"In unserer Gesellschaft kann die Mutter es niemandem recht machen, sie ist zu viel oder zu wenig, zu fürsorglich oder zu sorglos, sie arbeitet zu viel oder zu wenig. Endet jedoch die aktive Phase des Mutterseins, sollen wir die Mutter verehren, als Heilige auf einen Sockel hieven; nun ist sie unantastbar, weil sie sich für uns aufgeopfert hat. Die Zuerkennung des Status de Heiligen soll sie rückwirkend entschädigen für Jahrzehnte der Prüfung."
"»Wenn in drei Überkreuzungen von Ideen, die dem Subjekt kommen, ein und dasselbe Wort anzutreffen ist, werden Sie erkennen, dass genau dieses Wort und kein anderes wichtig ist.«“
"Nach Roland Barthes besitzt eine Fotografie ein punctum, ein bestechendes Detail, das Bedeutung trägt und die spezifische Bedeutung dieses Bildes transportiert, ohne das klar wäre, auf welches symbolische System es sich bezieht: »Es ist eine Zutat, es ist das, was ich dem Photo hinzufüge und was dennoch schon da ist.« Das punctum eröffnet den Wahrnehmungsraum des Bildes, weg von der schieren Ikonizität, der Spur, dem Zeichen, dass etwas da gewesen ist, das nun abgebildet ist. »Das punctum weckt in mir ein großes Wohlwollen, fast Rührung.« Oder ein Unbehagen?“
"»Tragischerweise sind die Wohlhabenden und die Armen oft durch ihre gemeinsame Obsession für Konsum innerhalb der kapitalistischen Kultur verbunden. Häufig sind die Armen stärker von exzessivem Konsumverhalten betroffen, weil sie am anfälligsten für die mächtigen Botschaften der Medien und unseres Lebens im Allgemeinen sind, die suggerieren, dass der einzige Weg, der Schande einer bestimmten Klassenzugehörigkeit zu entgehen, in unübersehbarem Konsum liege«, schreibt bell hooks in Die Bedeutung von Klasse. "
"Zu einem der wichtigsten therapeutischen Instrumente bei der Therapie der Kaufsucht gehört die 24-Stunden-Regel: Jeder Konsumimpuls soll 24 Stunden aufgeschoben werden. Je mehr Zeit zwischen Impuls und Handlung vergeht, desto mehr Zeit bleibt den Betroffenen, den Kauf rational abzuwägen. Mehr noch: Verhaltenssüchte dienen ja gerade der Ad-hoc-Regulierung unangenehmer Gefühlszustände; ist etwas Zeit vergangen, konnte das Gefühl womöglich anderweitig abreagiert werden."
"YouTuber Wolfgang M. Schmitt und Soziologe Ole Nymoen staunen in ihrem Buch Influencer: »Es ist, als hätten Millionen junge Zuschauer Teleshopping-Kanäle zu ihren liebsten Fernsehsendern erkoren.« Darüber kann man sich wundern; allerdings nur, wenn man ausblendet, dass die Shoppingkanäle Milliardenumsätze machen (allein 2,1 Milliarden in 2022). QVC verfügt nach eigenen Angaben über 1,7 Millionen aktive Kunden. Was Influencer und die Verkäufer im TV gemein haben, ist ihre tägliche Präsenz (im Falle des Fernsehens sind es feste Zeiten, zu denen man einschalten oder besser noch: aufnehmen kann, so wie es meine Mutter tat). Der Influencer steigert die Sache noch, wenn er rund um die Uhr sendet."
"Soweit ich es überblicken kann, gibt es für das Teleshopping keine vergleichbaren kulturwissenschaftlichen oder soziologischen Untersuchungen, wie sie für die Werbung im Allgemeinen oder die Influencer existieren. Diese Phänomene werden stets als Symptom oder Ausdruck der allgemeinen Konsumkultur gelesen und in diesem Sinne kritisiert. Gut möglich, dass das Desinteresse am Homeshopping mit dem Kundenstamm zu tun hat: der Gruppe der älteren Frauen. Die konsumieren ja in aller Regel in der häuslichen Einsamkeit, so wird das Phänomen eher als amüsante Tatsache am Rande wahrgenommen."
"Es entsteht ein Konsumdreieck, bei dem die Werbefigur als Verkörperung des Produktes erscheint und eine symbolische Tauschbeziehung entsteht: Wer dasselbe Produkt konsumiert, wird das begehrte Objekt. Das begehrte Objekt ist aber nicht die Ware, sondern die Person."
„Im Sinne Judith Butlers gibt es kein Geschlecht ohne Geschlechterperformance: Geschlecht ist Performance, artikuliert und stabilisiert sich täglich aufs Neue durch ungezählte Handlungen, Symbole und Botschaften. Es ist in diesem Sinne kein bloßes körperliches Faktum, sondern das Produkt von Diskursen."
"Gegenstände wie Keramikkatzen, Porzellanpuppen und Plastikkerzen haben zwar keinen Nutzen, erfüllen aber die menschliche Sehnsucht nach Schmuck, dem Nicht-Nützlichen, das lediglich dekorativ ist (obwohl das, was der eine dekorativ findet, für den anderen nicht schön sein muss), auch nach »Cuteness«. Die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout verweist darauf, dass Cuteness ein spezielles Gefühl auslöst: dass man den süßen Gegenstand umarmen, küssen, sich symbolisch einverleiben möchte.“
"Die Anwesenheit der Dinge und die Abwesenheit des Körpers. Die ungeheure Fülle und schiere Masse der Dinge, die mich umgeben, im Vergleich zur Leere, die ihre Abwesenheit erzeugt. Ihre Anwesenheit in der Abwesenheit - hat der Hort damit bereits seine Absicht erreicht?"
"Schöner Körper, schöner Geist. Schöne Familie, schönes Haus. Schönheit, Erfolg und Güte - Dünnsein ist ein Glücksversprechen."