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Große Lieben

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Maren und Inga sind dreizehn, als sie über das Tennisspiel Freundinnen werden. Doch ist auch das keine echte Gemeinsamkeit, denn die Mädchen trennt ihre soziale Herkunft. »Große Lieben« verfolgt beider Leben von den 90er-Jahren bis in die Gegenwart – während die eine sich weiter in der Welt des Geldes bewegt, wird die andere Schriftstellerin. Mit Lakonie und viel Witz erzählt Katharina Hartwell davon, was es heißt, als Mädchen aufzuwachsen, über Identitätsfindung, patriarchale Strukturen und die schwierige Balance zwischen Selbstverwirklichung und Mutterschaft.

»Katharina Hartwell erzählt mit herzzerreißender Komik und schonungslosem Scharfsinn. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch als junge Frau lesen können. Es zählt schon jetzt zu meinen großen literarischen Lieben.« Isabelle Lehn

365 pages, Kindle Edition

Published February 27, 2025

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About the author

Katharina Hartwell

12 books20 followers

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Community Reviews

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1 (<1%)
Displaying 1 - 14 of 14 reviews
Profile Image for Ninia LaGrande.
93 reviews123 followers
April 19, 2025
Mochte ich sehr — vor allem die erste Hälfte. Ein Roman über Freundinnenschaft mit 13, 23 und 33 Jahren. Ich hab so viel gefühlt aus den jüngeren Jahren, die Verunsicherung, die Trends, die Gefühle. Später verlor es mich ein bisschen, weil die Freundschaft im letzten Drittel fast keine Rolle mehr spielt (classy Mutter werden Themen). Aber lohnt sich auf jeden Fall!
Profile Image for Tobias.
86 reviews9 followers
June 2, 2025
Als Arbeiterkind, welcher viele Jahre auch in der Platte groß geworden ist, konnte ich mich sehr reinfühlen in die Hauptprotagonistin im Roman. Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise über mehrere Jahrzehnte im Leben der Akteurinnen und was es bedeutet als Arbeiter:Innenkind aufzuwachsen und welche Herausforderungen das Leben bereit hält, wenn der „Aufstieg“ passiert oder doch nicht.

„Doch Inga gestand, dass sie sich tatsächlich nicht bloß vor meiner Schwester fürchtete, sondern ganz allgemein auch vor dem Haus, in dem wir lebten. „Das Haus?“, fragte ich verwundert. Ich dachte an das tatsächliche Gebäude. Wie konnte sich Inga vor der Eingangstür, den vierzig roten Briefkästen, dem gekachelten Flur, dem Aufzug, den großen Mülltonnen im Vorhof fürchten? „Na, wegen der Leute, die dort wohnen“, stellte sie klar. „Ach so“, sagte ich, und wir lachten über das Missverständnis.
Natürlich hätte ich auch sagen können: Aber die Leute, die dort wohnen, das sind doch wir.“ (Seite 38f.)

„Aber ich hatte mich noch nie geschämt für etwas, dass ich nicht konnte. Im Gegenteil. Etwas nicht zu können, hieß nämlich nicht, dass man zu blöd, zu faul oder zu unbegabt dafür war, sondern bloß, dass man andere Talente hatte und wahrscheinlich eine höhere Bestimmung.“ (Seite 66)

„… zumindest bis ich sage, wie hoch das Preisgeld war. Für mich mag es eine erhebliche Summe gewesen sein, für die Tante Millies und Frau Stroms dieser Welt aber es ist ein Betrag, bei dem sie sich nicht sicher sind, ob sie mir jetzt noch gratulieren oder eher kontrollieren sollen.“ (Seite 112)

