Das Setting des Romans ruft Erinnerungen an Farmers “Flussweltzyklus” hervor und bietet wie dort die Möglichkeit, Protagonisten aus unterschiedlichen Zeiten zusammenzubringen und Abenteuer erleben zu lassen. Die Hauptfigur ist Leutnant Kramer, der von seinem KFOR Einsatz im Kosovo jäh in die “Grabenwelt” gerissen wird. Diese entpuppt sich als ein von Gräben zerfurchter Planet, auf dem Menschen verschiedenster Zeitalter gegen große Spinnenwesen kämpfen müssen. Sie müssen wirklich kämpfen, denn eine unbegreifliche Macht im Hintergrund sorgt dafür, dass sie regelmäßig in den Krieg ziehen. Der Krieg dauert schon Jahrhunderte und es sieht nicht so aus, als könne ihn eine der beiden Seiten jemals gewinnen. Die Macht im Hintergrund sorgt für Essen, Unterkunft, medizinische Versorgung und für Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Menschen.
All dies wird schnell eingeführt, wir werden wie Kramer auch sofort in die Geschehnisse geworfen. Die Gemeinschaft der entführten Menschen stellt sich als überraschend gut organisiert heraus, es gibt eine ausgefeilte militärische Struktur. Und natürlich stellen sich alle - wenn sie denn dafür die Zeit finden - die Frage nach dem “Warum?”
Früh im Buch wird aus der Sicht der Spinnen erzählt. Von dieser Schilderung war ich zuerst enttäuscht, denn seit Adrian Tchaikovskys “Kinder der Zeit” ist meine Erwartungshaltung bei der Beschreibung von Spinnen und Ameisen ziemlich hoch. Im Laufe des Buches wird dies aber besser: Die Sicht der Spinnen auf die Menschen wird interessanter und die Spinnen-Kultur bekommt mehr und mehr Details. Sie ist angelehnt an unsere irdischen Spinnen eher männerfeindlich: die Männchen haben nur eine Funktion für die Fortpflanzung, danach können sie auch schon mal gefressen werden.
Kramer hat eine Idee und eine Dreiergruppe bricht auf, mehr Informationen über die Welt herauszubekommen. Auch bei den Spinnen gibt es eine Gruppe, die besser verstehen will und revolutionäre neue Ideen hat, mit denen sie allerdings in Konflikt mit der Herrschenden gerät. Nun verfolgen wir beide Gruppen und hoffen auf eine friedliche Verständigung, die den unsinnigen Krieg beenden könnte. In diesem Zusammenhang finden sich interessante Gedanken, denn natürlich gibt es Menschen und Spinnen, die von der Situation profitieren und wenig Interesse daran haben, diese zu ändern.
Das Buch hat ein sehr hohes Tempo und Kramer wird als entschlossen geschildert. Er hadert nicht mit seiner Situation, wie insgesamt die Verzweiflung unter den entführten und zum ständigen Kämpfen gezwungenen, nicht so ausgeprägt, wie ich sie erwartet hätte.
Ich hätte mir mehr Tiefgang gewünscht. Die kleine Gruppe von Menschen aus unterschiedlichen Zeitaltern und mit unterschiedlichen Erfahrungen, war mir nicht detailliert genug geschildert. Es gibt eine größere Überraschung am Schluss und auch die Möglichkeit einer Fortsetzung. Ich wurde aber das Gefühl nicht los, dass van den Boom aus diesem Stoff eine Trilogie hätte machen können, dann wäre auch mehr Platz gewesen für bessere Charakterisierungen.