Vergeigt, verkackt, versemmelt: Erinnerungen an die Gegenwart | "Niemand kann den Irrsinn des Alltags so witzig in Worte fassen wie Dietmar Wischmeyer." Berliner Morgenpost
Was ist eigentlich los? Nichts ist mehr so wie früher, die Zeitenwende kehrt sich im Alltag gegen uns und im großen Ganzen gegen jegliche Vernunft. Vegane Essgestörte saufen sich mit drei Litern Wasser am Tag H2-ready, um sich selbst und ein bisschen auch das Klima zu retten. Greenwashing, Pinkwashing und Brainwashing regieren die Welt, und dazwischen versuchen alle, noch rechtzeitig einen Opferstatus auf der Titanic zu beantragen. Warum wird alles, was der Mensch nach dem Jahr 2000 angefasst hat, vergeigt, verkackt oder versemmelt? Rettet uns der mähfreie Mai oder eher der Dry January vor dem Untergang, ist unser Leben noch ein Livestream, gibt's noch für 49 Euro Quality Time im öffentlichen Nahverkehr? Gehören Monogamie und Mettbrötchen zur deutschen Leitkultur? Es ist alles so verdammt undurchsichtig geworden, da wird uns ein Buch von Dietmar Wischmeyer auch nicht den Ausweg weisen, aber dem Schrecken immerhin die schönen und lustigen Seiten abgewinnen. Ein Porträt der irritierenden Gegenwart an allen Fronten des alltäglichen Lebens – und zugleich total krasse Erinnerungen an die «Ampel»-Zeit.
Dietmar Wischmeyer zerlegt Deutschland – pointiert, böse, brillant - gewohnt sarkastisch, messerscharf und unversöhnlich
Dietmar Wischmeyer hat wieder zugeschlagen – gewohnt sarkastisch, messerscharf und unversöhnlich. In Vergeigt, verkackt, versemmelt nimmt er sich einmal mehr die Gegenwart zur Brust, und was dabei herauskommt, ist eine literarische Generalabrechnung mit dem Zustand der deutschen Gesellschaft – zwischen politischem Dilettantismus, moralischem Übermut und digitaler Selbstverblödung. Dabei bleibt Wischmeyer seinem unverkennbaren Stil treu: bitterböse, wütend und dabei erstaunlich treffsicher. Er ist kein Menschenfreund – zumindest nicht im klassischen Sinne. Seine Texte strotzen vor Verachtung für Doppelmoral, Mitläufertum und zeitgeistige Heuchelei. Ob er auf Klimaretter mit Latte-Macchiato-Becher zielt oder die Kakophonie der Ampel-Regierung auseinandernimmt – sein Ton ist beißend, sein Blick gnadenlos. Und genau das macht dieses Buch so wirkungsvoll. Man lacht – manchmal laut, manchmal bitter. Denn die Karikaturen, die Wischmeyer zeichnet, sind oft nur minimal überzeichnete Abbilder unserer Realität. Wer meint, nicht gemeint zu sein, sollte sicherheitshalber zweimal hinschauen. Viele werden sich ertappt fühlen, andere werden Menschen darin erkennen, mit denen sie täglich zu tun haben. Die Pointen sitzen, meist tief unter der Gürtellinie, aber nie ohne Grund. Sie sollen entlarven, aufrütteln, provozieren – und hin und wieder sogar bilden. Was Wischmeyer dabei von anderen Satirikern unterscheidet, ist seine sprachliche Präzision. Seine Sätze wirken oft wie aus dem Maschinengewehr der Ironie abgefeuert – knapp, tödlich, und immer in Bewegung. Dabei schreckt er nicht vor absurden Bildern, grotesken Übertreibungen oder brutalen Zuspitzungen zurück. Sein Stil ist literarisch reizvoll, sein Humor rabenschwarz, sein Urteil gnadenlos. Und obwohl er regelmäßig übers Ziel hinausschießt, weiß man: Genau das ist Teil seines Konzepts. Er ist kein Gleichmacher, sondern ein Grenzgänger mit spitzer Feder. Natürlich wird dieses Buch nicht jedem gefallen. Wer allergisch auf Zynismus, gesellschaftliche Selbstkritik oder unbequeme Wahrheiten reagiert, wird sich hier schwer tun. Wischmeyer schreibt nicht, um zu trösten oder Lösungen anzubieten. Er schreibt, um auszuteilen, zu durchleuchten, zu zerstören – mit Stil. Und manchmal, wenn der Rauch sich legt, bleibt da tatsächlich etwas Klarheit übrig. Vergeigt, verkackt, versemmelt ist ein Buch für alle, die noch über sich selbst lachen können – und über den Rest der Welt sowieso. Wer Wischmeyer kennt, weiß, worauf er sich einlässt. Wer ihn nicht kennt, bekommt hier die volle Breitseite seiner gnadenlosen Gesellschaftsanalyse. Ein satirisches Rundum-Vollbad – heiß, scharf und garantiert nicht vegan.