Nachdem ich ein Interview mit der sympathischen Autorin und die Besprechung im Literaturklub gehört habe, war ich sehr interessiert an diesem für den deutschen Buchpreis nominierten Werk. Das Lesen war ganz unterhaltsam ist aber so ziemlich das Beste, was ich von dem Buch sagen kann. Dabei ist es nicht wirklich schlecht, eine Abendeinladung zum Essen in der neuen Wohnung, die so neu nicht mehr zu sein scheint, inszeniert als Kammerspiel in mehreren Varianten, nimmt den Zeitgeist ins Visier. Vielleicht. Doch wessen Zeitgeist? Den von urbanen Bildungsbürgern um die 40, die vor den Menschen, die sie als Freunde bezeichnen, ein Bild abgeben wollen, das ihnen nicht entspricht? Ich fühlte mich jedenfalls überhaupt nicht angesprochen und schon gar nicht ertappt, wie viele andere Leser*innen dieses Buchs. Dabei fiel mir durchaus auf, wie gut die Autorin beobachtete, Verhaltensweisen mit Witz darzustellen vermochte, ohne albern zu wirken. Auch die Trennung der Kapitel mit Zutatenlisten, die wie Rezepte wirkten, es aber nicht waren (“ein belegtes Brot mir Schinken, ein belegtes Brot mit Ei“) gefielen mir, aber über allem schwebte die Frage: Warum sollte ich das lesen? Wahrscheinlich gibt es Menschen, die so leben. Ja und? Das sollen und dürfen sie gerne tun, aber was daran könnte interessant sein? Vermutlich bin ich nicht die Zielgruppe, da ich mehr der erwähnten Generation der Mütter zugehörig bin, zu deren Bild mein Leben aber ebenfalls nicht passen will. Auch meine Kinder, die altersmäßig besser passen könnten, leben völlig anders, auch wenn sie Großstädter sind.
Fazit: ist noch gerade so okay, muss man aber nicht gelesen haben, der Spannungsgehalt unterscheidet sich nicht von einem echten Kochbuch. Letzteres gibt wenigstens Handlungsanweisungen, die Erfolg versprechen.