Ein Treffen «der Science-Fiction-Giganten – Andreas Brandhorst, Joshua Tree und Brandon Q. Morris haben zusammen bereits Millionen Bücher verkauft
Im 23. Jahrhundert wird eine Mission von der Erde zum neunzig Lichtjahre entfernten Omikron-System geschickt. Man nimmt an, dass Vorfahren der Menschheit vor Jahrmillionen von dort zur Erde aufgebrochen sind. Bei Omikron angekommen, trifft das Raumschiff »Wayfarer« jedoch auf Widerstand – und nur mithilfe einer Quantenintelligenz überleben die Menschen. Jetzt stehen sie vor ihrer größten Retten sie sich selbst, oder retten sie den wahren Ursprung der Menschheit? Die Zukunft zweier Zivilisationen steht auf dem Spiel.
Brandon Q. Morris is a physicist and space specialist. He has long been concerned with space issues, both professionally and privately and while he wanted to become an astronaut, he had to stay on Earth for a variety of reasons. He is particularly fascinated by the "what if” and through his books he aims to share compelling hard science fiction stories that could actually happen, and someday may happen. Morris is the author of several best-selling science fiction novels.
Dieses Ende einer vielversprechenden Trilogie war für mich enttäuschend. Da hatten die beiden ersten Teile von Andreas Brandhorst und Joshua Tree viele interessante Fragen aufgeworfen, ein durchdachtes Worldbuilding, eine spannende Zukunftsgeschichte und viele gut geschriebene Charaktere und nun diese zerfletterte Handlung im letzten Teil die keine der Fragen befriedigend zu beantworten weiß. Nach der Zerstörung der beiden Generationenraumschiffe findet die Handlung fast nur in den überlebenden Rettungsbarken innerhalb des Omikron-Systems statt, der Heimat der ersten Menschen. Die Überlebenden haben die Konflikte des heimatlichen Sonnensystems mitgebracht, die Nassen gegen die Trockenen, die Marsianer gegen die Spacer und alle gegeneinander. Aber auch die Abwehranlagen der Ersten Menschen haben ihre Tücken und die Helden der ersten beiden Teile, Lea Lehora und Mard Laton waren nur Nebenfiguren. Aber auch der Stil von Brandon Q. Morris hat zum Lese(miß)vergnügen beigetragen; ein Stil, der auch in seinen im Eigenverlag verbreiteten Werke vorherrscht, fast nur Dialoge und wörtliche Rede, ein insgesamt m.E. etwas infantiler Stil. Einzig das Nachwort, bei dem er die Geschichte der KI's von der Antike erzählt und bis in die ferne Zukunft extrapoliert, das war großartig und hat für mich den 3. Stern gerechtfertigt. Schade, eine Trilogie, die ein besseres Ende verdient hätte, eine Trilogie, die großartig begonnen hatte und dürftig zu Ende gegangen ist; BQM kann es besser, das hat er bei seinen Romanen bei TOR schon bewiesen...