„Über Psychoanalyse weiß sich theoretisch einiges, praktisch aber nichts. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der eine Psychoanalyse gemacht hat oder auch nur eine Therapie. Freuds Modell der Psyche kann ich im Schlaf erklären, und niemals würde ich unbewusst und unterbewusst verwechseln, aber wie so eine tatsächliche Analysestunde aussieht, das weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht wie viel sie kostet und ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Es ist meine Welt, es ist nicht meine Welt.“ (Seite 134)
Profile Image for clara:).
111 reviews4 followers
March 23, 2025
fand’s sehr gut, vor allem zu beginn hatte ich beim lesen das gefühl, direkt im kopf der zu dem zeitpunkt 13 jährigen maren zu stecken und die ganze teenagerzeit, die unsicherheiten was körper, erfahrungen und verhalten angeht, die hackordnung in der schule und das gleichzeitig über- und unterlegen fühlen nochmal durchzumachen. auch später ist man nah an ihr dran und damit allen anderen personen die vorkommen immer etwas fern.
neben den schwierigkeiten der teenie zeit spielen auch themen wie nichts sagen (können) wenn’s drauf ankommt, fest verankerte geschlechterrollen bei älteren generationen, klassenunterschiede, feminismus und mutterschaft wichtige rollen und werden sehr persönlich beschrieben.
die autorin kann unter anderem besonders gut diese verschwimmende grenze von ‚war das schon übergriffig? oder stelle ich mich nur an’ darstellen, was beim lesen immer wieder ein mulmiges gefühl hervorgerufen hat.

es hat mich auch etwas an ‚am tag des weltuntergangs verschlang der wolf die sonne‘ erinnert

und ich finds witzig dass es viel in frankfurt und berlin handelt, weil ich gerade am mediacampus war lol und jetzt einige grobe regionen zuordnen konnte

ich wollte auch eh keine kinder 👍

Profile Image for Sophia.
19 reviews
November 5, 2025
„In meiner Familie nannten sie mich Milbe, weil man mich in der Regel im Bett oder auf dem Teppich fand.“

Eines meiner Highlights des Jahres. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Wochenendes verschlungen. Der Schreibstil von Katharina Hartwell ist wie kein anderer, der mir je untergekommen ist. Scharfsinnig, unglaublich humorvoll, aber auch einfühlsam und auf diese Art drängend, wie man es nur sein kann, wenn man die Dinge, über die man schreibt, auf irgendeine Art auch selbst erlebt hat.

Dieses Buch hat so vieles, in dem ich mich selber wiedergefunden habe: Das Aufwachsen als „seltsames“ Kind, der Struggle um Selbstfindung im Studium, die Diskrepanz zwischen dem im Studium gelerntem und der Lebensrealität der Menschen um einen herum, die ständige Frage, was Freundschaft wirklich ist und bedeutet. Und Hartwells Gedanken über Mutterschaft, über das „Davor“ und das „Danach“ werden mich noch lange beschäftigen.

„Alles, was die anderen Mamis und ich getan, gesagt, gedacht haben, zerbröckelt hinter uns wie eine baufällige Brücke, und vielleicht müssen wir aufhören, so zu tun, als könnten wir jederzeit wieder zurück auf die andere Seite gelangen.“

„Es ist schrecklich und witzig, dass ich jetzt eine Mami bin, schrecklich witzig, es ist: absurd. Wie absurd, dass es jetzt nichts weiter über mich zu sagen gibt, als dass ich unnormal entbunden habe und mein Kind an Gurken lutscht.“

Ich bin berührt, ich bin betroffen, ich bin begeistert. Ich brauche mehr von solchen ehrlichen Büchern in meinem Leben.
10 reviews
June 26, 2025
Das Buch plätschert etwas vor sich hin. Teilweise haben mir Abschnitte sehr gut gefallen, aber letztlich hätte ich es nicht gelesen, hätte ich nicht im Urlaub eh viel Zeit gehabt
Profile Image for marie.
57 reviews
October 13, 2025
katharina hartwell hat einen wundervollen schreibstil. sie schafft es, mit humor und leichtigkeit von den schlimmen seiten der pubertät und des erwachsen-werdens zu erzählen. von dem eigenen verzerrten körperbild, von den selbstzweifeln, von der selbstfindung in einer welt, die mädchen sagt, wie mädchen sein sollten (nicht so laut, nicht frech, nicht wütend und bloß nicht fluchen).

