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Familienkörper: Roman

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Über das Geflecht einer Familie, drei Generationen von Frauen, Medical Gaslighting und Gender Medizin

Die Geschichte einer Abgrenzung, eines Zueinanderfindens
Das warme Abendlicht füllt den Raum, die Ich-Figur spielt mit den Plastikpferden im Gang. Die Mutter liegt im Fernsehstuhl, bewegt sich nicht, die Füße hochgelagert, antwortet nicht. Also zum Haustelefon, Nummer erinnern, mit der Drehscheibe wählen. Dabei zusehen, wie sich die Lifttüren mit den Sanitätern und der Mutter auf der Pritsche schließen. – Es wird nur eine Erinnerung von vielen sein.

Ein gesunder Körper in einem kranken
Das Ich wächst im Tirol der 80er-Jahre auf, zwischen schneebedeckten Bergspitzen und dem schlammgrünen Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, lebt im Olympischen Dorf. Wächst als gesunder Körper zwischen kranken auf. Großmutter, Mutter, Schwestern – Krankheit trifft alle. Nieren, Schilddrüse, Allergien, Erschöpfung, jede Geburt eine Opfergabe, Gebärmutterentfernung beinahe Tradition. Die Ärzt*innen reagieren nicht, wiegeln ab. Um sich selbst zu schützen, entfremdet die Ich-Figur sich immer mehr. Und beginnt dann doch, alles zusammenzusetzen, verwebt einen Familienkörper.

Ein sanftes Debüt mit erzählerischer Wucht
Michèle Yves Pauty erzählt die Geschichte mehrerer Frauenleben, erzählt von den Zusammenhängen zwischen Geschlecht, Herkunft, Klasse, Bildung und Gesundheit; ein großer, ein traurig-schöner Roman.

212 pages, Kindle Edition

Published February 27, 2025

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About the author

Michèle Yves Pauty

2 books1 follower

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Community Reviews

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Karosreads.
94 reviews13 followers
April 7, 2025

„[…] aber die Ärzte haben gesagt, ich habe nichts.“ (S. 143)

„Gestern in mein Heft geschrieben: ‚Ich schreibe die Verletzung aus unserem Familienkörper. Nehme den Schmerz und wandle ihn zu Wörtern, die außerhalb von uns stehen, die zu viel werden.‘
Alles was ich wiedergebe, ist Verwandlung.“ (S. 182)

„Warum bist du nicht früher zum Arzt gegangen? Ich gehe nur noch zum Arzt, wenn es wirklich schlimm ist. Sonst glauben sie mir wieder nicht.“ (S. 184)

Ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll.
Eigentlich habe ich nur eine Sache zu sagen: bitte lest alle dieses Buch.

Familienkörper ist ein teilweise autobiographisches Werk, in dem Michèle Yves Pauty die Geschichten vierer Frauen*, aus insgesamt drei Generationen, im Kontext von Medical Gaslighting und Gender Medizin beleuchtet. 1980er Jahre in Österreich spielend, werden immer wieder politische Geschehnisse behandelt, mal kürzer, mal länger. Dennoch wird deutlich, wie alles miteinander verbunden, verwoben ist, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt. Das gesunde Ich wächst im Tirol zwischen einer kranken Schwester, Mutter und Großmutter auf und übernimmt im Roman so die Rolle des (äußeren) Beobachters.

Der Roman bedient sich an einer durchaus interessanten Erzählstruktur, da vollkommen auf Kapitel verzichtet wird. So wird an bestimmten Stellen nur teilweise deutlich, von welchen Figuren die Rede ist. Die Frauen verfließen ineinander und so entsteht ein großer Familienkörper. Zu Beginn war dies gewöhnungsbedürftig, ebenso wie die immer wieder eingeworfene Wiedergabe politischer Ereignisse. Doch irgendwann hat alles für mich Sinn ergeben. Das Fragmentarische Schreiben, das ineinander übergehen der Figure, die lyrische Schreibweise, die für mich einen Ausgleich zu den schweren Themen schaffte und ein Versinken in die Geschichte ermöglichte.

Ein Roman voller Wucht und Emotionen der mich oft leer zurückgelassen hat. Ein Roman, in den ich mich eindenken und einfühlen konnte, in dem ich mich, meine Mutter, meine Großmutter wiedererkannt habe. Ein Roman, den ich allen weiterempfehlen kann.

