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Autobiographie des Todes: Gedichte | Ausgezeichnet mit dem Internationalen Literaturpreis 2025

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Kim Hyesoons Virtuosität liegt in ihrer Fähigkeit, einzigartige poetische, überraschende und doch zugängliche Bilder zu schaffen und sich gleichzeitig tief in der weiblichen Erfahrung und Erzähltradition zu verwurzeln.

»Autobiographie des Todes« besteht aus neunundvierzig Gedichten, jedes steht für einen einzelnen Tag, an dem der Geist nach dem Tod umherwandert, bevor er in den Kreislauf der Reinkarnation eintritt. Die Gedichte geben nicht nur denjenigen eine Stimme, die während der gewaltsamen Zeitgeschichte Koreas einen ungerechten Tod fanden, sondern setzen sich auch zu einem Mosaik des individuellen Schmerzes und der Meditation zusammen. Sie werden zu einer ungehörten, seltsam fesselnden Echokammer unkonventioneller Stimmen, die nahe rücken, zu einem Gelächter werden, zu einem Ort der Trauer, des Trostes und des Lebens. 




Mit Zeichnungen von Fi Jae Lee

130 pages, Kindle Edition

Published February 26, 2025

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About the author

Kim Hyesoon

32 books69 followers
Born in Ulijin, South Korea, Kim Hyesoon (1955-) received her PhD in Korean Literature from Konkuk University, and began as a poet in 1979 with the publication of Poet Smoking a Cigarette. She began to receive critical acclaim in the late 1990s and she attributes this to the strong wave of interest in poetry by woman poets; currently she is one of South Korea’s most important contemporary poets, and she now lives and teaches in Seoul. Her poetry aims to strive for a freedom from form, by experimenting with language focusing on the sensual - often female - body, in direct opposition to male-dominated lyrical poetry. ‘They are direct, deliberately grotesque, theatrical, unsettling, excessive, visceral and somatic. This is feminist surrealism loaded with shifting, playful linguistics that both defile and defy traditional roles for women.’

Having published more than ten poetry collections, a number of these have been translated into English recently: When the Plug Gets Unplugged (2005); Mommy Must be a Fountain of Feathers (2008); All the Garbage of the World, Unite! (2011); Sorrowtoothpaste Mirrorcream (2014) and I’m O.K., I’m Pig (2014). Tinfish has also published a small chapbook of three essays entitled Princess Abandoned (2012).

Throughout her career she has gained nearly all of South Korea’s most prestigious literary awards, named after the country’s greatest poets, such as Kim Su-yông Literature Award (1997), the Sowol Poetry Literature Award (2000) and the Midang Literature Award (2006). She was also the first female to win the Daesan Literary Award in 2008.

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96 reviews18 followers
June 8, 2025
Autobiographie des Todes von Kim Hyesoon
Übersetzt von Uljana Wolf und Sool Park

Aktuell nominiert auf der Shortlist des HKW-Literaturpreises

„Aber heute Nacht.
Liegt der kranke Mond im Garten, mit zerbrochenem Gesicht.
Tropft der Mond Finger, plopp plopp, wenn du ihn berührst.

Zerbricht der Mond allein in deinem abgefuckten Garten.“

„Autobiographie des Todes” ist ein eindringlicher, zutiefst bewegender Gedichtband über Tod, Trauma und die weibliche Stimme im Patriachat. Die Gedichte bewegen sich zwischen Leben und Tod, lassen sich teilweise in der Unterwelt verankern, beinhalten Gewalterfahrung und erzählen von „der Erfahrung, von der Welt verbannt zu existieren“ (S. 125). Sie sind unglaublich dicht, poetisch, schmerzvoll und erinnern an vielen Stellen von der Struktur her an Träume. Einige Gedichte sind Anlehnungen an Mythen, die durch Dekonstruktion ein feminines Narrativ in den Vordergrund stellen. Die Geister lassen sich nicht bloß auf der Inhaltlichen, sondern auch auf der Formalen Ebene finden. So ist beispielsweise die grammatikalische Struktur vieler Sätze so konzipiert, dass sie Subjektlos sind. Von der Autorin werden die Sätze als „[leere] Hüllen, leblose Körper, die von einem Geist vorübergehend beseelt werden“ (S. 127) beschrieben. Gleichzeitig ist es auch ein Anschreiben gegen Machtstrukturen: „Sie wissen, Südkorea ist ein Land, in dem viele Menschen unschuldig gestorben sind. Ihre Geister weilen ‚unversöhnt‘ auf der Erde. Man könnte sagen, Südkorea ist ein Land mit sehr hoher Geisterdichte. Die Tode dieses Landes besetzten mich.“ (S. 125)