REZENSION – Knapp 1 500 Seiten umfasst der dreibändige Science-Fiction-Roman „Origin“, mit der der Heyne Verlag im vergangenen Jahr ein interessantes literarisches Experiment gewagt hat: Die drei derzeit wohl erfolgreichsten SciFi-Autoren Deutschlands haben sich zu einer gewaltigen Space Opera zusammengetan, in der es um Identität, Herkunft und Zukunft der Menschheit geht, wobei jeder seinen eigenen Band verfasst hat. Nach Andreas Brandhorst (69) mit „Die Entdeckung“ folgten „Die Erweckung“ von Joshua Tree (39; eigentlich Benjamin Krämer) und „Die Erlösung“ von Brandon Q. Morris (59; eigentlich Matthias Matting). Interessant an diesem Experiment ist weniger die im 23. Jahrhundert spielende Handlung, die – wie von diesen Bestseller-Autoren zu erwarten – recht spannend zu lesen ist, sondern eher die Frage, ob die drei es geschafft haben, die Geschichte „aus einem Guss“ wirken zu lassen, oder ob es doch spürbare stilistische Brüche gibt. Worum geht es? Der fortschreitende Klimawandel hat die Erde nach Schmelzen der Polkappen durch Überflutung nahezu unbewohnbar gemacht. Die Überlebenden kämpfen um die wenigen Ressourcen. Die „Trockenen“ leben privilegiert auf Bergeshöhen, während die „Nassen“ auf schwimmenden Inseln in ihren auf Pontons gebauten Städten wohnen müssen. Zeitgleich bevölkert die Menschheit – durch die Evolution bereits körperlich ihrem jeweiligen Lebensraum angepasst – als „Marsianer“ den roten Planeten oder lebt als „Spacer“ in Weltraumstationen. Tausende bemühen sich um einen Platz auf dem riesigen Raumschiff „Wayfarer“, um neue Welten im Universum zu besiedeln. Nach Entdeckung eines 20 Millionen Jahre alten Artefakts im Kuipergürtel um den Neptun mit einem Humanoiden im Kryoschlaf meint man den Ursprung der Menschheit im 90 Lichtjahre entfernten Omikron-Sternensystem entdeckt zu haben. Nun wird die „Wayfarer“ dorthin geschickt. Mit an Bord ist die Paläontologin Lea Lehora, eine verdiente „Nasse“, die mit Hilfe einer Quantenintelligenz das Rätsel der Menscheit zu lösen und nach 450 Jahren im Kryschlaf auf einem Planeten des Omikron-Sytems für die Kolonisten eine neue Heimat zu finden hofft. Doch „es scheint, als wäre kein noch so großartiger technologischer Fortschritt und kein noch so weites Vordringen ins Universum in der Lage, uns so weit zu bringen, dass wir unsere evolutionspsychologischen Fesseln abstreifen.“ Auch im 23. Jahrhundert war den Menschen „an jenem lebensfeindlichen, aber unendlich faszinierenden Ort, den Wissenschaft und Zusammenarbeit erst zugänglich gemacht hatten, die menschliche Mentalität gefolgt wie ein beharrliches Virus.“ Zwischen Nassen, Trockenen, Marsianern und Spacern gibt es Neid, Streit und Kampf bis hin zum Terrorismus. Letztlich geht es um das Überleben nicht nur der Menschheit, sondern auch extraterristrischer Lebensformen. Allen drei Autoren ist es zwar annähernd gelungen, etwas „Ganzes“ zu schaffen, doch gibt es stilistische Unterschiede: Während Brandhorst mit seinem ersten Band „Die Entdeckung“ noch einen klassischen, in der Handlung leicht nachvollziehbaren, fast wissenschaftlich nüchternen SciFi-Roman verfasst und die Basis für den weiteren Handlungsverlauf gelegt hat, wird im zweiten Band „Die Erweckung“ von Joshua Tree die noch realistisch wirkende Handlung durch ausgedehnte Beschreibung technischer Feinheiten, deren Details der Leser ohnehin nicht nachvollziehen kann, leider oft ausgebremst und verliert dadurch an Spannung. Der dritte Band „Die Erlösung“ von Brandon Q. Morris, in dem zwei vorangegangene Handlungsstränge zusammengeführt und abgeschlosen werden, driftet dann allerdings mit der Eroberung der Omikron-Planeten in die Phantastik ab, wirkt sogar gelegentlich albern, wenn die Raumfahrer unbedarften Touristen ähnelnd durch die Landschaft stapfen. Diese stilistischen Unterschiede lassen die Geschichte dann doch etwas uneinheitlich wirken. Nimmt man Abstand von der Handlung, entdeckt man vor allem im zweiten und dritten Band manche Anspielung, Erstaunliches oder Albernes. So ist in Band 2 Kritik an der EU zu finden: „Und was, denken Sie, wird schneller zum Ziel führen: Wenn [die Korporation] Concorde seine nicht unerheblichen Mittel hinter einen Plan stellt, oder wenn das Konzil übernimmt, 50 Jahre diskutiert, bis 29 Korporationen einer Meinung sind und dann die Verteilungskämpfe um die verschiedenen Poste beginnen?“ Fraglich ist, ob auch im 23. Jahrhundert noch redensartig von „Löchern im Schweizer Käse“ gesprochen wird, wo doch Nationen längst nicht mehr bestehen, und ob Streichhölzer noch bekannt sind, die „ein Pulverfass hochgehen lassen“ können. Bemerkenswert ist auch, dass es sogar auf dem Mars Schwarzwälder Kirschtorte gibt. Amüsant bis albern ist wiederum, dass in 300 Jahren noch SciFi-Filme wie „Star Trek“ oder „Star Wars“ bekannt sind und eine Protagonistin sich beim Marsch durch baumhohes Gras auf dem Omikron-Planeten an die Trickfilmreihe mit „Biene Maja“ erinnert. Tröstlich ist dagegen, dass die Besatzung der „Wayfarer“ mit Hilfe eines Klassikers von Jane Austen die Verständigung mit den Außerirdischen aufzunehmen versucht. Gute Literatur scheint also auch in ferner Zukunft noch hilfreich und überlebenswichtig zu sein.
