1949 heuerte der isländische Bauernverband rund 300 deutsche Frauen und Männer an, verschiffte sie nach Island und schickte sie auf Bauernhöfe, verteilt auf der ganzen Insel. Unter ihnen: Anna Lieber. Vierzig Jahre später besucht ihr Sohn, Heinrich, zum ersten Mal die Insel und das Grab seiner Mutter in Reykjavik. Er will erfahren, weshalb sie ihn und seinen Vater damals, kurz nach Kriegsende, in Deutschland zurückgelassen hat - und wird dabei selbst in den Bann der Insel gezogen.
Was mir an den Büchern von Joachim B. Schmidt immer besonders gefällt ist, dass man in jedem von ihnen einen anderen Teil Islands kennenlernt und mehr über die Geschichte des Landes erfährt. In Moosflüstern verschlägt es uns diesmal in die Westfjorde. Zu Beginn des Buches sind wir jedoch zunächst in der Schweiz, Ende der Achtzigerjahre. Dort erfährt der Bauingenieur Heinrich Lieber mit Anfang vierzig, dass seine Mutter nicht, wie er immer angenommen hatte, kurz nach seiner Geburt gestorben war. Stattdessen war sie aus einer Nervenheilanstalt geflohen, hatte Heinrich und seinen Vater zurückgelassen. Sie war dann zusammen mit mehreren anderen Frauen mit dem Dampfer Esja nach Island gekommen, um dort als Dienstmagd auf einem Bauernhof zu arbeiten. Heinrich macht sich überstürzt nach Island auf, um mehr über seine Herkunft zu erfahren. Sein überstürzter Aufbruch wirkt gleichzeitig wie eine Flucht: durch einen Fehler Heinrichs stürzte eine seiner Bauten ein, zwei Arbeiter kamen ums Leben. Für den überprüfenden Gutachter ist er plötzlich nicht mehr greifbar. Moosflüstern ist ein wenig anders als die übrigen Islandbücher des Autors: es ist das einzige, das kein Krimi ist. Diesmal steht vielmehr die Familiengeschichte im Fokus. An Spannung mangelt es jedoch auch hier nicht. Besonders das Ende hat es in sich, es hat mich ziemlich getroffen. Das Buch wandert jetzt direkt zu meiner Mutter weiter, ich bin nämlich nicht die einzige, die hier ein riesengroßer Fan von Joachim B. Schmidt ist.
Ein gefühlvoller wie spannender Roman über ein wohl wenig bekanntes Ereignis der isländischen Geschichte: 1949 brachte die MS Esja eine ganze Schiffsladung Deutscher Frauen nach Island. Daheim hatten sie in der Nachkriegszeit wenig Chancen, in Island dagegen waren viele Frauen mit den amerikanischen Soldaten mitgegangen, es herrschte Frauenmangel.
Wunderbar erzählt Joachim B. Schmidt die Geschichte und flicht Details aus seiner alten Heimat, der Schweiz, und seiner neuen, Island, mit ein.
Lediglich seine Abneigung gegen Anführungszeichen verstehe ich nicht. ;)
[Alles zerfällt irgendwann] Joachim B. Schmidt liefert mit "Moosflüstern" einen atmosphärisch dichten und melancholischen Island-Roman. Was passiert, wenn mit 40 plötzlich das ganze Leben auf den Kopf gestellt wird - beruflich und privat? Heinrich erfährt, dass seine Mutter gar nicht seine leibliche Mutter ist. Und die ist auch noch nach Island ausgewandert, als Heinrich noch ein Baby war. Er wird sie jedoch nie persönlich kennenlernen, weil sein Vater ihm dies alles erst nach ihrem Tod eröffnet. Nachdem es in seiner Ehe kriselt und er auch im Job sehr unter Druck steht, fährt Heinrich kurzerhand nach Island und macht sich auf die Suche nach seinen Wurzeln. In kurzen Rückblenden schildert auch seine Mutter ihr Leben auf Island nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Intensiv erzählt Joachim B. Schmidt, wie die beiden Generationen Island erleben und beide vor einem Leben weglaufen, dass sie irgendwie hinter sich lassen möchten...
