Strauß ist seit langem ein Autor, der nicht mehr mitmacht. Nicht im literarischen Betrieb, nicht im Medienrummel, kaum in der Öffentlichkeit. Trotzdem schickt er von Zeit zu Zeit ein Buch aus seiner Klause in der Uckermark in die Welt, in dem wir dann sondieren können, wie er auf die Welt blickt. In diesem Buch tut er das mit einer Klarheit und Prägnanz, die mir teilweise Schauer über den Rücken gejagt hat. Die jahrzehntelange Distanz zum Betrieb hat seinen Blick geschärft. Die Szenen, Analysen und Beobachtungen, die dieser Band vereint, sind gereift, abgehangen und zeitlos. Der Stil des Autors ist der hohe Ton – aber nicht als Attitüde, sondern geschult an und getränkt von der Kenntnis der alten Sprachen und der abendländischen Geistestradition. Das ist bewußt unzeitgemäß – der Autor versteht sich als „Unzeitgemäßer“ - und damit erreicht er zweierlei: In der selbstgewählten perspektivischen Distanz zur Gegenwart erkennt der Autor viele Aspekte des Heutigen schärfer und klarer als diejenigen, die vollkommen im Jetzt aufgehen. Zweitens erscheinen im Licht dieser klassischen Zeitlosigkeit und Schönheit der Sätze viele der heute gehypten Angebote als flach und blass.
Am liebsten würde ich jetzt hier Absatz für Absatz aus dem Buch zitieren. Aber Ihr könnt es ja selbst lesen – was ich Euch sehr empfehle!
Der Tipp kam vom Lesenwert-Quartett, in dem das Buch einhellig gepriesen wurde. Meine seit einigen Jahren gewachsene Skepsis gegenüber Strauß - dessen Ton mir letztens zu viel Geraune war - haben die begeisterten Stimmen aus dem Quartett überwunden. Zum Glück!