Es ist eine heikle Aufgabe, eine Trilogie zu beschließen, die von drei Autoren geschrieben wurde und Origin – Die Erlösung ist der unglückliche Beweis dafür, wie leicht ein solches Experiment aus dem Gleichgewicht geraten kann. Nach dem nüchtern-ambitionierten Auftakt von Andreas Brandhorst und der wohltuend fokussierten, psychologisch ernst zu nehmenden Fortsetzung von Joshua Tree wirkt Brandon Q. Morris’ Finale weniger wie ein Abschluss als wie ein hastig zusammengesetzter Projektbericht kurz vor Abgabeschluss.
Dabei wäre fachlich alles vorhanden. Morris versteht sein Handwerk im naturwissenschaftlichen Sinne, beherrscht die Werkzeuge der Hard Science Fiction und weiß, wie man technische Konzepte plausibel durchdenkt. Umso schmerzhafter ist der Kontrast zu den Dialogen, die diesem Roman das literarische Genick brechen. Das Problem ist nicht erklärende Überfrachtung oder kommunikatives Aneinander-vorbeireden, sondern etwas weit Fundamentaleres: Diese Gespräche klingen schlicht albern, unausgereift und unfreiwillig komisch. Nicht, weil sie witzig wären, sondern weil sie es verzweifelt sein wollen.
Morris versucht seinen Figuren immer wieder einen lockeren Ton, ironische Spitzen oder humorvolle Schlagabtausche in den Mund zu legen und scheitert daran jedes Mal. Der Humor wirkt aufgesetzt, zeitweise geradezu kindlich, als stamme er aus einer sehr frühen Entwurfsfassung, die nie die zweite Überarbeitung gesehen hat. Pointen landen nicht, sondern verhallen peinlich im Raum. Man liest diese Passagen nicht mit einem Schmunzeln, sondern mit hochgezogenen Schultern, begleitet von der leisen Frage, ob das hier wirklich so gemeint war.
Hinzu kommt eine Sprache, die so hölzern ist, dass sie jede Szene lähmt. Sätze stehen nebeneinander wie schlecht verleimte Bretter, ohne Rhythmus, ohne Musikalität, ohne Gespür für gesprochene Sprache. So redet niemand miteinander, weder unter Stress, noch im Alltag, noch in lebensbedrohlichen Ausnahmesituationen. Figuren reagieren mit formelhaften Floskeln, gestelzten Wendungen und merkwürdig künstlichen Ausrufen, die weder Natürlichkeit noch Charakter transportieren. Was hier als Dialog firmiert, ist oft nichts weiter als vertonter Text.
Diese sprachliche Unreife hat fatale Folgen für die Figuren. Weil niemand glaubwürdig spricht, kann auch niemand glaubwürdig existieren. Charaktere bleiben leere Hüllen, deren Emotionen behauptet, aber nie erfahrbar werden. Selbst dramatische Momente kippen ins Lächerliche, weil die Wortwahl jede Ernsthaftigkeit untergräbt. Statt Spannung entsteht Irritation, statt Empathie Distanz.
