Mit "Piksi-Buch" verarbeitet Barbi Marković ihre Kindheit in einer von Fußball geprägten Welt. Die 1980 in Belgrad geborene Autorin studierte Germanistik, arbeitete als Lektorin und schreibt seit Jahren Romane, die oft zwischen Autobiografie, Gesellschaftskritik und experimentellen Erzählformen changieren. Ihr Roman Superheldinnen wurde mehrfach ausgezeichnet, und 2024 erhielt sie für "Minihorror" den Preis der Leipziger Buchmesse. Piksi-Buch ist eine Reflexion über das Aufwachsen in einer Fußballkultur, die mehr von Wettbewerb als von Zugehörigkeit geprägt ist.
Worum geht’s genau?
Die Hauptfigur Barbi, wächst in Jugoslawien der späten 1980er und frühen 1990er Jahre auf. Ihr Vater ist eine Fußballlegende, und ihr Umfeld erwartet von ihr, dass sie die gleiche Begeisterung für den Sport entwickelt. Doch während die Gesellschaft in Mythen um den Starspieler Piksi schwelgt, fühlt sie sich immer fehl am Platz. Fußball ist für sie kein Traum, sondern eine erzwungene Realität, in der sie sich zu behaupten versucht.
Die Erzählstruktur orientiert sich an einem Fußballspiel: Nach einer ersten Halbzeit folgt eine Pause mit Gedichten, danach die zweite Halbzeit. Dabei vermischt Marković Erinnerungen mit Fantasie und spielt mit den Konventionen der Sportreportage.
Meine Meinung
Ich habe das Buch im Rahmen eines Buchclubs gelesen und fand es interessant, aber nicht durchgehend fesselnd. Der geringe Umfang macht es zu einer schnellen Lektüre, doch der Schreibstil konnte mich nicht völlig überzeugen. Die Sprache ist stark an Sportreportagen angelehnt, mit schiefen Vergleichen und pathetischen Formulierungen, die das Geschehen oft überhöhen. Während diese stilistische Entscheidung sicherlich bewusst getroffen wurde, hat sie mich nicht immer mitgenommen – teilweise schien sie Distanz zwischen mir als Leser:in und Geschichte zu erzeugen.
Inhaltlich finde ich spannend, wie Marković die Perspektive eines Mädchens einnimmt, das sich in einer männerdominierten Fußballwelt behaupten muss. Sie schildert eindringlich, wie sehr ihr Umfeld von diesem Sport bestimmt wird und welche Erwartungen damit verbunden sind. Besonders berührend ist die Beziehung zum Vater – erst erwartet er von seiner Tochter, dass sie sich für Fußball begeistert, dann verlässt er schließlich die Familie. Hier entsteht eine Art Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und der Suche nach einer eigenen Identität.
Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit manchen Passagen des Buches, insbesondere mit den Gedichten in der Halbzeitpause, die sich mir in ihrer Bedeutung nicht immer erschlossen haben. Zudem könnte der Titel Piksi-Buch etwas irreführend sein, da Piksi selbst nur eine Nebenrolle spielt – vielmehr ist er eine Metapher für den Fußballkult an sich. Es geht letztlich mehr um die Erinnerungen der Autorin und weniger um den Mythos des Spielers.
Positiv hervorzuheben ist, dass Marković auf subtile Weise auf die gesellschaftlichen Veränderungen in Jugoslawien zur damaligen Zeit eingeht. Das Buch vermittelt ein Gefühl für die letzten Tage eines Landes, das bald zerfallen wird, und für die damit verbundene Unsicherheit. Gerade diese historische Einbettung macht das Buch auch über das Thema Fußball hinaus interessant.
Fazit
"Piksi-Buch" ist ein Roman, der experimentell mit Sprache und Struktur spielt und gleichzeitig eine persönliche Geschichte erzählt. Während einige Ansätze sehr gelungen sind – insbesondere die Darstellung der kindlichen Perspektive und die Reflexion über Fußball als Identitätsfrage –, konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Manche Elemente blieben für mich schwer verständlich, und der Stil hat mich nicht immer angesprochen. Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Sternen – ein lesenswertes, aber nicht uneingeschränkt überzeugendes Buch.