Julia Bergman arbeitet als Pflegefachfrau auf der Frühgeborenen-Station eines schwedischen Krankenhauses. Mit ihrem gewalttätigen Ex-Partner teilt sie sich das Sorgerecht für Sohn Truls. Für Julias Team und den Dienstplan ist die Sorgerechtsregelung unbestritten vorteilhaft, nicht aber für sie und Truls, da Julia bei Truls Übergabe immer wieder mit Pår konfrontiert wird, der sie nach wie vor verleumdet und droht, ihr ihren Anteil am Sorgerecht entziehen zu lassen. Obwohl Julia, oberflächlich betrachtet, Beruf und Muttersein miteinander vereinbaren kann, erfordert die Sorgerechts-Regelung ein ständiges Balancieren zwischen Dienstplan, Vertretungen und Doppelschichten in einem Beruf mit hoher Verantwortung.
Als Julia zu einer dramatischen Frühgeburt gerufen wird, verschlägt es ihr die Sprache: der Vater des Kindes ist ihr Ex-Partner Henrik, der inzwischen mit Ihrer älteren Schwester Liv verheiratet ist. Auch Henrik zückt die von Pår oft gehörte Drohung, sollte Julia auch nur ein Wort über seine Verbindung zu einer anderen Frau fallen lassen, wird er dafür sorgen, dass sie ihren Arbeitsplatz verliert. In enger Zusammenarbeit mit Henrik und seiner Affäre Hanna wird Julia also die nächsten Wochen die frühgeborene Elsa betreuen …
Julia steckt in einer schier unlösbaren Verstrickung von Konflikten, die sie im schlimmsten Fall ihren Sohn kosten wird. Zugleich ist sie mit dem überaus komplizierten Verhältnis zu ihrer Schwester konfrontiert. Liv dagegen hadert mit ihrem Verhältnis zum Vater, über den seit der Trennung der Eltern vor Jahren eisern geschwiegen wurde. Marcus Jarl lässt seine Leser:innen mit Julia einer erfahrenen Pflegekraft über die Schulter blicken und zeigt ein Team, in dem Kollegin Filippa (alleinerziehende Mutter) und Julias Chefin solidarisch hinter ihr stehen. Weitere Felsen in der Brandung sind für Julia ihre Mutter Monika, die zu jeder Zeit Truls versorgt, und Bettan, Truls Erzieherin im Kindergarten, mit ihrem Talent, Konflikte mit Eltern nicht auf sich zu beziehen.
Mit zwischen den Schwestern Julia und Liv wechselndem Focus, sowie zwei Sprüngen aus der Gegenwart zur Vorgeschichte 2015 und 2018, erzählt Marcus Jarl von Frauen aus zwei Generationen, die die Red Flags in ihrem Leben zu lange übersehen, weil sie sich unbedingt eine Familie wünschen.
Neben der verblüffenden Lösung für Julias Konflikt, auf die ich nie gekommen wäre, ein berührender Roman über Frauen in sozialen Berufen, Schwestern, soziale Vaterschaft und die Verteilung von Care-Arbeit in Partnerschaften. Männer kommen in dem Drama zum großen Teil schlecht weg, was ihrer geringeren Beteiligung an der Mental-Load in der Realität entspricht.