Ein schwieriges Buch.
Schwierig deshalb, weil die Intention klar und richtig ist, gerade mit Blick auf die Gegend, in der das Buch produziert wird. Es ist uneingeschränkt positiv, daß es dieses Buch gibt, es ist uneingeschränkt positiv, daß es im Osten Mecklenburg-Vorpommerns Menschen gibt, die sich in dieser Weise engagieren.
Ich bin mir sicher, daß allein dieser Umstand für unzählige positive wie negative Rezensionen völlig ausreichend ist.
Aber leider ist das nicht alles: Am Ende geht es vor allem darum, einen Eindruck zu vermitteln: wie schlimm ist es? Wie konnte das passieren?
Das ist schön und gut, aber - wie häufig bei Katapult - sehr mäßig umgesetzt.
Es gibt zahlreiche "kleine" Ärgernisse - etwa das die Nutzung von seriellen Grafikelementen auch zur Fehlerreproduktion führt ("alle abtstimmenden AfD-Abegordnete" allein 3x auf einer Seite), die auf schlampige Arbeit schließen lassen.
Fragwürdige Einordnungen - so wird zwar der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober als solcher benannt, unter den 9 aufgeführten "Genozide weltweit" wird aber selbstverständlich der Israels an der Zivilbevölkerung Gazas aufgeführt. Daß es Ziel der radikalen Palästinenser ist, alle Juden umzubringen (und sie es auch umsetzen, soweit es im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt) wird nicht erwähnt. Überhaupt ist diese Karte ein gutes Beispiel für die sehr mangelhafte Methodik des Buches. Mal abgesehen davon, daß die wenigstens Daten und Zitate wirklich neu sind:
Auf der gennanten Karte finden sich neun Genozide. Im dazugehörigen Fließtext werden insgesamt 6 erwähnt, darunter zwei, die es nicht auf die Karte geschafft haben. Daß die Karte nur eine Auswahl an Genoziden zeigt, wird im konkreten Fall nicht, in anderen nur ausnahmsweise erwähnt.
Auf der Karte zu den Bücherverbrennungen im Deutschen Reich fehlen Dutzende, wie man anhand der Karte unter verbrannte-orte leicht feststellen kann.
Ähnliches gilt für die Karte "Antisemitische Pogrome und Vertreibungen 1100-1800. Hier wird immerhin erwähnt, daß die Daten unvollständig sind; da die einzelnen Orte nicht benannt werden (was angesichts der Anzahl kaum möglich ist, zugegeben), überwiegt auch hier der visuelle Eindruck den Informationsgehalt - aber warum wird dann mindestens ein Pogrom aufgeführt, der a) keiner war (sondern eine behördlich angeordnete Ausweisung) und b) erst um 1815 stattfand?
Solche Probleme ziehen sich durchs ganze Buch, und es verdeutlicht die eingangs genannte Absicht, lediglich einen Eindruck - aber kein echtes Wissen - zu vermitteln. Und das völlig abgesehen von der Tatsache, daß die wenigsten Daten wirklich neu sind. Da der Eindruck obendrein in aller Regel eben nur auf einer nicht nachvollziehbaren "Auswahl" und unvollständigen Daten beruht, stellt sich die Frage, ob das Buch die wirkliche Situation nicht sogar in erheblichem Maße verharmlost.
Das Fazit kann mit Adorno nur lauten: Finger weg. Denn: „Das Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht etwa die Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.“