Das Ende der Ära Merkel hat ein Vakuum in der CDU geschaffen, in dem sich viele als rechtmäßige Nachfolger sahen, viele mitreden und die Zukunft der Partei mitbestimmen wollten. In der Neuerfindung der großen Volkspartei, im Ringen um die Rolle in der Gesellschaft, war es am Ende unvermeidbar, dass ausgerechnet Friedrich Merz Kanzlerkandidat wurde, nicht Hendrik Wüst, nicht Markus Söder. Warum? Die Hauptstadtkorrespondentin Sara Sievert hat mit den Parteigrößen wie Wolfgang Schäuble, Hendrik Wüst und Friedrich Merz selbst gesprochen und bietet exklusive Einblicke in das Innenleben der CDU. Packend erzählt sie die Geschichte eines zunächst unerwarteten Kanzlerkandidaten - und zeigt damit, wie Machtpolitik heute funktioniert und was Deutschland von Friedrich Merz zu erwarten hat.
«Sara Sievert führt uns mitten hinein in die Machtmechanismen der CDU. Ein politisches Buch mit bisher unbekannten Einblicken, das man lesen sollte.» Markus Feldenkirchen, Der Spiegel
«Es ist DAS Comeback in der deutschen Friedrich Merz hat sich innerhalb weniger Jahre vom Spielfeldrand nach ganz oben gekämpft, allen Widerständen zum Trotz. Wer wissen will, wie ihm das gelungen ist, sollte dieses spannend und dicht geschriebene Buch lesen.» Eckart Lohse, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Alles in allem: unspektakulär, wenn man des deutschen Politikgewurschtels der vergangenen Zeit nolens volens ansichtig zu werden genötigt war.
Und, Stand heute – Mo., 24. Februar im Jahre unseres Herrn, sofern es ihn gibt, er keine Frau und auch gendermäßig gut aufgestellt ist, 2025 – wird das ehemalige Aufsichtsratsmitglied von Black Rock und der Besitzer mindestens eines Sportflugzeugs, zu dem er auf Hochzeiten wie etwa der von Christian mehr Musk und Miliei wagen Lindner einfliegt, der Friedrich Fritze Merz, vermutlich Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Was am professionellen Blick hinter die Kulissen lustig war: Anlässlich der jährlich in Bayern stattfindenden Einbürgerungsfeierlichkeiten, die vom Bayerischen Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, ausgerichtet werden, spricht – natürlich und unvermeidbar und diesen beiseite drängend – der bayerische Landesstiefvater Dr. M. Söder, der unter den Anwesenden einen ‚starken Wunsch nach Fotos‘, vulgo Selfies mit ihm, ausgemacht haben will – breitet sodann die Arme aus, wendet sich mit dem ihm eigenen, verschlagenen Grinsen an die Versammelten und spricht: ‚Ihr Kinderlein kommet.‘
Eine Erzählung, die nicht nur Friedrich Merz in den Fokus rückt, sondern vielmehr die gesamte Zeit der CDU in der Opposition zusammenfasst. Die Zusammenhänge werden beeindruckend klar dargestellt, was die Lektüre besonders aufschlussreich macht. Die Erzählweise wirkt gut recherchiert und ausgewogen. Besonders gelungen ist die analytische Tiefe, mit der die Autorin die politischen Entwicklungen beleuchtet. Sie verzichtet bewusst auf eine chronologische Erzählstruktur – eine Entscheidung, die ich grundsätzlich als gelungen empfinde, wenngleich die Umsetzung stellenweise etwas holprig wirkt.
Der Titel von Sara Sievert "Der Unvermeidbare" ist ein lehrbuchreifes vergiftetes Kompliment: Friedrich Merz ist dreimal abgewiesen worden, 2002 bis 2004 im Wettkampf um den Fraktionsvorsitz unterlag er Merkel, 2018 im Wettkampf um den Parteivorsitz AKK und 2020/2021 noch einmal dem Sohn eines Bergarbeiters. Dennoch hat er sich irgendwie den Status des Unvermeidbaren "erarbeitet": Dass Merz Kanzler wird, liegt nicht daran, dass er inhaltlich überzeugt hätte, charismatisch wäre, Führungsstärke bewiesen hätte oder parteiintern, an der Basis verwurzelt wäre – sondern er wurde auf seltsamen und zufälligen Wegen die Treppe hoch gestolpert. Merz war zu keinen Zeitpunkt unvermeidbar, er wurde es. In diesem Buch kann man die Details dazu, natürlich ohne meine Wertung in dem letzten Handvoll Sätze, nachlesen. Sievert schreibt dabei keine Biografie, sondern konzentriert sich auf die union-internen Abläufe zwischen der verlorenen Bundestagswahl 2021 und dem Ampel-Aus 2024.
