Ein bisschen Gras, ein genialer Coup und das Wunder von Bayern. Jakob Heins herrlich abgedrehter Roman über einen Milliardencoup – mit einem der entspanntesten Helden der Literatur.
Nicht im Traum wäre sein Chef darauf gekommen, dass ausgerechnet Grischa, dieser schüchterne Assistent der Plankommission, zu Subversion neigt und einen – zugegeben – ziemlich genialen Plan ausheckt, wie ihr maroder Laden an eine neue, überraschend gut sprudelnde Finanzquelle gelangt. Wobei 'Laden' in diesem Fall für ein ganzes Land steht.
Vielleicht lag es daran, dass Grischa einen etwas eigenwilligen Filmgeschmack hat, in dem sich amerikanische Drogenmafia-Thriller mit sozialistischen Heldenepen kreuzen?
Grischas Chef kommt aus dem Staunen nicht raus, und mit ihm staunen alle möglichen greisen Minister im Zentralkomitee. Am meisten staunt allerdings kurz darauf der Polizeichef von Westberlin, als sich am Grenzübergang Invalidenstraße tumultartige Szenen abspielen, und zwar auf der falschen (!) Seite. Hunderte junge Leute wollen nach drüben, in den Osten, als wäre Magie im Spiel. Als die Regierung in Bonn Wind davon bekommt, wird die Lage brenzlig.
Doch da macht der Osten dem Westen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!
Grischa Tannberg arbeitet in der Afghanistan-Abteilung der Staatlichen Plankommission der DDR in Berlin. Sein Chef Ralf Burg legt ihm das kunstvolle Warten nahe. Grischa aber ist ein motivierter junger Mann und entwickelt den Cannabisplan für Afghanistan. "Haschischschwemme ist ein echt komplizieres Wort." "Die Ostler verkauften Cannabis in den Westen." Jakob Hein erzählt eine wunderbar absurde Geschichte voller Humor. Sein Roman ist eines der seltenen Bücher in Deutschland, die man guten Gewissens als intelligente(!) Unterhaltung bezeichnen kann.
Schade, ich hatte mir mehr erhofft. Dies ist eine amüsante, kurzweilige Geschichte, die die bekannten Klischees aus der damaligen DDR bzw. Westdeutschland bedient.
Inwiefern eine Fortführung der Idee zu Weltfrieden hätte führen können, wird in dem Buch meiner Meinung nach nicht weiter verfolgt und damit der Bogen zu dem Titel nicht abgeschlossen.
Die Idee zu der Geschichte finde ich gut, da hätte man mehr draus machen können.
Zuerst habe ich mit mir gehadert, ob ich das Buch lesen will. Die Leseprobe hatte mich nicht so angesprochen. Und Drogen als Thema - schwierig. Aber ich habe mich durchgerungen, weil es für den Lesekreis ist.
Ich bin froh darüber, dass Buch gelesen zu haben. Es hat mir Spaß gemacht. Die Charaktere sind gut geschrieben, in sich schlüssig und sympathisch. Es gibt einen gewissen Humor, der mich immer mal wieder hat schmunzeln lassen. Und dazu auch noch ein bisschen Gesellschafts- und Politik-Kritik. Außerdem habe ich noch ein wenig über die Beziehung zwischen BRD und DDR gelernt. Keine Ahnung, ob es den afghanischen Bruderladen wirklich gab. Aber ich vermute und hoffe, dass die Aussagen, wie die BRD die DDR offiziell gesehen hat, historisch richtig sind.
Alles in allem eine Bereicherung für meinen Stapel gelesener Bücher. Und eine Empfehlung.
Ein junger DDR-Funktionär mit viel Idealismus und wenig Beschäftigung entdeckt in afghanischem Cannabis eine vermeintliche Ressource für den Weltfrieden. Der Roman nimmt sich selbst nicht allzu ernst, was zu seinem Charme beiträgt. Die Figuren sind überzeichnet, aber liebenswert, die Dialoge manchmal zum Schmunzeln schräg.
Trotzdem bleibt das Ganze eher eine unterhaltsame Fingerübung als ein wirklich tiefgründiger Roman. Gesellschafts- oder Systemkritik blitzen zwar auf, aber mehr als ein Augenzwinkern wird selten daraus. Auch das große Versprechen, das in der Idee steckt, wird nicht konsequent eingelöst. Vieles wirkt wie eine gute Pointe, die etwas zu früh verpufft.