Von den "Esja-Frauen" habe ich hier das erste Mal gelesen, aber war direkt fasziniert. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden deutsche Frauen vom isländischen Bauernverband angeworben und mit der "Esja" auf dem Schiffsweg nach Island gebracht. Hier wurden sie als Arbeitskräfte eingesetzt und viele sind am Ende da geblieben (oft der Liebe wegen). Die Isländer hatten kriegsbedingt einen leichten Frauenmangel (auf Island waren Amerikaner stationiert und viele junge Isländerinnen haben sich verliebt und sind nach Kriegsende mit ihren Partnern in die USA ausgewandert), Deutschland dafür einen leichten Überschuss an Frauen, da viele Männer im Krieg gefallen oder verschollen oder noch in Gefangenschaft waren und so wurde der isländische Frauenmangel durch die deutsche Frauen ausgeglichen...
In der Familie Lieber verdrängt man gern unangenehme Themen, vor allem solche aus der Vergangenheit. Und so ist es kein Wunder, dass Heinrich erst mit 40 erfährt, dass seine leibliche Mutter kürzlich verstorben ist, und zwar in Island. Scheinbar gelassen nimmt Heinrich zunächst die Neuigkeiten auf, auch dass er noch eine Tante in Paris hat, hieß es doch immer, seine Familie sei verstorben. Doch das beschauliche, biedere Leben des korrekten Bauingenieurs aus Graubünden wird in den nächsten Wochen gehörig auf den Kopf gestellt. Nicht nur seine Karriere erleidet Schaden durch einen folgenschweren Fehler seinerseits. Und so nutzt Heinrich die Gunst der Stunde und reist nach Paris zu seiner Tante, um mehr über seine Mutter zu erfahren. Anschließend fliegt er nach Island, um ihr Grab zu besuchen, nichtsahnend, dass diese Reise zu einem Abenteuer werden wird.
20 Jahre nachdem Schmidt mit dem Schreiben begonnen hatte, erschien nun Moosflüstern im Diogenes Verlag. (2017 erstmals im Landverlag.) Die Geschichte hat einen wahren historischen Hintergrund und geht zurück zur Nachkriegszeit, als es in Island an Frauen mangelte und dringend Arbeitskräfte gebraucht wurden. 1949 wurden vom isländischen Bauernverband per Anzeige in Deutschland »Dienstmädchen für Landhaushalte« gesucht. »Bauer sucht Frau« in einer frühen Ausgabe sozusagen. Rund 200 Frauen kamen damals mit der MS »Esja« in Island an. Im Roman ist auch Anna, Heinrichs Mutter, auf dem Schiff, die von ihrem entbehrungsreichen, anstrengenden Leben in der neuen Heimat, der harten, nicht enden wollenden Arbeit auf dem Hof berichtet und dem wahren Grund, warum sie ihre Familie damals verlassen hat. Vorbild für Anna war Ursula von Balszun, deren Geschichte in einem kurzen Nachwort erzählt wird. Hauptsächlich folgen wir aber Heinrich auf seinem Roadtrip, der ihn ordentlich verändern soll.
Ich muss zugeben, ich hatte so meine Schwierigkeiten mit dem biederen, überkorrekten Spießer Heinrich mit seiner Modelleisenbahn im Keller. Auch seine Entwicklung, die er im Laufe seiner Reise durchmacht, erschien mir nicht immer glaubwürdig, eher etwas drüber. Um so mehr gefielen mir die Passagen, in denen seine Mutter zu Wort kommt. Davon hätte ich mir inhaltlich mehr gewünscht. Dass Schmidt erzählen kann, wissen wir spätestens seit Kalmann. Auch hier blitzt gelegentlich sein unverkennbarer Humor durch, den ich in seinen späteren Büchern so mochte. Unverkennbar auch sein Talent, uns als Leser*innen die raue, gewaltige Landschaft Island zu zeigen, der hier im Buch am Ende eine besondere Rolle zukommt. Ob man allerdings das Ende mag, ist wohl Geschmacksache. Ich kann sehr gut verstehen, dass Schmidt neugierig war, als er zum ersten Mal von den »Esja-Frauen« erfahren hat. Die teils dramatischen Schicksale, die diese Frauen damals veranlasste, ihre Heimat zu verlassen, hat Schmidt erzählerisch gut und eindrücklich verpackt.
