Der zweite Roman der Hamburger Literaturpreisträgerin, die mit Die Ewigkeit ist ein guter Ort Presse, Buchhä und Publikum erobert hat, erzählt von zwei Frauen auf «der Suche nach dem Platz im Leben, den wir manchmal wechseln müssen, um anzukommen. Und davon, dass wahre Freundschaft manchmal nicht eine lange gemeinsame Geschichte braucht.» (Emotion)
Als Nachtwache im Schlaflabor bringt Janis Fremde ins Bett und schaut ihnen beim Schlafen zu. Der Tag-Nacht-Rhythmus, der anderen Menschen eine natürliche Struktur gibt, gilt für sie nicht. Janis arbeitet, wenn andere ruhen, sie lebt allein und hat sich mit sich selbst gut eingerichtet. Erst als Sina bei ihr auftaucht, erwacht in Janis wieder der Wunsch nach einem anderen Leben.
Sina ist Lehrerin und hat einen geregelten Alltag. Doch allmählich entgleitet ihr die über ihre Familie, ihre Arbeit, ihr ganzes Leben. Als sie Janis kennenlernt, lässt sie einmal die Krisen los, die zu Hause auf sie warten. Woher kommt die starke Verbindung, die beide Frauen spüren?
Langsam befreien sich Janis und Sina von dem Takt, den der Alltag ihnen vorgibt. Sie begeben sich auf eine Reise durch die Nacht, in der auf einmal alles auf dem Spiel steht – und nichts mehr bleibt, wie es war.
«Hilft leider nicht beim Einschlafen, weil man immer weiterlesen muss, weil man unbedingt mit Janis und Sina durch die Nacht ziehen will. Aber hinterher schläft man umso besser!» Isabel Bogdan
Der wunderbar einzigartige Start einer Freundschaft! Zwei Frauen, die nicht wussten, dass sie sich dringend brauchten, bis sie im Schlaflabor aufeinander trafen.
Sina lebt ein Leben, wie man es halt so lebt: beeinflusst von den Erwartungen der Eltern, der Gesellschaft und nicht zu letzt von denen an sich selbst. Aber ist es das, was sie sich tief im Herzen wünscht? All der Druck äußert sich in einem Phänomen: Insomnie - Sina kann einfach nicht schlafen.
Um das Abzuklären hat sie einen Termin im Schlaflabor bei Janis.. was die überaus fitte und fachlich kompetente Krankenschwester angetrieben hat ihre Karriere zu beenden um in einem Schlaflabor als Nachtwache zu arbeiten, ist eine Geschichte, die sich dem Leser nur nach und nach entblättert.. Sie lebt völlig antizyklisch zu allen Anderen - und findet das bisher sogar recht gut so allein mit sich in ihrem kleinen Radius. Aber die Begegnung mit Sina bricht etwas in ihr auf.. und schnell wird klar, die beiden brauchen einander sehr. Eine wunderbar zarte Geschichte um Erwartungen an sich selbst, vergessene Träume und tiefe Freundschaft! Ich hab es sehr genossen! 4,5 Sterne
Sina kann nicht schlafen. Seit dem ersten Kind ist das schon so und obwohl beide Kinder inzwischen nicht mehr ganz klein sind, stellt sich keine Entspannung ein, will ihr Kopf einfach keine Ruhe finden. Kein Wunder, hängt doch die meiste Care-Arbeit in der Familie an ihr. Während ihr Mann (boarr, was wollte ich den oft boxen) sich ganz auf seine Karriere in der Schule konzentriert, auf seinen täglichen Mittagsschlaf in absoluter Ruhe besteht und sich um den Hund, den er ungefragt mitgebracht hat (weil man ja Dinge einfach mal machen muss und nicht immer so viel überlegen darf), nur am Wochenende kurz kümmert, lebt Sina im Funktionsmodus. Den Traum, Künstlerin zu werden, hat sie irgendwo begraben und ist stattdessen Kunstlehrerin geworden. Ein Job, den sie, wie ihr ganzes Leben, eher mechanisch als lustvoll aausführt. Bei einem ärztlich verschriebenen Schlaflaborbesuch, trifft sie auf die dort arbeitende Nachtschwester Janis. Einst Krankenschwester in der benachbarten Klinik, ist sie, vom Schichtdienst geprägt und durch den Tod ihrer Mutter gezeichnet, komplett in die Nachtarbeit gewechselt. Jetzt sieht sie Fremden beim Schlafen zu und schläft selbst, wenn die meisten Menschen wach sind. Wirklich am Leben nimmt sie nicht mehr teil. Die kurze Begegnung mit Sina löst etwas in ihr aus, sie fühlt sich hingezogen zu der schlaflosen Frau, ohne genau zu wissen, warum. Doch ihre Wege trennen sich schneller wieder als ihr lieb ist, was bleibt, ist das Hinterfragen des eigenen Lebensmodells.