Eine kurze amüsante Geschichte, die mich sehr gut unterhalten hat. Das Modell Cannabishandel der ddr Dank des neuen „Bruderstaats Afghanistan“ als Motiv für eine in sich geschlossene Kritik an der Staatsform des Sozialismus mit wirklich charismatischen Protagonisten fand ich sehr gelungen.
Anfang der 80er - 1 Milliarde D-Mark für die DDR: Heins irrwitzige und fiktive Hintergrundstory - basierend auf ausgezeichneter Recherche der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse im Osten (und auch Westen) Deutschlands außerordentlich realitätsnah und humorvoll dargestellt. Ein vergnügliches Must Read ... nicht nur für ehemalige DDR-Bürger!
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«‹Danke, alles bestens, Genosse Burg. Ich wollte nur fragen, ob ich mich schon mal einarbeiten kann. Vielleicht ein paar Unterlagen lesen, mich auf die anstehenden Aufgaben vorbereiten, so was› Burg schaute ihn forschend an. ‹Es war klar, Tannberg, dass wir dieses Gespräch führen würden. Aber ich dachte, dass es nach einer Woche, und hoffte, dass es nach einem Monat passieren würde. Dass Sie hier nach einer Stunde stehen, spricht für Ihr Engagement und Ihre Einsatzfreude.›»
Der neue Assistent der Ostberliner Plankommission, PlaKo, Grischa Tannberg, soll sich um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Afghanistan kümmern, denn die hätten gern Maschinen, Fahrzeuge, Konsumgüter und Dünger in der DDR eingekauft. Genosse Burg, der Chef, erklärt das Problem: «Die Afghanen haben nichts.» Doch der junge Grischa, an der Hochschule für Wirtschaft als Jahrgangsbester abgeschlossen, ist kreativ, bricht in die Monotonie der alten Männer ein, vor Arbeitskraft strotzend, und er äußert eine verwegene Idee im sogenannten «Broschürenministerium». Ein genialer Plan, wie der marode «Laden» (DDR) an eine neue, überraschend gut sprudelnde Finanzquelle in Afghanistan gelangen könnte. Grischas Chef kommt aus dem Staunen nicht raus, ebenso die greisen Minister im Zentralkomitee: Wir lassen die Genossen in Afghanistan Medizinalhanf produzieren, den wir an die Bürger der BRD gegen kräftige Devisen verkaufen. Denn die West-Mark fehlt in der Kasse, weil man international für Ost-Mark nichts kaufen kann.
«Als eifrig engagierte FDJlerin konnte sie Staatsnähe nachweisen. Der Staat sah sich als atheistisch, war aber auch nichts anderes als eine Religion. Der Sozialismus war so etwas wie Jesus - den Menschen nah und doch überirdisch. Der Kommunismus war der Gottesvater - unendlich gut, vollendet, ewiges Ziel aller Bemühungen und doch nie erreichbar. Sogar eine ganze Heiligengalerie gab es, die Kommunisten und Widerstandskämpfer vergangener Tage, von derer grundlegender Gutheit ihnen bereits in der Grundschule Geschichten erzählt wurden.»
Eine herrliche Satire über die Probleme des Sozialismus, die Doppelmoral der Devisen. Der Mastfleischdeal mit Franz Josef Strauß oder die Herstellung von Konsumgütern für den Westen, die im Osten nicht zu erwerben waren werden nebenbei erwähnt. Cannabis als Medizinhanf, denn die medizinischen Vorteile sind wissenschaftlich erwiesen, so die Analyse. Alle rauchen, saufen Alkohol legal – und jeder weiß, dass diese Drogen krank machen. Warum also soll der Medizinhanf schädlicher sein? Logisch! Eine Biologin wird mit einem Gutachten beauftragt. Eigentlich beschäftigt man sich in der PlaKo mit Nichtstun. Nun rauchen plötzlich die Köpfe. Dienstreise nach Afghanistan mit Verkostung - man will ja testen, ob das Kraut nicht doch schädlich ist. Am meisten staunt allerdings kurz darauf der Polizeichef von Westberlin, als sich am Grenzübergang Invalidenstraße tumultartige Szenen abspielen, und zwar auf der «falschen» Seite. Schnell hat es sich in der Szene herumgesprochen, wo man hochwertige, unverschnittene Ware legal erwerben kann: Der Schwarze Afghane wird ein Riesenerfolg, Hunderte junge Leute wollen nach drüben, für einen Kurzbesuch, bezahlen ihre 25 DM Tagesgebühr. Was geht dort hinter der Grenze ab, wo ein kleiner Kiosk afghanische Keramik, Schals und Mützen verkauft? Ein neuer Trend? Als die Regierung in Bonn Wind davon bekommt, wird die Lage brenzlig. Doch da macht der Osten dem Westen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!