Bevor man darüber nachdenkt, was ein Autor wie Joachim B. Schmidt einem mit seiner Prosa eigentlich mitteilen will, sollte man nach der Lektüre eines Romans wie MOOSFLÜSTERN (2017) vor allem erst einmal darauf hinweisen, mit welcher Lust am Erzählen dieser Schweizer Schriftsteller seinem Publikum seine Geschichten darbietet. Das ist mittlerweile fast schon selten in der europäischen Literatur. Hier ist einer, der Figuren erfindet, eigenwillig und originell, Figuren, die überzeugen, die trotz ihrer Macken sympathisch sind, denen man gern folgt, deren Gefühle man versteht und um die man sogar trauert. Und sie erleben Storys, denen man ebenfalls gern folgt, die manchmal hanebüchen erscheinen mögen, geradezu unwahrscheinlich, aber – und das ist das vielleicht höchste Lob, das einem Schriftsteller zugedacht werden kann – dennoch glaubhaft wirken, die überzeugen, einfach, weil sie unterhalten, die zugleich aber etwas in den Leser*innen berühren, anrühren und sie zum Nachdenken animieren. Und wie fast jeder gute Erzähler versteht Schmidt es, die Tragik seiner Figuren und ihrer Geschichten mit leisem Humor zu paaren und diesen seinen Humor immer auch mit dem ihm immer schon innewohnenden Grauen zu mischen. Das Lachen, das sich hier manchmal aufdrängen will, bleibt dann doch meist im Halse stecken.
Heinrich Lieber – ein Bauingenieur, der gerade eine schwere Zeit durchmacht, da aufgrund eines von ihm begangenen Flüchtigkeitsfehlers zwei Menschen beim Einsturz einer von ihm entworfenen Halle ums Leben gekommen sind – erfährt von seinen Eltern, dass seine leibliche Mutter, von der er annahm, sie sei bei seiner Geburt zu Tode gekommen, soeben erst verstorben ist. Und zwar auf Island, wohin sie, wie ca. 200 weitere Frauen, im Jahr 1949 auf dem Dampfer Esja ausgewandert war, als sie das Leben im kriegszerstörten Deutschland und vor allem die Erinnerungen in ihrem Kopf, Erinnerungen an erlittenes Unrecht, nicht mehr aushalten konnte. Lieber wirft die Neuigkeit zwar nicht vollends aus der Bahn, da der Mann doch ein rechter Pedant ist, überkorrekt und sehr kontrolliert scheint, doch ruckelt sie am Fundament seines Selbstverständnisses. So fährt er zunächst nach Paris, wo immer noch die Schwester seiner Mutter lebt, die ihm Einblick in das Leben geben kann, welches seine Mutter auf der fernen Insel geführt hat. Dann reist er weiter nach Island, auf den Spuren seiner, nein, besser der Vergangenheit seiner Mutter. Es wird eine Flucht – vor den Konsequenzen seines beruflichen Handelns ebenso, wie vor einem Leben, welches ihm zu entgleiten droht und stattdessen auf ein Mögliches hin, auf ein Vielleicht zu, ein Was-wäre-wenn, dessen Verheißung und Konsequenzen er allerdings weder versteht noch genauer definieren könnte.