es geht um das aufwachsen und sein als weiblich sozialisierte person in einer patriarchalen gesellschaft. um weibliche körper und erwachsen werden, mädchen und frau sein, während man wütend ist und sich verloren fühlt, ein kind austragen, gesellschaftliche erwartungen (an mütter) und freundschaft.

es war fesselnd, hat mich zum grinsen und sehr viel zum nachdenken gebracht; ich war wütend über diese welt, ich habe mitgefühlt mit maren.

einfach ein großartiges buch. eine große empfehlung!
Profile Image for Sarah.
160 reviews13 followers
March 24, 2025
"Wenn wir in der Schule zu Gruppenarbeit gezwungen wurden, weil wir Teamwork lernen sollten, dann lachte ich insgeheim, weil ich bereits wusste, dass ich niemals in Teams worken würde. Lieber alleine sterben als im Team worken."

"Hoffentlich würde ihn meine geniale Geschichte nicht beschämen. Ich stellte mir vor, wie er sie las, zunehmend ergriffen, um dann meine Eltern anzurufen und ihnen mit befangener, vielleicht sogar tränenerstickter Stimme zu sagen, dass er etwas Derartiges in seinem ganzen Leben noch nicht gelesen hätte. Ihre Tochter, würde er vielleicht sagen, hat eine ganz besondere Begabung. Ja, ich würde so weit gehen zu sagen, dass sie hochbegabt ist. Meine Eltern würden dann die Geschichte vom Unugunu lesen, mein Vater würde bestätigt sehen, was er schon immer über mich gewusst, meine Mutter erkennen, dass sie mich bisher grundlegend falsch verstanden hatte. Ich war gar nicht anstrengend, sondern sehr genial."

"Für Bio als Lifestyle war es die falsche Zeit und der falsche Ort."

"So, dachte ich triumphierend, musste sich ein erfolgreicher Angler fühlen. Ich verstand nichts vom Angeln, aber in Filmen hatte ich Leute angeln sehen, und ihren Gesichtern zeichnete sich im entscheidenden Moment und wenn sie spürten, dass sie einen besonders großen Fisch am Haken hatten, dieselbe Mischung aus Triumphgefühl und erschrockenem Erstaunen ab, die ich nun empfand."

"Es gibt ein Zitat von Margaret Atwood, etwas, das sie so in einer Radiosendung einmal gesagt haben soll: «Men are afraid that women will laugh at them, women are afraid that men will kill them.»"

"In schneller Folge esse ich sechs Kalamata-Oliven. Ich liebe Kalamata-Oliven! Ab jetzt nur noch Kalamata-Oliven, niemand wird je darauf kommen, dass ich meine erste Olive mit zwölf Jahren aß, auf der Party des Chefs meiner Mutter. Niemand wir vermuten, dass ich diese Olive für eine Weintraube hielt und sie angewidert ausspuckte, als meine Zähne durch das salzig-zähe Fleisch hindurch auf den Kern stießen. Meine Eltern konnten mir damals auch nicht helfen, wir waren keine Oliven-Familie, bei uns zu Hause hatte es noch nie welche gegeben, weder Kalamata- noch andere Oliven, und jetzt sitze ich hier beim Brunch und esse Kalamata-Oliven, ganz selbstverständlich, und ob sie mir schmecken oder nicht, könnte egaler nicht sein."

"So lange schon lebt sie über ihre Verhältnisse, dass niemand mehr weiß, was ihre Verhältnisse eigentlich sind, sie am allerwenigsten."

"Mein Gefühl ist bloß ein Gefühl. Ich habe ja keine Ahnung von nichts, ich bin dreiundzwanzig, ich lese Judith Butler, ich bin dreiundzwanzig, ich lebe bei meinen Eltern, ich lese Judith Butler, ich habe keine Ahnung von nichts. Mein Gefühl ist bloß ein Gefühl."

"Warum haben all meine großen Fehler immer mit Autos und Männern zu tun?"