«Wir könnten anführen, dass im Sozialismus die wissenschaftlich-rationale Sicht von größter Bedeutung ist, im Gegensatz zu den alten Zöpfen der bourgeois-dirigistischen Weltbetrachtung. Und die BRD müsste dann überlegen, wie sie mit dem Problem umgeht … Am Ende müssten die sogar Grenzkontrollen einführen. Und das an einer Staatsgrenze, die sie eigentlich nicht anerkennen wollen. Das wäre natürlich ein ungeheurer politischer Erfolg für die fortschrittlichen Kräfte.»
Vielleicht erkennt die Westjugend den Vorteil des Sozialismus und lobt ihn mit höchsten Worten – die Kette der Pro-Argumente ist lang. Zu verlockend ist die Aussicht auf die rollenden Devisen, die benötigt werden, damit der Regierung nicht der «Laden um die Ohren fliegen würde». Beschlossen der Vertrieb; so wird das Zeug gleich hinter der Grenze unter die Leute gebracht, was die westliche Regierung nicht auf sich sitzen lassen kann. Nur, wie kommt man heraus aus der Nummer, fragen sich die West-Politiker? Und der Osten fragt sich: Was können wir verlangen, wenn wir den Verkauf einstellen? Ob Erich Mielke oder Rainer Barzel, hier wird jeder verkackeiert. Es wurde viel gerätselt, was Strauß beim legendären Gulaschessen 1983 zum Abschluss des Milliardenkredits der Bundesrepublik für die DDR bewog. Eine Finanzspritze für ein verhasstes System? Ein Schelmenroman, eine coole Persiflage, die satirisches Licht in diese Angelegenheit bringt, auf jeden Fall gute Unterhaltung. Empfehlung!
Jakob Hein wurde 1971 in Leipzig geboren. Er ist der Sohn des Schriftstellers Christoph Hein. Er lebt als praktizierender Arzt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Berlin.
Grischa, der schwarze Afghane und die Unterwanderung des Kapitalismus
Vielleicht sollte man in der Zeit des Kalten Krieges aufgewachsen sein oder den real existierenden Sozialismus a la DDR selbst erlebt haben, um Jakob Heins Roman "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste" richtig würdigen und genießen zu können. Aber auch nachgeborene Generationen dürften an der witzigen und unterhaltsamen alternativen Geschichtsschreibung deutsch-deutscher Verhältnisse in den 80-er Jahren Spaß haben.
Hein führt die Leser*innen zurück in die frühen 80-er Jahre. Helmut Kohl ist Bundeskanzler und setzt auf die geistig-moralische Wende, die Handlung spielt allerdings ganz überwiegend in der DDR. Grischa, linientreuer Kadersprössling, SED-Mitglied und für den Sozialismus brennend, ist aus der thüringischen Provinz nach Berlin gezogen, um seine erste Stelle anzutreten. Bei der Plako, der staatlichen Planungskommission! Der ehrgeizige junge Mann kann es gar nicht erwarten, so richtig loszulegen. Und erleidet erst einmal einen Realitätsschock: Der Jungaktivist der Abteilung für Afghanistan - wo zu diesem Zeitpunkt die sowjetische Invasion andauert - hat außer seinem Chef keine weiteren Kollegen, und die Arbeitsleistung der Abteilung ist sehr übersichtlich. Viel Zeit wird in der Kantine verbracht.
Doch Grischa will Völkerfreundschaft und Handelsaustausch dienen und hat nach ausgiebiger Recherche eine zündende Idee, von der er seine Vorgesetzten erst einmal überzeugen muss: Technik aus der DDR im Austausch gegen Medizinalhanf, das zusammen mit Schlafmohn zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen Afghanistans gehört. Und anders als in der BRD sei Cannabis in der DDR nicht gesetzlich verboten, schon allein, weil es dort keinen vorhandenen Markt gebe. Doch Grischa will ohnehin nicht die DDR-Jugend zum Kiffen verführen, sondern den Kapitalismus unterwandern: Mit Verkauf an die Westberliner Jugend gleich hinter dem Grenzkontrollpunkt, in einem deutsch-afghanischen Freundschaftsladen, lässt sich dem Klassenfeind eine Nase drehen und obendrein kriminelle Strukturen von Dealern unterwandern.
