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Wir Ostpreußen: Eine ganz gewöhnliche deutsche Familiengeschichte | 80 Jahre nach der Flucht: eine Reise zurück.

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Unser Gut

Der detaillierte Fluchtbericht seiner Großmutter ist Ausgangspunkt für Jochen Buchsteiners Buch über Ostpreußen. Persönlich aber unsentimental verfolgt er den Weg der Gutsbesitzerfamilie in den Westen und spürt dabei dem Verlust nach, der nicht nur den Betroffenen entstanden ist. Es entsteht ein Portrait der fast vergessenen deutschen Provinz, die in ihrer Tragik, aber auch in ihrer historischen und kulturellen Einzigartigkeit sichtbar wird – als verdrängter Teil unserer nationalen Identität. Zwei Generationen nach Marion Gräfin Dönhoff liefert Jochen Buchsteiner eine Familienerzählung, die einen frischen Blick auf die deutsche Vergangenheit wagt.

262 pages, Kindle Edition

Published May 8, 2025

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Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Jaspar.
50 reviews
October 7, 2025
Mir hat das Buch sehr gefallen. Ich mochte die Erzählweise von Jochen Buchsteiner: unsentimental und dennoch eindringlich, indem er das Persönliche (Das Leben und die Flucht seiner Großmutter) mit dem Politischen verbindet. Die Mischung aus der Fluchtgeschichte seiner Familie und der Deutung aktueller politischer Entwicklungen verleiht dem Text eine unerwartete Tiefe. Ich habe viel über die preußische und die eng damit verwobene deutsche Geschichte erfahren.

Beeindruckt hat mich auch, wie deutlich wird, dass etwas Sterbendes – eine Region, eine Kultur, eine Lebensweise – weiterhin Wirkung auf die Gegenwart entfalten kann. Landschaft, Erinnerung und Verlust sind präsent, aber ebenso die Reflexion darüber, wie Politik und individuelle Schicksale untrennbar miteinander verbunden sind. Und dass die „Ostpreußen-Frage“ nicht abgeschlossen ist. Für mich ein starkes und nachdenklich machendes Buch.

Ein abschließender Gedanke zur ungerechten und schlechten Behandlung der deutschen Zivilbevölkerung durch ihre eigene politische & militärische Führung und durch die Siegermächte, allen voran der Sowjetunion: Das deutsche Reich hat den zweiten Krieg ausgelöst und damit lag es in deutscher Hand, ob Millionen von europäischen Zivilsten eine furchtbare Zeit und massenweise Folter und Tod hatten oder nicht. Das kann bei der Bewertung der Frage, wie Deutsche mit dem Verlust der ostdeutschen Gebiete nach 45 und bis heute umgehen nicht weggedacht werden. Das kam mir manchmal zu kurz - so traurig oder unverdient das Schicksal der deutschen Zivilbevölkerung Ostpreußens auch ist.
42 reviews
June 29, 2025
Das Buch erzählt quasi meine eigene Familiengeschichte. Die Erzählungen meiner Großmutter, die 1944/1945 mit meinem Vater aus Ostpreußen flüchten musste, deckt sich 1:1 mit den Beschreibungen hier im Buch. Als ich 1996 und 2005 im jetzt russischen Teil Ostpreußens war, war ich überwältigt von der Schönheit und Melancholie dieser Region. Ich kann nur erahnen, wie man sich fühlen muss, wenn man seine Heimat, sein Gut, sein Haus hinterlassen muss, um mit Todesangst zu flüchten.
696 reviews11 followers
May 26, 2025
Wie lange hallt Vergangenheit, insbesondere ein Trauma aus der Vergangenheit, nach? Vor allem dann, wenn noch lebendige Erinnerung an unmittelbar Betroffene vorhanden ist, erhält sie sicher eine persönliche Note. Das ist mir beim Lesen von "Wir Ostpreußen" von Jochen Buchsteiner deutlich geworden. Das Buch ist sowohl eine Familiengeschichte als auch die Geschichte der Flucht mit einem Treck aus Ostpreußen, über das Haff, beispielhaft für das Schicksal von 14 Millionen Menschen aus den früheren deutschen Ostgebieten am Ende des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach.

