Ein Drogeriemarkt in Erfurt. Annerose, eine der älteren Mitarbeiterinnen, hat kaum Kontakt zu ihren Kolleginnen und wird von denen auch gemieden. Doch dann wird die junge Celine ihre Chefin – und ihr gelingt es, Anneroses Panzer nach und nach aufzubrechen. Endlich findet Annerose den Mut, ihre Geschichte aufzuarbeiten, und versucht herauszufinden, was damals, vor mehr als 40 Jahren in der der DDR, eigentlich geschehen ist. René Müller-Ferchland erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und eines lange verdrängten Traumas einfühlsam und hoffnungsfroh.
Heute mal den Inhalt als Brief an die Protagonistin.
Liebe Annerose, du führst ein zurückgezogenes und eintöniges Leben, doch das könnte sich bald ändern! Denn deine neue Chefin, Celine, setzt sich ganz tapfer dafür ein, dich wieder ins gesellschaftliche Leben zu integrieren. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen ist es ihr gelungen, zu dir durchzudringen und von deiner schmerzhaften Vergangenheit zu erfahren. Vor mehr als 40 Jahren wurde dir dein neugeborenes Kind gegen deinen Willen weggenommen und adoptiert. Ein traumatisches Erlebnis, das du bis heute nicht wirklich verarbeiten konntest. Doch Celine möchte dir zeigen, was es bedeutet, zu leben, statt nur zu existieren. Indem ihr euch gegenseitig bereichert, nimmt ihr einander die Angst vor... doch was das genau ist, verrate ich an dieser Stelle nicht. Denn das sollt ihr selbst herausfinden! Herzliche Grüße, Nicole
"Oh, meine Lieben, lasst mich euch von einem sagenhaft warmherzigen Buch erzählen: 'Weiße Hunde' von René Müller-Ferchland! Es ist ein Meisterwerk, das Dramatik und Leid nicht ausspart, jedoch niemals in Schwermut versinken lässt. Der Autor verfügt über einen exquisiten Schreibstil, der es ihm ermöglicht, die düsteren Episoden mit besonderem Geschick auszugleichen. Als Resultat bleibt ein wohlig-warmer Eindruck von Freundschaft, Respekt, gegenseitiger Unterstützung und Verständnis zurück - Emotionen, die in der heutigen Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind und deren Vorhandensein ich bei vielen Menschen glücklicherweise bestätigen kann. Deswegen spreche ich hier eine eindeutige Leseempfehlung aus für diesen Roman, der eine außergewöhnliche, aber äußerst bereichernde Freundschaft beschreibt und ein dunkles Kapitel der DDR-Geschichte erhellt, das noch immer Spuren bei vielen Menschen und Familien hinterlässt. Es ist ein wahrhaft kostbares Juwel unter den literarischen Neuerscheinungen!"
Ich fand die Thematik des Buchs grundsätzlich sehr interessant. Die Umsetzung fand ich allerdings nicht immer gelungen. Das Verhalten der Personen war für mich schwer nachvollziehbar. Da lebt die Protagonistin jahrzehntelang ganz zurückgezogen und offenbart niemandem ihre Geschichte, um dann binnen kürzester Zeit ihr Leben umzukrempeln, nur wegen der Initiative einer Kollegin, die sich - wenn auch gut gemeint - total übergriffig verhält? Und welche Motivation hat Celine überhaupt, sich so dermaßen in Anneroses Leben einzumischen? (Und, nebenbei, die Protagonistin soll Jahrgang 63 sein - wer nannte denn damals sein Kind so? Da hieß man Heike, Ulrike, Sabine, in der DDR vielleicht auch Annett, aber bestimmt nicht Annerose. Aber das ist nur eine von vielen Kleinigkeiten, die in diesem Roman unstimmig sind.) Das Buch war nicht unspannend und ich habe es innerhalb recht kurzer Zeit gelesen. Überzeugen konnte es mich allerdings nicht.
Wow... okay. Für mich als Ossi-Kind waren nicht so viele überraschende Wendungen dabei. Ansonsten... der Stil ist meiner Meinung nach fragwürdig und insgesamt... Hallo?! Die (weibliche!) Hauptperson wird in einer Tour gegängelt, ihre Wünsche missachtet, ihre Autorität untergraben... Ich finds echt spannend, wie sich darauf ausgeruht wird, dass ja in der DDR alles über ihren Kopf hinweg entschieden wurde, aber jetzt machen alle, aber auch wirklich alle Nebenfiguren genau das Gleiche mit ihr! Sie sagt gefühlt hunderte Male "Nein" und trotzdem passiert alles so, wie die Anderen es wollen! Hat das auf einer Meta-Ebene einen tieferen Sinn?! Ich wünsche es mir