Erzählerisch verschärft sich dieses Problem durch die ohnehin sprunghafte Struktur des Romans. Die ständigen Perspektivwechsel verhindern Tiefe, die Dialoge verhindern Nähe. Man bekommt keine Gelegenheit, bei einer Figur anzukommen, geschweige denn, sich für sie zu interessieren. Nach mehr als der Hälfte des Buches weiß man zwar, was technisch passiert, aber nicht, warum es einen kümmern sollte.
Das Finale bemüht sich schließlich, alle Handlungsstränge zusammenzuführen, und rein formal gelingt das auch. Doch emotional bleibt es wirkungslos, weil die Figuren nie zu Menschen geworden sind. Was gesagt wird, berührt nicht. Was entschieden wird, bleibt folgenlos.
Für mich war dies das erste Buch von Brandon Q. Morris und möglicherweise auch das letzte, sollte diese Form des Schreibens tatsächlich repräsentativ für sein übriges Werk sein, wie es sich aus zahlreichen Rezensionen seiner anderen Titel herauslesen lässt. Das ist kein Urteil über seine Ideen oder sein Fachwissen, sondern über ihre literarische Umsetzung. Origin – Die Erlösung scheitert nicht an mangelnder Ambition, sondern an Sprache, Ton und Reife. Als Abschluss einer einst vielversprechenden Trilogie ist das bitter enttäuschend. Erlösung stellt sich hier nicht ein, höchstens die Erleichterung, wenn die letzte Seite erreicht ist.
Eine Trilogie, wobei jeder Teil von einem anderen Autor geschrieben wurde. Das ist die Besonderheit von Origin. Es lag an Brandon Q. Morris, das Finale zu verfassen, wobei er sich eine besondere Erzählvariante ausgedacht hat. Die Wayfarer ist zerstört und nun fliegen die Rettungsbarken durch das System der ersten Menschen. Der Autor springt von Rettungsbarke zu Rettungsbarke und schildert die Ereignisse aus jeweils anderen Sichtweisen.
Natürlich lesen sich die drei Teile der Trilogie unterschiedlich, hat doch jeder Autor seinen eigenen Erzählstil. Die Sprünge zwischen den unterschiedlichen Rettungsbarken und die unterschiedlichen Figuren sind dann aber doch ungewöhnlich, zumal nicht alle Versuche, Rettung für die Überlebenden zu finden, von Erfolg gekrönt ist. Außerdem braucht es eine Weile, bis sich die unterschiedlichen Erzählstränge zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Dies geschieht relativ langsam, weshalb es auch kein bombastisches Finale gibt, sondern auch das Ende vom Autor ruhig ausgestaltet wurde.
Ich finde es ja witzig, dass man den Autoren ein wenig anmerkt, wo ihre Wurzeln liegen und welche Ideen sich dadurch in den jeweiligen Teilen wiederfinden. Gleichzeitig finden sich aber auch einige Ideen hinsichtlich der Entwicklung extraterrestrischen Lebens in allen Teilen, denn nicht zuletzt geht es um nichts anderes als den Ursprung der Menschheit.
Am Ende ist es eine sehr empfehlenswerte Science-Fiction-Trilogie, mit der eine ungewöhnliche Geschichte erzählt wird und gespickt ist mit unterschiedlichen Ideen und Sichtweisen dreier unterschiedlicher deutscher Science-Fiction-Autoren. Ein sehr schönes Projekt, das meines Erachtens gerne wiederholt werden darf.
Oh man, das war ein harter Kampf. Durch gefühlt duzender, kleiner Geschichten durcharbeiten, die dann plötzlich innerhalb von ein paar Seiten zusammenfinden. Innerhalb kürzester Zeit ist dann alles vorbei. Es war für mich ein harter Kampf, bis zum Ende durchzuhalten, ich wollte täglich abbrechen, aber auch das Ende erfahren.