Kleine Anmerkung: Vor allem betroffenen würde ich dieses Buch nur dann empfehlen zu lesen, wenn man auch wirklich im richtigen headspace dafür ist.

Vielen lieben Dank für dieses Rezensionsexemplar! Ich habe das Buch wirklich geliebt.

*Ich verwende an dieser Stelle zwar den Begriff Frauen, doch beim „Ich“ handelt es sich lediglich um eine Menstruierende Person und nirgends wird gesagt wie sich die Person identifiziert.
Profile Image for Cheap.And.Cheerful.
409 reviews21 followers
March 24, 2025
"Bis heute eine Wunde im Familienkörper. Die Krankenschwester, die zu meinem Großvater sagt 'die Familie kommt gleich', und niemand kommt."

Eine Frau leidet an wiederkehrenden starken Unterleibsschmerzen - so stark, dass sie teilweise das Bewusstsein verliert, dass sie nur noch sitzend schlafen kann und stark im Alltag eingeschränkt ist. Was ihr Arzt dazu sagt? Ist Einbildung. Erst später entdeckt ein zweiter Arzt, dass die Frau einen Tumor an ihrer Gebärmutter hat, der sich bereits bis zur Wirbelsäule ausgebreitet hat.

Michèle Yves Pauty hat mit "Familienkörper" einen erschütternden Roman über Medical Gaslighting und Gender-Medizin geschrieben, der die Geschichten vier Generationen von Frauen skizziert. Als fragmentarisch angeordnete Abschnitte ohne Kapitelstruktur führt die Protagonistin durch die unglaublichen Erlebnisse ihrer Familienmitglieder, die zwischendurch auch selbst zu Wort kommen. Dabei geht es immer wieder um Mutter-Tochter-Beziehungen, um die Einflüsse von Klasse und Herkunft auf die Gesundheit, und auch um die Weltereignisse, die sich drum herum abgespielt haben und das Leben der Familie berühren.

Die poetische Sprache der Autorin mochte ich sehr, auch die Wahl der Thematik des Medical Gaslightings sowie der Gender-Medizin in Romanform hat mir sehr gut gefallen. Sehr gerne hätte ich dazu noch mehr gelesen, genauso wie zu den Konflikten zwischen Mutter & Tochter, die kamen mir etwas zu kurz.

Leider bin ich kein Fan des fragmentarischen Erzählstils, mir fällt es dabei oft schwer, reinzukommen und nicht den Überblick zu verlieren, wer grade spricht und zu welcher Zeit. Das ging mir bei 'Familienkörper' auch manchmal so, da bevorzuge ich die klassische Kapitelstruktur. Das ist aber natürlich Geschmackssache.

Dennoch konnte ich dem Buch viel abgewinnen, die angesprochenen Themen finde ich allesamt super spannend, auch das Cover ist wunderschön. Man merkt dem Buch die liebevolle Arbeit daran an, mit einem Wörterbuch für verwendete österreichische Begriffe, einem Rezept sowie einem Quellenverzeichnis.

CN: Alkoh0lkonsum, Kindesm1ssbrauch, B0dyshaming, Verg3waltigung, Victimblam1ng, traumatische Geburt, Abtr3ibung, Alzheimer, Krebs, T0d, Trauer, selbstv3rletzendes Verhalten
Profile Image for Jule.
345 reviews14 followers
December 30, 2025
Ein leises, berührendes Buch über Familie, über weibliche Körper und über medizinische Fehl- und Nicht-Behandlungen, die überwiegend Frauen treffen. Es geht um transgenerationale Weitergabe, um Sprachlosigkeit und um die Verbindung zum eigenen Ich und zur Familie.
Profile Image for Seitenmusik.
388 reviews20 followers
March 13, 2025
Michèle Yves Pauty ist eine österreichische Autorin und Fotografin. Nach einem Studium der Fotografie und Deutschen Philologie in Wien absolvierte sie zusätzlich Literarisches Schreiben in Hildesheim und Leipzig. Ihre literarischen Arbeiten wurden bereits in verschiedenen Magazinen und Anthologien veröffentlicht, ihre fotografischen Werke auf internationalen Ausstellungen gezeigt. "Familienkörper", ihr autofiktionaler Debütroman, wurde mit Förderstipendien ausgezeichnet und erschien 2025 im Haymon Verlag.

