Queer*Welten ist ein halbjährlich erscheinendes queerfeministisches Science-Fiction- und Fantasy-Magazin, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kurzgeschichten, Gedichte, Microfiction, Illustrationen und Essaybeiträge zu veröffentlichen, die marginalisierte Erfahrungen und die Geschichten Marginalisierter in einem phantastischen Rahmen sichtbar machen. Außerdem beinhaltet es einen Queertalsbericht mit Lesetipps, Veranstaltungshinweisen und mehr.
In dieser Ausgabe: Rhizom Reloaded von Martina John (Kurzgeschichte) Die verschwundene Frau von Elisa Saph (Kurzgeschichte) Morbides Wien von C. N. Stance (Kurzgeschichte) Hundert Lichtjahre Einsamkeit von Marie Meier (Kurzgeschichte) Maja, 28, w, Werwölfin von Carolin Lüders (Kurzgeschichte)
Der Regenbogen führt ins Feenreich: Eine intersektionale Rückeroberung der „Anders“-Welt? von C. F. Srebalus (Essay) Der Queertalsbericht 02/2024 Mit Schattengeschichten von: Alex, Charline Winter, Chris Balz, Sammy Heet, Jassi Etter, Jeannie Marschall, Leo Nora Grabner, Mara Schmiedinghoff, Nora Bendzko, Rebecca Reiter, Sarah Jacob, Stefanie Klawitter und Sonja Lemke
Ich mochte ausnahmsweise alle Kurzgeschichten, und sie waren wunderbar divers und abwechslungsreich. Ob die Geisterbahn in Wien, der Geist als Mitbewohnerin, die KI auf einem fernen Mond oder die datende Werwölfin und der Heist mit Pilzpunk. Am meisten mitgeschwungen habe ich glaube ich bei Hundert Lichtjahre Einsamkeit von Marie Meier (und das hatte nichts damit zu tun, dass die KI Emma hieß, auch wenn mich das erstmal besonders getroffen hat :D ).
Auch bei den Mikrofiktionen waren sehr viele abwechslungsreiche dabei die ich sehr mochte. Eigentlich gab es nur eine, mit der ich gar nichts anfangen konnte und das war überraschenderweise nicht das Gedicht (hätte ich ja sonst davor getippt).
Der Essay ist diesmal auf sehr interessante Parallelen zwischen Elfen und Queer eingegangen, mit vielen interessanten Verweisen, und beim Quartalsbericht habe ich wieder so viele Lesetipps mitgenommen, dass ich das beim nächsten Mal einfach nicht mehr lesen sollte.
Also rundum gelungene Ausgabe (abgesehen davon, dass Holly Black laut Essay 2027 etwas getan haben soll ... was immer noch ziemliche Zukunftsmusik ist)!
Eine düstere Ausgabe passend zum Herbst/Winter. Neben vielfältigen Schattengeschichten finden sich im Magazin eine Geistergeschichte, eine Pilzpunk-Erzählung, ein gruseliges Abenteuer im Wiener Prater, eine feinfühlige Geschichte über das Zusammenleben von Mensch und KI und zuletzt ein werwolfiges Datingerlebnis. Außerdem gibt es ein sehr interessantes Essay über einen intersektionalen Zugang zur Feenwelt. Es war wieder eine sehr gut ausgewählte Mischung.
Eine eher durchschnittliches Ausgabe dieses queer-feministischen SF- und Fantasy Magazins. Wobei der Durchschnitt hier ja schon ziemlich hoch und gut ist. Mich interessieren an Queer*Welten vor allem die SF Geschichten. Davon gibt es wieder zwei: “Rhizom Reloaded” von Martina John ist eine überraschend brutale Geschichte, in der Ness und Raja einen Überfall auf ein besonderes Gebäude durchführen. Interessant ist, dass Raja, eine Biohackerin, irgendwie mit dem Myzel im Moos an der Fassade des Hauses kommuniziert. Nette Pointe. In “Hundert Lichtjahre Einsamkeit” von Marie Meier lebt Helena alleine auf einer Station in der Nähe einer Sonne, die sich bald zum Roten Riesen entwickeln wird. Die Einsamkeit auf der Station ist für vorherige Besatzungsmitglieder sehr problematisch gewesen, Helena scheint aber damit zurechtzukommen. Nun wird ihr eine KI zur Seite gestellt, die sie unterstützen soll. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art Beziehung. Die Schilderung der Beziehung, die Beschreibung von Helenas Vergangenheit, aber auch das Setting der Station und die Details der astronomischen Umgebung fand ich gelungen. (Und ja: Die Anspielung im Titel wird explizit erwähnt.) Gut geschrieben war auch “Die verschwundene Frau” von Elisa Saph, in der gleich am Anfang ein Geist herumschwebt. Die neue Mieterin und der Geist - ebenfalls eine Frau - kommen sich näher. “Morbides Wien” von C. N. Stance ist eine nette Horrorgeschichte mit Wiener Lokalkolorit, in der zwei Frauen eine besondere Geisterbahnfahrt auf dem Wiener Prater erleben. “Maja, 28, w, Werwölfin” von Carolin Lüders ist ein Beitrag zum Thema Diskriminierung.
Neben einem Essay gibt es noch den übliche Queertalsbericht mit Veranstaltungs- und Lesetipps. In Queer*Welten wird auch gerne mit kurzen Texten experimentiert. Dieses Mal war die Aufgabe, sogenannte “Schattengeschichten” zu schreiben, die mit jeweils nur 13*13, also 169, Worte sehr kurz sind. Von diesen gibt es dann 13 (!) im Heft. Super Idee und “Symbiont” von Nora Bendzko gefiel mir am besten.
Eine interessante Geschichtensammlung die auch Anfänger*innen unter den Autor*innen eine Chance gibt, was man dem Erzählstil zuweilen etwas anmerkt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich dieses Heft wegen einer sehr originell erzählten Kurz-Kurzgeschichte gekauft habe, die auf den ersten Blick sehr lustig daherkommt, bis das Leseri auf einmal die Tragik dahinter entdeckt. Muss zugeben, dass ich daran ein wenig zu knabbern hatte. Was wohl die Autorin zu dieser Geschichte inspiriert hat?