Nach einer Exkursion zum afghanischen Brudervolk - unter Aufsicht einer strengen Offizierin des MfS, versteht sich - und Produktprobe werden Grischas Pläne tatsächlich Realität - und spülen nach anfänglichen Anlaufproblemen schon bald reichlich Devisen in die Kassen der DDR. Es dauert ein bißchen, bis die Westberliner und bundesdeutschen Behörden auf das Phänomen aufmerksam werden, das nicht nur rechtlichen, sondern auch politischen Sprengstoff verspricht. Denn bundesdeutsche Kontrollmaßnahmen liefen womöglich auf eine de facto-Anerkennung der Grenze hinaus, die es nicht geben darf.
Derweil hat eine junge, ehrgeizige und in einem Bonner Ministerium gelangweilte Rechtsreferendarin eine Idee, wie mit dem Rauschgifthandel am Grenzkontrollpunkt umgegangen werden sollte. Ein fast schon konspiratives deutsch-deutsches Treffen in Bayern wird zur Verhandlung über das Afghanistan-Projekt, bei der sich beide Seiten gegenseitig belauern und natürlich bespitzeln. Dennoch kommt es zu einer unerwarteten deutsch-deutschen Annäherung und einem Ausgang, der Grischa Lob von höchster Stelle und die Auszeichnung als "Held der Arbeit" einbringt. Auch wenn er sich sein völkerverbindendes Agrarprojekt so nun wirklich nicht vorgestellt hat. Doch mit einem geradezu märchenhaften Ausgang schafft es Hein, für die Protagonisten des Plako-Teams ein buchstäbliches happy end zu finden.
Ähnlich wie in "Good bye Lenin" sorgt dieses Buch für viele heitere Momente, gerade weil die aberwitzige Handlung mit DDR-Sprech und Beamten-Slang begleitet wird. Schon allein das konspirative Bayern-Treffen mit Geheimdienstlern beider Seiten ist ein kleines Juwel. Ich habe mich beim Lesen großartig unterhalten.
Jakob Hein liefert mit seinem neuen Roman *Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste* ein humorvolles und tiefsinniges Werk, das die absurden Seiten des menschlichen Strebens nach Harmonie und Ordnung aufzeigt. Die Geschichte dreht sich um Grischa, einen unauffälligen Durchschnittsmenschen, der durch eine scheinbar banale Eingebung in den Fokus der internationalen Politik gerät.
Grischa, der im Alltag eher durch Bescheidenheit und Zurückhaltung auffällt, kommt auf eine Idee, die zunächst naiv erscheint, aber durch eine Verkettung absurder Zufälle eine weltweite Bewegung auslöst. Heins Geschick liegt in der Darstellung der Dynamiken, die entstehen, wenn der Mensch großen Idealen folgt – sei es aus Überzeugung, Naivität oder purer Selbstüberschätzung. Mit seinem typischen Augenzwinkern zeigt der Autor, wie schmale der Grat zwischen Genialität und Chaos ist.
Besonders faszinierend ist, wie Hein politische und gesellschaftliche Themen in die humorvolle Erzählung einbindet. Von internationalen Gipfeltreffen über Medienskandale bis hin zu philosophischen Diskussionen über den Sinn von Frieden – Hein gelingt es, komplexe Themen leichtfüßig und zugänglich zu gestalten. Dabei bleibt die Erzählung stets respektvoll, ohne den Blick für die Absurdität des Lebens zu verlieren.
Die Figuren sind liebevoll und pointiert gezeichnet. Grischa, mit seiner Mischung aus Unschuld und Tatendrang, dient als perfekte Projektionsfläche für die Leser. Auch die Nebenfiguren, von hochrangigen Politiker:innen bis hin zu skurrilen Aktivist:innen, tragen zur Dynamik der Geschichte bei und spiegeln die Vielfältigkeit menschlicher Motivationen wider.
*Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste* ist mehr als eine Satire. Es ist ein Roman über die Macht von Ideen, die Unberechenbarkeit des Lebens und die Frage, wie weit wir bereit sind zu gehen, um eine bessere Welt zu schaffen. Jakob Hein erinnert uns daran, dass hinter jeder verwegenen Idee auch ein Stückchen Hoffnung steckt – und das macht diesen Roman so erfrischend und bewegend.