Schmidt lässt seine Leser*innen an Heinrich Liebers Passionsweg in die eigene Geschichte zwar eher distanziert teilhaben, da seine Sprache immer einen gewissen Abstand zwischen den Rezipient*innen und dem Gegenstand der Erzählung einhält, doch zugleich ist man diesem Mann in seiner Hilflosigkeit dem Schicksal gegenüber sehr, sehr nah. Und es ist ein Schicksal, das hier beschrieben wird, daran lässt sich nichts deuteln. Und zwar ein Schicksal bis zur bitteren Neige. Liebers Weg folgt geradezu klassischen Mustern. Nach der verwirrenden Enthüllung, dem Unverständnis dem Vater gegenüber ob dessen Ver-Schweigens der Mutter, auf den folgenden Schmerz über das Verlassenwerden durch diese und ihr offensichtliches Desinteresse an ihrem Sohn, folgt eine Wut und dann der Wille, eine Geschichte, ein Leben zu erkunden, das ohne ihn gelebt wurde, ohne den Sohn, der vielleicht ein Anrecht darauf gehabt hätte. Dann aber entwickelt sich fast schon Euphorie, als er aufbricht und zugleich, wohl wissend, dass dies eher Aufschub denn Aufhub bedeutet, vor seiner unmittelbaren Gegenwart flieht. Diese Euphorie weicht aber zunehmendem Schmerz, als ihm auf Island – und dann in Gegenwart seiner ihm bisher ebenfalls verschwiegenen Halbschwestern – klar wird, dass da ein ganz anders Leben hätte gelebt werden können. Und schließlich, das erspart Schmidt uns nicht, widerfährt einem Mann wie Heinrich Lieber ein Missgeschick, dass sein Schicksal schließlich besiegelt, endgültig. Und es endet mit der Tragik eines zwar nicht lächerlichen, aber doch irgendwie traurigen, eines überkorrekten und nun an der eigenen Korrektheit gescheiterten, eines aus der Bahn geworfenen Mannes, dessen Leben vielleicht eine andere Wendung hätte nehmen, ganz anders hätte verlaufen können, hätte sich seine Mutter seiner erbarmt und ihn mitgenommen in dieses weite und fremde Leben hoch oben im Norden.
Unterbrochen wird diese Erzählung immer wieder in regelmäßigen Abständen durch Einschübe, in denen uns Liebers Mutter von ihrem Schicksal auf Island erzählt, davon, wie sie, innerlich nahezu versteinert, auf der Insel eintraf, wo sie, wie ihre Schicksalsgenossinnen, auf Lastwagen verfrachtet wurde und schließlich auf einem abgelegenen Hof in der Einöde landete, wo sie zukünftig als Dienstmädchen arbeiten sollte. Ein Programm übrigens, das es so tatsächlich gegeben hat. Denn viele Isländerinnen hatten nach dem Krieg das harte Leben auf den Höfen aufgegeben und waren entweder in die Hauptstadt gegangen oder sie waren mit den amerikanischen Soldaten, die hier während des Krieges stationiert waren, in die Staaten ausgewandert. Für deutsche Frauen wie Heinrich Liebers Mutter bot dieses Programm tatsächlich die Möglichkeit eines neuen Anfangs, eine Flucht vor den Schrecknissen, eine Möglichkeit, den Dämonen der Erinnerung zu entkommen – Bombennächte in den Bunkern und Kellern deutscher Großstädte; Vergewaltigungen durch feindliche Soldaten; das Gefühl des vollkommenen Ausgeliefertseins; die Vertreibung aus der Heimat; von den Verlusten geliebter Menschen ganz zu schweigen; aber auch dem Gefühl der Schuld –, die sich in den Seelen fest eingefräst hatten.