Tamar Noort hat mit "Der Schlaf der anderen" ein leises, eindringliches Buch über ungleich verteilte Care-Arbeit, Überlastung in der Pflege und unerfüllte Lebensträume geschrieben. Auch wenn ich mir manchmal ein bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte, mochte ich das Buch gerade wegen seiner subtilen, unaufdringlichen Art. Es hat mich nachdenklich gemacht und wirkt noch nach. Durchaus eine Leseempfehlung!
Das Buch hat aus meiner Sicht ein ganz großes Problem, dass innerhalb der Erzählung nicht schlüssig gelöst wird. Für mich ist es eine kaum zu überbietende Grenzüberschreitung, das Telefon einer schlafenden schutzbefohlenen Person zu entsperren und in ihrem Namen Nachrichten zu schreiben, sie wird für mich nur noch übertroffen dadurch, sich als Erwachsene ohne das Wissen der Eltern mit einem neunjährigen Kind im Park zu treffen. Beides macht Jannis in diesem Buch, und ich begreife einfach nicht, wie wenig Probleme Sina am Ende damit hat.
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„[…] nichts ist alberner, als wegen etwas wach zu liegen, von dem man keine Ahnung hat.“
Janis und Sina treffen sich im Schlaflabor. Janis arbeitet dort als Nachtwache, Sina kann schon eine ganze Zeit lang nicht mehr richtig Schlafen. Sie sehnt sich nach Ruhe und Erholung, doch es will einfach nicht funktionieren. Und das, obwohl sie müde davon ist, ihrem Umfeld stets erklären zu müssen, wie chronischer Schlafmangel sich auf ihr Leben auswirkt. Auch Janis ist nicht wirklich glücklich in ihrem Leben – die beiden Frauen begebenen sich gemeinsam auf eine Reise durch die Nacht, die ihren Alltag ganz schön auf den Kopf stellen wird.
Vorneweg, die Idee fand ich richtig cool! Auch die Fakten zum Thema Schlaf und Schlafrhythmus waren total interessant und auch gut in die Geschichte hineingewoben. Ich hatte direkt zu Anfang allerdings ein paar Probleme mit Janis, weil ich ihr Verhalten enorm übergriffig fand. Das hat eine gewisse Distanz zur ihr geschaffen und leider konnte ich diese beim Lesen des Buches einfach nicht mehr überwinden.
Ich habe sehr mit Sina mitgefühlt, besonders ihr Mann hat mich einfach auf die Palme gebracht. Es wurden generell viele spannenden Themen angeschnitten, und bei vielen von ihnen hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht. Das Ende fand ich dann aber sehr schön!
Insgesamt hat mir das Buch besser gefallen als der Debütroman der Autorin damals. Schlaf als Fokus-Thema finde ich sehr spannend dargestellt, und auch wenn mir eine Protagonistin nicht sonderlich sympathisch war würde ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.