Buchsteiners Großmutter, die aus einer Gutsbesitzerfamilie stammte, hatte kurz vor ihrem 90. Geburtstag die Geschichte ihrer Flucht für die Enkel aufgeschrieben - Jahre später machte sich Buchsteiner zusammen mit seinem Vater und seinem ältesten Sohn selbst auf den Weg, diese verlorene Heimat kennenzulernen und auf umgekehrtem Weg der Route der Großmutter zu folgen. Gleichzeitig erzählt er die Lebensgeschichte seiner Großeltern und die Wurzeln der Familie. Es ist ein persönlicher Blick, mit manchem Sentiment, aber unsentimental.

Nicht alles, was er sehen wollte, war erreichbar: Das historische Ostpreußen gehört mittlerweile teils zur russischen Exklave Kaliningrad - das frühere Königsberg, andere Teile sind heute polnisch oder litauisch. Und während eine Reise in die EU-Staaten Polen und Litauen unproblematisch ist, ist ein Besuch im russischen Gebiet auch schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine mit viel komplizierter Bürokratie verbunden. Insofern ist mancher Sehnsuchtsort für Buchsteiner unerreichbar.

Und ein Sehnsuchtsort ist Ostpreußen für den Autor wohl bis in die Gegenwart - nicht im Sinne revanchistischer Ansprüche, sondern in einem verklärten Bild eines geheimnisvollen Landes voller Schönheit, mit einem weiten Himmel und ländlicher Idylle. Das ist vielleicht auch der Herkunft geschuldet. Das Leben einer Gutsbesitzerfamilie sah anders aus als das ihrer Landarbeiter, oder eines schlesischen Bauern oder der Stahlarbeiter oder Bergleute in Oberschlesien. Für die einen war die Fallhöhe besonders groß, weil sie viel mehr Wohlstand und angenehmen Lebensstil zu verlieren hatten, aber am Ende waren sie alle entwurzelt und als Flüchtlinge in einem zerstörten Land, in dem sie nicht unbedingt als willkommene Landleute galten.

Dass die Geschichte weitergegangen ist, ist bei der Reise der Erinnerung für den Autor mitunter bedauerlich: Statt ländlicher Alleen eine Schnellstraße, riesige Werbeplakate am Straßenrand, Fertighaussiedlungen und Verkehrskreuze. "Polen umarmt das Neue mit der grimmigen Entschlossenheit des Erben, der Abstand zur Vergangenheit schaffen will", schreibt Buchsteiner, sehnt sich ein bißchen nach dem schäbigen Idyll, das Ralph Giordano bei einer Jahre 30 Jahre zuvor beschrieb, "Etwas Banales hat sich eingeschlichen, die Banalität der Globalisierung, die man mit dem mythischen Ostpreußen nicht recht in Verbindung bringen will."

Das erinnert an die Enttäuschung der Nachkommen deutscher Auswanderer, die Deutschland nur aus Familienüberlieferungen kennen und bei einem Besuch erstaunt sind, statt der erwarteten Fachwerkidylle ein ganz anderes und deutlich internationaleres Land vorzufinden. Gespräche mit den heutigen Einwohnern bleiben an der Oberfläche, oder scheinen der Beschreibung zufolge ein wenig verkrampft. Insofern bleibt es ein deutscher Blick auf Ostpreußen. Schade eigentlich, denn in den vergangenen 20 bis 30 Jahren haben sich in Polen viele Initiativen in den Gebieten gegründet, die "poniemieckie" sind, wo früher Deutsche lebten. Und junge Menschen, die dort längst ihre Wurzeln haben, arbeiten die Geschichte über das Erbe derjenigen auf, die dort einst lebten.

Profile Image for Wal.li.
2,573 reviews72 followers
May 10, 2025
Die Erzählung einer Familie

Als sie schon hochbetagt ist, beginnt die Großmutter des Autors eine Lücke in der Familiengeschichte zu füllen. Nach dem Krieg hatte sie sich eine Existenz in Arolsen in der Nähe von Kassel aufgebaut. Ursprünglich stammte die Familie allerdings aus Ostpreußen. Dort bewirtschaftete sie ein großes Gut. Ende Januar 1945 rückte die Ostfront immer näher und Großmutter Else, die damals natürlich noch jung war, entschied, es sei an der Zeit zu gehen, bevor man nicht nur Hab und Gut, sondern auch Leib und Leben verliere. Else, deren Mann bereits gefallen war, stellte einen Treck aus über 80 Personen zusammen. Gemeinsam machten sie sich auf den beschwerlichen Weg in eine erhoffte Sicherheit.