"Der Raum zog sich zusammen, ganz kurz wich alles vor mir zurück, und dann knallte es geradewegs wieder in mich rein, mit voller Wucht gegen meine Stirn, meinen Brustkorb, presste mir die Luft aus den Lungen."
Profile Image for Olivia Grove.
30 reviews1 follower
February 27, 2025
Flüstern zwischen den Zeilen – die feinen Risse im Alltäglichen & leisen Brüche des Lebens
Manchmal ist es nicht das Offensichtliche, das beunruhigt, sondern das Flüstern, was zwischen den Zeilen lauert. Dieser Text spielt genau damit: ein Moment des Lachens, der so laut und befreiend ist, dass er unheimlich wird. Eine Erinnerung, die sich verschiebt, bis sie nicht mehr klar unterscheidbar ist zwischen Unschuld und Unbehagen.

Was zunächst wie eine Geschichte über jugendliche Freundinnen beginnt, entfaltet sich rasch zu einer vielschichtigen und tiefgründigen Erzählung über Machtverhältnisse, soziale Unterschiede und die Frage, wie nah wir einander wirklich sein können. Katharina Hartwell führt uns in "Große Lieben" durch drei Lebensabschnitte – 13, 23 und 33 Jahre –, in denen sich die Protagonistinnen Maren und Inga immer wieder begegnen und dabei allmählich voneinander entfernen.

Dabei verschwimmen die anfängliche Leichtigkeit und die schmerzliche Erkenntnis, während die kindliche Perspektive auf die Welt in ein subtiles Beklemmungsgefühl kippt, das auch im Erwachsenenalter nicht weicht.

Kindheit, die Risse bekommt

"Plötzlich waren sie mit uns auf dem Spielplatz, Georgi, in der Umkleidekabine, Herr Elstner mit der Fanta-Flasche, Ingas Nachbar, der uns immer durch die Hecke beobachtete, wenn wir uns im Garten sonnten." (S. 101)

Die Szene greift unterschwellige, kindliche Wahrnehmungen von Machtverhältnissen und übergriffigen Situationen auf. Der scheinbar banale Moment – ein Lehrer, der Maren einen Schluck aus seiner Fanta-Flasche anbietet, ein Nachbar, der über die Hecke lugt – wird durch die Perspektive des Mädchens mit latenter Bedrohung aufgeladen.

Es ist diese schwebende Unsicherheit, die den Text so beklemmend macht: War es ein Witz? Ein Missverständnis? Oder doch der Moment, in dem eine Grenze überschritten wurde?

"Jemand hatte freundlich sein, hatte uns warnen wollen, hatte einen Witz gemacht, einen Kommentar gemacht, hatte einen Raum betreten, in dem er nichts zu suchen hatte, und all das war ganz harmlos. Oder nicht." (S. 101)

Besonders beeindruckend ist, wie die Sprache diesen Prozess verstärkt. Die Wiederholungen „Oder nicht?“ in dieser Passage, das Schwanken zwischen Harmlosigkeit und lauernder Gefahr – all das macht erfahrbar, wie Erinnerung arbeitet. Wie sich ein Gefühl im Nachhinein verändern kann, bis es kippt. Augenblicke, die plötzlich einen schalen Beigeschmack bekommen.

Zwischen geteilten Erinnerungen und wachsender Distanz

"In meinen Augen sagte es damals nichts über uns aus, dass Inga Geld hatte und ich nicht. Es war der reine und dabei irgendwie ungerechte Zufall, dass sie dauernd Geld von ihren Eltern bekam, weil die eben welches hatten, und ich nicht, weil meine Eltern keins hatten." (S. 254)

Früher war dieser Unterschied selbstverständlich – heute aber stellt sich die Frage: Warum war es damals egal, und warum wirkt es nun befremdlich, wenn Inga Marens Sushi bezahlt? Die alte Verbundenheit ist zwar spürbar, doch sie steht auf wackeligen Beinen. Beide halten an gemeinsamen Erinnerungen fest, während der Graben zwischen ihnen immer tiefer wird.