irgendwie verkorkst und wunderschön, „und wir beide lächeln einander an, als kämen wir vom zahnarzt“, einen schritt aus dem alltag rausmachen, bedeutung der menschen um uns herum, frau und mutter sein, tränen lachen gefühl, sehr guter lesefluss, trägt mit leichtigkeit, manno, kaffee?, matthias lass ida in ruhe, hätte ich das gern als film? wär schon irgendwo lustig „lesbisch werden“ als passende buchempfehlung anzugeben, so ein romaniger roman, so mag ich meine romane nur idk männern und beziehungen zu ihnen wird zu viel bedeutung beigemessen cleo und frank..? ^^ mellors
Das Buch erzählt eine der schönsten Geschichten über eine neue Freundschaft. Die Geschichte wird begleitet von der Beschreibung des Burnouts in Arbeit und Familie. Die Autorin versucht, uns zu zeigen, wie wir unsere Freizeit und unseren Körper durch das Thema Schlaflosigkeit wieder schätzen lernen sollen. Ein modernes Thema wird mit viel Humor erzählt, unterstützt mit verschiedenen Symbolen, wie die Abenteuer der Kindheit im erwachsenen Leben.
"Der Schlaf der Anderen" von Tamara Noort war auf jeden Fall eines meiner bisherigen Buchhighlights in diesem Jahr. Es überzeugt durch zwei Lebensgeschichten mit nachvollziehbaren Hinter- und Beweggründen der Protagonisten. Die eine ist Janis, Angestellte im Schlaflabor, welche Sina, aufgrund Ihrer schweren Schlaflosigkeit in einer Nacht beobachtet. Es ergeben sich durch die Geschichte immer tiefere Einblicke in beide Frauen. Und genauso wie wir alle komplexe Wesen sind hat auch Sinas Insomnia auch mehrschichtige Hintergründe die sich mit den Kapiteln immer weiter offenbaren. Janis auf der anderen Seite wirkt in den ersten Kapiteln wie ein tiefgründiger Nebencharaktere zu Sinas Geschichte, bekommt nach kurzer Zeit so viel Tiefe, dass sie als Gleichwertiges Protagonisten-Duo auftreten. Zuerst dachte ich, dass das Buch einen Fokus auf die Psychischen Hintergründe der Insomnia setzt aber es war viel besser. Man durchlebte ohne gigantische Ausschweife durch Erinnerungen und Erzählungen der Frauen die Lebensgeschichten der beiden Frauen. In meinen Augen eine super Geschichte.
Ein paar Worte möchte ich noch zum Schreibstil verlieren. Zuerst war ich verwundert, dass der Anfang des Buches in Sinas Kapiteln aus der Ego-Perspektive und Janis Kapitel aus der dritten Person erzählt werden. Aber macht Sinn, am Anfang denkt man auch es geht primär um sie. Mir ist nun beim Schreiben aber aufgefallen, dass irgendwann im Buch einmal die Ich-Perspektive zwischen den beiden gewechselt wird. Dass dies so nahtlos klappen kann ohne stark aufzufallen zeigt wie gut trotz dessen beide Charaktere konsistent gleich gewichtig betrachtet werden.
Und Last but not least: Das Cover finde ich super Ästethisch. Trifft genau meinen Stil. 💕
Eine wunderbare Geschichte über Freundschaft, Veränderung, viel Unruhe und auch Ruhe. Zwei Frauen, deren beider Leben nicht mehr recht passend erscheinen, sich aber ineinander fügen und Blickwinkel verändern. Als Leser wird man von beiden mitgenommen, durch stetigen Wechsel der Perspektive. Einiges erscheint etwas klischeehaft, insbesondere die Nebenfiguren - aber nicht völlig überladen. Letztlich ist es eine schöne lesenswerte Geschichte, die daran erinnert, sich selbst im Blick zu behalten, das zu tun, was einen erfüllt, neue Freundschaften zuzulassen, andere mal zu prüfen…
wirklich tolles buch! hab's geliebt wie authentisch und nahbar die charaktere geworden sind. auf sehr natürliche weise bekommen wir einblicke in ihre lebensgeschichten und die auswirkungen von insomnie. mochte das leseerlebnis sehr ✨️
Eine schöne Geschichte über Freundschaft, Umwege im Leben und tiefe Erschöpfung. Die beiden schlaflosen Frauen Janis und Sins begegnen sich im Schlaflabor. Abwechselnd wird ihre Geschichte aus ihren jeweiligen Perspektiven erzählt. Das Buch ist gut geschrieben - auch wenn vieles doch vorhersehbar war und mir etwas die spannend gefehlt hat, kann ich es als Sommerlektüre empfehlen.