Ein paar verstreute Punkte:
– Der Eindruck mag durch das Genre des Buchs – "ein Blick hinter die Kulissen" – verstärkt werden, dennoch bleibt der Eindruck: Merz ist inhaltlich völlig blank. Er kann auf Ereignisse wie ein Attentat reagieren, aber er kann und will nicht agieren. Dazu bräuchte er ein politisches Anliegen.
– Es wird dauern, bis wir es sicher wissen: Wird der 15.11.2023 sich rückblickend als deutscher Schicksalstag erweisen? Nicht einmal die Union als Klägerin hat anscheinend mit einem solch verheerenden Urteil des Bundesverfassungsgericht gerechnet, sondern wollte nur einen kleinen Nadelstich gegen die Ampel setzen.
– Nach der Bundestagswahl wird Merz vor der Aufgabe stehen, eine Koalition zu bilden. Kann er das? Es bleiben Zweifel, da dieses Buch kein einziges Beispiel für erfolgreiche Verhandlungen aufzeigt, insbesondere keine Win-Win-Verhandlungen, bei denen beide Seiten etwas bekommen. Entweder setzt Merz sich durch oder beide Seiten verlieren.
– Ein Beispiel für Merz' fehlende Führungsstärke ist die Episode zu Scholz' "Deutschlandpakt". Merz hat sich auf Treffen mit Scholz eingelassen, aber die Ergebnisse haben die Unions-Ministerpräsidenten direkt mit Scholz eingetütet: "Die Ampel wird auf Basis dessen, was dort [Ministerpräsidentenkonferenz] verhandelt wurde, Gesetze in den Bundestag einbringen. Merz' Segen ist dafür zweitrangig, denn Scholz braucht die Stimmen der Union nicht für eine Mehrheit im Bundestag. Das 26-Punkte-Papier des Oppositionsführers soll Teilnehmern zufolge bei den Bund-Länder-Beratungen nicht einmal eine Rolle gespielt haben." (179)
– Gestolpert bin ich über diese Stelle, an der Sievert spricht, nicht eine Position von Merz referiert: "Laut dem Politikwissenschaftler Manfred G. Schmidt zählen Kritik, Kontrolle und Alternative zu den zentralen Funktionen der Opposition. Unterstützen, geschweige denn Mitregieren nicht." (175) Das mag in vergangenen Zeiten großer Koalitionen gegolten haben, die in Bundestag und Bundesrat gemeinsame Sache machen konnten, bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen nicht. Die Union kann sich aufgrund ihrer Stellung im Bundesrat nicht auf die Oppositionsrolle beschränken, sofern sie nicht die Methoden der US-Republikaner im Senat kopieren will.
Ich habe das Buch über Hermann Merz als Hörbuch über zwei Wochen gehört. Es war generell gut anzuhören, man konnte auch während dem Autofahren der Geschichte folgen.
Die einzelnen Kapitel beschreiben unterschiedliche Abschnitte der parteipolitischen Karriere von Hermann Merz. Seine Anfänge in der CDU, die Konflikte mit Fr. Merkel, sein holpriger Weg zum Parteivorsitzenden, die Nebengeschichten rund um Armin Laschet, Henrik Wuest und Markus Söder. Gerade letzterem im Zusammenspiel CDU und CSU sind einige Kapitel gewidmet.
Das Buch ist gut recherchiert, bringt allerdings für den gut informierten Politikinteressierten wenig wirklich Neues. Dafür ist die Geschichte rund um Friedrich Merz kompakt auf rund 250 Seiten oder rund 7 Stunden Hörbuch zusammengefasst.
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I listened to the book about Hermann Merz as an audio book for two weeks. It was generally easy to listen to and you could follow the story while driving.