"[...], und dann wird es bloß ein weiteres dieser Treffen gewesen sein, bei denen wir uns nicht einen Fingerbreit aufeinander zubewegt haben, sondern, wenn überhaupt, bloß weiter in unterschiedliche Richtungen gedriftet sind." (S. 287)

Es wirkt immer wieder, als stünde Marens und Ingas Freundschaft am Scheideweg – beide klammern sich fest, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die zentrale Frage am Ende eines Kapitels bringt es auf den Punkt: „Ist einander zu verstehen nicht so eine Art Grundvoraussetzung für Freundschaft?“ Diese Frage lässt zweifeln, ob das, was sie verbindet, noch ausreicht. Es ist ein Moment der Erkenntnis: Die Freundschaft besteht weiter, lebt aber mehr von der Vergangenheit als von der Gegenwart.

Ironie, Melancholie und subtile Spannung

Katharina Hartwell schreibt mit einer seltenen Mischung aus Scharfsinn und Ironie – ihre Sprache ist schmerzhaft präzise, aber zugleich von einem Witz durchzogen, der nie platt wirkt. Die Autorin beobachtet genau und gibt Szenen mit feinen Nuancen wieder. Besonders auffällig ist die Art, wie sie Blicke, Körpersprache und unausgesprochene Dynamiken beschreibt. Es entsteht ein subtiles Spannungsverhältnis zwischen den Figuren, das viel über soziale Unterschiede und emotionale Distanz aussagt.

Hier wird nichts laut angeklagt. Stattdessen legt sie eine feine Schicht Unsicherheit über ihre Sätze, als würde man tief unter Wasser lauschen und alles nur gedämpft wahrnehmen. Wie ein dichter Nebel, der sich erst langsam bemerkbar macht, aber dann nicht mehr verschwindet.

"Im Studium machen mich das Leid der Frauen und die patriarchalen Strukturen, so universal und abstrakt, wie ich mich mit ihnen beschäftigte, wütend. Alles in mir ist aufgebracht und kampfbereit, aber im Haus der Kreuzers bin ich bloß traurig, traurig und sehr ratlos und ein wenig entsetzt." (S. 178)

In Hartwells Wortwahl steckt viel Bedachtes: Der Text konfrontiert, aber ohne es explizit zu machen. Stattdessen lässt er Räume offen – für Interpretationen, für Zweifel. Gerade das macht ihn so eindringlich.

Fazit

"Große Lieben" ist eine eindrucksvolle Geschichte, in der sich Freundschaften wie Geister aus der Vergangenheit anfühlen, in der scheinbar harmloses Lachen in einem Moment in Unbehagen umschlagen kann. Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden und die Frage, ob wir jemals wirklich „erwachsen“ ankommen. Über die Widersprüche im Patriarchat, die ungesagten Regeln von Geben und Nehmen, und das Schweigen, das alles überlagert.

Katharina Hartwell erzählt das alles mit einer introspektiven, ironisch gebrochenen Stimme, die nie belehrend wirkt, sondern Raum für Zweifel lässt. Wer Freude an literarischer Vielschichtigkeit hat und sich gerne auf die feinen Risse im Alltäglichen einlässt, findet in "Große Lieben" eine ebenso dichte wie leise verstörende Lektüre.

Und am Ende bleibt das Gefühl, dass das Unausgesprochene manchmal lauter schreit als jedes offene Wort.
Profile Image for Noemi.
10 reviews
August 13, 2025
Ich habe das Buch wirklich sehr gern gelesen.

Es gefällt mir, wie Ich mich stellenweise auch immer mal selbst in den Zeilen erkennen konnte. Gleichzeitig - oder vllt genau deshalb - hätte ich Maren manchmal gern geschüttelt und dazu gebracht, ihre Gedenken gegenüber Inga auszusprechen. Nicht so viel Ungesagtes zwischen ihnen stehen zu lassen.

Manchmal hätte ich mir noch ausführlichere Passagen gewünscht, gleichzeitig hat es mir gefallen, dass manches offen blieb. Und die Jahre zwischen Abschnitten nicht komplett gefüllt wurden.

