Wer hätte sich vor wenigen Jahren vorstellen können, dass Krieg wieder zu einer zentralen Bedrohung unserer Welt werden könnte? Was bringt Menschen dazu, andere Menschen zu töten? Dazu müssen wir nach den evolutionären Wurzeln von Gewalt und Aggression forschen und deren Wucherungen durch die menschliche Geschichte hindurch rekonstruieren. Die drei Autoren verbinden anhand von Fallgeschichten die Erkentnisse aus Archäologie, Evolutionärer Anthropologie und den Religions- und Geschichtswissenschaften, um in dieser Menschheitsgeschichte der Gewalt aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen es zu Krieg, Mord und Totschlag kommt. Und wie wir diese in Zukunft verhindern können.
Ein sehr schönes Übersichtswerk über die Geschichte des Kriegs, untermauert durch Fakten aus Archäologie, Geschichts- und Literaturwissenschaft sowie Verhaltensforschung und Evolutionsbiologie. Das Buch ist erfrischend weltoffen und reflexiv, trägt es doch eine ganz klare Anti-Kriegs-Botschaft mit sich, inklusive optimistischer Vorschläge für eine Zukunft ohne Krieg (wenn auch nicht ohne Gewalt). Hier wird die aktuelle Forschung ganz gut summiert, aufgearbeitet und vor allem auch verdauungsfähig gemacht für ein nicht wissenschaftliches Publikum. Dabei verliert das Buch nie an Gravität oder verschönert oder verschlimmert Dinge unnötig. Die Autoren sind kritisch gegenüber und sich patriarchaler Werte, Sexismus und der Rolle von Religion bewusst. Diese "talking points" werden auch immer wieder aufgegriffen, was nötig ist, aber auf Dauer eher (bei mir) zur Ermüdung geführt hat (aufgrund der Wiederholung, nicht der absolut richtigen Benennung dieser Faktoren). Abzüge der Bewertung kommen aufgrund einiger kleiner Dinge zustande, die mich beim Lesen immer mal ein wenig gestört haben: - das Konzept von Staaten und staatlichen Gesellschaften als "komplexer" (auch von den Autoren in Anführungszeichen gesetzt, um fair zu sein) als egalitäre Jäger und Sammler Verbände - ich argumentiere, dass die Organisation in gleichgestellten Gesellschaften genauso viel, wenn nicht mehr, Komplexität erfordert als die staatliche Organisation, die Hierarchien vorschreibt und durch das Einteilen in Schubladen Menschen das eigenständige Denken abnimmt; - zu wenig Fokus auf die Tatsache, dass in prähistorischen Kulturen auch Frauen an der Jagd beteiligt waren (das belegten Untersuchungen an Skeletten und Vergleiche mit Jäger-Sammler-Gesellschaften bereits vor 2024) und somit auch sicherlich Männer eine Sammeltätigkeit wahrnehmen konnten; - es wurden vorrangig weiße, westliche Wissenschaftler*innen zitiert, auch wenn es um Regionen in Afrika und Westasien ging; da ist auch die westliche Forschungstradition Schuld, dessen bin ich mir bewusst; auch erleichtert es Laien sicherlich die Suche nach Nachschlagewerken, wenn man hauptsächlich deutsche & englische Autor*innen zitiert; dennoch kann man bei solch einem umfassenden Werk auch mal über den Tellerrand schauen; - die heutigen Institutionen, die sich dem Frieden verpflichtet haben, wurden zu kurz und einseitig beleuchtet, und es wurde kaum darauf eingegangen, dass diese Kontrollmechanismen vor allem durch Kolonialstaaten aufrecht erhalten werden und oft zugunsten derer darüber entschieden wird, wer wie bestraft wird und was eigentlich als Verteidigungskrieg gilt (siehe aktuelle Weltpolitik; der völkerrechtswidrige Angriff Israels und der USA auf den Iran wird als solcher überhaupt nicht benannt, um nur ein Beispiel zu liefern; siehe auch Gaza, den Sudan, etc.) Dennoch ein guter Einstieg, der überragend beweist, dass Krieg nicht unausweichlich oder natürlich ist, sondern ein Produkt kultureller Entwicklung, das sich verselbstständigt hat, aber bekämpft werden kann. Das Buch stiftet Hoffnung und eine gute Basis für eine Argumentation Richtung Frieden. 4.25/5
Extrem spannendes und aufschlussreiches Buch, das die Ursprünge und Entwicklung von Gewalt und Kriegen verfolgt und aufklärt. Gerade in Zeiten, in denen die Wehrpflicht und Kriege generell immer mehr als vermeintlich notwendig und indiskutabel vorausgesetzt werden, lohnt es sich einen Blick hinter diese Prämissen zu werfen, dabei hilft das Buch ungemein. Besonders die Sensibilität für die spezifische Gewalt gegen Frauen, die auch ein eigenes Kapitel bekommt, fand ich überraschend gut.
