Ein Wildhüter und ein Flüchtlingsjunge auf der Spur eines Mythos
Fichtelgebirge, 1630. Die calvinistische Familie des jungen Johann versucht, sich eine neue Existenz in einem entlegenen Dorf aufzubauen. Unterdessen grübelt der Junge über das Schicksal der Kinder des Ortes. Wer oder was hat zwei von ihnen getötet und wohin sind alle anderen verschwunden? War es der legendenumwobene »Wilde Jäger« – ein Wolfsmann, der im dicht bewaldeten Gebirge sein Unwesen treiben soll? Parallel trifft der wortkarge Wildhüter Hildner ein – ein roher Ex-Söldner, vom Markgrafen entsandt, um für Ruhe in der Gegend zu sorgen. Als Johann den Wilden Jäger mit eigenen Augen sieht, schweißt das Wildhüter und Knaben Gemeinsam begeben sie sich auf die Spur des nebulösen Wesens und blicken in ungeahnte Abgründe.
»Abrupt blieb Johann stehen und der Wagen rumpelte vor ihm weiter über den sandigen Waldboden davon. Ihm war schlagartig klar geworden, was so anders an diesem Ort war. Warum war ihm das nicht früher aufgefallen? Das Dorf war nicht nur klein. Es war ein Dorf ohne Kinder.«
Mystisches Setting und Atmosphä ein entlegenes Dorf ohne Kinder im Fichtelgebirge und ein unheimliches Wesen, das nachts die bewaldeten Höhen durchstreift
Kinder verschwinden. Leichen werden gefunden. Der Werwolf geht um. Wie das alles in einen Historischen Roman passt, der keinesfalls in die Phantastik abgleitet, das erzählt der Autor in seinem knackig kurzen Zeitportrait, in unter 400 Seiten. Tim Sünderhauf gelingt es hervorragend, Land und Leute in den historischen Kontext zu packen. In Zeiten der Reformation kämpfen Katholiken und Protestanten verbittert gegeneinander. Der Autor beleuchtet Mythen und Ängste der Bevölkerung eines kleinen Dorfes im Fichtelgebirge und die üblen Folgen von Aberglauben und religiösem Übereifer. Bis auf den fiktiven Haupthandlungsort wurden alle geographischen sowieso politischen Zustände originalgetreu wieder gegeben. Die Geschichte hat mich jederzeit mitgerissen. Der phänomenal gute Weltenbau ließ mich die Atmosphäre des Waldes gewissermaßen mit atmen. Die ungewisse Bedrohung im Hintergrund, verursacht von Land, Leuten und der Tierwelt, sorgte für Dauerspannung. Es war alles drin, was ich mir gewünscht hatte. Emotionale Schockmomente inklusive. Danke für die Reisebegleitung. Der 30jährige Krieg und seine katastrophalen Folgen für die Menschen hat mich schwer beschäftigt. Auch nachhaltig!
Dieser historische Roman beginnt sehr spannend und vielversprechend. Da ich als Kind sehr viel Zeit im Fichtelgebirge verbracht habe, wo dieser Roman spielt, habe ich viele Orte wiedererkannt und war regelrecht fasziniert davon, diese in einem spannenden historischen Kriminalroman wiederzufinden. Die ersten 250 Seiten habe ich regelrecht verschlungen. danach wird es allerdings wahnsinnig langatmig und die ganze Geschichte verliert sich in die Bedeutungslosigkeit. Der Kriminalfall, welcher zu Beginn die Handlung trägt wird zunehmend in den Hintergrund geschoben und die Auflösung dessen wird mit einem kleinen dramatischen Einschub über den 30 jährigen Krieg verwässert und endet unspektakulär in einem Nebensatz.
Was mega gut angefangen hat, wurde gegen Ende hin zu einer meiner größten Enttäuschungen des Jahres...
Habe schon einige historische Romane gelesen, aber dieses hier ist erfrischend anders. Die Protagonisten, die Naturbeschreibungen, die Zeit und das in jedem Zeitalter irgendwie gleiche Böse.
Rätselhaft, unheimlich, packend "Die Wölfe unter uns" ist ein faszinierendes Werk, das den Leser in eine geheimnisvolle und unheimliche Welt des 17. Jahrhunderts entführt. Das Buch spielt im Fichtelgebirge um 1630 und erzählt die Geschichte eines Wildhüters und eines Flüchtlingsjungen, die gemeinsam einem mystischen Wesen auf der Spur sind. Besonders beeindruckend an dem Roman ist seine dichte Atmosphäre, die das unheimliche Setting perfekt einfängt. Dem Autor gelingt es, die Stimmung der damaligen Zeit einzufangen, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Die Charaktere wirken authentisch und glaubwürdig, auch wenn sie dunkle Seiten zeigen. Das Dorf, das im Buch beschrieben wird, ist ein abgeschiedener Ort ohne Kinder – eine Szenerie, die sofort Gefühle von Einsamkeit und Beklommenheit weckt. Der Schreibstil ist ruhig und unaufgeregt, doch genau darin liegt die besondere Spannung. Die Handlung entwickelt sich auf eine unaufdringliche Weise, die den Leser tief in die Geschichte eintauchen lässt. Besonders die übernatürlichen Elemente und das unheimliche Wesen, das nachts durch die Wälder zieht, sorgen für eine packende Atmosphäre, die bis zum Ende anhält. Und schließlich hält Tim Sünderhauf noch eine überraschende Wendung bereit, die den Verlauf der Geschichte perfekt abrundet und für einen stimmigen Abschluss sorgt. Das Buch bietet außergewöhnliche Lesestunden und lässt einen nach dem Lesen noch lange darüber nachdenken, was sich hinter den Kulissen der Geschichte verborgen haben könnte. Zusammenfassend ist "Die Wölfe unter uns" ein gelungenes Debüt, das mit seiner Stimmung, den glaubhaften Figuren und dem faszinierenden Setting begeistert. Für Fans von historischen Geschichten mit übernatürlichem Einschlag ist dieses Buch absolut empfehlenswert. 5 Sterne.