Die Geschichte hat mich überraschend berührt und ich konnte mich in beide Frauen an vielen Stellen komplett hineinversetzen. Das Buch hat mich in einen magischen Bann gezogen und am Ende mit einem positiven Gefühl zurückgelassen. Es war so viel mehr, als ich erwartet hatte. Große Empfehlung!
. Ein leiser tiefgründiger Roman über die Rolle der Frau in unserer heutigen Gesellschaft aus der Sicht von, auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedlichen Frauen, die im Nachhinein doch mehr gemeinsam haben als sie glaubten. Sehr unterhaltsam und wunderbar zu lesen und nachdenken. Absolute Leseempfehlung, meinerseits! 5/5⭐️
. Aber worum geht es genau… Sina, Lehrerin, verheiratet, Mutter und für jeden da, leider unter Schlaflosigkeit und wird um den Grund für diese festzustellen von ihrem neuen Arzt in eine Schlaflabor geschickt. Dort arbeitet Jannis, Single und einfach nur einsam und ausgelaugt durch die vielen Nachtschichten und das Leben. Diese zwei Frauen lernen sich kennen und merken schnell, dass sie ein unsichtbares Band verbindet…
. Im Mittelpunkt von „Der Schlaf der Anderen“ stehen natürlich Sina und Jannis. Während Jannis und ihre Geschichte als Ich- Erzähler wiedergibt, verfolgen wir Sinas Geschichte aus der dritten Perspektive. Trotzdem ist das Buch sehr angenehm zu lesen und dieser extreme Perspektivwechsel fällt überhaupt nicht negativ auf. Wir erhalten tiefe Einblicke in beider Leben, die sehr realitätsnah beschrieben werden und merken als Leser eigentlich recht schnell, dass die Schlaflosigkeit beider Parteien durch ihre täglichen Aufgaben und Erwartungen anderer an sie geprägt wird. Und als es beiden dann klar wird und sie beginnen sich langsam ihr Leben bzw. Schlaf wieder zurück zu holen begleiten wir sie ein Stück. Doch es geht nicht nur um die Rolle der Frau. Es geht auch um die Beziehungen, die Frauek tagtäglich eingehen und sich dabei verlieren, um Freundschaft, um Unterstützung und allen voran darum, dass wir uns mal wieder um uns selbst kümmern sollten, als Frauen. Noorts Schreibweise ist leise und tiefgründig und so kommt der Roman auch daher und reißt dich als Leser mit auf eine Reise, die dich auch dazu bringt über dein eigenes Leben nachzudenken. Nicht zu letzte hat mich auch der Humor von Noort begeistert. Sie versteht es einfach eine mitreißende Geschichte mit sehr sympathischen Protagonistin zu schreiben. Einfach eine absolute Leseempfehlung!
. Und wenn man neben der tollen Geschichte, noch dieses tolle Cover anschaut, fragt man sich… warum liegt dieses Buch nicht bei jedem auf dem Nachttisch?!?! 😁
"Wenn Schlaf der kleine Bruder des Todes ist, gehört er zu der Sorte Geschwister, die man am besten in den Schrank sperrt und erst wieder befreit, wenn sie Demut gelernt haben."
"Ich liege nicht wach wegen des Klimawandels. Auch nicht wegen der Kriege oder der Gefahr von rechts. Ich liege wach, weil ich nicht weiß, wo meine Arme hinsollen. In dem Moment, in dem ich ins Bett steige, wird mir überhaupt bewusst, dass ich Arme habe. Den ganzen Tag über machen sie keine Probleme, sie tragen und heben Dinge, sie halten fest, lassen los, umarmen, all das klaglos. Aber im Bett verlangen sie so viel Aufmerksamkeit, dass ich mich bald vollends darauf konzentriere, wie sie es am bequemsten haben. Einer liegt unter dem Körper und tut irgendwann weh, der andere bleibt über. Jedenfalls in meiner Lieblingsposition, Seitenlage. Wenn ich auf dem Rücken liege, sind beide Arme ohne Funktion, dann kann ich mir nur die Hände gefaltet auf den Bauch legen. Auf dem Bauch schlafen ist ein No-Go, das sagt sogar die Schlafmedizin. Wie machen andere Menschen das? Woher wissen sie, wie ihre Körperteile zu sortieren sind für die Bettruhe?"