Insgesamt ist es sehr strukturiert geschrieben und man kann den Argumenten gut folgen, lediglich der Satzbau hat mich manchmal stolpern lassen. Zudem hätte ich persönlich mir eine Zitation mit Fußnoten gewünscht, um Quellen besser direkt zuordnen zu können, kann jedoch auch nachvollziehen, dass die Autoren aus Gründen der Lesbarkeit darauf verzichtet haben.
Weltverändernd Wer kennt sie nicht, die klassische Ellenbogengesellschaft. Die Evolution der Gewalt räumt mit falschen Menschheitsbilder auf, nicht indem sie eine Alternative bietet, sondern indem sie die anderen aktiv dekonstruiert. Immer wieder lesenswert!
Sehr interessantes Buch. Das Thema Krieg wird anschaulich auseinandergenommen und die Geschichte des Kriegs und allgemein von Gewalt wird gut beschrieben. Die archäologischen Funde aus der Jäger und Sammler Zeit und was darauf geschlossen wurde, fand ich besonders spannend. Das Buch zeigt gut, dass Krieg nicht unvermeidbar ist, sondern, wie es durch unsere Entwicklung zur Sesshaftigkeit bestärkt wurde. Die 12 Thesen zum Schluss geben Hoffnung auf eine besser Zukunft.
Es ist auf jeden Fall kein leichtes Buch, da es explizite Darstellungen enthält, die für eine solche Untersuchung zwar unerlässlich sind, doch auch verstörend sein können, was durch die Autoren in guter Weise umzusetzen verstanden.
Ich hätte mir gegen Ende noch mehr Gegenwartsbezug gewünscht, insbesondere was die letzten 200 Jahre betrifft. Eventuell haben sich die Autoren aber dagegen entschieden, da es zum einen schon eine Vielzahl an Literatur dazu gibt und zum anderen, ihr Einblick diese ergänzt. Vielleicht kommt ja noch ein weiteres gemeinsames Buch, es war offenbar nicht das letzte. Zum anderen gibt es sicherlich aber auch zum einen bereits zahlreiche Bücher über die Gewalt der letzten 200 Jahre, zum anderen hätte es sicherlich auch den Rahmen des Buches gesprengt.
Besonders bemerkenswert empfand ich, und es ist ziemlich traurig, dass man das erwähnen muss, dass es immer wieder Abschnitte gab, die die Rolle der Geschlechter aufzeigte, auch bei Menschenaffen und derer Lebensweise, und die Entwicklung und Entstehung des Patriarchats beleuchtet, aus dem auch Gewalt resultiert. Damit verbunden dann auch Gewalt gegen Frauen und das einsetzen von physischer und sexueller Gewalt als Kriegsmittel. Nicht, dass es schön wäre, das zu lesen. Allerdings ist es ein wichtiger Aspekt der Betrachtung der Entwicklung von Gewalt und auch heute täglich präsent. Misogynie, Sexismus und Gewalt gegen Frauen wird dabei stark kritisiert und abgelehnt.
Ich gehöre zu den Menschen die Dinge verstehen wollen. Es hilft mir mich mit Ursachen und Hintergründen zu beschäftigen. Ich komme so besser mit der Welt klar. Deshalb wollte ich wissen: Warum führen Menschen Krieg? Gibt es dafür eine plausible Erklärung? Liegt es vielleicht wirklich in unserer Natur?
Das Buch war dabei sehr aufschlussreich. Tatsächlich hat der Mensch in 99% seiner Existenz keine Kriege geführt. Krieg wie wir ihn heute kennen - zwischen Staaten und Insitutionen - ist ein Produkt des Patriarchats. Ein Versuch reicher, mächtiger Männer ihre Macht zu behalten. Er ist nicht unumgänglich. Und er ist weder logisch, noch gut für irgendetwas.
Die drei Autoren kommen am Ende zu 12 Schlussfolgerungen, die Mut machen. Auch wenn es aktuell nicht so scheint und Kriege in naher Zukunft weiterhin passieren werden, sind wir doch auf einem guten Weg die Ursachen von Kriegen anzugehen.
A solid account of the history of humankind and the social norms that emerged after the Agricultural Revolution. The authors argue that war is not an inherent biological trait of humans but a social construct that arose from food abundance, population growth, and urbanization. Much of the book challenges the idea that humans are inherently violent, but it concludes that our present society is unlikely to change, since social norms have been deeply shaped over time.