Abgebrochen nach ca. 160 Seiten.
Ich habe diesen Roman auf der LBM 2025 gekauft, nachdem ich sowohl mit dem Verleger als auch der Autorin ein sehr nettes Gespräch hatte. Klapptext und Aufmachung des Buches haben mich sehr angesprochen. Nach etwas mehr als ¼ des Buches musste ich aber abbrechen, woran lag’s?
Der Klapptext sagt »Cyberpunk oder schon dystopische Gegenwart?« und verspricht eine profitorientierte Welt, in der sich Menschen zu Tode schuften. »[...] Technologisch weit fortgeschritten, doch emotional verkümmert [...]« Von diesem technischen Fortschritt merkt man genau gar nichts. Das mag daran liegen, dass das Buch kein Worldbuilding hat. Die Welt reicht immer nur bis zu den Wänden des Raumes, in dem die Hauptfiguren gerade stehen (und selbst da gibt es nur wenig Beschreibungen). Auch die Dialoge, die einen Großteil des Buches ausmachen, schaffen es nicht, ein Bild der Zukunft zu zeichnen, die der Klapptext verspricht. Altbackene Wörter wie »Tratschmäuler«, »Pappnasen« oder »beknackt« rissen mich beim Lesen immer wieder raus und trugen nicht zu dem angepriesenen Zukunftsbild bei. Plötzlich gibt es auch Fußnoten in denen die Autorin erklärt, wo welche Ideen her sind, oder dass es bestimmte Dinge heute schon gibt.
Die Lebensgeschichten von Jean und Tom hätten so auch in der Gegenwart stattfinden können ... oder gar in der Vergangenheit. Das Buch, dass die Autorin laut Vorwort, 2017 geschrieben und 2018/19 zuletzt inhaltlich überarbeitet hat, hat sich selbst überholt. Apropos Jean und Tom, beides sind verwöhnte reiche Kackbratzen, ich denke, das soll so sein. Man soll sie nicht mögen, oder mit ihnen fiebern. Das Blöde ist nur, sie sind mir tatsächlich egal und das sollten die Hauptfiguren in einem Buch nicht sein. Nachdem ich die Lektüre abgebrochen habe, verspürte ich nicht den geringsten Drang, zu erfahren, wie es mit den beiden endet.
Gibt es in dem Buch auch was Gutes?
Ja! Der Schreibstil von Mirjam Kay Mashkour ist schnell und flüssig, die Kapitel sind kurz und sorgen für ein rasantes Leseerlebnis.
Mit seiner weißen Schrift auf schwarzen Seiten ist das Buch überraschend gut lesbar und in jedem Fall ein Hingucker. Warum das allerdings so ist, bleibt ein Rätsel. Ich konnte auf den ersten 160 Seiten keinen Hinweis darauf finden. Der Grund für die Aufmachung liegt vielleicht auf der Meta-Ebene, düstere Zukunft = düstere Aufmachung?
Wer Poplultur liebt, wird hier einige Anspielungen finden. Von »Ghost in the Shell« über »Die unendliche Geschichte« und »Black Mirror« bis hin zum Klassiker »1984« ist einiges dabei. Leider konnte auch das die Lektüre für mich nicht retten.