Ein Buch für alle, die sich für Gesellschaft, Politik und die absurden Feinheiten des menschlichen Daseins interessieren. Es regt zum Lachen, Nachdenken und Träumen an – und ist dabei typisch Jakob Hein: klug, warmherzig und wunderbar unterhaltsam.
„Und darum, mein lieber Tannberg, werden Sie sich in den ersten Wochen Ihrer beruflichen Tätigkeit mit einem sehr wichtigen Teil von angestellter Tätigkeit vertraut machen müssen: dem kunstvollen Warten. […] Sie warten darauf, dass etwas zu tun ist, und bleiben dabei in innerer Spannung.“ So der Vorgesetzte zum neuen Mitarbeiter in der Afghanistan-Abteilung der Staatlichen Planungskommission der DDR. „Kunstvoll warten“ will der “dynamische Jungaktivist“ Grischa Tannberg auf seiner ersten Stelle aber auf gar keinen Fall und so fängt er ganz selbstständig zu suchen an, was die DDR denn aus Afghanistan importieren könnte. Seine glänzende Idee tippt er zum Missvergnügen seines Vorgesetzten bald darauf emsig in die Maschine: Es geht um sogenannten Medizinalhanf, besser bekannt als Cannabis. Im besten Fall ein gutes Geschäft für das devisenarme Land, im schlimmsten Fall Anlass für den Dritten Weltkrieg! Aus der verrückten Idee wird eine noch verrücktere Geschichte, die durchaus einige Anknüpfungspunkte an die Wirklichkeit hat. Warum haben sich hochrangige Vertreter der DDR in den frühen 80er Jahren in Aschau am Chiemsee betroffen, um einen Milliardenkredit auszuhandeln? Was haben Barzel und Schreckenberger mit Mielke verhandelt? Jakob Hein klärt auf und schreibt eine sehr lustige Geschichte rund um kleine Angestellte und große Tiere der Nomenklatura (wirkliche und ausgedachte) jenseits und diesseits der Mauer. Keine Seite wird verschont. Eine sehr vergnügliche Satire mit bösen Seitenblicken auf die Zeitgeschichte! Sehr empfehlenswert!
Herrlich gelacht und geistig angeregt geschlossen!
**** Worum geht es? & Mein Eindruck **** Der Titel des Buches ist schon ein kleines Highlight, und genau dieser Ausdruck, Humor und Stil prägen auch das gesamte Werk. Ich habe oft still vor mich hingeschmunzelt und gleichzeitig etwas wirklich Geistreiches geboten bekommen. Die Detailverliebtheit in jedem Satz, die sorgfältige Wortwahl – alles wirkt durchdacht und gekonnt inszeniert. Der Text wird so zur Bühne, auf der die Figuren uns das Mindset des Autors vorführen. Besonders beeindruckend finde ich, wie Wortwiederholungen hier zur Kunstform erhoben werden. Ich bin ein großer Fan davon, bewusst mit Sprache zu spielen – und Hein tut das meisterhaft. Auch inhaltlich überzeugt das Buch: Es führt fiktiv, aber klug und spannend an ein bedeutsames historisches Ereignis der DDR-Politik in den 80er Jahren heran – den Milliardenkredit. So lässt sich Geschichte auf unterhaltsame Weise vermitteln. Dass das Buch dabei hervorragend recherchiert ist, gerät fast schon zur Nebensache. Für mich eine ganz großartige Lektüre und ein riesiges Lesevergnügen.
**** Empfehlung? **** Wer intelligente, sprachlich brillante und zugleich humorvolle Literatur schätzt, sollte dieses Buch lesen. Es ist gleichermaßen anregend, lehrreich und unterhaltsam. Sprachlich brillant und einzigartig!
Grischa ist frisch von der Hochschule bei der Planungskommission der DDR gelandet. Leider hat man keine Aufgaben für ihn außer sehr beschäftigt aussehen. Das ist natürlich nichts für den Sohn gestandener Funktionäre. Der so linientreu ist wie mit einem Lineal gezogen. Selbst sein größtes Interesse dem Kino kann man nichts Böses nachsagen. Also macht er sich Gedanken um Gedanken wie er seine Aufgaben mit Sinn erfüllen kann. Da er für den Bruderstaat Afghanistan zuständig ist, liegt das Thema Landwirtschaft und damit der Canabisanbau nahe. Welche grotesken Ideen Grischa entwickelt und wie alle bei diesem Gedanken mitspielen ist genial erzählt. Auch in der ehemaligen DDR gab es anscheinend überbordende Bürokratie nicht nur bei uns. Herrlich wie der Autor das auf die Schippe nimmt und gleichzeitig einige Details der ehemaligen Beziehungen dazu. Die einzelnen Figuren sind eher weichgespült, niemand will jemanden etwas Böses. Sie wollen alle nur das Beste für die Deutsche Demokratische Republik. Sprache und Stil erinnern an den Kult Film Good Bye Lenin. Dieses Buch könnte wenn es denn verfilmt wird ( was ich hoffe ) einen ähnlichen Status erreichen.
