sehr gut und aufwendig recherchiert, dabei aber sehr gut und leicht zu lesen. habe super viel gelernt. ich konnte es teilweise gar nicht weglegen, obwohl ich eigentlich wollte. am meisten berührt hat mich der teil mit den chatnachrichten. diese rohen, expliziten aussagen darüber, wie wenig menschenwürde einige polizist:innen wert ist, tat richtig weh. aber auch an sich einfach zu verstehen, wie das polizeisystem aufgebaut ist und verwoben ist mit anderen strukturen und wie das und andere faktoren dazu beitragen, dass polizeigewalt ausgeübt wird, war spannend. das kapitel zur popkulturellen darstellung der polizei in filmen und serien vor allem fand ich persönlich auch sehr einleuchtend, weil es noch mal erklärt, wie so ein immens großer gesellschaftlicher rückhalt, den die polizei hat, verstärkt wird. angefangen von paw patrol bis zum sonntäglichen tatort.
ich war immer wieder fassungslos, wie unfassbar VIELE dokumentierte beispiele es von polizeigewalt (gegen nicht-weiße menschen) es gibt. eindrücklich ist auch das hinten und vorne im buch ein doppelseitiger klappentext in schriftgröße 8 ca ist, der alle dokumentierten fälle von polizeigewalt auflistet. der autor summiert am ende des buchs auch noch mal und sagt, dass er allein 150 fälle in diesem buch beschrieben hat. da von einzelfällen zu sprechen, ist mindestens verspottend, wenn respektlos gegenüber den menschen, die das erfahren haben.
die frage, die ich mir jetzt stelle ist, wie ich diese fakten aus dem buch überführen kann in den alltag. das letzte kapitel geht auch ein wenig darum und sagt erst mal grundsätzlich, dass das system natürlich nicht von einer einzelnen person geändert werden kann, aber dass in bestimmten situationen zumindest das schlimmste abgewendet werden kann, wenn man 1. videoaufnahmen mit dem handy macht (in dem fall hat die polizei auch nicht das recht an bild und ton, weil sie eine öffentlichen institution sind und keine privatperson) und 2. indem man dabei NICHT held:in spielt und den einsatz an sich stört, denn "behinderung von polizeilichen maßnahmen" ist ein straftatbestand und dann ist es sogar legal, dass polizist:innen gebrauch von ihrer waffe machen. das find ich absolut loco, aber auch gut zu wissen. trotzdem hab ich mich gefragt, ob man sich nicht irgendwie mitschuldig macht, wenn man einfach zusieht während polizeigewalt passiert? naja, außerdem sollte man im nachhinein eher kontakt mit den opfern suchen als mit der polizei und kontaktdaten austauschen, falls man als zeug:in für einen eventuellen gerichtsprozess gebraucht wird. wichtig ist auch, andere passant:innen zu involvieren.
außerdem noch der appell nicht bei jeder kleinigkeit, vor allem, wenn es nicht sein muss, die polizei zu rufen, weil das für schwarze menschen jüdinnen:juden, sinti:zze und romn:ja, muslim:innen, geflüchtete und andere minderheiten schlimm enden kann, oft auch tödlich. dazu war auch das kapitel spannend zum umgang mit konflikten bei ethnien, die keine polzei, keine gefängnis und keine gerichte haben. spoiler: prävention, soziale arbeit und community arbeit sind key.
ich finde außerdem krass, wie der autor beschreibt, dass er sich selbst auch schon stark in gefahr gebracht und auch einige drohbriefe bekommen hat.
insgesamt ist es das beste sachbuch, was ich bisher gelesen habe und ich werd's wahrscheinlich auch noch mal lesen. ich empfehle es allen menschen, die bereit sind, ihr bild der polizei "als freund und helfer" zumindest ein stück weit zu hinterfragen und vor allem zu hinterfragen, wen oder was die polizei hauptsächlich schützt.