Ich find es gleichzeit frustrierend und auch gut, dass nicht noch die weiteren Sprünge (43, 53, …) hinzu kamen. Frustrierend, weil ich gern mehr von der Entwicklung gelesen hätte, gut, weil so Raum für eigene Fantasie bleibt, Marens (und auch Ingas) leben weiterzuspinnen.

Mir gefiel, wie gut und nachvollziehbar Katharina Hartwell die Gedanken einer 13-Jährigen einfangen konnte. Unterschwellige Wahrnehmung von Ungerechtigkeit, Störgefühle.
Genauso wie die Schilderungen später beim Älterwerden, wobei ich dennoch manchmal dachte, dass Maren evtl auch bessere Arten hätte finden können, sich auszudrücken, in Anbetracht dessen, dass sie Autorin ist. Auch wenn natürlich Ängste und Zerdenken hinzutreten. Das waren teilweise Momente, in denen ich sie gern geschüttelt und dazu gebracht hätte, ihre Gedanken gegenüber Inga zu verbalisieren.

Insgesamt mochte ich die Darstellung einer jahrelangen Freundschaft, die mal mehr, mal weniger intensiv gelebt wird bis zu dem Punkt, an dem man sich vllt sogar manchmal fragt, warum sie überhaupt noch besteht und ob man nur noch durch die vergangene gemeinsame Zeit verbunden ist.

Im letzten Teil hat mich das Buch etwas verloren (aufgrund des Themas, auch wenn ich die Wichtigkeit verstehe) und gleichzeitig auch wütend gemacht. Ich mochte die Sprache weiterhin sehr, habe mitgelitten und die Ungerechtigkeit gespürt, mit der Frauen teilweise immer noch behandelt werden. Ich fand diese Zerrissenheit sehr gut dargestellt.

Insgesamt würde ich es definitiv empfehlen.
Profile Image for Mona.
91 reviews2 followers
March 10, 2025
Maren ist so ein fürchterlich interessantes, nicht gesehenes Kind, das sich zu einer fürchterlich interessierten Frau entwickelt, die zwischen den Welten schwebt und in keine so recht passen mag. Für die Intellektuellen zu wenig intellektuell, für die Familie und langjährige beste Freundin zu wenig sie selbst, zu wenig Gossip und Nagellack, zu wenig into it (was auch immer "it" ist).

Und dennoch ... gibt es sie. Die großen Lieben, die gar nicht daher kommen wie solche, denn große Lieben müssen eigentlich episch und/oder tragisch, auf jeden Fall über alles erhaben sein und nicht alltäglich. So lernen wir es, eine Liebe ist erst dann groß, wenn sie alles, was wir kennen, übersteigt.
Ein ganz wunderbarer Blick auf die Menschen, die ein Leben lang an unserer Seite sind. Nicht unerbittlich, nicht bedingungslos, aber dennoch.
Profile Image for Hannah H.
9 reviews1 follower
July 2, 2025
Ich wollte das Buch wirklich mögen, aber leider konnte es nicht halten, was es ‚versprochen‘ hat – oder vielleicht, was ich mir davon versprochen habe. Ich fand, das Thema Freundschaft stand eigentlich nur im ersten Abschnitt im Mittelpunkt (der mir letztendlich auch am besten gefiel). Die anderen Teile drehen sich hauptsächlich um die Protagonistin, und bei ihr ist bei mir leider kein Funke übergesprungen. Vielleicht, weil der einzige Unterschied zwischen der 13- und der 33-jährigen Maren die Themen und Herausforderungen sind, die sie beschäftigen – ihre Denkweise und ihr Umgang mit sich selbst und anderen hingegen verändern sich über die Jahrzehnte kaum.

2.5 ⭐️ und einen Halben für das schöne Cover
Profile Image for Maura.
32 reviews
September 14, 2025
- vielversprechende Inhaltsangabe, ließ mich an meine Wurzeln denken und auf eine Heimatverbundene Geschichte hoffen
- mit den Jahren entwickelt sich die Protagonistin jedoch mehr und mehr in eine verzweifle und unzufriedene Mutter, nicht was ich von der Geschichte erwartet hätte
- ein pessimistischer Blick auf das Mutter sein und werden
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