Mir gefällt die Welt, die Robert Corvus uns hier weiterhin entwirft - Sturmkrähen, Ferlio, Eulgrund als Menschendorf an der Grenze zu den Orks. Aber mir fehlt am Ende die glaubhafte Intention der Handelnden, gegen die Szenu vorzugehen. Ich meine, die Szenu belagern zwar Basan-Dur mit ihrer Armee, wollen die Artefakte der Churrm an sich bringen, aber sonst? Droht hier der Untergang der Welt? Herrschen sie als Schreckensherren in ihren Protektoraten? Bedrohen sie die Handelnden in ihrer persönlichen Freiheit aktiv? So, wie es dargestellt wird, nicht. (Oder nur bedingt... Ja, das Niederbrennen des Einhornwaldes ist schon ganz schön krass, aber in seiner Singularität auch irgendwie unpassend für das sonstige Vorgehen.)
Was genau würde sich für die Vagabunden ändern, wenn die Churrm "wiedererweckt" werden - außer völliger Ungewissheit, ob man sich nicht neue, andere, womöglich noch viel grausamere Herrscher schafft? Aktuell ist das für mich ein großes Fragezeichen. Dafür verbünden sie sich nun mit den Orks um Ammatir und ziehen gemeinsam durch die Lande... Hmm.
Sind es die Artefakte selbst, die diesen Willen den Handelnden aufprägen? Drängen die Artefakte selbst, so wie Der Eine Ring, auf die Machtergreifung ihrer Herrscher? Das könnte sein, aber dafür fehlen mir ein wenig die Hinweise im Text selbst. Es wird ja nicht geschildert, dass die Erfüllten Biata, Allym und Imilio den anderen Vagabunden merkwürdig "getrieben" erscheinen, oder dass alle Individuen, die in die Nähe der Artefakte kommen, beeinflusst erscheinen.
Mit Lutetia wird zudem eine weitere, sehr mysteriöse Charakterin eingeführt, die für mich auch ein wenig darunter leidet, dass sie nicht aus der Innensicht geschildert wird. So bleibt aus der Außensicht eine frustrierte, sexsüchtige, abartige junge Frau übrig. Nichts davon ist für die Mittelalter-Fantasy, die RC hier aufbaut, im tatsächlichen Sinne unpassend, aber es ist eine überraschende Intensität, mit der diese Eigenschaften geschildert werden, die vorher nicht aufgetreten ist. Das überrascht mich auch deshalb, weil Robert Corvus in meinen Augen sonst immer sehr auf exakte Sprache und vor allem nuancierte, logische und nachvollziehbare Schilderungen Acht gibt.
Insgesamt ist es aber dennoch eine Geschichte, die ich gerne lese - weil die Welt als Gesamtheit stimmig ist und die Immersion leicht fällt. 3/5