Der Gedichtband wurde anlässlich des sogenannten Sewol-Fährenunglücks im Jahr 2014 geschrieben. Hierbei kam es zum Tod von 304 unschuldigen Menschen, drunten größtenteils Schüler*innen einer Schule, die in der Nähe der Universität lag, an der Kim Hyesoon lehrt. Der Staat habe versagt auf dieses Ereignis „richtig“ zu reagieren, und so stieg lediglich die Zahl der unschuldigen Tode, die Klassenzimmer blieben leer, die Angehörigen Trauerten.

Es handelt sich um insgesamt 49 Gedichte - 49 da man in Korea daran glaube, dass die Seelen der Verstorbenen nach ihrem Tod für 49 Tage noch auf Erde verweilen.

Tja was soll ich sagen? Ich bin absolut begeistert. Kim Hyesoon, Uljana Wolf und Sool Park haben ein unglaubliches Gespür für Sprache. Die Gedichte geben tiefe Einblicke in die Seele der Autorin, sie lassen einen aufstocken, den Atem anhalten und oftmals mit Fragen zurück. Trotz der Thematik des Todes scheinen die Gedichte nur so von Leben zu Sprühen. Es kommt zu einem vermischen verschiedener Stimmen und Bilder, manche laut, andere eher leise. Die Zeichnungen von Fi Jae Lee sind nicht nur wunderschön, sondern geben dem Text mehr Tiefe. So entsteht ein grandioses Zusammenspiel aus Text, Bild und Ton (da viele Gedichte onomatopoetisch geschrieben sind). Ich werde auf jeden Fall noch öfters zum Buch greifen und lange darüber nachdenken. Ganz große Kunst!
Profile Image for Carla.
1,037 reviews134 followers
February 26, 2025
„𝗙𝗿𝗮𝘂 𝗱𝘂 𝗯𝗶𝘀𝘁 𝘁𝗼𝘁 / 𝗚𝗶𝗲ß𝘁 𝗺𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗦𝗰𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲𝗻, 𝗯𝗹ü𝗵𝘁 𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗿𝗮𝗯 𝗮𝘂𝗳 “ (𝗦. 𝟯𝟵)
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Dieser Gedichtband von Kim Hyesoon beruht auf einem tragischen Ereignis in Südkorea: bei der Sewol-Fähr-Tragödie 2014 wurden unschuldige Schüler*innen auf der sinkenden Fähre ihrem Schicksal überlassen, während sich Kapitän & Co. retteten. Viele Menschen waren fassungslos über die Umstände und die schlechte Aufklärung der koranischen Behörden. So ging es auch der Dichterin, wie sie in einem empfehlenswerten Nachwort erläutert.
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Gedichte sind für mich wie abstrakte Kunst, da sie Einblicke in das Seelenleben einer*s Dichter*in geben und man doch nie ganz sicher sein kann, es „richtig“ verstanden zu haben. Viele Gedichte aus diesem Band haben mir sehr zugesagt, beispielsweise „Ich will auf die Insel“, „Autopsie“ und „Name“. Thematisch dreht sich alles um den Tod, körperlich sowie seelisch, aber auch um die Verbindungen zum Leben. Die Gedichte sind abstrakt und bildhaft – sie wecken den Glauben an Geister.
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Zusammen mit den wunderschönen Zeichnungen von Fi Jae Lee ergibt sich beim Lesen ein stimmiges Bild – ich empfehle, dass man sich wirklich Zeit nimmt, um sich mit den Gedichten auseinanderzusetzen. Das Cover finde ich absolut genial, so, wie die gesamte Gestaltung des Buches. Von Schriftarten zu Farben, für mich passt einfach alles. Das Interview mit Kim Hyesoon hat mir sehr gut gefallen und ich habe gleich nochmal Lust bekommen, den Gedichtband vor diesem Hintergrund erneut zu lesen. Es gibt ebenfalls Anmerkungen der Übersetzer*innen.
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Ich kann den Gedichtband allen Lyrik-Freund*innen empfehlen, die sich gerne mit düsteren und grafischen Werken auseinandersetzen. Wie schön, dass es diese deutsche Übersetzung gibt!
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4,25/5 ⭐️
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Übersetzt von Uljana Wolf & Sool Park

Rezensionsexemplar | Vielen Dank @s.fischer ❤️
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