Die Rhetorik der politischen Rechten verschiebt, überschreitet oft die Grenze des Sagbaren; sie widerspricht obendrein dem allgemeinen Konsens unserer Gesellschaft, missachtet ihn ganz bewusst. In ihrer profunden sprachkritischen Studie denkt Heidrun Deborah Kämper über diese Sprache und deren Gebrauch nach. Ihre Befunde werden durch Vergleiche mit völkisch-nationalistischen Texten historisch unterfüttert – mit erschreckendem Ergebnis.
Sehr wichtiges Buch, man könnte fast sagen: von Tag zu Tag wichtiger in diesen ver-rückten gesellschaftlichen und politischen Zeiten.
Leider "literarisch" kein großer Wurf, was gerade bei diesem Thema so wichtig wäre: Eine flüssig und harmonisch sich aus dem jeweils Vorgesagten ergebende Herleitung fehlt oftmals, rein technisch; statt dessen bleiben viele Passagen eher lustlos wirkende Aneinanderreihungen von Zitaten.
Das ist bedauerlich, denn dieses ebenso kleine wie feine Büchlein endet mit dem für uns alle, persönlich wie gesamtgesellschaftlich, so richtigen und zentral wichtigen Fazit und Aufruf:
"Es geht um den Schutz unserer Demokratie, und damit auch um den Schutz unserer Sprache. Es gilt, den Abnutzungsbemühungen der Rechten, ihrem Versuch, Sprache umzuwerten und ihr ihre Würde zu nehmen, etwas entgegenzusetzen."
Nur: Dieses Etwas haben noch nicht mal die Politiker:innen gefunden, die sich seit Jahren - mit einer traurigen Klimax (bis auf weiteres...) im ebenso kurzen wie unithematischen Bundestagswahlkampf 2025 - von den Rechten vor sich hertreiben lassen, indem sie auf jede (ja immer gezielte und taktisch gewollte) Provokation anspringen.
Als Gemeinschaft im Sinne des Demos, als echte Sozialgemeinschaft müssen wir alle und muß hier jede:r von uns einen Weg finden, die Sprache der Rechten als das zu entzaubern, was sie ist: ein letztlich recht krudes Werkzeug zur Spaltung der Gesellschaft, mit dem Ziel, den eigenen Machtanspruch durchzusetzen.
Völkisches Karaoke: Wenn alte Hits wieder gruselig werden Manchmal hat man das Gefühl, politische Debatten klingen wie eine kaputte Schallplatte aus den 1930ern. Heidrun Deborah Kämper liefert in „Die Sprache der Rechten“ den linguistischen Beweis: Das ist kein Tinnitus – das ist Strategie. Die Autorin legt die Rhetorik der Neuen Rechten unter das Mikroskop und zeigt: Innovation sieht anders aus. Statt neuer Ideen gibt es vor allem „Copy & Paste“ aus der dunkelsten Mottenkiste des völkischen Nationalismus. Der Trick der Rechten: Man nehme den gesellschaftlichen Konsens, zünde ihn an und behaupte dann, man habe nur mal „die Heizung aufgedreht“. Kämper zeigt messerscharf, wie die Grenzen des Sagbaren nicht zufällig, sondern mit System verschoben werden. Ein Buch für alle, die verstehen wollen, warum manche modernen Slogans so verstaubt riechen. Kämper entlarvt die „neue“ Sprache als rhetorische Zombie-Apokalypse: Totgeglaubte Wörter leben länger. Wer beim nächsten politischen Streit nicht nur genervt, sondern fundiert kontern will, findet hier seinen Waffenschein für Worte.
Besonders ab dem 3. Kapitel, in dem die Autorin die Funktionsweise sprachlicher Strategien erklärt und dann im 4. Kapitel, wo sie anhand eigener empirischer Arbeiten die sprachliche Negativtendenz in den Parlamenten illustriert, ist das Buch sehr überzeugend. Eine wichtige Handreichung für alle, die wissen und weitergeben wollen, wie sich rechte Sprache und rechtes Denken den Weg in unsere Demokratie bahnen.