"Für mich ist Nasswerden kein Opfer. Nach einer schlaflosen Nacht sind kühle Spritzer auf der Haut ein Beleg dafür, dass meine Außenhülle unbeschädigt ist, obwohl ich so durchlässig bin, dass das Leben durch mich hindurchwandert. Meine Haut zu spüren, ist ein Zeichen, dass die Grenze noch da ist. Es gibt mir Hoffnung."
"Während Corona ist meine Küche ein öffentlicher Ort geworden, und das ist unumkehrbar."
"In dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, hätte sie niemals die Wohnräume anderer Menschen mit Schuhen betreten. Dort gilt es als selbstverständlich, den Dreck der Straßen und Felder draußen zu lassen. Ein Zeichen des Respekts, und außerdem ist es viel leichter, nett zueinander zu sein, wenn man sich in flauschigen Wollstrümpfen gegenübersitzt. Auf Socken streitet man nicht so schnell."
"Ich sehe und höre und rieche und schmecke und fühle, ich ordne alle Eindrücke und lege sie korrekt ab, aber sie erreichen mich nicht."
"Ich verbringe die nächsten anderthalb Stunden damit, die Polster zu betrachten, die an den Wänden kleben. Sie haben ein eigenartiges Muster aus Fünfecken mit tief eingedrückten Knöpfen, die wie vertikale Sofakissen aussehen, schmiegsam und weich. Ich will auch solche Polster, denke ich. Von innen und von außen. Damit nichts eindringt, nichts herauskommt."
"Mir fällt diese Dreier-Regel ein: Menschen überleben drei Minuten ohne Sauerstoff, drei Tage ohne Wasser, drei Wochen ohne Nahrung. Wie viele Nächte überlebt man ohne Schlaf?"
"In vorindustriellen Zeiten haben Menschen geschlafen, wann es gerade passte. Sie standen mitten in der Nacht auf und beschäftigten sich für mehrere Stunden, bis sie wieder schlafen konnten. Sie besuchten Nachbarn, kümmerten sich ums Feuer, zeugten Kinder. Schlafpausen waren damals kein Fehler im System. Sie waren üblich."
"Bald ist die Nacht vorüber, aber sie lässt den neuen Tag noch nicht an sich heran."
"Heute komme ich zu spät zur Arbeit. Von allen Verspätungen ist sie mir die unangenehmste, und das, obwohl sie überhaupt keine Konsequenzen hat."
"Ich nicke. Ich habe verstanden. Mein Körper ist noch nicht so weit. Der ganze Abend ist in mir abgespeichert, ach was, die ganze Nacht, die ganze Woche, die ganzen letzten Monate. Wie weit muss ich zurückgehen, bis es wieder gut ist?"
"«Es ist ... eine Art Atempause», sage ich. «Und?» «Hm?» «Wie läuft es so ohne Atmen?»"
"Ich muss daran denken, was heute Nacht auf der Strecke geblieben ist. Das glymphatische System konnte seinen Job nicht erledigen. Das ist der innere Aufräumdienst, der durchs Gehirn feudelt, wenn wir schlafen. Ich stelle ihn mir immer vor wie diese großen Fahrzeuge, die nach Konzerten oder Straßenfesten Bürgersteige kehren. Sieben Gramm Biomüll pro Nacht fallen im Gehirn an, die abtransportiert werden müssen. Zur Entsorgung gibt es ein Kanalsystem, das aktiv wird, sobald der Schlaf einsetzt."
"Und dann sitze ich auf dem Sofa und kaue und weine auf einmal in meine Tüte Chips hinein, weil niemand da ist, der mir sagt, wie ungesund das ist. Weil ich das schon wieder selber machen muss, wie ich alles selber mache, schlafen, essen, wach bleiben, mich irgendwo anmelden, abmelden, Geld verdienen, Bett aufschütteln, jeden einzelnen verfluchten Kaffee koche ich mir selbst."