Großmutter Else verfasst einen ausführlichen Bericht, den der Autor und Enkel mit eigenen Worten und Einfügungen wiedergibt. Zusätzlich beschäftigt er sich selbst mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung, was über den Rahmen, den die Großmutter gesetzt hat, hinausgeht. Er nimmt eine Einordnung aus heutiger Sicht vor, immer bedenkend, dass es das Leid nicht gegeben hätte, hätte Hitler sich nicht erdreistet, den Krieg vom Zaun zu brechen. Doch das Leid hat es gegeben. Aus Verantwortungsbewusstsein sah Großmutter Else keine andere Wahl als sich und die Bewohner des Gutes in Sicherheit zu bringen. Die Kinder waren schon vorausgeschickt worden.

Auch wenn man selbst keinen Bezug zu Ostpreußen hat, kann man diesen Bericht mit großem Interesse lesen. Man stellt fest, dass doch etliches aus dem Geschichtsunterricht in Vergessenheit geraten ist. Viel wurde wohl auch nicht erwähnt. Von Flucht und Vertreibung war nicht viel die Rede, mal wollte in der neuen Nachkriegswelt ankommen. Und nun doch einmal darüber zu lesen, anzuerkennen, dass Flüchtlinge und Vertriebene es auch nicht einfach hatten, vervollständigt ein Bild, dessen wichtigere Teile vom Holocaust, von Überfällen und verdienter Niederlage künden. Als sehr lesenswert kann die Mischung zwischen authentischem Bericht und geschichtlicher Einordnung empfunden werden. Man merkt, dass ein versierter Journalist hier die Feder zur Hand genommen hat. Es ist an der Zeit sich erneut und immer wieder mit der Geschichte zu beschäftigen.

4,5 Sterne
Profile Image for Mia Kruska.
14 reviews
October 22, 2025
Da ich selber Wurzeln in der Region habe und meine Familiengeschichte prägt, konnte ich das Buch nur in kleineren bis größeren Etappen lesen, um den Inhalt nachwirken zu lassen. Dem Autor ist es hervorragend gelungen diesen unterrepräsentierten Teil deutscher Geschichte wieder aufleben zu lassen, ohne in einen rückwärtsgewanten Nationalismus zu verfallen und dennoch wird klar, wie ambig die persönliche Auseinandersetzung mit dieser Region als deutsche Person sein kann.
Melancholisch wie auch erhellend. Besonders im letzten Teil, wenn der Autor Bezüge zur heutigen geopolitischen Lage zieht und sich fragt, ob dieses Geschichtskapitel wirklich überwunden ist, in einer Zeit des wachsenden Nationalismus und des erstarkenden Autoritarimuses.
Abseits dieser politischen Abstraktionsebene, hat mir dieses Buch dabei geholfen meine Familiengeschichte besser einzuordnen und die Art meiner Großeltern besser nachzuvollziehen
Profile Image for Susanne Krollik.
36 reviews
October 30, 2025
Der Bericht über die Flucht der Großmutter ist berührend, wurde aber so oder so ähnlich schon oft erzählt.
Die eigentliche Sensation sind die Betrachtungen von Jochen Buchsteiner. Seine historische Einordnung. Ein Buch, das nachdenklich macht.
Profile Image for Lill.
12 reviews
December 24, 2025
Einfach nur zu Empfehlen - die Historie der Deutschen in Ostpreußen wird mit aktuellen Geschehnissen verbunden und erklärt dabei, dass manche Sachen sich wohl nie großartig unterscheiden werden.

Egal ob man Ostpreußische Wurzeln hat oder nicht, dieses Buch sollte ein Muss zum Lesen werden.
Profile Image for Dr..
38 reviews
January 28, 2026
* Ostpreußen: mittelosteuropäische Einwanderungsgesellschaft mit preußisch-deutscher Leitkultur. S. 174
* Nikolaus Kopernikus: Deutscher oder Pole? Weder noch oder beides?
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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