The individual chapters describe different stages of Hermann Merz's party political career. His beginnings in the CDU, the conflicts with Mrs. Merkel, his bumpy path to party chairman, the side stories surrounding Armin Laschet, Henrik Wuest and Markus Söder. A number of chapters are dedicated to the latter in particular in the interplay between the CDU and CSU.
The book is well researched, but offers little that is really new for those interested in politics. Instead, the story of Friedrich Merz is compactly summarized in around 250 pages or just around 7 hours of audio book.
Der Autorin gelingt es, eine grundsätzliche Spannung mit ihren Schilderungen aufzubauen, die auch kontinuierlich anhält. Sie schildert die Ereignisse sachlich, fair, aber nicht unkritisch. Dabei hat ihr Stil eine große Bildsprache. Immer wieder glaubt man, die geschilderten Ereignisse plastisch vor sich zu sehen.
Friedrich Merz steht in diesem Buch natürlich im Mittelpunkt, aber es wird auch einiges von anderen Politikern erzählt, und sie werden als Vergleich herangezogen. Söder, Laschet, Kramp Karrenbauer, Linnemann, Hendrik Wüst, sogar ein wenig Merkel.
Sara Sievert konnte mich mit ihrem lebhaften Stil und ihrer Genauigkeit in diesem Buch wirklich beeindrucken.
„Friedrich Merz, der Kanzler(kandidat)!“ – Ein Buch, das keiner bahnbrechenden Enthüllungen bedarf, weil es bereits mitten im politischen Puls liegt.
Für Politikinteressierte, die den Wahlkampf 2025 verfolgt haben, bietet dieses Buch wenig Überraschungen. Es ist nicht die Entdeckung eines unbekannten Merz-Universums – vielmehr ist es eine kompakte Zusammenstellung bereits vorhandener Informationen und politischer Verflechtungen. Wer sich die Mühe gemacht hat, selbst ein wenig zu recherchieren, wird hier eher das Gefühl haben, alte Bekannte wiederzutreffen.
Das Interessante daran? Viele der Informationen stammen von Weggefährten – im Guten wie im Schlechten. Das macht die Lektüre spannend, denn es ist nicht nur ein nüchterner Bericht, sondern ein Mosaik aus Meinungen, Einflüssen und Seilschaften. Egal, wie man zu Merz oder der CDU steht, es ist ein Buch, das diese politischen Dynamiken gut zusammenfasst.
Keine Biografie, sondern eine politische Analyse seiner Beziehung zur CDU und seines Weges durch die Machtstrukturen, mit einem klaren Fokus auf die letzten Jahre, die ihn zur Kanzlerkandidatur geführt haben. Die Geschichte eines Mannes, der nicht erst seit gestern im Rampenlicht steht – aber sich dennoch neu positionieren musste.
Für alle, die Politik lieben und aktuelle Entwicklungen verstehen wollen, eine lesenswerte Zusammenfassung. Auch wenn das Meiste bereits bekannt ist, liegt die Stärke des Buches darin, die verstreuten Puzzlestücke an einem Ort zu vereinen.
Eindrücklich schildert Sara Sievert die Vorgänge der letzten Jahre in der CDU/CSU, sowie innenpolitisch Themen rund um das Aus der Ampel und das Ende der Ära Angela Merkel. Wie machtversessen alle Parteien rund um Söder, Wüst oder auch Scholz und Lindner handeln, lässt alles wie ein Spiel wirken. Die Autorin des Buches hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck wenn es um die Personen in der heutigen Politikerlandschaft geht. Wenn das Politik ist, dann brauche ich sie nicht in dieser Form...
Eine Nacherzählung von Friedrich Merz's Weg zum Kanzler. Ohne dabei allzu viel neues über Merz beinzusteuern ist das Informationsmosaik des Tagesgeschehens doch sehr gut zusammen gesetzt und ergibt ein nachvollziehbares Bild des Kanzlers.
Friedrich Merzens Weg an die Spitze der Partei und zum Kanzlerkandidaten. Es ist keine Biografie und der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit innerparteilichen Dynamiken 2018-2024. Über die Person erfährt man leider so gut wie nichts. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach anders.
Anschaulich aufbereitet, jedoch sich viel zu häufig wiederholend und aufgebläht. Die Kapitel sind nicht trennscharf und wirken für unaufmerksame Leser geschrieben.