Janis ist Nachtwache im Schlaflabor, wo sie Sina kennenlernt, die nicht abschalten kann und nächtelang wachliegt. Innerhalb einer Nacht merken die zwei schnell, dass sie sich miteinander verbunden fühlen und es entsteht eine zarte Freundschaft, welche jedoch bald darauf wieder zu zerbrechen droht.
Die zwei Hauptfiguren könnten kaum unterschiedlicher sein und gleichzeitig spiegeln sie sich perfekt in ihren jeweiligen Lebensrealitäten. Festgefahren in ihrem Alltag und geprägt von Einsamkeit sehnen sich beide Frauen nach einer tieferen Verbindung und werden dabei immer wieder mit Entscheidungen aus der Vergangenheit konfrontiert.
Das Konzept und der Erzählstil fühlen sich etwas eigenwillig an und erzeugten bei mir das Gefühl, das Gelesene erstmal verarbeiten zu müssen, um auch die Botschaften zwischen den Zeilen zu verinnerlichen. Durch die kurzen Kapitel ist es dennoch sehr gut lesbar und erzeugt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.
Es werden viele Themen angeschnitten, darunter beispielsweise das Rollenbild einer Frau/Mutter, unbezahlte Care Arbeit und Hustle Culture oder wie wir unsere Leben nach gesellschaftlichen Normen richten, ohne dabei auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu hören. Auch die belastende Arbeit von medizinischen Pflegekräften wird hier kurz thematisiert. Im Großen und Ganzen werden jedoch für meinen Geschmack zu viele Themen angerissen. Bei einigen hätte ich mir eine tiefere Auseinandersetzung gewünscht und auch kein Problem damit gehabt, wenn das Buch dadurch länger gewesen wäre. Mitunter fehlte mir der rote Faden, zudem wirkten einige der Handlungen etwas absurd oder gar überflüssig.
Trotz der kleinen Kritikpunkte habe ich das Buch gern gelesen und würde auch weitere Werke der Autorin lesen.
Der Roman 'Der Schlaf der Anderen' von Tamar Noort hat mich auf seine ruhige und unaufgeregte Art total abholen können. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Janis, einer ehemaligen Krankenschwester, die der Überforderung im Krankenhaus entkommen ist. Nun überwacht sie den Schlaf anderer als Nachtwache in einem Schlaflabor. Die zweite Protagonistin ist Sina, eine Kunstlehrerin, Ehefrau und Mutter von zwei Kinder und sie ist einfach unendlich müde... Die beiden Frauen treffen aufeinander und sofort spürt man als Leser diese besondere Verbindung. Es ist der Schlaf, den sie beide herbeisehnen, und um ihn zu finden, braucht es manchmal Mut und Veränderungen. Die Handlung lässt sich schwer in Worte fassen und klingt vielleicht zunächst etwas wirr, ist aber tatsächlich sehr durchdacht. Die beiden Frauen verbringen eine ungewöhnliche und augenöffnende Nacht miteinander. Nach einem kleinen Fauxpas, seitens Janis, herrscht zunächst Funkstille, doch beide stellen sich indessen ihren Problemen und gehen unkonventionelle Wege, um sich selbst wiederzufinden. Besonders haben mir die tieferen Botschaften gefallen: die Kritik an gesellschaftlichen Mustern und den Zwängen, die uns oft gefangen halten und uns den Schlaf rauben. Es sind die feinen Zwischentöne, die diese Erzählung so interessant machen. Mir hat das Buch sehr gefallen, und ich kann es euch mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, um ihre Schlafprobleme abzuklären und beide bilden eine zarte Freundschaft, die ihnen vielleicht aus ihrer überwältigenden Schlaflosigkeit hilft.