Diese eingeschobene Erzählung ist allein deshalb schon anrührend, ergreifend und tieftraurig, weil Schmidt diese Frau, die zu Beginn der Romanhandlung ja bereits tot ist, mit eben jener inneren Distanz sich und ihrem eigenen Schicksal gegenüber berichten lässt, die er selbst für seine Erzählung über Heinrich Lieber nutzt. Was also in seinem auktorialen Erzählen aus dem Leben dieses traurigen Mannes zum Ausdruck kommt und da durchaus auch eine komische Note hat, eben weil er Lieber auch als eine tragische weil an sich selbst und dem eigenen Leben, auch den eigenen Ansprüchen gescheiterte Figur erscheinen lässt, bekommt in der Erzählung seiner Mutter tatsächliche Tiefe, da hier ein Mensch, ohne sich zu rechtfertigen, erzählt, wie er innerlich erkaltete, immer größeren Abstand zu sich und dem eigenen Leben aufbaute und eigentlich erst in der für ihn maximalen Fremde die Möglichkeit eines vielleicht neuen Glücks fand. Immerhin hat diese Frau erneut geheiratet, hat einen Isländer gefunden, den sie vielleicht lieben konnte, mit ihm auf jeden Fall noch drei Kinder, drei Töchter, bekommen und großgezogen.
So erzählt Schmidt von zwei Fluchtbewegungen – und vielleicht von den Wiederholungszwängen, denen Familien ja so häufig unterliegen. Da ist die Mutter, die aus dem historischen Drama, der Katastrophe des Kriegs flieht; und da ist dieser kleine, korrekte Ingenieur, der vor seiner ganz persönlichen Katastrophe flüchtet – besser: Jener Katastrophe, die er für andere durch einen Flüchtigkeitsfehler heraufbeschworen, verursacht hat. Doch verweigert Schmidt seinen Protagonisten dialektische Gerechtigkeit. Mag die alte Frau, die schlussendlich freiwillig aus dem Leben geschieden ist, wie Heinrich Lieber von ihrer Schwester erfährt, eine Art von Glück gefunden haben – dem glücklosen Ingenieur ist dies nicht beschieden. Mag seine Frau – dies übrigens eine der großen literarischen Leistungen dieses Romans: Wie es Schmidt gelingt, deren leisen Wandel, die vielleicht wiederauflebende Liebe zu diesem Mann, in den wenigen Dialogzeilen zu vermitteln, welche er den beiden via Telefon gönnt – auch auf ihn warten und der Meinung sein, gemeinsam sei es ihnen möglich, auch die widrigsten Hürden des Lebens zu meistern, Heinrich Lieber wird Island nicht lebend verlassen. Und wenn Schmidt am Ende die Natur selbst in Gestalt eines Vogels vollkommen gleichgültig auf diesen Mann blicken lässt, der da aufgrund eines wirklich schon peinlich banalen Missgeschicks im Meer treibt, dann mag das kalt und distanziert wirken. Es vermittelt den Leser*innen aber auch ein Gefühl davon, wie klein und unbedeutend wir letztlich alle sind in unseren eingebildet ach so großen Dramen und Tragödien. Ein kleiner Punkt im weiten Meer.
Schmidt ist da ein kleines Meisterwerk gelungen, da dieser Roman die Balance zu halten versteht. Eine Balance zwischen einer guten Geschichte, der Tiefe dieser Figuren, zwischen ihrer psychologischen Motivation und einem Grundrauschen, das von Schicksalhaftigkeit und Bestimmung raunt. Erzählt wird das in einer scheinbar einfachen Sprache, der die Leser*innen gut folgen können und die doch ihre Fallstricke und Tücken bereithält und es dem Publikum dann doch nicht so einfach macht, wie es zunächst glauben mag. Das ist große literarische Kunst und man will gleich den nächsten Roman dieses Erzählers zur Hand nehmen. Mehr davon! Mehr davon!
Die Thematik um die Esja Frauen war sehr interessant. Allein deshalb würde ich das Buch empfehlen. Ein weiterer Grund, das Buch zu lesen, ist wie toll Island beschrieben wird - mir gefiel das, gerade weil ich schonmal da war. Einzig das Ende hat mich enttäuscht- aber ich bin auch sehr pingelig wenn es um Enden geht.
