu setzen: Jede:r vierte:r Bürgergeldempfängerin ist ein Kind. Weit über die Hälfte der sogenannten erwerbsfähigen Leistungsbezieherinnen steht »dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung«, weil sie studiert, zur Schule geht, Angehörige pflegt und kleine Kinder großzieht. Viele Menschen beziehen Grundsicherung, weil sie chronisch krank sind oder mit psychischen Leiden zu kämpfen haben, weil sie nicht arbeiten dürfen oder können - oder weil sie zwar arbeiten, aber nicht ausreichend verdienen."
"Und da wird eine Frau nun mal schneller zur Zielscheibe, je leichter sie bekleidet ist. Oder? In dieser Annahme, die die meisten hinnehmen wie ein Naturgesetz, versteckt sich ein brandgefährliches Narrativ: Die Vergewaltigung wird als Sexualakt und letztlich triebgesteuerte Tat eingeordnet, als gewaltsame Form der Sexualität statt als sexualisierte Form der Gewalt."
"Prominente Künstler etwa, denen Ex-Partnerinnen missbräuchliches, aber nicht nachweisbares Verhalten vorwerfen, einfach weiter zu unterstützen und zu feiern, ihnen Rollen und Bühnen und Mikrofone zu bieten, perpetuiert letztlich die atale Gesetzlosigkeit des mächtigen Mannes."
"Dass zu Sexualität ein sicherer Rahmen gehört, in dem ein Nein für sich stehen darf, ohne dass es der andere hinterfragt, schmollt oder sich angegriffen fühlt. Schützend kann außerdem ein Bewusstsein über traditionell-männliche Egos wirken, über die Gefahr, die von ihnen ausgehen kann, wenn sie verletzt werden. Es gehört die Ermutigung aller Menschen dazu ihre Grenzen lieber einmal zu viel aufzuzeigen als einmal zu wenig.“
"Kommende Generationen sollen so oft hören, dass bei sexualisierter Gewalt der Täter und nur der Täter Schuld hat, »Ja, aber ...« ist, sondern »Wer sonst?«."
"Die Regel ist klar: Wenn das Familienleben dich nicht erfüllt, bist du das Problem, nicht die Familie."
"Ich denke über die scharfsinnige Kapitalismuskritik nach, in meinem Kopf zeichne ich Pfeile und Stichpunkte, die sich zu einem bahnbrechenden Argument reihen: Kapitalismus → Individualismus → Zerstreuung / Selbstvermarktung im Internet → Aufstiegsversprechen durch soziale Kontakte → Sucht → Schuld. Und das in einem Kreisdiagramm. Oder so."
"Selbst eine Person, die in Armut lebt, kein Auto besitzt und nicht fliegt, liegt mit ihrem ökologischen Fußabdruck weiter über dem Zielwert von zwei Tonnen pro Jahr. Dies alles zeigt, wie eingeschränkt Appelle an einen ethischen Konsum sind. Es ist durchaus sinnvoll, über den eigenen Konsum, den persönlichen Einfluss auf Klimawandel und Umweltzerstörung nachzudenken und das eigene Handeln in Richtung eines ressourcenschonenden Daseins anzupassen. Eine Perspektive für grundlegende Veränderungen bietet der verengte Fokus auf den eigenen Bauchnabel allerdings sicher nicht."
"Der eine findet sein Glück im täglichen Konsum der ihm schmackhaft gemachten Waren, während die andere ein frugales Leben führt. Der Beitrag beider Lebensstile zum Klimawandel und zur Naturzerstörung ist, global betrachtet, nahezu identisch."
"Du bist abhängig vom Wissensstand deiner Zeit, deiner Zahnärztin, deiner gesamten Spezies."
„Herrschende spielen Beherrschte gegeneinander aus; das ist so alt wie die Spezies Mensch.“