Habe das Buch angelesen und dachte puh, mit den ständigen und langen Einschüben taugt mir das nicht zu lesen. Dann hörte ich Tadzio auf einer Lesung - und war begeistert. Ich hörte, wie er sprach und verstand, wie er schrieb. Als ich das Buch erneut anlas, wurde ich gepackt. Wenn es die Möglichkeit gibt, ihn zu erleben, dann diese wahrnehmen. Tadzio ist Politikwissenschaftler und Klimagerechtigkeitsaktivist der ersten Stunde. 2009 war er federführend in der Mobilisierung zum Cop15-Klimagipfel in Kopenhagen; ab 2011 Deutschlands erster Referent für Klimagerechtigkeit (Rosa-Luxemburg Stiftung), sowie Mitbegründer und später Pressesprecher bei »Ende Gelände«.
Zum Buch: Deutliche Worte, kämpferisch und unterhaltsam. Spannende Einblicke in die bisherigen Kämpfe der Bewegung. Ein ikonischer Aktivist, der sagt, wie es ist. Nicht nur für Aktivisti absolut empfehlenswert.
Tadzio Müller blickt auf die schwindenden gesellschaftlichen Einfluss der Klimabewegung seit 2018 und analysiert die Gründe für zunehmende Aggression, die dieser in der Verdrängungsgesellschaft seitdem entgegenschlägt. Dabei beschreibt er, wie die Verdrängungssymptome zum weltweiten Aufstieg des Faschismus beitragen.
Spannend sind die Einblicke in die Klimabewegung, der Müller teilweise ebenfalls attestiert, Teil der Verdrängungsgesellschaft zu sein - nur verdrängt sie nicht die Klimakrise als solche, sondern dass die Auswirkungen der Klimakrise in einem Klimakollaps münden. Müller ist Teil des anderen Flügels, weshalb er in eine Klimadepression verfiel.
Das Buch endet mit einem Ausblick darauf, wie soziale Gefüge und Bewegungen dazu beitragen können, einen Lichtblick im Kollaps zu schaffen und Personen aus der Klimabewegung aus einer Lethargie der Analyse wieder mehr Selbstwirksamkeit erfahren können. Zugegebenermaßen sind diese Ausblicke keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, machen aber dennoch Mut.
Props an Tadzio für seinen Mut und seine visionäre Kraft! Das Buch ist zu lang, repetitiv und fühlt sich schlecht lektoriert an. Abonniert besser Tadzios Blog: Friedliche Sabotage