I have rarely laughed so much while reading a book. The story takes place in the 70s/80s in the GDR and is packed with all the clichés you can imagine. His boss would never have dreamed that Grischa, of all people, this shy assistant to the planning commission, would be prone to subversion and come up with an - admittedly - rather ingenious plan to get their ailing shop a new, surprisingly good source of finance. Whereby ‘shop’ in this case stands for an entire country. Perhaps it was because Grischa has a somewhat idiosyncratic taste in films, in which American drug mafia thrillers intersect with socialist heroic epics? In any case, Grisha's boss can't stop marvelling, and all sorts of old ministers in the Central Committee marvel with him. Shortly afterwards, however, the West Berlin police chief was most astonished when tumultuous scenes took place at the Invalidenstrasse border crossing, on the wrong (!) side. Hundreds of young people wanted to cross over to the East, as if magic were involved. When the government in Bonn gets wind of this, the situation becomes precarious. But then the East makes the West an offer it can't refuse!
Ein unterhaltsamer Roman, der sich leicht wegliest und mit einem augenzwinkernden Ton daherkommt. Die Geschichte rund um Grischa und seinen genialen Coup ist stellenweise charmant und erinnert im Stil an „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Man sollte allerdings keine tiefere Auseinandersetzung mit der DDR oder ihren politischen Strukturen erwarten – diese bleiben eher Kulisse als Gegenstand der Reflexion.
Was mich gestört hat: Die Grenze zwischen Fiktion und Realität wird nie wirklich ausgelotet. Der titelgebende „Weltfrieden“ ist eher ein Marketing-Gag als zentrales Thema. Auch das Cover suggeriert mehr Tiefe oder historische Bedeutung, als der Roman letztlich liefert. Wer leichte, absurde Unterhaltung mit einem Hauch DDR-Setting sucht, wird sich amüsieren. Wer sich eine ernsthafte Auseinandersetzung oder einen bissigen Politroman erhofft, wird enttäuscht sein.
Die Vermarktung ist deutlich intelligenter als das Buch.
Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste von Jakob Hein aus dem #galianiverlag 🕊️ Grischa lebt in der DDR und hat gerade einen neuen beruflichen Posten bekommen. Assistent der Plankommission. Zuständig für das Bruderland Afghanistan. Grischa ist motiviert und engagiert und kommt da auf eine Idee. Die Geschichte beginnt. . Dieses Buch bietet eine schöne und kurzweilige Unterhaltung. Die Charaktere haben mir gefallen. Die Bilder dazu entstanden problemlos in meinem Kopf. . Der Autor hat mich oft, mit seiner Geschichte, zum Schmunzeln gebracht. . Phantasie und Geschichte mischen sich hier so gut, dass ich alles glaube, es sich völlig nachvollziehbar liest und ich das Gefühl hatte, etwas über Land und Leute zu lernen. . Ich vergebe 4 Sterne.
Die DDR verkauft Cannabis im Grenzstreifen an Westler, die den Zwangsumtausch und einen kurzen Besuch im politischen Niemandsland in Kauf nehmen. Dafür bekommen Sie 10 g.Schwarzen Afghanen bester Qualität. Wie es zu der Idee, ihre Umsetzung und den Konsequenzen daraus kommt, ist mit so viel abgedrehtem Humor, schrägen DDR-Details und verrückten Wendungen beschrieben, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob das nicht irgendwie doch eine wahre Geschichte ist. Sie ist so verrückt, dass man sich das gut vorstellen kann. Eine Geschichte über die DDR, kenntnisreich und ganz ohne Ostalgie. Danke für das Rezensionsexemplar!
Eine wirklich kreative Geschichte, amüsant zu lesen! Ich hätte mir mehr Tiefe gewünscht, insgesamt sind die Charaktere und Abhandlungen oberflächlich; stellenweise sehr vorhersehbar. Würde mich wirklich wundern, wenn es nicht bald einen ZDF-Fernsehfilm davon gibt.