„Im Juni 1949 brachte der Dampfer »Esja« rund 200 Frauen aus Deutschland nach Island, wo sie sich als Dienstmädchen auf Bauernhöfen verdingten. Darunter auch Heinrich Liebers Mutter, von der er immer geglaubt hatte, sie sei nach seiner Geburt gestorben. 40 Jahre später ist Heinrich Bauingenieur, verheiratet, doch sein Leben gerät auf einmal ins Wanken. Der sonst so korrekte Mann fasst einen überstürzten Entschluss und reist nach Island, wo er sich auf die Suche nach seiner Herkunft macht.“
Autor Joachim B. Schmidt hat mich auch mit diesem Roman wieder komplett eingenommen. Er beruht auf historischen Fakten und nimmt den Leser in eine Thematik mit, die wohl die Wenigsten von uns kennen. Erzählt wird aus zwei Sichtweisen. Mal wird über Heinrich berichtet und dann über seine leibliche Mutter. Sein Leben ist ein vollkommen anderes als jenes seiner Mutter. Beide sind geprägt durch ihre Generationen, die Zeit, die Geschehnisse. Genau das macht diese Geschichte auch aus! Der aufmerksame Leser kann hier wirklich wunderbar zwischen den Zeilen lesen und sehr tief in beide Figuren eindringen. Heinrichs Reise auf die Insel seiner Mutter wird eine Art Roadtrip aber auch Selbstfindung. Er hat Fragen und die wollen beantwortet werden. Schmidt zeigt auch hier wieder sein feines Gespür mit dem Leser einher zu gehen, ihm etwas zu erzählen ohne viel Geschrei sondern einfach nur mit einem tiefgründigem Inhalt. Heinrich wird durch die neuen Erkenntnisse ein Anderer und dies zu erlesen, war wirklich ein Genuss. Das so korrekte Leben geriet aus den Fugen und hielt enorm viele Neuigkeiten bereit.
Fazit: Definitiv lesenswert und empfehlenswert! 4 sehr gute Sterne hierfür!
Uff. Das Ende von "Moosflüstern" hat mich ziemlich erwischt. Ich hatte es irgendwann schon befürchtet, dass es so ausgeht und es nervt mich fast ein Stück weit. Nicht auf die schlechte Art, sondern mehr, weil ich Heinrich auf der einen Seite mehr gegönnt hätte. Und auf der anderen Seite auch gewollt hätte, dass er zur Verantwortung gezogen wird. Jetzt könnte man sagen, sein Ende sei Gerechtigkeit genug - finde ich aber tatsächlich nicht. Er war an dem Punkt, wo er seinen Fehler eingesehen hat, sich den Konsequenzen stellen wollte. Er hatte eine Basis geschaffen für sich und seine Frau, seine Familie. Er hatte seine Schwestern gefunden, war gewillt, ihnen Platz zu machen. Ich finde es wirklich richtig schade, dass all das am Ende im Meer versinkt.
Was für mich absolut für "Moosflüstern" spricht. Denn Schmidt hat es (wieder einmal) geschafft, mich in seine Geschichte zu ziehen und mit den Charakteren mitzufiebern und mitzufühlen. Der reale Hintergrund dieser Geschichte ist ebenso traurig wie spannend und gibt, finde ich, der Geschichte eine besondere Note. "Tell" fand ich schon richtig gut, "Moosflüstern" reiht sich nahtlos ein. Ein wirklich tolles, emotionales Buch.
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Heinrich erfährt erst nach dem Tod seine Mutter, dass er adoptiert wurde. Er ist mittlerweile ca. 40 Jahre alt und macht sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Warum ist seine Mutter nach Island ausgewandert und hat ihn mit dem Vater alleine gelassen? Kurz entschlossen macht sich Heinrich auf die Reise zu einer (unbekannten) Tante nach Paris um diese zu befragen. Dann reist er weiter nach Island um Personen zu treffen, die seine Mutter kannten. Gutes Ende...
Ich mochte das Buch, es hat keine Längen. Die Landschaft wird interessant beschrieben, man erfährt etwas über Island und seine Geschichte. Der Held ist nicht so sehr sympathisch und dazu noch ein Pechvogel. Die Auswanderungsgeschichte seiner Mutter wird aber spannend erzählt.
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