Worum geht’s genau?

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg und beleuchtet dabei die Verstrickungen von Krankheit, Geschlecht und Herkunft. Die Ich-Erzählerin wächst im Tirol der 1980er-Jahre auf – in einem Umfeld, in dem die Frauen ihrer Familie von gesundheitlichen Problemen und medizinischer Ignoranz betroffen sind. Während sich die Großmutter, Mutter und Schwestern mit chronischen Krankheiten, Operationen und Erschöpfungszuständen arrangieren müssen, reagieren Ärzt:innen abweisend oder bagatellisieren ihre Beschwerden.

Die Erzählung setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen: persönliche Erinnerungen, sachbuchartige Einschübe zu Gender-Medizin und Medical Gaslighting sowie zeitgeschichtliche Fakten. Dabei geht es nicht nur um gesundheitliche Aspekte, sondern auch um familiäre Beziehungen, generationsübergreifende Traumata und das Bedürfnis nach Abgrenzung und Selbstfindung.

Meine Meinung

Ich habe den Roman im Rahmen einer Leserunde als Rezensionsexemplar erhalten. Der Klappentext und das wunderschöne Cover haben mich sofort angesprochen. Ich hab mir eine tiefgehende, aber zugängliche Reflexion über Krankheit und Familie erwartet – ähnlich wie "Easy Beauty" von Chloé Cooper Jones –, doch diese Erwartung wurde leider nicht erfüllt.

Positiv ist der Schreibstil und die inklusive Sprache: Sie ist nicht übermäßig kompliziert, sodass sich der Text grundsätzlich leicht lesen lässt. Auch die Themen sind für sich genommen spannend – besonders die Aspekte von Medical Gaslighting, Abtreibung und Gender-Medizin sowie die über Generationen hinweg weitergegebenen Traumata und Krankheiten. Die Mutter-Kind-Beziehungen und generell die komplexen Verbindungen zwischen den Familienmitgliedern sind sehr gut beschrieben.

Allerdings fiel es mir sehr schwer, mich in die fragmentarische Erzählweise einzufinden. Das Buch verzichtet auf klare Kapitelstrukturen oder Kapitelüberschriften, was dazu führt, dass Erinnerungen, sachliche Passagen, Medienberichterstattungen/Zeitungsausschnitte und Interviews oft abrupt ineinander übergehen. Ich musste mich durchgehend sehr konzentrieren zu müssen, um die Zusammenhänge zwischen den Figuren und den Zeitebenen halbwegs zu verstehen. Über weite Strecken ist mir das trotz allem leider nicht gelungen.

Hinzu kommt, dass die verschiedenen Frauenfiguren schwer auseinanderzuhalten sind. Namen werden nur sporadisch erwähnt, und die Erzählstimmen unterscheiden sich für mich nicht stark genug. Ein Stammbaum oder eine Übersicht der Familienmitglieder hätte mir sicherlich geholfen, mich besser zurechtzufinden.

Letztlich fehlte mir eine klarere Struktur, um mich emotional mit der Geschichte verbinden zu können. Ich wollte das Buch nach etwa 50 Seiten abbrechen, weil ich mich zunehmend verloren fühlte. Zwar sind die Inhalte zweifellos wichtig und die erzählerische Ambition spürbar, aber die Umsetzung konnte mich nicht begeistern.

Fazit

"Familienkörper" behandelt hochrelevante gesellschaftliche Themen, aber die fragmentarische Erzählweise erschwerte für mich den Zugang zur Geschichte. Ohne klare Struktur fiel es mir schwer, den roten Faden zu erkennen und eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Eine interessante Idee mit wichtigen Inhalten – aber in einer Form, die mich nicht überzeugen konnte. 2 von 5 Sternen.
Profile Image for Valerie.
306 reviews11 followers
March 25, 2025
"Warum bist du nicht früher zum Arzt gegangen? Ich gehe nur noch zum Arzt, wenn es wirklich schlimm ist. Sonst glauben sie mir wieder nicht."