Die Autorin betrachtet ein spannendes Thema, das auch mir nahe geht. Schlaf ist schon immer etwas, das persönlich viel Anstrengung benötigt, während andere es eben “im Schlaf können”. Das Buch beschäftigt sich damit, wie unsere Gesellschaft Schlaf betrachtet. Als etwas, das funktionieren muss, damit du morgen wieder arbeiten kannst. Als etwas, das man nicht in der Öffentlichkeit tun sollte, weil es bedeutet, dass die Person vom Schlaf überwältigt wurde. Diese Perspektive fand ich unheimlich spannend. Das alles haben wir betrachtet, während wir die zarte und sanfte Freundschaft sehen konnten, die sich zwischen Janis und Sina entsponnen hat. Diese Freundschaft hat den beiden eine neue Perspektive und Kraft gebracht, die sehr motivierend zu sehen war.
Das Buch hat sich sehr tiefgreifend und sacht angefühlt und ich kann es jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen von dem Thema angesprochen fühlt.
"Ich bin nicht einfach nur müde. Ich werde müde gemacht, von meinem Leben, von meinem Job, von allem anderen Stress, der mich wach hält."
Das war so schön und auf eine Art so wholesome, der Schreibstil hat mich auch komplett abgeholt! Den Beginn dieser Freundschaft zwischen den beiden Frauen zu begleiten hat mich so berührt und gefesselt, ich wollte gar nicht, dass dieses Buch zu Ende geht. Ich hätte gerne noch 2, 3 Kapitel mehr gehabt, um zu erfahren, wie es weiter geht mit Janis und Sina. Bücher, die die mentale und körperliche Erschöpfung aufzeigen, die durch die Erwartungshaltung der Gesellschaft, in der wir leben, entstehen, dass wir konstant funktionieren müssen, sind so enorm wichtig. Bin sehr beeindruckt hiervon.
Ich mochte die Freundschaft die sich zwischen Sina und Janis entwickelt hat sehr. Die beiden wirken als wären sie füreinander geschaffen.
Obwohl die beiden auf mich zunächst einen recht ähnlichen Eindruck gemacht haben, hat die Autorin es doch gleichzeitig sehr gut hinbekommen jedem von ihnen eine eigene Stimme und Konturen zu geben, sodass sie sich gut ergänzen.
Das einzige was ich mir noch gewünscht hätte, wäre dass Sina sich am Ende noch von ihrem ätzenden Mann getrennt hätte, aber das hätte vermutlich nochmal zu viel aufgemacht.
Obwohl die Geschichte selbst mich nicht zu 100% überzeugt hat, da sie mir an manchen Stellen nicht sehr glaubwürdig erscheint, hat sie mich doch zum Nachdenken gebracht. Die Figur Sina ist müde, es scheinen zu viele Dinge in ihrem Leben zu sein, die ihr den Schlaf rauben. Was genau das ist, wird kaum konkret benannt, aber es kommt trotzdem zum Vorschein: Familienverpflichtungen, die Ehe, der Beruf, die Vergangenheit,... Die Verbindung, die Sina und Janis aufbauen, wirkt wertvoll für beide und scheint, eine Möglichkeit zu sein, wieder mehr zu sich zu finden.
3,5 Sterne. Fänge echt gut an, ja - mit Grenzüberschreitungen, jedoch auch viel Selbstfindung und wie "Fremde" für jemanden da sein können... Das Ende ernüchternd... da fehlt zu viel ...
Eine entspannte Lektüre, eher "feel good" als Weltschmerz, wenngleich große Themen aufgemacht werden. Da das eher oberflächlich (aber nicht zu oberflächlich) passiert, liest sich das Buch recht schnell. Die Autorin hat einen schönen Zugang zu Sprache und erschafft zwei suchende, kluge Protagonist:innen, denen man eine lange Freund:innenschaft wünscht.
Es war eine ganz nette Geschichte über 2 Frauen die sich in den Zwängen der Gesellschaft gesehen haben und es war schön mitzubekommen, wie sie versuchen sich zu befreien und dadurch eine tolle Freundschaft entsteht. Bin aber immer müde geworden, weil es natürlich viel um Schlaf ging lol. Man hat nichts verloren, wenn man es nicht liest, aber auch nicht wenn man es tut wäre mein Fazit