Die schönsten Geschichten von Elke Heidenreich versammelt in einem Band
Ob in einem Brief an ihr sechzehnjähriges Ich, in einer Erinnerung an einen Abend in Wien, an dem sie alles unternahm, um Rudolf Nurejew tanzen sehen zu können, oder in der Beschreibung eines überraschenden Wiedersehens mit einem alten Freund an einem Bahnhofsgleis mitten in der Nacht: Elke Heidenreichs Texte sind meisterhafte Moment-aufnahmen des Lebens in all seinen Facetten. Weit über 100 Geschichten veröffentlichte sie über die Jahre in mehr als fünfzehn Büchern, nun hat sie in einem Band die schönsten Geschichten zusammengestellt.
»Neulich im Himmel« ist eine Einladung an uns alle, einzutauchen in das Werk einer außergewöhnlichen Schriftstellerin, die seit Jahren mit pointierten und lebensklugen Texten zu begeistern weiß.
Schöne Sammlung von Kurzgeschichten, vor allem geeignet für Heidenreich-Neulinge, sind doch fast alle der Erzählungen schon in anderen Bänden erschienen. Wer also bereits sämtliche Bücher der Autorin durch hat, wird hier nix Neues finden. Die Stories sind mal direkt aus dem Leben von Heidenreich, meist aber fiktiv, aber natürlich scheint der typische Ton der Autorin überall durch. Oft geht es um die (vergängliche) Liebe, vieles ist sehr traurig, es geht um Verlust, manches aber auch sehr lustig. Das Leben und seine Schicksalsschläge wird insgesamt sehr bunt beschrieben, und das mündet dann nicht selten in einfachen, aber sehr wahren Sätzen wie "Liebe ist wichtig, aber Spaghetti mit einer guten Sauce sind auch sehr wichtig".
Besonders berührt hat mich die Geschichte der Frau Mitte Vierzig , die sich eigentlich ständig mit ihrer Mutter in die Haare kriegt, dann aber bei einer gemeinsamen Reise entdeckt, dass hinter der scheinbar kalten Fassade der Mutter ein Leben mit bittersüßen Erfahrungen steckt ("Die schönsten Jahre"). Auch die Weihnachtsgeschichte ("Erika"), in der ein die Menschen verbindendes Plüschschwein die zentrale Rolle spielt, hat mit sehr gut gefallen. Hunde ("Nurejews Hund") sind ebenso mit von der Partie, vor allem aber Katzen ("Nero Corleone kehrt zurück"). Und wie immer geht es bei Heidenreich natürlich auch um die Kunst, ob Oper, Ballett oder Literatur.
Was ich an Heidenreichs Texten schön finde: Die Autorin mag Menschen, ist sich aber zugleich ihrer Unzulänglichkeiten bewusst. Sie schreibt einerseits unaufgeregt und abgeklärt, dann aber doch wieder mit viel Empathie und schwerem, vollen Herzen: "Dann sitzen wir wieder an den Schreibtischen und schaffen aus den abblätternden Schichten der Erinnerung, über die sich der Gips des Alltags schneller legt, als uns lieb ist, Geschichten und Klänge. Wir halten uns daran fest wie an einem rettenden Geländer, obwohl wir doch von der Grundvergeblichkeit all dessen, was wir tun, wissen."