Michèle Yves Pauty ist in den Achtzigerjahren in Innsbruck aufgewachsen. In ihrem Roman verwebt sie die Geschichten von drei Generationen Frauen: Grossmutter, Mutter, Schwestern, sie selbst. Die Krankheiten, die Frauen, die Leben. Immer stellt sie den Bezug zu Tirol her, zur Geschichte, zu Macht, sozialen Strukturen. Glaubenssätze, autoritäre Erziehung, medical gaslighting, Gesundheit, Krankheit.

"Je länger ich schreibe, desto mehr Krankheiten häufen sich in Zusammenhang mit Schwangerschaft < > Geburt. Ein Körper setzt sich nicht ohne Opfergabe in die Welt."

Pauty verwebt in diesem Roman die eigene Familiengeschichte mit der Geschichte eines Landes. Vielleicht hat mich das so beeindruckt, weil ich selbst in Tirol aufgewachsen bin? Der Roman hat eine Sogwirkung auf mich ausgeübt, ich wollte nicht mehr aufhören zu lesen. Ich mag die ruhige Sprache, die Protagonisten, vieles wirkt bekannt und kann mich nicht mehr erschüttern. So viele Erlebnisse kommen mir bekannt vor. Besonders die Szenen bei Ärzten bzw. im Krankenhaus haben mir vor Augen geführt, wie prävalent, wie normal medical gaslighting in unserer Gesellschaft ist. Vieles, was hier besprochen wird, habe ich genauso erlebt, sah ich einfach als gegeben an. Ich habe diesen Roman aufgesogen und kann ihn sehr empfehlen.

Weitere Zitate:
"Die Geschichte meiner Familie liegt in diesem Land, in seiner Erde und seiner Zeit. Österreich ist gemessen an der Flächengrösse nach Weissrussland am zweitstärksten von der hohen Cäsium-Belastung betroffen."
"Ich glaube zu verstehen, dass es mehr war als das Bedürfnis, keine Umstände zu erzeugen. Die vielen Krankenhausaufenthalte, die Fehl- oder ausstehenden Diagnosen, sie haben ein dichtes Myzel der Angst in dir gebildet. Die Schmerzorte deines Körpers sind dadurch miteinander verbunden und erinnern sich gemeinsam an die Orte, an denen du nie wieder sein willst. Deine Verweigerung war dein Versuch, dich zu schützen."
930 reviews
March 30, 2025
Das Cover des Buches finde ich sehr ansprechend gestaltet, die genutzte Reduzierung passt perfekt zum Buch, die Hintergrundfarbe wirkt harmonisch. Ich durfte das Buch mit einem Farbschnitt lesen, der einfarbige Farbschnitt ist sehr auffällig und gefällt mir gut. Die Haptik des Hardcover Buches finde ich sehr hochwertig.

Der Roman wird in der "Ich-Perspektive" erzählt, drei Generationen von Frauen, durch Krankheit, Geburten und Medical Gaslightin gezeichnet. Das Familiengeflecht wird zum zentralen Punkt in der Geschichte. Wie kann man sich als Frau auch in der Medizinwelt führen? Gibt es Möglichkeiten? Die Autorin Michèle Yves Pauty hat ein emotionales und einfühlsames Werk geschaffen, mich hat es oft zum Nachdenken angeregt. Der Schreibstil war wundervoll und ich habe neue Eindrücke in verschiedene Themen erhalten. Ein wirklich tolles Buch, ich empfehle es auf jeden Fall weiter.
11 reviews
December 3, 2025
Das erste Mal, dass mich eine Geschichte so mit Schmerzen, Krankenheiten und ihren Kontinuitäten über Generationen weiblicher Körper in der Familie konfrontiert, eingebettet in mit Worten kaum greifbare - aber so treffend umschriebene - familiäre Beziehungen und traumatisierende Erfahrungen. Das sich Loslösen aus dem Geflecht mit dem Erwachsener werden und Wieder zueinanderfinden - nur anders, und vielleicht mehr auf Augenhöhe.
1 review
June 9, 2025
Für mich unfassbar leicht reinzukommen beim Lesen und mich in den Familienkörper einzufühlen.
Remaining deeply moved and wondering about my own Familienkörper.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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