Mit diesem Roman liefert Brandon Q. Morris einen, für ihn, ungewöhnlichen Roman ab, ich weiß gar nicht, ob man ihn wirklich als Hard Science Roman bezeichnen kann, dafür ist die Handlung und auch die wissenschaftliche Welt des Romans zu spekulativ, um wirklich als ernsthafter Beitrag zur Hard Science wahrgenommen zu werden.
Die Menschheit ist unsterblich geworden und hat sich im All ausgebreitet, völlig alleine, denn andere vernunftbegabte Spezies wurden nicht entdeckt. Die Handlung spielt sich über Jahrmilliarden ab, die Erde und unsere Sonne sind längst vergangen, Jahrmilliarden nach dem Untergang der Erde streifen die letzten Menschen durchs All und versuchen Ihre Unsterblichkeit bis ins Unendliche auszudehnen.
Witzigerweise tragen die Protagonisten des Romans Namen berühmter Persönlichkeiten des letzten Jahrtausends. Der Hauptprotagonist ist Johannes Kepler, der mit Wang Zhenyi verhindern will, dass die Menschheit ihr letztes, großes Projekt durchzieht, nämlich die Verwandlung von Sagittarius A* (dem supermassiven schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße) in einen Quasar, um damit Energie für das Überleben zu gewinnen (!!!). Beide wollen das verhindern, weil sie eine vernunftbegabte Spezies entdeckt haben (intelligente Gräser), die ansonsten durch den Quasar umkommen würden. Doch Pierre & Marie Curie, die sich beide einen Körper teilen, sind noch fieser, sie wollen durch einen massiven Masseeinwurf ins Schwarze Loch noch weitergehen, dadurch erhoffen sie sich den Collaps des gesamten Universums....
Wie gesagt, die Handlung ist absurd; aber irgendwie doch interessant. Sie zieht sich durch gigantische Zeiträume, Millionen- und Milliarden von Jahre sind überhaupt kein Problem, die Menschen machen sich neue Körper, wenn der alte dahin ist, wenn man das so liest, hat man das Gefühl, dass jeder jeden kennt und das Wort Unmöglich gibt es nicht. Wenn was physikalisch nicht passt, wird es passend gemacht, damit wird jede ernsthafte Auseinandersetzung mit den neuesten Erkenntnissen der Kosmologie ad Adsurdum geführt. Immerhin zeigt sein wissenschaftlicher Anhang am Schluss des Romans "Die neue Biografie des Universums" dass der Autor Ahnung von der Materie hat und sein wissen kompetent rüberbringt.
Manchmal, in seinen besten Momenten, hat mich der Roman an Alastair Reynolds "Das Haus der Sonne" erinnert, genauso einsam ziehen die Protagonisten bei Brandon Q. Morris durchs All. Dass Johannes Kepler wie ein 15jähriger hinter einer Traumfrau wie Wang Zhenyi hinterher ist, geschenkt...
Ich hatte Spaß am Lesen, allerdings kann ich den Inhalt nicht recht ernstnehmen...
Dass es noch einen 2. Teil gibt, habe ich erst zum Schluß wahrgenommen, ob ich den noch lese, muß ich mir noch schwer überlegen...